Sandbiene, Wildbienen in Österreich - Jagdfakten.at informiert

Vielfältig, faszinierend und wichtig für die Natur:

Wildbienen sind keine einzelne Bienenart, sondern eine große Gruppe unterschiedlichster Arten – von winzigen Solitärbienen bis zu kräftigen Hummeln und Holzbienen. In Österreich leben rund 700 Wildbienenarten, die sich in Größe, Lebensweise und Nistverhalten teils stark unterscheiden. Was sie gemeinsam haben und warum sie für die Natur so wichtig sind, zeigt dieser Steckbrief. Sie erfahren:

  • Wer ist eine Biene – und wer nicht?
  • Wodurch unterscheiden sich Wildbienen von Honigbienen?
  • Wie leben Wildbienen?
  • Warum sind Bienen so wichtig?
  • Wovon ernähren sich Wildbienen?
  • Zu welcher Jahreszeit sind Wildbienen aktiv?
  • Wie überwintern Wildbienen?
  • Wie gefährlich ist der Stich einer Wildbiene?

WILDBIENEN
STECKBRIEF

Merkmal Wildbiene
Name Wildbiene ist der Sammelbegriff für alle heimischen Bienenarten außer der Honigbiene, einschließlich Hummeln (Bombus)
Ordnung Hautflügler (Hymenoptera)
Familie Überfamilie: Apoidea, Teilgruppe: Bienen (Anthophila);
in Österreich sechs Familien (Seidenbeinen, Sandbienen, Furchenbienen, Sägehornbienen, Bauchsammlerbienen, Echte Bienen)
Größe Je nach Art etwa 4–28 mm (Blaue Holzbiene)
Gewicht Je nach Art unterschiedlich
Volksstärke Keine vergleichbare Volksstärke bei den überwiegend solitär lebenden Arten
Fortpflanzung Meist nur 10–30 Brutzellen pro Weibchen im gesamten Leben
Lebenserwartung Als fertige Biene wenige Wochen;
gesamter Entwicklungszyklus dauert meist ein Jahr
Sandbiene, Wildbienen in Österreich - Jagdfakten.at informiert
Sandbiene
Mauerbiene im Flug - Jagdfakten.at informiert über Wildbienen in Österreich
Mauerbiene
Blaue Holzbiene sitzt auf rosa Blüte - Jagdfakten.at informiert über Wildbienen in Österreich
Blaue Holzbiene

Wer ist eine Biene – und wer nicht?

Bienen sind Hautflügler und damit nahe Verwandte von Wespen, Hornissen und Ameisen. Das entscheidende Unterscheidungsmerkmal liegt aber nicht im Bauplan, sondern auf dem Speiseplan:

  • Bienen ernähren auch ihre Brut überwiegend pflanzlich – mit Pollen und Nektar.
  • Wespen und Hornissen dagegen versorgen ihre Larven mit tierischer Nahrung, also mit erbeuteten Insekten.

Daraus folgt das wichtigste Erkennungsmerkmal im Gelände: Bienen sind meist dicht behaart. Diese verzweigten Haare laden sich elektrostatisch auf und halten den Pollen fest. Ein Wespenkörper ist im Vergleich glatt und glänzend. Wer eine Biene mit gelben, orangen oder weißen „Höschen“ an den Hinterbeinen oder einem staubigen Bauch sieht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine echte Biene vor sich.

Häufig verwechselt werden Bienen außerdem mit Schwebfliegen. Die sind reine Nachahmer und leicht zu erkennen: Sie haben nur zwei statt vier Flügel, sehr große Augen, kurze Fühler – und sie können in der Luft auf der Stelle stehen.

Mauerbiene im Flug - Jagdfakten.at informiert über Wildbienen in Österreich
Mauerbiene
Europaeische Hornisse, Vespa crabro - Jagdfakten.at informiert
Europäische Hornisse

Wildbienen vs. Honigbienen – wie unterscheiden sie sich?

 

Wildbienen und Honigbienen gehören beide zu den Bienen und spielen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung. In ihrer Lebensweise unterscheiden sie sich jedoch deutlich: Während Honigbienen in großen Völkern zusammenleben, sind die meisten Wildbienen (über 90%) Einzelgänger und leben überwiegend solitär.

Wildbienenweibchen kümmern sich allein um ihren Nachwuchs. Für jedes Ei legen sie eine eigene Brutzelle an, statten diese mit ausreichend Pollen als Nahrung aus und verschließen sie anschließend. Die Jungtiere entwickeln sich danach ohne weitere Betreuung. Anders als bei Honigbienen gibt es bei den meisten Wildbienen weder ein dauerhaftes Volk noch Arbeiterinnen oder Wintervorräte – und damit auch keine Honigproduktion.

Wie leben Wildbienen?

Wildbienen betreiben Brutfürsorge, aber oft keine Brutpflege: Das Weibchen legt einen Nahrungsvorrat an und überlässt den Rest der Natur. Die Vielfalt der Nistweisen ist enorm – und für die Praxis im Revier der interessanteste Teil:

  • Im Boden nistet der größte Teil der Arten. Sie brauchen offene, vegetationsfreie oder schütter bewachsene Stellen: Sandlinsen, Abbruchkanten, Wegböschungen, Steilwände, trockene Rohbodenflächen.
  • In Totholz und Pflanzenstängeln siedeln unter anderem Mauerbienen und Blattschneiderbienen. Sie nutzen alte Käferfraßgänge im Hartholz oder markhaltige Stängel von Brombeere, Holunder und Königskerze.
  • In Schneckenhäusern, Felsspalten oder Lehmwänden nisten weitere spezialisierte Arten.
  • Und dann gibt es die Kuckucksbienen: Rund ein Viertel aller Arten baut überhaupt kein eigenes Nest, sondern schmuggelt die Eier in fremde Brutzellen. Ihre Larven fressen den Vorrat – und meist auch die rechtmäßige Larve. Kuckucksbienen sind wenig behaart und wirken dadurch wespenähnlich.

Diese Abhängigkeit von ganz konkreten Kleinstrukturen erklärt, warum Wildbienen so empfindlich auf Landschaftsveränderungen reagieren. Vor allem kleine Wildbienen nutzen ihre Umgebung meist nur im Radius weniger hundert Meter. Nistplatz und Nahrungsquelle müssen also dicht beieinanderliegen – ein blühender Streifen ohne Nistmöglichkeit nützt ihnen wenig, und umgekehrt.

Warum sind Bienen so wichtig:

  • Bienen sind die wichtigste Bestäubergruppe unserer Breiten. Der weitaus größte Teil der heimischen Blütenpflanzen ist auf die Bestäubung durch Tiere angewiesen, und rund drei Viertel der weltweit bedeutendsten Nutzpflanzenarten liefern höhere oder bessere Erträge, wenn Bestäuber vorhanden sind.

  • Für Jägerinnen und Jäger heißt das ganz praktisch: Ohne Bestäuber gibt es deutlich weniger Wildfrüchte im Revier.

Wovon ernähren sich Wildbienen?

Wildbienen ernähren sich vor allem von Nektar und Pollen: Nektar liefert Zucker und damit die notwendige Energie für den Flug. Pollen sind reich an Eiweiß, Fetten und Mineralstoffen und dienen vor allem der Versorgung der Brut.

Bei der Wahl ihrer Nahrungspflanzen sind Wildbienen sehr unterschiedlich spezialisiert. Während manche Arten Pollen von vielen verschiedenen Pflanzen sammeln, sind andere auf bestimmte Pflanzengattungen oder Pflanzenfamilien angewiesen, etwa an Glockenblumen, Weiden oder Korbblütlern.

Solche spezialisierten Arten werden als oligolektisch bezeichnet: Verschwindet die Pflanze, verschwindet die Biene. Dieser Zusammenhang macht Wildbienen zu ausgezeichneten Zeigerarten für die Qualität eines Lebensraums. Und damit unterscheiden sich viele Wildbienen von der >> Honigbiene, die als Generalistin ein deutlich breiteres Blütenangebot nutzen kann.

Wann sind Wildbienen aktiv?

Wildbienen haben artspezifische, oft sehr kurze Flugzeiten von nur vier bis acht Wochen.

Es gibt ausgesprochene Frühjahrsarten wie die Gehörnte Mauerbiene, deren Weibchen bereits im März unterwegs sind, und Spätsommerarten, die erst im August erscheinen. Hummeln fliegen schon bei wenigen Grad über null: Sie heizen ihre Flugmuskulatur durch Muskelzittern auf – das kann die Honigbiene zwar auch, doch der größere, dicht behaarte Hummelkörper hält diese Wärme deutlich besser.

Genau deshalb reicht eine einmalige Blüte im Mai nicht aus: Ein Lebensraum trägt Wildbienen nur dann, wenn er von März bis September durchgehend etwas zu bieten hat.

Wie kommen Bienen durch den Winter?

Beim Überwintern unterscheiden sich Wildbienen von Honigbienen grundlegend:

Wildbienen überdauern den Winter fast immer als Einzeltier in der Brutzelle – je nach Art als Ruhelarve, Puppe oder als bereits fertig entwickelte Biene, die erst im Frühjahr ausschlüpft.

  • Vorsicht: Wer im Herbst und Winter Stängel schneidet, Totholz räumt oder Böschungen abzieht, entfernt mit hoher Wahrscheinlichkeit die gesamte nächste Bienengeneration – auch wenn gerade keine Biene zu sehen ist. Das gilt für das zeitige Frühjahr genauso: Ausgeflogen wird je nach Art erst zwischen April und Juli.

Bei den Hummeln überlebt vom gesamten Volk nur die begattete Jungkönigin. Sie gräbt sich meist wenige Zentimeter tief in den Boden ein und gründet im nächsten Frühjahr ein neues Volk. Alle anderen Tiere sterben im Herbst.

Hingeben halten >> Honigbienen keinen Winterschlaf. Das Bienenvolk zieht sich stattdessen zur sogenannten Wintertraube zusammen und hält sich durch Muskelzittern aktiv warm.

Ist der Stich einer Wildbiene gefährlich?

Wildbienen sind für den Menschen praktisch harmlos. Viele Arten sind zu klein oder ihr Stechapparat zu schwach, um die menschliche Haut überhaupt zu durchdringen. Männchen aller Bienenarten – auch der Honigbiene – können grundsätzlich nicht stechen, da sich der Stachel evolutionär aus dem weiblichen Legeapparat entwickelt hat.

  • Sind Bienen aggressiv? Nein, Bienen sind nicht aggressiv. Bienen stechen nur zur Verteidigung des eigenen Lebens oder des Nestes.

  • Bienenstich, was tun? Bei bekannter Insektengiftallergie sowie bei Stichen im Mund- und Rachenraum ist umgehend ärztliche Hilfe erforderlich.

Gefahren für Bienen

Wildbienen sind vor allem durch den Verlust und die Verschlechterung geeigneter Lebensräume bedroht. Konkret zählen dazu das Verschwinden offener Bodenstellen, blütenreicher Säume, Raine und Brachen, eine großflächige oder zu häufige Mahd, das Mulchen von Randstreifen, die Beseitigung von Totholz und Altgrasbeständen sowie die Verinselung geeigneter Flächen.

Ein Wildbienenweibchen, das keinen geeigneten Nistplatz in Flugweite zu seinen Nahrungsquellen findet, kann sich nicht erfolgreich fortpflanzen.

Wildbienen und >> Honigbienen sind unterschiedlich bedroht.

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Bildquellen für diesen Beitrag: © Pixabay | © Pexels | © Wikipedia
Autor für diesen Beitrag: Dominique Damay  / Tiroler Jägerverband

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