12. April 2019

Jagdbare Wildarten: Das Wildkaninchen

Kaninchen gehören zur Familie der Hasenartigen und sind in Europa, Australien und Neuseeland sowie auf einigen Pazifik-Inseln und in Südamerika verbreitet. Hier ein kurzer

Steckbrief zum Wildkaninchen

Name: Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus)
Name männlich: Rammler
Name weiblich: Kaninchenhäsin oder Häsin
Name Junge: Jungkaninchen

Tierfamilie: Haarwild, Hasenartige

 

Größe: Kopf-Rumpf-Länge 35 – 45 cm
Schwanzlänge (Blume) 4 – 7 cm

Gewicht: 1 bis 2 Kilogramm

Paarungszeit (Rammelzeit): in Mitteleuropa Februar bis September

Trächtigkeitsdauer: rund 30 Tage

Setzzeit (Wurfzeit): März bis Oktober

Junge: 5 – 10 Junge bis zu 5 Mal pro Jahr

 

Aktivitätszeit & Lebensraum:

Wildkaninchen sind in der Dämmerung bzw. in den frühen Morgenstunden aktiv. Kaninchen bevorzugen trockene, warme Gebiete mit lockeren, leichten Böden bis in Höhenlagen von etwa 600 Meter Seehöhe. Abwechslungsreiche Landschaften mit Feldern, Wiesen, Gebüsch und kleinen Waldungen bieten die besten Lebensräume. Kaninchen haben nur kleine Streifgebiete rund um ihren Bau.

 

Aussehen/Merkmale:

Wildkaninchen und Hauskaninchen sind ein und dieselbe Art. Trotz der vielen Zuchtvarianten, der in vielen Wohnungen lebenden Hauskaninchen, passen sich entflohene oder ausgesetzte Tiere sehr rasch ihrer ursprünglichen Wildform wieder an. Das Fell, in der Jägersprache „Balg“ genannt, ist an der Oberseite graubraun bis sandfarben, die Bauchseite ist hellgrau. Der Schwanz, bzw. die „Blume“ ist an der Unterseite weiß, auf der Oberseite schwarz.

 

Allgemeines:

Der Name „Kaninchen“ leitet sich aus dem lateinischen „cuniculus“ bzw. dem altfranzösischen „conin“ ab. Das mittelhochdeutsche Wort war bereits Kanin bzw. Kaninchen. In der Jägersprache und verschiedenen Regionen Österreichs wird oft auch der Begriff „Künigl“ oder „Kiniglhas“ verwendet.

Kaninchen leben in Kolonien und graben Baue, deren Röhren sie über die „Einfahrt“ erreichen und über die „Ausfahrt“ wieder verlassen. Der Aufenthaltsraum im Bau ist der „Kessel“. Der Nachwuchs wird in der „Setzröhre“ (etwa armlang) zur Welt gebracht. Der Eingang zu dieser Röhre wird vom Muttertier jeweils nach dem Verlassen wieder sorgfältig verschlossen. Die Jungen kommen nackt und blind zur Welt. Nach etwa zwei Wochen öffnen sich die Augen. Insgesamt werden Jungkaninchen rund vier Wochen lang gesäugt. Nach bereits fünf bis acht Monaten sind sie geschlechtsreif – die Weibchen etwas früher als die Männchen. Die Kaninchenhäsin ist nach dem „Setzen“ (nach der Geburt) erneut fortpflanzungsfähig und kann somit vier bis fünf Mal im Jahr Junge zur Welt bringen. Daher stammt auch das Sprichwort: „Sich vermehren wie die Karnickel (Kaninchen)!“

Ein Kaninchenbau (Foto: Pixabay, JoanjoCastello)

Kaninchen sind Pflanzenfresser und ernähren sich von Blättern sowie verschiedenen Kräutern und Gräsern. Seltener fressen sie mit kleinen Zweigen oder Rinden auch härtere Nahrung. Spannend ist die Verdauung, denn der Magen hat vergleichsweise schwache Muskeln. Der Weitertransport der Nahrung vom Magen in den Darm funktioniert hauptsächlich durch die Zufuhr neuer Nahrung. Kaninchen nehmen daher zwischen 30 bis zu 80 Mal am Tag kleinere Mengen Nahrung, vorwiegend in den frühen Morgen- und späten Abendstunden sowie in der Nacht zu sich. Zudem fehlen ihnen Enzyme zur Spaltung von Cellulose, weswegen sie zwei unterschiedliche Arten von Kot ausscheiden. Der weichere sogenannte Blinddarmkot, der aus unverdauten Nahrungsbestandteilen und Bakterien-Biomasse besteht, wird morgens ausgeschieden und unmittelbar nach der Ausscheidung noch einmal gefressen. Auf diese Art und Weise nehmen die Tiere zum Beispiel wichtige Vitamine und Proteine auf. Dem zweiten Kot wird untertags Feuchtigkeit entzogen, wodurch harte Kügelchen entstehen, die nicht mehr gefressen werden.

Der Bogen der natürlichen Feinde für Wildkaninchen reicht vom Wiesel über den Iltis, MarderFuchs, Luchs und Wolf bis hin zu größeren Greifvögeln, die den Bestand allerdings nur gering reduzieren. Für eine maßvolle sowie an die Umwelt und die Land- und Forstwirtschaft angepasste Population sorgen die Jägerinnen und Jäger.

 

Unterschied zwischen Hasen und Kaninchen:

Kaninchen sind kleiner und gedrungener als Hasen. Sie sind nicht so sehr auf den schnellen, langen Lauf, sondern auf den kurzen Sprint in den nächsten Unterschlupf hin entwickelt. Daher sind ihre Hinterläufe, auch Springer genannt, kürzer und nicht so kräftig ausgeprägt wie jene des Hasen. Die Löffel (Ohren) der Kaninchen sind deutlich kürzer und abgerundet. Hasen sind größer und leben am freien Feld und nicht in einem unterirdischen Bausystem. Zudem leben Kaninchen in Gruppen von bis zu zwölf Tieren, Hasen sind eher einzelgängerisch bzw. leben in kleineren Gruppen.

Hasen sind Größer als Kaninchen, haben längere Ohren (Löffel) und graben keine Baue.

 

Kaninchen sind kleiner als Feldhasen und haben abgerundete Ohren (Löffel) und graben Erdbaue.

Übrigens: Eine erfolgreiche Paarung (Kreuzung) zwischen Wildkaninchen und Feldhasen gibt es aufgrund ihrer unterschiedlichen Chromosomenzahl nicht.

 

Beobachtung von Kaninchen:

Kaninchen sind sehr scheue Tiere und bewegen sich selten weit weg von ihrem Bau. Wer sie beobachten will, kann das am Besten in der Dämmerung. An schönen Tagen sind sie auch in den Morgenstunden aktiv und genießen die ersten Sonnenstrahlen. In Gebieten mit weniger natürlichen Feinden, zum Beispiel in Stadtgebieten, sind sie auch untertags anzutreffen.

Bei Gefahr warnt das Kaninchen, indem es mit den Hinterläufen auf den Boden trommelt. Auf diese Eigenart hat Walt Disney in seinem Film Bambi (https://www.jagdfakten.at/mythos-bambi-hirsch-nicht-reh/) zurückgegriffen in dem er das Kaninchen „Klopfer“ eben nach dieser Eigenart, mit dem Hinterfuß zu klopfen, benannt hat.

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