
Der Wald schläft nie – Wildtiere im Rhythmus von Tag und Nacht:
Wann sind Reh, Rothirsch, Fuchs, Dachs und Wildschwein aktiv? Ein Blick auf den Tagesrhythmus der Wildtiere zeigt, wie im Wald Frühaufsteher, Tagaktive und Nachtschwärmer einander nahezu unbemerkt ablösen.
Wann sind Wildtiere aktiv?
Es ist noch dunkel über Österreichs Wäldern und Wiesen. Die meisten Menschen schlafen, doch draußen beginnt bereits der Schichtwechsel. Aus einem Gebüsch ertönt der erste Vogelruf, am Waldrand äst vielleicht ein Reh – während irgendwo ein Fuchs gerade von seinem nächtlichen Streifzug zurückkehrt. Doch welches Wildtier ist eigentlich als Erstes wach? Und welches macht nachts beziehungsweise morgens als Letztes Feierabend?
Welche Wildtiere sind in der Morgendämmerung aktiv?
Der Morgen beginnt noch vor Sonnenaufgang
Wer glaubt, der Wald erwache erst mit den ersten Sonnenstrahlen, muss nur einmal sehr früh aufstehen. Noch bevor die Sonne über den Horizont steigt, beginnt das Morgenkonzert der Singvögel. Zu den bekanntesten frühen Sängern zählen Rotkehlchen und Amsel.
Wann ihr Konzert beginnt, hängt von Jahreszeit, Wetter und Tageslicht ab und verändert sich deshalb im Laufe des Jahres. Im Frühsommer kann das sehr früh sein – zu einer Zeit, zu der die meisten Menschen noch tief schlafen. Dabei beginnen nicht alle Arten gleichzeitig: Das zunehmende Licht gibt nach und nach den Takt vor.
Während es langsam heller wird, steigt auch die Aktivität größerer Wildtiere:
>> Rehe und >> Rothirsche nutzen gerne die ruhigen Morgenstunden.
Sie sind besonders häufig in der Dämmerung aktiv und können dann auf Wiesen, Lichtungen und an Waldrändern bei der Nahrungsaufnahme beobachtet werden. Allerdings haben auch sie keinen minutengenauen Stundenplan. Wetter, Jahreszeit, Nahrungsangebot und vor allem menschliche Störungen können beeinflussen, wann die Tiere aktiv werden.
Welche Wildtiere sind tagsüber aktiv?
Wird es richtig hell, beginnt die Zeit der überwiegend tagaktiven Waldbewohner.
- Das Eichhörnchen beispielsweise ist vor allem tagsüber unterwegs und verbringt viel Zeit mit der Suche nach Samen, Nüssen und Früchten. Zwischendurch zieht es sich zum Ruhen in seinen Kobel zurück.
- Auch zahlreiche Singvögel suchen nun nach Nahrung, verteidigen ihre Reviere oder versorgen ihren Nachwuchs. Doch während die tagaktiven Tiere ihren Tag beginnen, endet für andere gerade die Nachtschicht.
Welche Wildtiere sind in der Nacht aktiv?
>> Fuchs und >> Dachs gehören zu den bekanntesten nachtaktiven Bewohnern unserer Wälder und Kulturlandschaften.
- Der Dachs verlässt seinen Bau meist am Abend und kann bis in die frühen Morgenstunden unterwegs sein. Auf der Suche nach Nahrung durchstreift er sein Revier und nutzt dabei oft über lange Zeit dieselben Wechsel.
- Auch der Fuchs ist häufig in der Dämmerung und während der Nacht aktiv. Sein Tagesrhythmus ist allerdings ausgesprochen flexibel. Wo er sich sicher und ungestört fühlt, kann er durchaus auch tagsüber beobachtet werden. Seine Aktivitätszeiten hängen daher nicht nur von der verfügbaren Nahrung, sondern auch stark von den jeweiligen Bedingungen im Lebensraum ab.
>> Wildschweine verhalten sich ähnlich: Wo wenig Störung herrscht, können sie durchaus am Tag aktiv sein. Am frühen Morgen können sich ihre Aktivitätszeiten daher mit jenen von Rehen und den ersten Singvögeln überschneiden.
- Wildschweine passen ihren Rhythmus dem Menschen an: In stark vom Menschen genutzten Gebieten verlagern Wildschweine ihre Aktivitäten dagegen häufig in die Dämmerung und Nacht. Diese zeitliche Anpassung hilft ihnen, Begegnungen mit Menschen zu vermeiden. Der vermeintlich natürliche Tagesrhythmus einer Wildart ist somit oft auch eine Reaktion auf die Intensität menschlicher Nutzung und Beunruhigung.
Nächtliche Jagd über Wald und Wiesen
Über den Köpfen der nächtlichen Wanderer beginnt die Jagd von >> Eulen und >> Fledermäusen.
- Viele Eulen können Beutetiere selbst bei Dunkelheit mithilfe ihres ausgezeichneten Gehörs lokalisieren. Ihr weiches Gefieder ermöglicht ihnen zudem einen besonders geräuscharmen Flug.
- Fledermäuse orientieren sich bei ihrer nächtlichen Jagd mithilfe der Echoortung. Sie stoßen für Menschen meist nicht hörbare Ultraschallrufe aus und gewinnen aus den zurückkehrenden Echos Informationen über ihre Umgebung und mögliche Beutetiere.
Feldhasen zwischen Abend- und Morgendämmerung
Auch der >> Feldhase passt hervorragend in den „Schichtwechsel“ der Natur. Er ist häufig dämmerungs- und nachtaktiv und verbringt ruhigere Tagesphasen in seiner flachen Bodenmulde, der sogenannten Sasse. Dort drückt er sich eng an den Boden und vertraut auf seine Tarnung.
Am Abend verlässt er die Sasse, um auf Wiesen und Feldern nach Nahrung zu suchen. Auch am frühen Morgen kann er noch unterwegs sein, bevor er sich für die ruhigere Tagesphase wieder zurückzieht.
Wolf und Braunbär ohne festen Stundenplan
Auch der >> Wolf hält sich nicht an einen strengen Tagesplan. Er kann grundsätzlich zu jeder Tageszeit unterwegs sein, nutzt in vom Menschen geprägten Landschaften jedoch häufig die ruhigeren Stunden. Auf seinen nächtlichen Streifzügen kann er große Entfernungen zurücklegen.
Und der >> Braunbär? Auch er kann sowohl tagsüber als auch in der Dämmerung und Nacht aktiv sein. In Österreich sind Braunbären heute allerdings nur sehr selten anzutreffen. Im Winter ziehen sie sich für längere Zeit zurück und halten Winterruhe – im Gegensatz zum Alpenmurmeltier, das einen echten Winterschlaf hält.
Schichtplan – Wildtiere im Revier
Die Zuordnung zeigt typische Aktivitätszeiten.
Je nach Jahreszeit, Lebensraum und Störung können Wildtiere ihren Rhythmus jedoch deutlich verändern:
| TAGESZEIT | WILDTIERE IM REVIER |
|---|---|
| Morgendämmerung | Rotkehlchen, Amsel, Reh, Rothirsch |
| Tag | Eichhörnchen, zahlreiche Singvögel |
| Abenddämmerung | Reh, Rothirsch, Feldhase, Wildschwein |
| Nacht | Dachs, Fuchs, Wolf, Eulen, Fledermäuse, Wildschwein |
| Kurz vor Sonnenaufgang | Nachtschwärmer ziehen sich zurück, Frühaufsteher übernehmen |
Warum es keinen eindeutigen Frühaufsteher gibt
Wann sind Wildtiere aktiv – wer startet am frühesten und wer macht als Letztes Feierabend?
- Einen eindeutigen Frühaufsteher oder Nachtschwärmer gibt es nicht.
- Jahreszeit, Wetter, Nahrungsangebot, Lebensraum und menschliche Störungen beeinflussen den Tagesrhythmus der Tiere.
Gerade für die Jagd ist das Wissen um diese Aktivitätszeiten von großer Bedeutung. Wer regelmäßig im Revier beobachtet, erkennt, wann Wild vertraut austritt, welche Bereiche es zur Nahrungssuche nutzt und wie rasch es auf wiederkehrende Störungen reagiert. Diese Kenntnisse helfen dabei, Wildtiere gezielt zu beobachten, unnötige Beunruhigung zu vermeiden und jagdliche Maßnahmen verantwortungsvoll zu planen.
Es ist dieser kurze Moment des Schichtwechsels, wenn Fuchs und Amsel sich „Guten Morgen“ sagen: Die einen kehren von ihren nächtlichen Streifzügen zurück, während für die anderen der neue Tag gerade erst beginnt. Die Natur schläft deshalb nie ganz – irgendwo ist immer jemand wach.
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Bildquellen für diesen Beitrag: © Envato | © Pixabay
Autor für diesen Beitrag: V. Toff / Jagdfakten.at
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