
Pilzglück mit Rücksicht: Wie Pilzsammler Wildtieren nicht in die Quere kommen
Ein voller Korb mit Steinpilzen oder Eierschwammerln ist ein Sommertraum.
Damit die Freude nicht auf Kosten des Wildes geht, braucht es dennoch Regeln. Wir erklären, welche.
Pilze sammeln Verhaltensregeln –
im Lebensraum der Wildtiere
Plötzlich sind sie da. Wann ist das passiert? Über Nacht? Heute Morgen? Wer ein Auge für Schwammerln hat, die zu Beginn des Sommers plötzlich aus dem Boden schießen, kann es oft kaum glauben: Wo vor Kurzem unscheinbares Moos oder verrottendes Holz lag, wachsen nun die ersten kulinarischen Schätze des Waldes, mit denen man zu Hause protzen kann.
Natürlich: Ein voller Korb mit Eierschwammerln, Steinpilzen oder anderen heimischen Arten ist ein kleines Glückserlebnis – und gerade in Österreich gehört das Pilzesuchen für viele Menschen zum Sommer und Herbst wie das Wandern oder die Jagd. Doch bei aller Begeisterung darf eines nicht vergessen werden: Der Wald ist kein Freizeitpark. Er ist Lebensraum von Wildtieren – und für sie zugleich Nahrungs-, Ruhe- und Rückzugsraum.
Wer auf der Suche nach Pilzen abseits der Wege unterwegs ist, kann dabei unbemerkt in sensible Bereiche vordringen und Wildtiere aufscheuchen. Da können Pilzsaison und zunehmender Besucherdruck im Wald durchaus zum Problem werden. Warum genau? Was sollte man auf der Pilzpirsch beachten, um möglichst rücksichtsvoll gegenüber dem heimischen Wild zu sein?

Wald- und wildtierfreundliche Pilzsuche


Der Wald gehört nicht nur uns
Auch im Herbst, wenn Tiere Reserven für die kalte Jahreszeit aufbauen müssen, kann jede unnötige Flucht belastend sein. Eine einzelne Begegnung mag harmlos wirken – die Summe vieler Begegnungen durch zahlreiche Waldbesucher kann jedoch eine erhebliche Belastung darstellen.
„Als Waldbesucher habe ich zu verstehen und zu akzeptieren, dass mein Erholungssuchen im Wald immer auch jene Bewohner beeinträchtigen kann, die dort leben“, sagt Hans Grundner, Landesforstdirektor im Amt der Niederösterreichischen Landesregierung. „Im Wald verhält man sich grundsätzlich leise und meidet das Durchstreifen dichter Waldpartien, etwa Dickungen und Stangenhölzer, wo größere Wildtiere gerne ihren Einstand haben.“
Wichtig sei, so Grundner, sich auch als Pilzsucher an den allgemein gültigen Regeln für Waldbesucher zu orientieren.
Mit wenigen Regeln wird die Pilzsuche wildtierfreundlich
Grundsätzlich dürfen Privatpersonen in Österreich für den Eigenbedarf bis zu zwei Kilogramm Pilze pro Person und Tag sammeln. Diese Regelung dient dem Schutz des Waldes und des biologischen Gleichgewichts.
- Auf den Wegen bleiben, wo immer es möglich ist: Nicht jede schöne Stelle im Wald muss betreten werden. Besonders Dickungen, dichte Jungbestände und bekannte Einstände des Wildes sollten gemieden werden.
- Die Dämmerung meiden: Die frühen Morgen- und Abendstunden gehören dem Wild. Wer in diesen Zeiten unnötig in den Wald eindringt, stört genau dann, wenn Tiere ihre Äsungs- und Ruheplätze aufsuchen.
- Der Wald ist Wohn- und Schlafzimmer der Wildtiere: Diese einfache Vorstellung hilft, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Niemand würde ungefragt durch das Wohnzimmer eines anderen Menschen laufen – auch Wildtiere brauchen Rückzugsräume.
- Hunde unter Kontrolle halten: Ein freilaufender Hund kann für Wildtiere eine erhebliche Gefahr darstellen. Auch wenn er „nur spielen“ möchte, bedeutet seine Anwesenheit Stress und kann Fluchtreaktionen auslösen.
- Keinen Müll zurücklassen: Alles, was in den Wald mitgenommen wird, muss auch wieder hinaus. Plastik, Verpackungen oder Taschentücher gehören nicht in die Natur.
- Keine unnötige Lautstärke: Gespräche, Musik oder Rufe tragen weit durch den Wald. Ruhe ist einer der wertvollsten Beiträge, die Besucher leisten können.
- Nur sammeln, was man kennt und braucht: Pilze sind Teil des Ökosystems. Sie sind nicht nur Nahrung für Menschen, sondern erfüllen wichtige Funktionen im Naturhaushalt und dienen auch zahlreichen Tieren als Lebensgrundlage.
Ein voller Korb, der dem Wald nicht schadet
Damit keine Missverständnisse entstehen: Das Pilzesuchen (und Finden!) im Wald gilt zu Recht als eine schöne, sinnvolle und naturverbundene Praxis. Doch mit zunehmender Beliebtheit entsteht immer öfter der Eindruck, der Wald sei Freizeitpark und Selbstbedienungsladen zugleich.
Damit auch in Zukunft die Freude über einen guten Pilzfund nicht getrübt wird, lohnt es sich, die oben genannten Punkte zu berücksichtigen. So banal oder selbstverständlich sie auf den ersten Blick auch scheinen mögen: Sie tragen dazu bei, dass Mensch und Tier rücksichtsvoll miteinander auskommen können – und damit auch die Biodiversität unserer Wälder erhalten bleibt.
Ein Pilz ist eben mehr als nur ein Pilz. Und ein voller Korb hoffentlich noch lange etwas Spektakuläres, das man mit gutem Gewissen zu Hause genießen kann.
Weitere Informationen zum Pilze- und
Schwammerlsuchen in Österreich:
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LESE-EMPFEHLUNG
Dr. Otto Stoik, Obmann der ARGE österreichischer Pilzberater:
6 Fakten zum Pilzesammeln in Österreich
Österreichische Mykologische Gesellschaft:
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Bildquellen für diesen Beitrag: © Pixabay
Autor für diesen Beitrag: L. Palm / Jagdfakten.at
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