
Wildobst: 5 Bäume mit großem Mehrwert fürs Revier
Ihre Früchte sind oft klein, herb und unscheinbar – für zahlreiche Wildtiere jedoch eine wertvolle Nahrungsquelle. Vogelbeere, Vogelkirsche, Wildapfel, Wildbirne und Speierling bereichern das Äsungs- und Nahrungsangebot für Vögel, Schalenwild, Marder, Dachse und Kleinsäuger. Wir stellen fünf Wildobstbäume vor und zeigen, welchen Beitrag sie zur Artenvielfalt im Revier leisten.
WILDOBST-BÄUME IM REVIER
Wer im Spätsommer aufmerksam durch Wald und über Wiesen geht, entdeckt an manchen Stellen ein reges Kommen und Gehen: Drosseln landen in den Kronen, Mäuse sammeln unter den Zweigen, und auf dem Waldboden verschwinden kleine Äpfel, Birnen oder Beeren oft beinahe so schnell, wie sie herabfallen. Wildobstbäume zählen zu den wertvollsten natürlichen Nahrungsquellen im Revier. Sie bereichern das Äsungsangebot über viele Monate hinweg und bieten gleichzeitig Deckung, Nistplätze und Lebensraum für zahlreiche Tierarten.
Ihre Früchte reifen zu unterschiedlichen Zeiten, ihre Blüten versorgen Bienen, Hummeln und viele weitere Insekten mit Nahrung, während Kronen und Zweige Rückzugsräume und Brutplätze bieten. Damit leisten Wildobstbäume einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität und zu einem strukturreichen Lebensraum. Trotzdem sind viele dieser Baumarten selten geworden. Wildbirne, Holzapfel und Speierling kommen in Österreichs Wäldern nur noch vereinzelt vor und werden deshalb im Rahmen spezieller Erhaltungsprogramme vermehrt.
Wildobstbäume leisten weit mehr, als nur Früchte zu tragen:
1. Die Vogelbeere
Ein Magnet für viele Wildtiere
Ihr Name verrät bereits, für wen die Eberesche ihre leuchtend roten Früchte bereithält. Tatsächlich zählt die Vogelbeere zu den bedeutendsten heimischen Wildobstarten für Vögel: 63 Vogelarten wurden beim Verzehr ihrer Früchte nachgewiesen. Amsel, Singdrossel, Wacholderdrossel, Rotkehlchen, Star und Mönchsgrasmücke gehören zu den regelmäßigen Besuchern. Im Winter kommen mitunter Rotdrosseln und Seidenschwänze dazu.
Was die Vögel fressen, hilft zugleich dem Baum. Die Samen passieren den Verdauungstrakt und werden oft weit entfernt wieder ausgeschieden. Auf diese Weise kann sich die Vogelbeere auch an neuen Waldrändern, auf Lichtungen oder freien Flächen ansiedeln.
Doch nicht nur Vögel bedienen sich. Siebenschläfer, Haselmäuse und verschiedene Mausarten fressen die Früchte, ebenso Rot-, Reh- und Schwarzwild. Der Dachs gilt als besonders begeisterter Vogelbeerenfreund. Reh- und Rotwild äst außerdem Blätter, Knospen und junge Triebe. Gerade in unterwuchsarmen Waldbeständen kann die Vogelbeere deshalb eine wichtige zusätzliche Nahrungsquelle darstellen.
Dass sie robust ist, schnell freie Flächen besiedelt und bis in höhere Lagen vorkommt, macht sie auch waldbaulich wertvoll. Im Revier ist sie Nahrungsspender, Strukturbaum und natürliche Wildäsung in einem.
2. Die Vogelkirsche
Wertvolles Wildobst im Sommer
Während viele Wildfrüchte erst im Herbst reifen, trägt die Vogelkirsche bereits ab Juli ihre Früchte. Ihre kleinen, rot bis beinahe schwarz gefärbten Kirschen schmecken bittersüß und sind kaum mit den großen Früchten aus dem Obstgarten zu vergleichen. Für Tiere spielt ihre Größe jedoch keine Rolle.
Vor allem Drosseln, Stare, Krähenvögel und Tauben holen die Früchte direkt aus der Krone. Dabei fressen sie das Fruchtfleisch und sorgen gleichzeitig für die Verbreitung der Kerne. Der Kernbeißer verfolgt hingegen eine andere Strategie: Ihn interessiert weniger die Kirsche als ihr harter Kern, den er mit seinem kräftigen Schnabel öffnet.
Schon im Frühjahr ist die Vogelkirsche ein auffälliger Bestandteil des Reviers. Im April und Mai erscheinen ihre weißen Blüten oft noch vor dem vollständigen Laubaustrieb. Bienen und Hummeln finden dort früh im Jahr reichlich Nahrung, zahlreiche Schmetterlingsarten nutzen den Baum ebenfalls.
Die Vogelkirsche wächst bevorzugt an lichten Waldrändern, in Hecken, Auwäldern und auf nährstoffreichen Standorten. Genau an diesen Übergängen entfaltet sie ihren besonderen Wert: als blühender Insektenbaum im Frühling, Fruchtbaum im Sommer und farbenprächtiger Baum im Herbst.
3. Der Wildapfel
Klein, herb und dennoch begehrt
Wer bei einem Apfel an süßes Fruchtfleisch und rote Backen denkt, wird vom Wild- oder Holzapfel zunächst enttäuscht. Seine Früchte erreichen meist nur zwei bis vier Zentimeter Durchmesser, sind hart und ausgesprochen herb. Für Menschen werden sie häufig erst nach dem ersten Frost oder nach längerer Lagerung einigermaßen genießbar. Tiere sind da weniger wählerisch …
Siebenschläfer, Marder, Dachse und Igel nehmen die kleinen Äpfel gerne auf. Auch Reh-, Rot- und Schwarzwild sowie verschiedene Vogelarten nutzen die Früchte als natürliche Nahrungsquelle. Besonders Fallobst bleibt selten lange unentdeckt. Während größere Früchte oft nur abschnittsweise gefressen werden, lassen sich die kleinen Wildäpfel leicht forttragen oder an geschützten Stellen verzehren.
Im Frühjahr zeigt der unscheinbare Baum eine andere Seite. Seine rosa-weißen Blüten sind eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten. Weil der Wildapfel meist nur bis zu zehn Meter hoch wird und auch strauchförmig wachsen kann, fügt er sich besonders gut in Waldränder, Hecken und lichte Mischwälder ein.
In Österreich ist der echte Wildapfel selten. Zusätzlich erschwert die Kreuzung mit Kultur- und verwilderten Gartenäpfeln seine eindeutige Bestimmung. Für das Revier ist jeder ursprüngliche Holzapfel daher nicht nur ein Nahrungsspender, sondern auch eine botanische Kostbarkeit.
4. Die Wildbirne
Herbes Fallobst mit Dornen
Die kleinen Früchte der Wildbirne sind hart, herb und häufig eher kugelig als typisch birnenförmig. Mit zunehmender Reife wird das Fruchtfleisch weicher, und auch Fallobst bleibt für verschiedene Wildtiere interessant. Siebenschläfer, Marder, Dachse und Igel nehmen die Früchte als Nahrung auf.
Im Gegensatz zu vielen Kulturbirnen besitzt die Wildbirne zahlreiche Dornen an ihren Kurztrieben. Dicht gewachsene Exemplare bieten dadurch geschützte Bereiche für Vögel und Kleintiere, besonders an Waldrändern, in Feldgehölzen und Hecken.
Mit bis zu zwanzig Metern kann die Wildbirne deutlich größer werden als der Wildapfel. Sie bevorzugt warme, nährstoffreiche Standorte und kommt unter anderem in lichten Laubwäldern, Auwäldern, Trockengebüschen und felsigen Lagen vor. Ihre weißen Blüten erscheinen im April und Mai und werden von zahlreichen Insekten besucht.
Da Wildbirnen heute meist nur noch vereinzelt vorkommen, kann auch die Bestäubung erschwert sein. Als selten gewordene heimische Baumart trägt die Wildbirne zugleich zur Struktur- und Artenvielfalt unterschiedlicher Lebensräume bei.
5. Der Speierling
Eine seltene Wildobstart
Er sieht der Vogelbeere ähnlich, wird aber wesentlich älter und kräftiger: Der Speierling kann mehrere Jahrhunderte überdauern und im Freistand eine breite, mächtige Krone entwickeln. Seine kleinen Früchte erinnern je nach Form an Äpfel oder Birnen. Sie reifen im Oktober und werden erst im überreifen, teigigen Zustand wirklich weich.
Für Wildtiere ist der Speierling ein besonders vielseitiger Nahrungsspender. Vögel fressen seine Früchte ebenso wie Nagetiere, Marder und Dachse. Auch Rehe und Wildschweine bedienen sich am Fallobst. Junge Triebe sind beim Wild allerdings ebenfalls begehrt – ein Grund, weshalb neu gepflanzte Speierlinge in den ersten Jahren häufig geschützt werden müssen.
Der wärme- und lichtliebende Baum wächst langsam und kann sich gegen schnellere Baumarten nur schwer behaupten. Man findet ihn daher vor allem in lichten Eichenwäldern, an warmen Hängen sowie in alten Streuobst- und Weinbaulandschaften. In Österreich zählt er zu den seltensten heimischen Baumarten.
Dabei könnte gerade der Speierling künftig wieder wichtiger werden. Er verträgt Wärme und Trockenheit vergleichsweise gut, wurzelt tief und verbindet ökologische Bedeutung mit wertvollem Holz und nutzbaren Früchten. Im Revier ist er allerdings zunächst vor allem eines: eine seltene Baumart, deren Früchte zahlreichen Wildtieren als Nahrung dienen.
Wann reift welches Wildobst?
| Wildobst | Reifezeit |
|---|---|
| Vogelkirsche (Prunus avium) | Juni bis Juli (regional bis Anfang August) |
| Vogelbeere (Sorbus aucuparia) | August bis Oktober |
| Wildbirne (Pyrus pyraster) | September bis Oktober |
| Wildapfel / Holzapfel (Malus sylvestris) | September bis Oktober |
| Speierling (Sorbus domestica) | September bis Oktober |
Wildobst sorgt für natürliche Vielfalt im Revier
Eines sei zum Schluss gesagt:
Keiner dieser Wildobst-Bäume allein kann alle Bedürfnisse der Wildtiere erfüllen.
Gemeinsam sorgen sie jedoch über viele Monate hinweg für ein vielfältiges natürliches Nahrungsangebot: Die Vogelkirsche liefert bereits im Hochsommer Früchte, Vogelbeere und Wildbirne folgen im Spätsommer, Wildapfel und Speierling reichen bis weit in den Herbst hinein. Manche Früchte bleiben am Baum hängen, andere werden zu Fallobst und versorgen Tiere am Boden.
Gerade diese Vielfalt macht die fünf Wildobstarten so wertvoll. Sie bieten Nahrung, Deckung und Lebensraum für zahlreiche Tierarten und tragen zu einem strukturreichen Revier bei. Wer Wildobstbäume erhält, freistellt oder neu pflanzt, leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Biodiversität. Wildobstbäume sind ein Gewinn für das Revier und seine Artenvielfalt.
UNSERE
LESE-EMPFEHLUNG
Quelle (u.a.): Biodiversität (Vogelbeere und mehr)
Bildquellen für diesen Beitrag: © Envato | © Canva | © ChatGPT (Wildkirsche)
Autor für diesen Beitrag: U. Macher / Jagdfakten.at
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