Wir nutzen sie täglich, sie gehören wie selbstverständlich zu unserem üblichen Sprachgebrauch: Redewendungen.
Jeder von uns ist sicherlich schon mehrfach „auf der Leitung gestanden“ oder war „auf 180“. Vor Prüfungen haben wir „Lampenfieber“ und wenn unsere Kinder nicht brav sind „lesen wir ihnen die Leviten“.

Was vielen vielleicht nicht so bewusst ist: viele Redewendungen, die heute Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs sind, stammen ursprünglich aus dem jagdlichen Umfeld. Vermutlich haben auch Sie die eine oder andere schon mehrfach verwendet:

JAGDLICHE
REDEWENDUNGEN

In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über die folgenden Redewendungen:

  • „durch die Lappen gehen“
  • „auf die Sprünge helfen“
  • „Fährte aufnehmen“
  • „Lunte riechen“
  • „auf der Strecke bleiben“
  • „ein alter Hase sein“
  • „wissen wie der Hase läuft“
  • „jemanden ins Gehege kommen“
  • „von etwas Wind bekommen“
  • „sich vor etwas drücken“
  • „jemanden aufs Korn nehmen“
  • „in die Binsen gehen“
  • „jemanden auf den Leim gehen“
  • „Sauwetter“
  • „Sauhund“

AUF DIE SPRÜNGE HELFEN

Diese jagdliche REDEWENDUNG beschreibt die Hilfe des Jagdhundes für den Jäger.

Der treue Vierbeiner hilft dem Menschen sprichwörtlich „auf die Sprünge“ indem er ihn auf die Sprünge (Spur) des Wildes bringt.
Konkret bezieht es sich auf die Hasenjagd: Der Hase schlägt Dank seiner kräftigen Hinterläufe (Sprünge) viele Haken, der Hund lässt sich dadurch jedoch nicht beirren und unterstützt so den Jäger.

DURCH DIE LAPPEN GEHEN

Ab dem Mittelalter wurden bei hochherrschaftlichen Treibjagden oft Seile zwischen Bäumen gespannt und darauf große Stofflappen gehängt. So wurden die Fluchtwege der Wildtiere eingeengt, damit die vornehmen Herrschaften ohne große Anstrengung zu ihrem Abschuss kamen. Entkam ein Tier durch die Stoffabsperrung, so ging es sprichwörtlich „durch die Lappen“. Diese Art des Jagens ist selbstverständlich nicht mehr gestattet.

FÄHRTE AUFNEHMEN

Auch diese Redewendung stammt aus der Jägersprache und bedeutet „den Tritten / Spuren eines Tieres am Boden folgen“. Wer einer Fährte folgt, der sieht die Trittsiegel bzw. eine Trittreihe von einem Wildtier wie etwa einem Vertreter des Schalenwildes, Bären, Luchs, Wolf, Auerhahn oder der Großtrappe.

LUNTE RIECHEN

Diese jagdliche Redewendung stammt ursprünglich aus der Zeit, als Vorderladergewehre noch mittels Zündschnur (Lunte) entzündet wurden. Der typische Geruch ließ Wildtiere den Jäger oft frühzeitig erkennen: sie konnten die “Lunte riechen”.

IN DIE BINSEN GEHEN

Binsen, in Österreich auch Simsen genannt, sind grasartige Pflanzen, die eine feucht-nasse Umgebung bevorzugen und daher meist bei Gewässern und MOOREN wachsen. Die Redewendung kommt aus der Jagd auf ENTEN und bedeutet, dass sich das Wildtier in den Binsen versteckt und daher nicht mehr sichtbar ist. Im allgemeinen Sprachgebrauch verwenden wir die Redewendung zumeist dann, wenn uns etwas nicht gelingt.

AUF DER STRECKE BLEIBEN

Die „Strecke“ wird in der Jägersprache das in einem bestimmten Zeitraum (Jagdtag, mehrtägige Jagd oder auch Jagdjahr) erlegte, also gestreckte Wild bezeichnet. Wer also „auf der Strecke bleibt“, hat verloren, wird ignoriert, nicht berücksichtig und bleibt zurück.

JEMANDEN INS GEHEGE KOMMEN

Wenn zum Beispiel ein neuer Hirsch in ein Territorium eindringt und damit zum Konkurrenten des dort bereits ansässigen „Platzhirschen“ wird, dann kommt er in dessen Gehege. Im alltäglichen Sprachgebrauch verwenden wir diese Redewendung, wenn jemand vereinbarte Grenzen überschreitet oder „dazwischenfunkt“.

VON ETWAS WIND BEKOMMEN

Wer von etwas Wind bekommt, erfährt etwas Wichtiges, etwas Entscheidendes. So ist es auch bei Wildtieren. Viele haben einen ausgesprochen guten Geruchssinn und können Menschen, aber auch Fressfeinde, oft über hunderte Meter riechen – sofern der Wind von der richtigen Seite kommt. Wer Wildtiere in der freien Natur beobachten will, sollte also auch auf den Wind achten, sonst nehmen sie schneller Reißaus als uns lieb ist.

WISSEN, WIE DER HASE LÄUFT

Wer weiß, wie der Hase läuft, hat meist eine Ahnung von Abläufen und auch eine Idee, wie man diese geschickt für sich nutzen kann. Der Ursprung dieser Redewendung kommt aber tatsächlich vom Hasen. Dieser schlägt auf der Flucht vor Feinden seine berühmten Haken, damit diese ihn nicht erwischen. Eine schlaue Taktik.

EIN ALTER HASE SEIN

Im Berufsleben sprechen wir dann von „alten Hasen“, wenn wir auf Menschen treffen, die schon viel Erfahrung, viel erlebt haben, oder die nur durch wenig zu erschüttern sind. Doch woher kommt diese Redewendung? In der freien Natur werden HASEN zumeist nicht sehr alt. Zu viele natürliche Feinde wie zum Beispiel der ROTFUCHS lauern auf sie. Wenn man jedoch einen alten Hasen antreffen sollte, dann kann man davon ausgehen, dass es schon viele Gefahren überlebt hat..

JEMANDEN AUFS KORN NEHMEN

Alte Gewehre ohne optische Visiereinrichtungen hatten an der Oberseite des Laufs zwei Hilfen, um das gewünschte Ziel anvisieren zu können. Nämlich die „Kimme“ und das „Korn“. Die Kimme ist eine Einkerbung, das Korn ist ein vom Lauf abstehender Metallteil. Kommt es zur Überschneidung von Kimme und Korn, dann sollte man das gewünschte Ziel genau erfasst haben. Nimmt man also jemanden aufs Korn, dann bedeutet das in der Regel, dass man es auf ihn bzw. sie abgesehen hat.

JEMANDEN AUF DEN LEIM GEHEN

Wenn man jemandem auf den Leim geht, dann fällt man in der Regel auf etwas oder jemanden herein. Man glaubt etwa Unwahres. Ursprünglich stammt der Begriff aber aus dem Vogelfang. Früher haben Vogelfänger Äste zum Beispiel mit Leim beschmiert und einen präparierten toten Lockvogel hingesetzt. Wenn sich nun ein anderer Vogel dazugesetzt hat, blieb er kleben und war gefangen. Diese Art des Vogelfangs ist mittlerweile längst verboten.

SO EIN SAUWETTER

Das kennen wir und die meisten von uns mögen es nicht. Aber warum nennen wir es so? Bei nassem Regenwetter kommen Regenwürmer und Larven vermehrt aus dem Boden an die Oberfläche. Ein gefundenes Fressen für Wildschweine, die dieses Futter lieben. An solchen Tagen sind Wildschweine daher besonders aktiv und so bezeichnen Jägerinnen und Jäger solche Tage seit Ewigkeiten als „Sauwetter“.

SO EIN SAUHUND

Als „Sauhunde“ werden Jagdhunde bezeichnet, die eine besonders feine Nase bei der Witterung von Wildschweinen haben, die mutig sind und sich auch einem Zweikampf mit dem Schwarzwild stellen würden. Als Redewendung kommt der „Sauhund“ zumeist nur im österreichisch-bayrischen Sprachgebrauch vor. Gemeint sind dann in der Regel mutige oft bauernschlaue „Mannsbilder“, also Burschen und Männer.

Wussten Sie, dass
… es rund 13.000 Begrifflichkeiten
der Jägersprache gibt?

Zu den wichtigsten Begrifflichkeiten

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Buchtipp: “Jägersprache in Wort und Bild” von Hermann Prossinagg;
3. Auflage aus 2018, erschienen im Österreichischen Jagd- und Fischereiverlag; ISBN 978-3-85208-157-1

Bildquellen für diesen Beitrag:
Jagdfakten.at und Pixaby

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