3. Oktober 2016

Begrifflichkeiten der Weidmannssprache

Dieser JAGDFAKTEN Artikel informiert Sie darüber, wie lange es die Jägersprache schon gibt und was die einzelnen Begrifflichkeiten der Weidmannssprache bedeuten:

Die Weidmannssprache

ist die Jägersprache und damit ein wichtiger Teil des jagdlichen Brauchtums. Viele jagdliche Redewendungen nutzen wir auch im täglichen Gebrauch, etwa

  • „durch die Lappen gehen“,
  • „auf die Sprünge helfen“,
  • „Fährte aufnehmen“,
  • „Lunte riechen“ oder
  • „auf der Strecke bleiben“.

Übrigens: Als „Jägerlatein“ bezeichnet man übertriebene oder gar erfundene Geschichten über Jagdabenteuer. Jägerlatein und Weidmannssprache sind also zu unterscheiden.

Die Weidmannssprache lässt sich bis in das 7. Jahrhundert zurückverfolgen. Vorerst in die Gemeinsprache eingebunden, nahm sie zur Zeit der beginnenden Feudaljagd um Karl den Großen eine rasche Entwicklung zur Fachsprache der Jäger.

Rund 13.000 Begriffe umfasste der Wortschatz im Laufe der Zeit, doch nur etwa 3.000 bis 6.000 sind gegenwärtig im Gebrauch. Die Jägersprache ist „Zunft“- und Standessprache, die sich sehr bildhafter Ausdrücke bedient.

Ein guter, also „gerechter“ Jäger schafft es, sich unter Jägern in der Weidmannssprache auszudrücken. Im Umgang mit jagdlichen Laien vermeidet er diese jedoch aus Rücksicht.

Am bekanntesten ist wohl der jagdliche Gruß, „Weidmannsheil“. Er drückt einerseits den Wunsch für ein erfolgreiches Jagen aus und ist andererseits Glückwunsch zur erjagten Beute.

Für den alltäglichen Gruß ist er nicht gedacht, sondern stets nur für den Weg zur Jagd, bei der Jagd und beim Abschied von dieser sowie zu Beginn und am Ende jagdlicher Ereignisse. Bedankt sich der Jäger, so tut er dies mit dem Wort „Weidmannsdank“.

Wichtig ist auch der Begriff der „Strecke“. Darunter versteht man das in einem bestimmten Zeitraum (Jagdtag, mehrtägige Jagd oder auch Jagdjahr) erlegte, also gestreckte Wild. Dieses wird immer auf die rechte Körperseite aufgelegt, denn dies soll verhindern, dass die Erddämonen in das Wild eindringen.

Unterschieden wird

1) nach Schalenwildstrecke: Rotwild, Gamswild, Rehwild, Muffel, Schwarzwild – wobei innerhalb der einzelnen Wildarten nach Stärke gereiht wird,

2) nach Niederwildstrecke: Haarwild wie Fuchs, Hase und Kaninchen, und Federwild wie Fasan etc. – auch hier wird innerhalb der einzelnen Tierarten nach Stärke (bzw. Geschlecht) gereiht,

3) sowie nach gemischter Strecke: Schalenwild vor Niederwild. „Schalenwild“ sind übrigens die Huftiere – die beiden Paarhufe sind die „Schalen“.

 

Begrifflichkeiten der Weidmannssprache – die Wichtigsten im Überblick:

  • Annehmen: Wenn wehrhaftes Wild denjenigen, der ihm zu nahe kommt, angreift.
  • Anstand: Wenn der Jäger ein Stück Wild von einem geschützten Platz aus abpasst.
  • Ansprechen: Wenn Jäger Wildtiere „ansprechen“, stellen sie Geschlecht, Alter, Verhalten, Lautäußerungen und Konstitution fest.
  • Aufstoßen: Wenn der Jagdhund ein Wild findet und es aus seinem Versteck jagt.
  • Ausmachen: Der Jäger entdeckt ein Wild.
  • äsen: fressen
  • Bache: weibliches Schwarzwild
  • Balz: Fortpflanzung beim Federwild
  • Fähe: Füchsin
  • Fahne: der Schwanz eines langhaarigen Jagdhunds
  • Fang: Maul des Fuchses
  • Frischling: Nachwuchs des Schwarzwilds
  • Fuchsrüde: männlicher Fuchs
  • Gamsbart: längere Haare entlang des Rückgrats des Gamsbocks
  • Geräusch: Herz, Lunge und Leber des erlegten Tieres
  • großer Hahn: Auerhahn
  • Haken schlagen: Wenn der Feldhase beim Flüchten die Richtung ändert.
  • hochbeschlagen: weibliches Wild, das hochschwanger ist
  • Hosenflicker: 2- bis 3-jähriges männliches Wildschwein
  • Infanterist: laufender Fasan
  • Keiler: männliches Schwarzwild
  • Krucken: Gehörn des Gams
  • Laut geben: wenn der Jagdhund bellt
  • Licht: die Augen des Schalenwildes
  • liegen: Wild, das nach dem Schuss verstorben ist
  • Lunte: Schwanz des Fuchses
  • Mauser: Wechseln des Federkleids des Federwilds
  • Mönch: geweihloser Hirsch
  • Platzhirsch: der Hirsch, der den Brunftplatz beherrscht
  • Röhren: Laute des Rothirschen in der Brunft
  • Satz: Jungen, die die Häsin zur Welt gebracht hat
  • Schälschäden: Abnagen von Rindenstücken (im Winter) oder das Abziehen ganzer Rindenstreifen (im Sommer) von Bäumen vor allem durch Rotwild
  • Schüsseltrieb: das gemeinsame Essen nach Beendigung der Jagd mit anschließendem gemütlichen Beisammensein
  • Schneider: junger Hirsch mit geringem Geweih, aber auch junger Auer- oder Birkenhahn sowie der erfolglose Jäger selbst
  • Schrank: der Abstand der Hufabdrücke von Hirsch, Reh, Wildschwein, der auf die Körperstärke schließen lässt
  • Spiegel: Haarkranz beim Schalenwild, der auffällig anders gefärbt um das Hinterteil vorhanden ist
  • streichen: Flugwild fliegt nicht, sondern „streicht“
  • Tier: weibliches Rotwild
  • Trommeln: Wenn der Hase mit den Hinterläufen auf den Boden aufschlägt.
  • Verbissschäden: Abbeißen von Knospen, Blättern oder Zweigen vor allem an landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich erwünschten Pflanzen durch Wild
  • Wind bekommen: Riechen der Wildtiere
  • Zu Felde rücken: Wenn sich der Hase vom Wald auf das Feld begibt.

 

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