Bienenvolk auf Wabe, Honigbiene - Jagdfakten.at informiert

Kleine Bestäuber mit großer Wirkung für die Natur

Bienen gehören zu den wichtigsten Bestäubern unserer heimischen Pflanzenwelt. Beim Sammeln von Nektar und Pollen sorgen sie dafür, dass sich zahlreiche Wild- und Nutzpflanzen vermehren können. Doch Biene ist nicht gleich Biene: Wenn wir von „der Biene“ sprechen, meinen wir fast immer die Honigbiene.

Tatsächlich ist die Honigbiene nur eine von über 700 Bienenarten, die in Österreich vorkommen, und die einzige, die bei uns in großem Umfang imkerlich gehalten und zur Honiggewinnung genutzt wird. Alle übrigen, von wenige Millimeter kleinen Arten bis zur wuchtigen Blauen Holzbiene, leben wild.

Neben den wichtigsten Merkmalen einer Honigbiene erfahren Sie in diesem Steckbrief:

  • Wodurch unterscheidet sich die Honigbiene von Wildbienen?
  • Wie ist ein Bienenvolk aufgebaut?
  • Was macht Honigbienen so besonders?
  • Was frisst eine Honigbiene?
  • Zu welcher Jahreszeit sind Honigbienen aktiv?
  • Wie überwintern Honigbienen?
  • Wie gefährlich ist ein Bienenstich?
  • Welche Gefahren bestehen für Honigbienen?

HONIGBIENE
STECKBRIEF

Merkmal Honigbiene
Name Westliche Honigbiene (Apis mellifera); in Österreich überwiegend die Unterart Kärntner Biene oder „Carnica“ (Apis mellifera carnica), regional auch die Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera)
Ordnung Hautflügler (Hymenoptera)
Familie Echte Bienen (Apidae); Gattung: Honigbienen (Apis)
Größe Arbeiterin 12–15 mm, Drohne 15–17 mm, Königin 16–20 mm
Gewicht Arbeiterin rund 0,1 g
Volksstärke Sommer: 20.000–50.000 Tiere; Winter: 5.000–15.000 Tiere
Fortpflanzung Entwicklung vom Ei bis zum Schlupf: Königin 16 Tage, Arbeiterin 21 Tage, Drohne 24 Tage
Lebenserwartung Sommerbiene 4–6 Wochen, Winterbiene 6–8 Monate, Königin 3–5 Jahre
Honigbiene sitzt auf Palmkätzchen - Jagdfakten.at informiert
Honigbiene
Sandbiene, Wildbienen in Österreich - Jagdfakten.at informiert
Sandbiene
Blaue Holzbiene sitzt auf rosa Blüte - Jagdfakten.at informiert über Wildbienen in Österreich
Blaue Holzbiene

Honigbienen und Wildbienen – wo liegt der Unterschied?

 

Die Honigbiene ist ein Nutztier.
Sie lebt in Völkern, die den Winter geschlossen überdauern. Sie legt große Nahrungsvorräte an – und genau diese Vorräte sind es, die der Mensch als Honig erntet. In Österreich betreuen rund 33.000 Imkerinnen und Imker etwa 450.000 Bienenvölker. Die Honigbiene ist damit die einzige Bienenart, deren Bestand in Österreich in großem Umfang imkerlich bewirtschaftet wird.

Wildbienen leben wild und überwiegend solitär.
Ein Weibchen baut sein Nest selbst, versorgt jede Brutzelle einzeln mit einem Pollenvorrat, legt ein Ei dazu, verschließt die Zelle und stirbt – lange bevor die Nachkommen schlüpfen. Es gibt keinen Staat, keine Arbeiterinnen, keine Vorräte für den Winter und folglich auch keinen Honig.

Hummeln sind eine Ausnahme und leben nicht solitär:
Sie bilden echte, wenn auch kleine und einjährige Völker. Von ihnen sind in Österreich rund 45 Arten bekannt. Ökologisch besonders wertvoll sind sie deshalb, weil sie bereits bei niedrigen Temperaturen fliegen.

Was haben Honigbienen und Wildbienen gemeinsam? 
Beide Bienenarten sammeln Pollen und Nektar und leisten einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung von Pflanzen.

Honigbienen und Wildbienen im Vergleich: 

Die nachfolgende Tabelle gibt einen guten Überglich über die unterschiedlichen Lebensweisen der beiden Bienen-Gruppen:

UNTERSCHIEDE Honigbiene Wildbienen
Arten Eine Bienenart: die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) Rund 700 verschiedene Arten in Österreich
Lebensweise Lebt sozial in großen Bienenvölkern Über 90 % der Arten leben solitär
Überwinterung Das Bienenvolk überwintert gemeinsam Je nach Art überwintern Entwicklungsstadien bzw. einzelne Tiere
Nachwuchs Eine Königin legt sehr viele Eier und sichert den Fortbestand des Volkes Ein Weibchen legt meist nur 10–30 Brutzellen im gesamten Leben an
Beziehung zum Menschen Wird seit Jahrhunderten als Nutztier gehalten und von Imkern betreut Lebt überwiegend unabhängig vom Menschen in natürlichen oder geeigneten Ersatzlebensräumen

Wie ist ein Bienenvolk aufgebaut?

Ein Honigbienenvolk besteht aus drei unterschiedlichen Kasten:

  • Die Königin – normalerweise das einzige reproduktive Weibchen im Volk. Sie legt in der Hauptsaison bis zu 2.000 Eier pro Tag, also deutlich mehr als ihr eigenes Körpergewicht. Sie paart sich zu Beginn ihres Lebens auf einem oder mehreren Hochzeitsflügen mit einer ganzen Reihe von Drohnen und speichert den Samenvorrat für Jahre.
  • Die Arbeiterinnen – regulär reproduktiv inaktive Weibchen, die praktisch alles erledigen. Ihre Aufgaben wechseln mit dem Alter: erst Zellen putzen, dann Brut pflegen, Waben bauen, Vorräte einlagern, das Flugloch bewachen – und zuletzt, in den letzten zwei bis drei Lebenswochen, Nektar und Pollen sammeln.
  • Die Drohnen – die Männchen. Sie sammeln nicht, sie haben keinen Stachel, und ihre einzige Aufgabe ist die Begattung junger Königinnen. Im Spätsommer werden sie aus dem Volk gedrängt.

Was macht die Honigbienen so besonders:

  • Honigbienen vermehren sich auch als Volk: Beim Schwärmen verlässt die alte Königin mit einem großen Teil der Arbeiterinnen den Stock und gründet andernorts ein neues Volk, während im alten eine junge Königin heranwächst.

  • Vielfältiges Kommunikationssystem: Bienen verständigen sich über unterschiedliche Vibrationssignale, deren Stärke, Dauer und Frequenz etwa Informationen über Gefahren vermitteln können. Auch chemische Signale und vermutlich elektrische Felder spielen bei der Informationsübertragung eine Rolle. Der berühmte Schwänzeltanz ist somit nur ein Teil eines erstaunlich vielfältigen Kommunikationssystems.

  • Berühmt geworden ist die Honigbiene für ihre Tanzsprache: Eine Sammlerin teilt ihren Stockgenossinnen mit, wo eine ergiebige Trachtquelle liegt: Bei nahen Zielen tanzt sie überwiegend im Kreis, bei weiter entfernten führt sie den sogenannten Schwänzeltanz auf. Der Winkel des Tanzes zur Senkrechten der Wabe entspricht dabei dem Winkel zwischen Sonne und Trachtquelle – die Dauer des Schwänzelns codiert die Entfernung. Der österreichische Zoologe Karl von Frisch erhielt für die Entschlüsselung dieses Verhaltens 1973 den Nobelpreis.

Neuere Forschungen zeigen jedoch, dass die Kommunikation im Bienenvolk noch wesentlich komplexer ist. Junge Bienen müssen die Tanzsprache teilweise von erfahrenen Artgenossinnen lernen. Fehlen solche Vorbilder, bleiben ihre Tänze insbesondere bei der Entfernungsangabe ungenauer. Damit besitzt die Tanzsprache sogar Elemente sozialer beziehungsweise kultureller Weitergabe.

Was frisst eine Honigbiene?

Die beiden wichtigsten Nahrungsressourcen von Bienen sind:

  • Nektar– liefert Zucker und damit die Energie für den Flug.
  • Pollen– liefern Eiweiß, Fette und Mineralstoffe und sind eine zentrale Protein- und Nährstoffquelle für die Brut.

Honigbienen nutzen zusätzlich Honigtau, die zuckerhaltigen Ausscheidungen von Blattläusen. Daraus entsteht der dunkle Wald- oder Blatthonig.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Honigbienen und >> Wildbienen liegt in der Wahl der Trachtpflanzen. Die Honigbiene ist ein Generalist und nutzt, was gerade in Masse blüht. Viele Wildbienenarten sind dagegen Spezialisten (oligolektisch) und sammeln Pollen nur an einer einzigen Pflanzengattung oder -familie.

Wann sind Honigbienen aktiv?

Die Honigbiene ist tagaktiv und fliegt von den ersten warmen Märztagen bis in den Oktober. Ihr üblicher Sammelradius liegt bei bis zu drei Kilometern, in Ausnahmefällen deutlich darüber. Bei Temperaturen unterhalb von rund 10 bis 12 Grad stellt die Honigbiene ihre Sammelflüge weitgehend ein.

Das vertraute Summen der Honigbienen entsteht übrigens durch ihren Flügelschlag von rund 200 bis 250 Schlägen pro Sekunde.

Wie überwintern Honigbienen?

Die Honigbiene hält keinen Winterschlaf. Das Volk zieht sich zur sogenannten Wintertraube zusammen und hält sich durch Muskelzittern aktiv warm – im Kern der Traube liegt die Temperatur meist zwischen 20 und 30 Grad und wird je nach Witterung aktiv nachgeregelt; sobald Brut vorhanden ist, hält das Volk den Brutbereich bei rund 35 Grad. Bezahlt wird diese Leistung mit den eingelagerten Vorräten. Die Bienen, die diese Zeit durchstehen, sind speziell dafür ausgestattete Winterbienen, die statt weniger Wochen mehrere Monate leben.

Im Gegensatz zu Honigbienen überdauern >> Wildbienen den Winter dagegen fast immer als Einzeltier.

Ist der Stich einer Honigbiene gefährlich?

Bei der Honigbiene ist der Stachel mit Widerhaken versehen. Sticht sie in die elastische Haut eines Säugetiers, bleibt der Stachel samt Giftblase stecken, reißt aus dem Hinterleib und die Biene stirbt. Der Stachel pumpt danach selbstständig weiter – er sollte daher so rasch wie möglich entfernt werden.

  • Stechen Bienen? Bienen stechen nur zur Verteidigung des eigenen Lebens oder des Nestes. Aggressiv sind sie nicht.

  • Ist ein Bienenstich gefährlich? Ernst zu nehmen ist ein Stich bei bekannter Insektengiftallergie sowie bei Stichen im Mund- und Rachenraum. Hier ist umgehend ärztliche Hilfe erforderlich.

Gefahren für Honigbienen

Die Honigbiene leidet vor allem unter der aus Asien eingeschleppten Varroamilbe, die Bienen und Brut schwächt und Viren überträgt. Sie ist der Hauptgrund für Winterverluste, die je nach Jahr stark schwanken. Ohne imkerliche Behandlung überlebt ein Volk in unseren Breiten dauerhaft kaum.

Hinzu kommen Nahrungsengpässe in ausgeräumten Landschaften. Und seit Kurzem ein neuer Fressfeind: die >> Asiatische Hornisse (Vespa velutina), die heimkehrenden Sammlerinnen im Schwebflug vor dem Flugloch auflauert.

Honigbiene und >> Wildbienen sind unterschiedlich bedroht.

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Bildquellen für diesen Beitrag: © Pixabay | © Pexels | © Wikipedia
Autor für diesen Beitrag: Dominique Damay  / Tiroler Jägerverband

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