
Wie nachhaltige Jagd zum Erhalt von Arten und Lebensräumen beiträgt
Der Weltnaturschutztag am 28. Juli rückt den Schutz unserer natürlichen Lebensräume, die Artenvielfalt und den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen in den Mittelpunkt. Jägerinnen und Jäger leisten dazu vielerorts einen wichtigen Beitrag – durch Lebensraumpflege, Monitoring und nachhaltige Nutzung. Wie das Prinzip „Schutz durch Nutzung“ in der Praxis zum Erhalt von Arten und Lebensräumen beiträgt.
Weltnaturschutztag –
Lebensräume zukunftsweisend schützen
Unsere Natur ist Lebensraum, Rückzugsort und Lebensgrundlage zugleich. Wälder, Wiesen, Gewässer und alpine Landschaften beherbergen eine enorme Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Damit das auch für kommende Generationen so bleibt, braucht es einen verantwortungsvollen Umgang mit unserer Umwelt.
Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) beschreibt den Weltnaturschutztag am 28. Juli als Aktionstag, der den aktiven Erhalt unserer natürlichen Lebensräume und ihrer Ressourcen in den Mittelpunkt stellt. Ziel ist es, das öffentliche Bewusstsein für deren Schutz zu stärken. Eine gesunde Umwelt bildet schließlich die Grundlage für das Wohlergehen heutiger und zukünftiger Generationen.
Doch was bedeutet Naturschutz in der Praxis? Arten lassen sich langfristig nur erhalten, wenn auch ihre Lebensräume geschützt werden. Gleichzeitig zeigt sich gerade in unserer Kulturlandschaft, dass der Erhalt wertvoller Lebensräume mitunter aktive Pflege und Bewirtschaftung braucht.
Jägerinnen und Jäger leisten dazu das ganze Jahr über einen wichtigen Beitrag – durch die Pflege und Verbesserung von Lebensräumen, die Beobachtung von Wildbeständen und ihr Engagement für den Erhalt heimischer Wildarten.

Birkhuhn – auf strukturreiche alpine Lebensräume angewiesen

Luchs – seltene heimische Wildart

Rehgeiß mit Kitz – auch häufige Wildarten brauchen intakte Lebensräume
Artenschutz braucht Lebensraumschutz
Keine Wildtierart lässt sich dauerhaft erhalten, ohne ihren Lebensraum mitzudenken. Rebhuhn und Feldhase brauchen strukturreiche Kulturlandschaften, Birk- und Auerhuhn lichte, vielfältig strukturierte Lebensräume, andere Arten wiederum Feuchtgebiete oder naturnahe Wälder. Ausreichend Nahrung, Deckung und ungestörte Rückzugsräume sind dabei wesentliche Bestandteile geeigneter Lebensräume.
Naturschutz bedeutet deshalb mehr als den Schutz einzelner Arten. Entscheidend ist, die Lebensräume, auf die sie angewiesen sind, langfristig zu erhalten, zu verbessern und verantwortungsvoll zu bewirtschaften.
Jägerinnen und Jäger als Naturschützer
Lebensraumpflege in der Praxis: Wildhecken bieten zahlreichen Wildarten Nahrung und Deckung
Jagd beschränkt sich nicht auf die Entnahme von Wild. Das Themen- und Aufgabengebiet geht weit darüber hinaus: Jägerinnen und Jäger beobachten Wildbestände über das gesamte Jahr, kennen die Lebensräume des Wildes und deren Veränderungen und investieren viel Zeit und Arbeit in deren Erhalt und Verbesserung.
Ein großer Teil dieses Engagements erfolgt ehrenamtlich. Darüber hinaus investieren Jägerinnen und Jäger auch eigene finanzielle Mittel in Lebensraumpflege, Wildtiermanagement und weitere Maßnahmen zum Schutz von Wild und Lebensräumen.
Jagdlicher Naturschutz zeigt sich in der Praxis beispielsweise durch:
- Lebensraumpflege: Hecken, Wildäcker, Äsungsflächen und andere wertvolle Strukturen werden angelegt, erhalten und gepflegt.
- Monitoring: Wildbestände und ihre Entwicklung werden regelmäßig beobachtet und dokumentiert.
- Artenschutz: Maßnahmen für gefährdete Wildarten und deren Lebensräume werden umgesetzt.
- Wildtierrettung: Dazu zählt etwa die Rettung von Rehkitzen vor der Mahd.
- Revierpflege: Jägerinnen und Jäger sammeln achtlos weggeworfenen Müll und tragen dazu bei, Wildtierlebensräume sauber zu halten.
- Zusammenarbeit: Viele Projekte entstehen gemeinsam mit Grundeigentümern, Land- und Forstwirtschaft, Wissenschaft und weiteren Akteuren des Naturschutzes.
Rebhuhn – Lebensraumschutz durch strukturreiche Kulturlandschaften
Blick über den Tellerrand:
Dass dieses Engagement weit über einzelne Reviere und Ländergrenzen hinausgeht, zeigt das aktuelle Biodiversity Manifesto des europäischen Jagdverbandes FACE: Es basiert auf 581 Naturschutzinitiativen von Jägerinnen und Jägern in Europa. Mehr als 200 davon widmen sich der Wiederherstellung von Lebensräumen.
Wie dieses Engagement konkret aussehen kann, zeigt ein aktuelles Projekt in der polnischen Region Wielkopolska: Dort arbeiten Jägerinnen und Jäger gemeinsam mit Landwirtschaft, Gemeinden und der lokalen Bevölkerung daran, die Lebensbedingungen für das Rebhuhn und weitere Arten der Agrarlandschaft zu verbessern. Unter anderem werden Landschaftsstrukturen wiederhergestellt, Vegetationsstreifen geschaffen und heimische Bäume und Sträucher gepflanzt. Auch eine ehemals als illegale Ablagerungsfläche genutzte Fläche wurde renaturiert. Das Projekt verbindet damit Artenschutz, Lebensraumverbesserung, Monitoring und Umweltbildung.

Wasser – unverzichtbare Lebensgrundlage für Tiere, Pflanzen und ihre Lebensräume
Schutz durch Nutzung: Raufußhühner als Beispiel
Wie eng nachhaltige jagdliche Nutzung und Naturschutz zusammenhängen, zeigen die heimischen Raufußhühner. Birk- und Auerhuhn brauchen offene beziehungsweise lichte, strukturreiche Lebensräume. Gehen diese durch Verbuschung oder zunehmenden Kronenschluss verloren, verschlechtert sich ihr Lebensraum. Deren Erhalt und gezielte Pflege sind daher aktiver Naturschutz.
In Österreich werden die Bestände von Auer- und Birkwild regelmäßig beobachtet und erfasst. Das jagdliche Interesse schafft dabei einen zusätzlichen Anreiz, die Wildarten und ihre Lebensräume langfristig zu erhalten und zu verbessern.
Genau darin liegt das Prinzip „Schutz durch Nutzung“: Nachhaltige Nutzung und Naturschutz schließen einander nicht aus, sondern können sich gegenseitig unterstützen. Auch die Weltnaturschutzunion IUCN erkennt die nachhaltige Nutzung wildlebender Arten als wichtiges Instrument des Naturschutzes an.
Auerhahn – Lebensraumpflege und Monitoring tragen zum langfristigen Erhalt der heimischen Raufußhühner bei
Schutz durch Nutzung weltweit
Der Weltnaturschutztag richtet den Blick über Österreich hinaus. In Teilen Afrikas etwa konkurrieren Wildtierlebensräume mit Landwirtschaft, Viehzucht und anderen Landnutzungsformen. Für ihren langfristigen Erhalt kann daher entscheidend sein, dass auch die Menschen vor Ort vom Fortbestand der Wildtiere profitieren. Nachhaltige Nutzung kann zusätzliche Anreize schaffen, Wildtiere und ihre Lebensräume zu erhalten und in Monitoring, Management und Maßnahmen gegen Wilderei zu investieren.
Natur- und Fototourismus leisten dazu einen wichtigen Beitrag, sind aber nicht in jeder Region gleichermaßen umsetzbar. Zahlreiche Hotels, eine gute Lebensmittel- und Wasserversorgung sowie Abfallbewirtschaftung, minimale Krankheitsrisiken und gute Verkehrsinfrastrukturen sind u.a. wichtige Attraktivitätsfaktoren für Foto-Safaris, die in vielen Regionen fehlen und deren Errichtung wiederum auch sehr viele Wildlebensräume verdrängen würden.
Unter klar geregelten Voraussetzungen trägt nachhaltige Jagd zum Wildtiermanagement bei: Einnahmen können in Lebensraumschutz, Wildhüter und Maßnahmen gegen Wilderei fließen sowie lokale Arbeitsplätze schaffen. Die IUCN nennt dafür klare Voraussetzungen, darunter ökologische Nachhaltigkeit, einen Beitrag zum Naturschutz und die angemessene Einbeziehung der lokalen Bevölkerung.
Naturschutz ist Gemeinschaftsarbeit
Ob in Österreich oder weltweit: Unterschiedliche Arten und Lebensräume brauchen unterschiedliche Maßnahmen. Land- und Forstwirtschaft, Grundeigentümer, Wissenschaft, Behörden, Naturschutzorganisationen und die Jägerschaft tragen dabei gemeinsam Verantwortung.
Naturschutz hat dabei viele Gesichter: Er findet im Wald ebenso statt wie auf landwirtschaftlichen Flächen, in Feuchtgebieten oder im alpinen Raum. Manchmal geht es um großflächige Projekte, manchmal um einzelne Hecken, Rückzugsflächen oder die Verbesserung eines Lebensraumes vor Ort. Viele dieser Maßnahmen wirken nicht nur für eine einzelne Art, sondern kommen einer Vielzahl von Tieren und Pflanzen zugute.

Artenvielfalt bewahren – jede Art ist Teil eines vielfältigen Ökosystems

Lebensräume erhalten – Grundlage für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt

Rotwild – Wildtiere gehören zur Vielfalt unserer Kulturlandschaft
Der Weltnaturschutztag erinnert daran, dass der Erhalt unserer Natur Zusammenarbeit, wissenschaftliche Grundlagen und langfristiges Engagement braucht. Naturschutz, Artenschutz und nachhaltige Nutzung gehören dabei zusammen. Wo Nutzung verantwortungsvoll und wissenschaftlich fundiert erfolgt und zum Erhalt von Arten und Lebensräumen beiträgt, ist sie Teil des Naturschutzes.
Schützen, erhalten und nachhaltig nutzen gehören damit zu einer gemeinsamen Aufgabe: unsere Natur in ihrer Vielfalt auch für kommende Generationen zu bewahren.
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Quellen für diesen Beitrag:
- https://www.bmluk.gv.at/service/veranstaltungen/klima-und-umwelt/welttag-des-naturschutzes
- https://www.bmluk.gv.at/themen/klima-und-umwelt/natur-und-artenschutz-und-biodiversitaet/bekenntnis
- https://members.face.eu/wp-content/uploads/2025/02/FACE_BDM_Report_2024_reduced.pdf
- https://www.face.eu/2025/02/face-publishes-its-10th-biodiversity-manifesto-report/
- https://www.noejagdverband.at/wp-content/uploads/Endbericht-erhebung-15.doc-NEU.pdf
- https://www.jagdfakten.at/macht-jagd-auf-raufusshuehner-sinn/
- https://iucn.org/resources/issues-brief/sustainable-use-wild-species
- https://portals.iucn.org/library/node/29197
- https://www.noejagdverband.at/wild-und-lebensraeume/wildtiermonitoring
- https://www.kaerntner-jaegerschaft.at/termine-veranstaltungen/raufusshuhnzaehlung
Bildquellen für diesen Beitrag: © Envato
Autorin für diesen Beitrag: M. Landbauer / Jagdfakten.at
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