DAS MUFFLON
ein kurzer Steckbrief

Name: Muffelwild (Ovis ammon musimon); männlich: Widder; weiblich: Schaf oder Muffelschaf; nach einem Jahr bis zum ersten Nachwuchs (Setzen): Schmalschaf; Junge: Lamm auch Widderlamm (männlich) und Schaflamm (weiblich)
Tierfamilie: Haarwild, Schalenwild, Wiederkäuer, Hornträger
Größe: Kopf-Rumpf-Länge bis 120 cm; Schulterhöhe etwa 70 bis 90 cm;
Gewicht: Widder: 40 bis 55 kg, Schaf: 30 bis 40 kg

Brunftzeit: Hauptzeit: Oktober und November, kann bis Dezember andauern
Tragzeit: rund 4 – 5 Monate
Setzzeit: März – Mai
Junge: 1 (selten 2)

Wann ist das Muffelwild aktiv

Muffelwild ist tagaktiv und lebt gerne in Rudeln.

Lebensraum des Muffelwildes

In Österreich kommt das Muffelwild in Kolonien in allen Bundesländern vor, vom Flachland bis ins höhere Mittelgebirge. In Wien sind sie im Lainzer Tiergarten in freier Wildbahn zu finden. Ursprünglich stammt das Muffelwild aus Korsika und Sardinien. Alle anderen Kolonien außerhalb dieser beiden Inseln gehen auf ausgesetzte Tiere aus dem 18. und 19. Jahrhundert zurück. Von Natur aus bevorzugt es offene Gebirgslandschaften und trockene, auch steinige Böden. Mit hohen Schneelagen kommt dieses Wildtier nicht zurecht.

Muffel:
Aussehen und Merkmale

Mufflons gehören zu den Wildschafen, sind die kleinste Unterart in der nördlichen Erdhälfte und haben einen eher massiven, stämmigen Körperbau.

Rein optisch sind Männchen und Weibchen – neben dem Größenunterschied – vor allem durch das Gehörn zu unterscheiden. Während die Schafe nur selten kleine Hornstummel tragen, sind bei den Widdern die kreisförmigen Hornschnecken wuchtig und auffallend. Im Alter von etwa einem Monat beginnen beim männlichen Jungen („Widderlamm“) bereits die Gehörne zu wachsen. Schon nach dem ersten Lebensjahr weist das Gehörn eine Länge von circa 20 Zentimeter auf. In den Wintermonaten wird das Wachstum wie bei allen gehörntragenden Wildarten eingestellt. Das stärkste Wachstum weist die Schnecke im zweiten Lebensjahr auf. Ab dem fünften bis zum sechsten Lebensjahr geht das Längenwachstum stark zurück. Die Schnecke kann bei alten Widdern eine Länge von über 80 Zentimeter erreichen. Das Alter des Muffelwidders kann an den Jahresringen abgezählt werden.

Was ist der Unterschied zwischen Horn und Geweih?

Die einfachste Unterscheidung ist die Folgende: Das Geweih wird jedes Jahr abgeworfen und wächst jedes Jahr wieder neu, Hörner wachsen ein Leben lang weiter. Zudem unterschieden sich die beiden im Aufbau: Geweihe bestehen aus Knochensubstanz, das Gehörn – wie der Name schon sagt – aus Hornsubstanz.

Charakteristisch für den Muffelwidder ist die sogenannte „Schabracke“, ein heller Sattelfleck (seitlich am Körper) der vor allem im braun bis schwarzbraunen Winterhaar auffällt. Beim helleren, rotbräunlichen Sommerhaar hebt sich der Sattelfleck farblich weniger ab. Muffelschafe unterscheiden sich neben dem Gehörn auch farblich von den Männchen. Ihr Fell ist im Winter eher graubraun und im Sommer hellbraun mit gelbgoldener Färbung.

Die langen, mähnenartigen Haare in Bereich des Trägers (Hals) werden „Vlies“ genannt. Die Gesichtsfärbung, in der Jägersprache auch „Maske“ genannt, ändert sich mit dem Alter.

Wovon ernährt sich das Mufflon?

Das Muffelwild ist ein Wiederkäuer und, wie alle Wildschafe, ein typischer Grasfresser. Im Sommer ernährt es sich überwiegend von Gräsern und Sträuchern. Im Winter sind Gräser bei hoher Schneelage schwerer zu erreichen, sodass es sich vermehrt den Sträuchern sowie den Trieben von Laub- und Nadelbäumen zuwendet. Die dadurch entstehenden Verbiss- und Schälschäden können gebietsweise gravierend sein.

Lebensweise und Fortpflanzung

Die Paarungszeit des Muffelwildes wird Brunft genannt und findet im Oktober und November, manchmal auch bis Dezember statt. Die Trächtigkeitsdauer beträgt rund 22 Wochen. Zwischen März und Mai setzt (gebärt) das Schaf für gewöhnlich ein Lamm, selten auch zwei. Die Jungtiere können bereits ab den ersten Tag selbst gehen und werden etwa fünf Monate gesäugt. Nach bereits einem Jahr sind Mufflons geschlechtsreif.

Während der Brunft kann es zu Kämpfen zwischen Widdern kommen. Dabei stoßen sie massiv mit ihren Schädeln und Hörnern gegeneinander. Dieser Krach ist oft kilometerweit zu hören.

Das Mufflon ist ein sehr standorttreues Wildtier und lebt in Rudeln, wobei es Widder- und Schafrudel gibt. Jungwidder schließen sich meist nach zwei oder drei Jahren einem Widderrudel an. Beide Rudel werden von erfahrenen Tieren angeführt. Ältere Widder verlassen im Sommer manchmal das Rudel und ziehen dann in kleineren Einheiten umher.

Besonders gut ausgeprägt ist der Sehsinn. Durch die seitlich liegenden Augen haben sie ein sehr großes Blickfeld und können Feinde auch auf die Entfernung von einem Kilometer wahrnehmen. Bei Widdern kann das Blickfeld durch die Hörner beeinträchtig werden. Auch der Hör- und Geruchssinn sind beim Mufflon gut ausgebildet. Der Hörsinn spielt vor allem bei der Kommunikation der Tiere eine wichtige Rolle. Wittern sie Gefahr, so geben sie pfeifartige Zischlaute von sich. Kommt dieser Warnruf vom Leittier flüchtet das gesamte Rudel sofort. Generell sind die Laute des Mufflons jenen des Hausschafs sehr ähnlich, weshalb auch hier oft von „meckern“, „bähen“ und „blöken“ gesprochen wird. Verliert ein Tier sein Rudel, so kann es dank seines Geruchssinns die Fährt meist wieder aufnahmen und zurückkehren.

Ihr Fluchtverhalten entspricht dem eines Hochgebirgswildes. Es versucht in eher unwegsames Gelände zu fliehen. Im offenen Raum ist ihre Fluchtdistanz meist sehr kurz, weswegen sie eine leichte Beute für ihre natürlichen Feinde sind. Bei den Jungtieren werden zumeist nur schwache, kranke Tiere von Adlern, Füchsen oder Wildschwein angegriffen. Ausgewachsene Mufflons haben wenige natürliche Feinde. Größere Verluste entstehen zumeist durch wildernde Hunde bzw. den Luchs und Wolf. Die natürliche Lebenserwartung des Muffelwilds beträgt bis etwa 20 Jahre.

Beobachten von Muffelwild

Mufflons sind tagaktive und eher scheue Tiere. Sie schätzen abwechslungsreiche Reviere mit unterholzarmen Waldabschnitten und Wiesen. Am ehesten sind sie in offenen, lichten Laub- und Mischwäldern zu finden.