
Die Asiatische Hornisse breitet sich in Europa zunehmend aus:
Inzwischen wurde sie auch in Österreich nachgewiesen. Warum sie nicht nur für Honigbienen, sondern auch für zahlreiche heimische Insektenarten problematisch ist, weshalb Panik dennoch fehl am Platz ist und wie man sich bei einer Sichtung richtig verhält.
Ursprünglich stammt sie aus Südostasien, 2004 wurde sie mit Warentransporten nach Frankreich eingeschleppt — seither breitet sich die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) über weite Teile Europas aus. In Österreich ist sie inzwischen angekommen: 2024 wurde in der Stadt Salzburg ein einzelnes Tier nachgewiesen, im Juni 2026 fand man in Lustenau in Vorarlberg die ersten beiden Nester und entfernte sie.
Bekannt ist die Art vor allem als Jägerin an Bienenständen. Dieser Blick greift jedoch zu kurz, wie Prof. Thorsten Schwerte, Leiter des Instituts für Zoologie an der Universität Innsbruck, betont: „Bienenstände wirken auf die Asiatische Hornisse wie ein gut bestücktes Buffet: Viele potenzielle Beutetiere starten und landen regelmäßig auf engem Raum.“ Ökologisch ist das Beutespektrum weit breiter. Moderne genetische Nahrungsanalysen weisen weit über tausend verschiedene Beutetiere nach — darunter Wildbienen, Hummeln, Fliegen und Wespen. Und anders als die Honigbiene, so Schwerte, „besitzen Wildbestäuber keine Imkerinnen und Imker, die ihre Völker schützen, füttern oder Verluste ersetzen können.“
Die Honigbiene ist damit weniger das einzige Opfer als vielmehr die sichtbare Spitze eines breiteren Problems.
So ernst das ökologische Thema ist — für den Menschen ist die Asiatische Hornisse nicht gefährlicher als heimische Wespen. „Sie ist keine gezielt Menschen jagende Killerhornisse“, stellt Schwerte klar. Einzelne Tiere auf Nahrungssuche sind normalerweise nicht aggressiv. Vorsicht ist nur in unmittelbarer Nestnähe geboten, wo viele Tiere gemeinsam verteidigen. Nester sollten deshalb niemals eigenständig entfernt oder provoziert werden.
Nicht verwechseln — nicht selbst handeln
Ein häufiges Missverständnis: Viele vermeintliche Funde sind in Wahrheit die heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro) oder Schwebfliegen. Die Europäische Hornisse ist ein wertvoller Bestandteil unserer Ökosysteme und darf nicht mit der invasiven Art verwechselt werden. Wer ein verdächtiges Tier beobachtet, sollte es fotografieren und über bienengesundheit.at melden — nicht fangen, nicht töten, keine Nester selbst entfernen. Ein Foto genügt für die erste Einschätzung vollkommen. Auch vom eigenmächtigen Aufstellen von Lockfallen raten Fachleute ab. Viele handelsübliche Fallen fangen vor allem heimische Insekten und tragen kaum dazu bei, die Asiatische Hornisse wirksam zu bekämpfen. Sinnvoll sind sie nur im Rahmen fachlich begleiteter Monitoring- und Früherkennungsprogramme.
Warum es gerade jetzt auf Österreich ankommt
Deutschland hat die Art im März 2025 offiziell als etabliert eingestuft und die vollständige Tilgung zugunsten von Managementmaßnahmen aufgegeben. Österreich steht dagegen noch am Anfang — und besitzt damit ein realistisches, wenn auch enges Zeitfenster für die Früherkennung. Wie sich diese Früherkennung technisch unterstützen ließe, ist inzwischen selbst zum Forschungsthema geworden: Der an der University of Exeter entwickelte Prototyp VespAI etwa kombiniert eine Lockstation, eine Kamera und künstliche Intelligenz, um anfliegende Hornissen zu erkennen und bei Verdacht Alarm zu schlagen.
Entscheidend ist am Ende weniger die einzelne Sichtung als die Reaktion darauf. Oder, wie Prof. Schwerte es zusammenfasst: „Hinschauen, fotografieren, melden — aber nicht in Panik geraten und nicht selbst eingreifen.“

Asiatische Hornisse in Österreich
Experte im Gespräch
Prof. Thorsten Schwerte leitet das Institut für Zoologie an der Universität Innsbruck. Unter anderem zählen zu seinen Arbeitsgebieten die Forschung an der Honigbiene und das Monitoring invasiver Arten. Im folgenden Interview ordnet er die Asiatische Hornisse aus wissenschaftlicher Sicht ein.
Herr Prof. Schwerte, in der öffentlichen Debatte um die Asiatische Hornisse dreht sich fast alles um die Honigbiene. Neuere Untersuchungen zeigen aber ein sehr breites Beutespektrum, in dem viele Wildbestäuber vorkommen. Verstellt uns der Fokus auf die Imkerei den Blick auf das eigentliche Problem — oder ist die Honigbiene zu Recht das Leitthema?
Die Honigbiene ist zu Recht ein zentrales Thema, aber sie ist nicht das ganze Thema. Bienenstände wirken auf die Asiatische Hornisse wie ein gut bestücktes Buffet: Viele potenzielle Beutetiere starten und landen regelmäßig auf engem Raum. Dadurch lässt sich der Jagddruck dort besonders leicht beobachten. Die Honigbiene ist deshalb eine Art Frühwarnsystem für die Ausbreitung der Hornisse.
Ökologisch betrachtet ist das Beutespektrum aber wesentlich breiter. Untersuchungen an französischen Nestern zeigten neben Honigbienen große Anteile von Fliegen und sozialen Wespen. Moderne genetische Nahrungsanalysen konnten sogar weit über tausend unterschiedliche Beutetaxa nachweisen. Dazu gehören zahlreiche Wildbienen, Hummeln, Fliegen, Wespen und andere Insekten. Welche Beute dominiert, hängt stark von der Landschaft und vom Angebot in der Umgebung des Nestes ab.
Die Honigbiene sollte daher nicht als einziges Opfer dargestellt werden. Sie ist vielmehr die gut sichtbare Spitze eines breiteren ökologischen Problems. Wildbestäuber besitzen keine Imkerinnen und Imker, die ihre Völker schützen, füttern oder Verluste ersetzen können. Auswirkungen auf Hummeln und andere Bestäuber sowie auf die Bestäubung von Wildpflanzen sind deshalb besonders ernst zu nehmen.

Bienenstände wirken auf die Asiatische Hornisse wie ein „gut bestücktes Buffet“.
Ihr Beutespektrum reicht jedoch weit über Honigbienen hinaus.
Auf Mallorca gilt die Art als wieder ausgerottet, Deutschland hat die Tilgung inzwischen aufgegeben. Woran entscheidet sich Ihrer Erfahrung nach, ob so etwas gelingt — an der Zeit, am Geld, an der Geografie oder an der Mitarbeit der Bevölkerung?
Hier muss man zunächst die aktuelle Entwicklung auf Mallorca ergänzen. Die Asiatische Hornisse war dort nach einer sehr intensiven Kampagne tatsächlich für ausgerottet erklärt worden. Genetische Untersuchungen zeigten später jedoch eine erneute, unabhängige Einschleppung. Im Jahr 2025 wurden auf Mallorca wieder 21 Nester beseitigt. Auch 2026 läuft deshalb ein umfangreiches Bekämpfungsprogramm. Mallorca ist somit nicht mehr das Beispiel einer dauerhaft abgeschlossenen Ausrottung, sondern eines Gebietes, in dem nach erfolgreicher Tilgung eine Neueinschleppung erfolgt ist.
Ob eine Tilgung gelingt, entscheidet sich meiner Einschätzung nach in dieser Reihenfolge:
Erstens die Zeit. Die ersten Nester müssen entdeckt werden, bevor zahlreiche Jungköniginnen ausfliegen und sich über ein größeres Gebiet verteilen.
Zweitens die Geografie. Auf einer Insel oder in einem klar abgrenzbaren Gebiet ist die Suche leichter als in einem dicht besiedelten, verkehrsreichen Raum mit offenen Grenzen.
Drittens die Organisation. Eine Meldung muss rasch geprüft, die Flugrichtung verfolgt, das Nest gefunden und professionell entfernt werden. Zwischen Beobachtung und Reaktion dürfen keine Wochen vergehen.
Viertens die Bevölkerung. Auf Mallorca wurden in der ersten Kampagne rund 58 Prozent der Nester aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung entdeckt. Citizen Science war dort kein schmückendes Zusatzprojekt, sondern ein wesentlicher Teil des Erfolges.
Geld ist notwendig, aber Geld allein reicht nicht. Entscheidend ist ein dauerhaftes Netzwerk aus Bevölkerung, Imkerschaft, Wissenschaft, Behörden und professionellen Nestentfernern.
Deutschland hat diese kritische Schwelle in weiten Teilen bereits überschritten. Seit dem 24. März 2025 wird die Art dort offiziell nicht mehr als tilgbare Art, sondern im Rahmen eines Managements behandelt.

Angenommen, die Art etabliert sich dauerhaft: Wie sieht dann ein Land zehn Jahre später aus? Pendelt sich das auf einem Niveau ein, kommen heimische Fressfeinde damit zurecht — oder bleibt es bei einer Belastung, mit der man einfach leben lernt?
Wahrscheinlich entsteht kein überall gleichmäßiger Hornissenteppich. Zu erwarten ist eher ein Mosaik aus Regionen mit sehr hoher Belastung und Gebieten mit geringerer Dichte. Warme, strukturreiche Landschaften, Flusstäler, Siedlungsräume und Regionen mit vielen Bienenständen können besonders günstige Bedingungen bieten. Kalte Winter, ungünstige Frühjahre und Nahrungsmangel können die Population zeitweise reduzieren. Solche jährlichen Schwankungen bedeuten aber nicht automatisch, dass die Art wieder verschwindet.
Heimische Fressfeinde werden Asiatische Hornissen durchaus erbeuten. Dazu gehören Vögel, andere Insekten und möglicherweise Parasiten. Es gibt zum Beispiel Beobachtungen, dass Wespenbussarde Hornissennester angreifen (im vorletzten Jahr hatten wir einen solchen zum Aufpäppeln im Alpenzoo). Bisher gibt es aber keinen belastbaren Hinweis darauf, dass europäische Fressfeinde die Population so stark kontrollieren könnten, dass sich das Problem von selbst löst.
Auch die langfristigen Auswirkungen auf heimische Wespen, Wildbestäuber und andere Insekten sind noch nicht vollständig quantifiziert. Einzelne Untersuchungen fanden bisher keine deutliche Abnahme aller heimischen Wespenarten auf Landschaftsebene. Daraus darf man jedoch nicht schließen, dass keine lokalen oder langfristigen Folgen auftreten.
Für Imkerei, Naturschutz und Behörden bedeutet eine dauerhafte Etablierung wahrscheinlich eine neue, wiederkehrende Aufgabe: Bienenstände schützen, Schwerpunkträume überwachen, problematische Nester entfernen und die Bevölkerung informieren. Man lernt also, mit der Art zu leben, aber dieses Leben verursacht dauerhaft Arbeit, Kosten und ökologische Risiken.
Früherkennung und Detektion: Eine invasive Art möglichst früh zu bemerken, klingt einfacher, als es ist. Was macht Früherkennung bei einem Insekt wie der Asiatischen Hornisse fachlich schwierig?
- Die Asiatische Hornisse ist nicht deshalb schwer zu entdecken, weil sie winzig wäre, sondern weil ein einzelnes Tier in einer großen Landschaft kaum auffällt. Eine Königin kann im Frühjahr allein unterwegs sein. Das Primärnest ist zunächst kaum größer als ein kleiner Ball und wird häufig in Schuppen, Dachvorsprüngen, Hecken oder anderen geschützten Strukturen angelegt.
- Später zieht das Volk häufig in ein großes Sekundärnest um. Dieses befindet sich oft hoch in einem dicht belaubten Baum. Im Sommer kann selbst ein großes Nest aus wenigen Metern Entfernung unsichtbar bleiben. Erst wenn die Blätter fallen, wird es entdeckt, häufig zu spät für eine wirksame Unterbrechung der Fortpflanzung.
- Dazu kommt die Verwechslungsgefahr. Viele Menschen melden die heimische Europäische Hornisse, große Wespen, Schwebfliegen oder andere Insekten. Das ist verständlich und kein Vorwurf. Für die Fachstellen bedeutet es aber, dass eine große Zahl von Meldungen rasch geprüft werden muss.
- Schließlich ist der Fund eines einzelnen Tieres noch nicht der Fund des Nestes. Eine Arbeiterin kann mehrere hundert Meter, unter bestimmten Bedingungen auch deutlich weiter, vom Nest entfernt nach Nahrung suchen. Die eigentliche Herausforderung beginnt daher erst nach der Bestätigung: Man muss Flugrichtungen beobachten, Tiere markieren, Laufzeiten messen oder technische Ortungsverfahren einsetzen.
Früherkennung ist deshalb keine einzelne Falle. Sie ist eine vollständige Prozesskette von der Beobachtung bis zur professionellen Nestbeseitigung.
Die Perspektive des Bienenvolks
Ein Bienenvolk ist energetisch fein austariert – was bedeutet es für so ein System, wenn die Sammlerinnen über längere Zeit nicht mehr ausfliegen, egal aus welchem Grund?
Ein Bienenvolk ist kein Vorratsbehälter, sondern ein ständig arbeitendes Stoffwechselsystem. Die Sammlerinnen bringen Nektar, Pollen, Wasser und Propolis in das Volk. Fallen diese Einträge über längere Zeit aus, muss das Volk von seinen Reserven leben.
Zunächst sinkt der Polleneintrag. Dadurch fehlt Eiweiß für die Aufzucht der Larven und für die Produktion von Futtersaft. Die Königin kann ihre Eiablage reduzieren, und die Brutfläche nimmt ab. Gleichzeitig fehlt frischer Nektar als Energiequelle. An heißen Tagen kann auch Wassermangel problematisch werden, weil Wasser für die Kühlung des Stockes benötigt wird.
Bei Hornissendruck kommt ein besonderer Effekt hinzu, der als „foraging paralysis“, also Sammellähmung, bezeichnet wird. Die Bienen werden nicht nur gefangen. Bereits die Anwesenheit mehrerer jagender Hornissen vor dem Flugloch kann dazu führen, dass Sammlerinnen im Stock bleiben. Dadurch kann der indirekte Schaden größer werden als die Zahl der tatsächlich erbeuteten Bienen vermuten lässt.
Versuche mit elektrischen Schutzharfen zeigten, dass eine Verringerung des Jagddrucks den Flugbetrieb, den Polleneintrag, die Brutproduktion, die Körpermasse der Arbeiterinnen und die Überwinterungschancen verbessern kann.
Für ein Bienenvolk ist ein blockiertes Flugloch daher ungefähr so, als würde bei einem Haushalt gleichzeitig die Versorgung mit Lebensmitteln, Wasser und Einkommen unterbrochen. Ein starkes Volk kann das eine Zeit lang kompensieren. Hält die Situation über Wochen an, fehlen jedoch die jungen, gut ernährten Bienen, die für die Überwinterung gebraucht werden.

Die Östliche Honigbiene (Apis cerana) begegnet Hornissen mit einer Art Hitzeball, unsere Honigbiene (Westliche bzw. Europäische Honigbiene – Apis mellifera) kennt das nicht. Warum ist so etwas eigentlich entstanden — und was sagt das über die Möglichkeiten und Grenzen von Apis mellifera?
Die Aussage, unsere Westliche Honigbiene kenne den Hitzeball überhaupt nicht, wäre etwas zu absolut. Auch die Europäische Honigbiene kann Angreifer umringen und dabei Wärme erzeugen. Die Abwehrreaktion ist gegenüber asiatischen Hornissenarten jedoch meist deutlich weniger effizient und weniger gut organisiert als bei der Östlichen Honigbiene.
Die Östliche Honigbiene lebt seit sehr langer Zeit gemeinsam mit großen und hoch spezialisierten Hornissenarten. Dadurch entstand ein starker evolutionärer Selektionsdruck. Völker, deren Arbeiterinnen eine angreifende Hornisse schnell erkannten, gemeinsam umschlossen und die Temperatur kontrolliert erhöhten, hatten bessere Überlebenschancen.
Bei einem Hitzeball bilden viele Bienen eine dichte Kugel um die Hornisse. Durch intensive Muskelarbeit steigt im Inneren die Temperatur bis nahe an die Hitzegrenze der Hornisse. Die Bienen selbst besitzen eine etwas höhere Hitzetoleranz und können diesen kleinen Unterschied als thermisches Verteidigungsfenster nutzen. Für den Erfolg sind nicht nur Temperatur, sondern auch Kohlendioxid, Dichte und Dauer des Balls bedeutsam.
Apis mellifera (Europäische Honigbiene) hatte in Europa keine vergleichbare gemeinsame Evolutionsgeschichte mit Vespa velutina (asiatische Hornisse). Sie erkennt die neue Bedrohung zwar und zeigt Abwehrverhalten, aber häufig nicht in der notwendigen Stärke und Koordination. Das zeigt eine grundsätzliche Grenze des individuellen Lernens. Eine einzelne Biene kann nicht innerhalb weniger Wochen ein komplexes kollektives Verteidigungsprogramm erfinden.
Langfristig sind Unterschiede zwischen Völkern und Populationen denkbar. Natürliche und imkerliche Selektion könnten besser verteidigende Völker begünstigen. Das ist aber ein Prozess über viele Generationen und kein kurzfristiger Ersatz für Monitoring und Schutzmaßnahmen.

Monitoring und Einordnung
Ein großer Teil der Meldungen aus der Bevölkerung entpuppt sich am Ende als heimische Art. Wie bewerten Sie Citizen Science trotzdem — und was macht eine Meldung für die Forschung wertvoll?
Citizen Science ist unverzichtbar. Keine Behörde und kein Forschungsinstitut kann jeden Garten, Parkplatz, Waldrand, Bienenstand und Dachvorsprung regelmäßig kontrollieren. Die Bevölkerung bildet dagegen ein sehr großes Beobachtungsnetz.
Dass viele Meldungen heimische Arten zeigen, ist kein Scheitern des Systems. Eine gute Früherkennung muss empfindlich sein. Lieber werden zehn Fotos geprüft, auf denen eine Europäische Hornisse zu sehen ist, als dass ein echtes Tier unbemerkt bleibt. Entscheidend ist allerdings, dass Fehlmeldungen rasch und fachlich korrekt beantwortet werden, damit keine heimischen Hornissen aus Angst getötet werden.
In Österreich sollen verdächtige Beobachtungen über das Portal bienengesundheit.at gemeldet werden. Das Tier sollte nicht mit bloßen Händen gefangen und nicht vorsorglich getötet werden. Ein Foto reicht zunächst vollkommen aus.
Der Erfolg auf Mallorca zeigt, welchen Unterschied gut organisierte Bürgerbeobachtung machen kann. Mehr als die Hälfte der Nester der ersten Bekämpfungskampagne wurde aufgrund von Meldungen aus der Bevölkerung entdeckt.
In Deutschland ist man inzwischen von Tilgung auf Management umgestiegen, Österreich setzt weiter auf Früherkennung. Wie schätzen Sie diese Phase ein, in der wir gerade stecken?
Österreich befindet sich seit Juni 2026 in einer neuen Phase. Nachdem 2024 in Salzburg erstmals ein einzelnes weibliches Tier nachgewiesen worden war, wurden im Juni 2026 in Lustenau in Vorarlberg erstmals zwei Nester gefunden und entfernt. Aufgrund der Nähe zu bereits betroffenen Regionen in den Nachbarstaaten muss mit weiteren Funden gerechnet werden. Ein österreichweit etabliertes Vorkommen ist damit aber noch nicht bewiesen.
Damit reicht reine Früherkennung nicht mehr aus. Notwendig ist jetzt eine Kombination aus Früherkennung, unmittelbarer Reaktion und intensiver Nachkontrolle. Rund um bestätigte Funde sollte systematisch nach weiteren Arbeiterinnen und Nestern gesucht werden. Besonders wichtig ist die Kontrolle in den folgenden Jahren, weil übersehene Jungköniginnen neue Nester gründen können.
Deutschland befindet sich bereits in einer anderen Situation. Dort gilt die Art inzwischen als etabliert, und seit März 2025 liegt der Schwerpunkt offiziell auf Managementmaßnahmen anstelle einer vollständigen Tilgung.
Österreich besitzt dagegen noch ein realistisches, wenn auch sehr enges Zeitfenster, um einzelne Ausbruchsherde zu beseitigen oder zumindest stark zu begrenzen. Voraussetzung sind:
- schnelle und zentral koordinierte Meldungen
- ausreichend geschulte Suchteams
- professionelle Nestentfernung
- grenzüberschreitende Zusammenarbeit
- mehrjährige Nachkontrollen
- eine frühzeitige Einbindung der Imkerschaft und Bevölkerung
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob noch eine weitere Hornisse gefunden wird. Entscheidend ist, wie schnell aus einem Fund eine systematische Suche wird.

Was würden Sie sich in der öffentlichen Diskussion über die Asiatische Hornisse mehr wünschen — und was weniger?
Ich wünsche mir mehr sachliche Aufmerksamkeit und weniger Dramatisierung.
Mehr Aufmerksamkeit bedeutet, dass Menschen die wichtigsten Erkennungsmerkmale kennen, verdächtige Tiere fotografieren und korrekt melden. Es bedeutet auch, dass Behörden die Meldungen ernst nehmen, rasch prüfen und transparent über bestätigte Funde informieren.
Mehr Sachlichkeit bedeutet, die Asiatische Hornisse weder zu verharmlosen noch zu einem Monster zu machen. Sie ist keine gezielt Menschen jagende „Killerhornisse“. Für Menschen gelten im Wesentlichen ähnliche Vorsichtsregeln wie bei anderen staatenbildenden Wespen. Einzelne Tiere bei der Nahrungssuche sind normalerweise nicht aggressiv. In unmittelbarer Nestnähe können jedoch viele Tiere gemeinsam verteidigen. Deshalb dürfen Nester nicht eigenständig entfernt oder provoziert werden.
Ich wünsche mir außerdem einen breiteren Blick. Die Diskussion sollte sich nicht nur auf Honigerträge konzentrieren, sondern auch auf Wildbestäuber, heimische Insektengemeinschaften, Obstbau und die Funktionsfähigkeit von Ökosystemen.
Weniger wünsche ich mir dagegen:
- pauschale Aufrufe zum Töten großer Wespen
- unkontrollierte Lockfallen mit massivem Beifang
- unbelegte Katastrophenzahlen
- Vorwürfe gegenüber Personen, die versehentlich eine heimische Art melden
Besonders wichtig ist der Schutz der Europäischen Hornisse Vespa crabro. Sie ist ein heimischer Bestandteil unserer Ökosysteme und wird häufig fälschlich für die invasive Art gehalten. Die österreichischen Fachstellen empfehlen ausdrücklich, verdächtige Tiere zu fotografieren und zu melden, sie aber nicht vorsorglich zu fangen oder zu töten.
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