Im Gegensatz zum Christkind in Österreich ist vor allem in nordischen Ländern der Weihnachtsmann damit beschäftigt, die Weihnachtsgeschenke zu verteilen. Tatkräftig unterstützt wird er dabei von seinen acht Rentieren, die seinen Schlitten ziehen und auf dem Dach warten, während Santa Claus durch den Schornstein verschwindet, um die Geschenke unter den Christbaum zu legen. Ohne Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner, Blitzen und Rudolph hätte Santa Claus große Mühe, in nur einer Nacht so vielen Menschen die Geschenke zu bringen. Im Folgenden gehen wir genauer auf die Frage ein, warum sich der Weihnachtsmann gerade Rentiere als Zugtiere ausgesucht hat:

RENTIER
Ein kurzer Steckbrief

Biologie und Verbreitung

Rentiere gehören zur Familie der „Hirschartigen“. Sie werden zwischen 130 und 220 Zentimeter lang und wiegen zwischen 60 und 300 kg. Männliche Tiere sind deutlich größer und schwerer als weibliche. Die Größe und das Gewicht schwanken aber auch mit dem Verbreitungsgebiet. Im Gegensatz zu allen anderen Hirschen tragen bei den Rentieren sowohl die Männchen als auch die Weibchen ein Geweih.

Zu finden sind Rentiere heute in sehr nördlichen Breiten in Nordamerika, Europa und Asien. In der letzten Kaltzeit, also vor ca. 115.000 Jahren waren Rentiere weiterverbreiteter und besiedelten auch südlichere Gebiete bis zu den Pyrenäen und Mexiko.

Die Aufgabe des Rentieres

Bevor Rentiere domestiziert wurden, wurden sie ganz klassisch bejagt. Später begann man, die Tiere als Nutztiere einerseits für Fleisch und Milch, aber andererseits auch als Zugtiere zu nutzen. Im Vergleich zu Pferden, vertragen Rentiere viel mehr Kälte, was vor allem für die Völker, die in der Taiga und Tundra lebten und auch nach wie vor leben, ein großer Vorteil ist. Sie wurden vor Schlitten gespannt und konnten verhältnismäßig große Lasten hinter sich herziehen.

Das bedeutet, dass der Weihnachtsmann mit diesen sehr kälteresistenten Tieren die perfekten Helfer für seine Aufgabe gefunden hat. Aber wie schaffen es nun die Rentiere, dass sie ob der langen Strecken, die sie noch dazu in der Nacht, wenn doch die meisten Tiere ruhen, zurücklegen?

Rentier, Jagdfakten.at informiert

Das Rentier und seine Besonderheit

Die meisten Tiere unserer Breitengrade haben – mehr oder weniger genauso wie wir Menschen – eine „innere Uhr“. Das bedeutet, dass sich die Tiere nach einem 24-Stunden-Rhythmus richten und am Abend, wenn es dunkel wird, müde werden und sich zum Ruhen bzw. Schlafen zurückziehen. Am Morgen, wenn es hell wird, werden sie wieder aktiver. Rentiere leben bekanntlich sehr hoch im Norden, wo es das Phänomen der Mitternachtssonne im Sommer bzw. der durchgehenden Finsternis im Winter gibt. Das bedeutet, dass es im Sommer nie richtig dunkel und im Winter nie richtig hell wird.

Wann schlafen Rentiere?

An der Universität von Tromso haben Forscher den Rhythmus von Rentieren genauer erforscht. Da es in den Regionen der Rentiere eben nur sehr wenige Wochen im Jahr gibt, an denen Tag und Nacht, so wie wir es gewöhnt sind, verlaufen, verhalten sich auch die Rentiere nicht so wie die Wildtiere bei uns. Im Sommer und im Winter verlieren die Rentiere ihren 24-Stunden-Rhythmus. Das hat zur Folge, dass sich alle Aktivitäten beinahe zufällig über den Tag und die Nacht verteilen. Durch diese fehlenden fixen Zeiten für Aktivitäten wie zum Beispiel Fressen und Schlafen, entscheiden sie selbst, wann und wie lange sie aktiv sein möchten. Außerdem haben die Forscher herausgefunden, dass die Rentiere dadurch nicht sehr viel am Stück schlafen, sondern nur sehr kurze aber dafür mehrere Ruhephasen haben.

Das Rentier und seine Schneeschuhe

Rentiere haben außerdem „Schneeschuhe“ an. Dadurch, dass sie fast ausschließlich auf Schnee leben, ist das auch wichtig, damit sie nicht ständig im Schnee versinken. Rentiere können – im Vergleich zu anderen Hirschartigen – ihre Hufe deutlich weiter spreizen, wenn sie darauf treten. Dadurch verteilt sich – ähnlich wie bei Schneeschuhen – das Gewicht auf der größeren Auftrittfläche deutlich besser und die Tiere können sich im Schnee besser fortbewegen.

Donner, Blitzen, Rudolph
und der Weihnachtsmann

 

Sieht man sich den Arbeitsablauf von Santa Claus noch einmal genauer an, wird plötzlich noch viel klarer, warum er sich für Rentiere entschieden hat. Sie schaffen es, die ganze Nacht aktiv zu bleiben, versinken nicht im Schnee, können große Lasten ziehen und so den Weihnachtsmann bestmöglich zu unterstützen.

Den gerade genannten Besonderheiten der Rentiere noch nicht genug, verfügen die acht Rentiere des Weihnachtsmannes noch über weitere Besonderheiten: sie können fliegen und das sogar sehr schnell, Rudolphs Nase leuchtet so rot, dass sie Santa Claus den Weg durch die Dunkelheit weist.

Es gibt viele Theorien, warum nur diese acht Rentiere im Gegensatz zu allen anderen fliegen können. Bei den rund 300.000 noch unerforschten Tierarten, die man auf der Erde vermutet, besteht theoretisch die Möglichkeit, dass es darunter auch fliegende Rentiere gibt. Und sie sind den Forschern einfach noch nicht begegnet 🙂

Ein weiterer Punkt ist die Geschwindigkeit, die die Rentiere in nur einer Nacht zurücklegen – sie müsste mit Überschallgeschwindigkeit fliegen, um in eben nur einer Nacht alle Geschenke zu verteilen. Darauf hat die Wissenschaft leider keine Antwort. Dies liegt womöglich auch daran, dass die Forscher eben einfach noch nicht die Möglichkeit hatten, diese acht Rentieren genauer zu untersuchen.

Rentier Rudolph
uns seine rote Nase

Diese Besonderheit kann zumindest ansatzweise erklärt werden. Durch die niedrigen Temperaturen, in denen sich Rudolph, seine Kollegen und der Weihnachtsmann aufhalten, ist es durchaus möglich, dass die Nase von Rudolph einfach besser durchblutet ist als die der anderen Rentiere, umso besser mit der Kälte umgehen zu können.

Dafür würde auch die Tatsache sprechen, dass es in der Luft ja wohlweislich noch kühler ist und der Fahrtwind auch sein Übriges dazu beiträgt. Durch die bessere Durchblutung wird die Nase dann rot – das kennen wir Menschen auch: Im Winter werden unsere Finger, wenn wir sie nicht mit Handschuhen schützen, ja auch schnell rot.

Wie Rudolph es dann aber in weiterer Folge schafft, dass die Nase nicht nur rot ist, sondern ähnlich den Tragflächen eines Flugzeuges sogar rot leuchten, konnte leider auch trotz ausführlicher Recherche nicht geklärt werden. Vielleicht gelingt es den Wissenschaftlern ja doch in den nächsten Jahren, eines der acht Rentiere des Weihnachtsmann zu erwischen, dann können diese Fragen bestimmt auch alle geklärt werden.

Rentier Rudolph mit der roten Nase, Jagdfakten.at

Rentier, Hirsch
und Weihnachtsdeko

Es bleibt nach wie vor unklar, warum in unseren Breiten in der Weihnachtsdekoration immer häufiger der Hirsch miteinbezogen wird. Zu erkennen ist schon, seit der Weihnachtsmann dem Christkind Konkurrenz macht, wird auch der Hirsch deutlich öfters eingesetzt. Aber selbst wenn das Rentier und das Rotwild verwandt sind, so sieht man doch den deutlichen Unterschied der beiden Tiere.

Vielleicht handelt es sich dabei wieder einmal um eine Idee der Werbung. Die Frage bleibt, ob ähnlich wie beim Osterhasen, der in der Werbung auch öfters als Kaninchen dargestellt wird, hier schlichtweg ein Fehler passiert ist, der sich dann einfach fortgeführt hat. Oder ob wir in unseren Breiten einfach einen größeren Bezug zu Rotwild als zu Rentieren haben und uns deshalb der Hirsch öfters aus den Schaufenstern ansieht.

UNSERE
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Bildquellen für diesen Beitrag: Pixabay

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