Lebensraum Auerwild

Er zählt zu Recht zu den beeindruckendsten Wildtieren: Der Auerhahn.
Das ist seinem erhabenen Aussehen, seiner so markanten Art zu balzen und sicherlich auch seiner nicht überbordenden Population geschuldet.

Die idealen Lebensräume des Auerwilds werden weniger und daher zählt dieser wundervolle Vogel auch in vielen Berg- und Gebirgsregionen in Zentraleuropa mittlerweile zu den gefährdeten Wildarten. Das Auerwild ist nämlich nicht in der Lage sich neuen Bedingungen anzupassen. Daher sind wir umso mehr gefordert seinen Lebensraum zu respektieren und zu schützen.

Jagdfakten.at beschäftigt sich in diesem Beitrag mit folgenden Fragen:

  • Wie sieht der ideale Lebensraum des Auerwilds aus?
  • Welche Art der Bewaldung braucht das Auerwild?
  • Welche Bodenbeschaffenheit bevorzugt das Auerwild?
  • Wovon ernährt sich das Auerwild?
  • Was sind die beliebten Sommer- und Winterplätze des Auerwilds?
  • Welchen Bedrohungen ist das Auerwild ausgesetzt?
  • Wie sieht die Bestandsentwicklung des Auerwilds aus?
Auerwild, Auerhahn, Jagdfakten Österreich

Es gibt nicht viele Vogelarten, bei denen die Geschlechter derart verschieden aussehen wie beim Auerwild. Auerhahn und Auerhenne zählen zum Federwild, gehören zur Ordnung der Hühnervögel an und sind Teil der Tierfamilie der Raufußhühner.

Das Auerwild ist, was seinen Lebensraum anbelangt nicht sehr flexibel. Es hat sehr konkrete Anforderungen. Findet es diese nicht vor, wandert es entweder ab oder ist sogar bedroht, weil es eben nicht – wie viele andere Wildtierarten – in der Lage ist sich an neue, geänderte Bedingungen anzupassen.

Wie sieht der ideale Lebensraum
für das Auerwild aus?

Eines gleich vorweg: Den ausschließlich perfekten Lebensraum für das Auerwild gibt es nicht, den gäbe es auch in einer vom Menschen unberührten Natur nicht. Das muss auch nicht sein, denn das Auerwild hat auf das Jahr verteilt ein Streifgebiet (Aufenthaltsbereich, Heimgebiet) von mehreren Hundert Hektar, wobei der Aktionsradius der Hähne im Sommer größer als jener der Hennen ist. Experten sprechen davon, dass wenn 30 bis 50 Prozent des Streifgebietes dem notwendigen Lebensraum entsprechen, die Wahrscheinlichkeit für einen Erhalt der Populationsgröße sehr hoch ist.

Der bevorzugte Lebensraum für das Auerwild und die Art der Bewaldung:

  • Es braucht eine lockere Waldstruktur mit großflächigen Altbeständen, die vor allem den Hähnen als Schlafplatz dienen.

  • Der Kronenschluss (die Baumkronen benachbarter Bäume, idR. Laubbäume, berühren sich) hat idealerweise einen Anteil von 50 Prozent, daher lebt Auerwild auch in Waldteilen mit einen Nadelholzanteil von zumeist 70 Prozent.

  • Rund ein Fünftel der Baumarten sollten Kiefern, Tannen und ev. Fichten sein.

  • Das Auerwild braucht Wälder mit einer reichhaltigen Bodenvegetation, besonders beliebt sind Heidelbeeren aber auch ein ausgeprägtes Insektenleben.

  • Da diese Raufußhühner keine guten Flieger sind, brauchen sie ausreichend Hecken, um rasch Schutz suchen zu können.

  • Im Frühjahr bedarf es eines gemäßigten Klimas, da sonst die Gefahr für den Nachwuchs besteht. Bei einer besonders nasskalten Wetterlage ist die Sterblichkeit besonders hoch.

  • Die Fläche, der vom Auerwild besiedelten Gebiete umfasst 3.000 bis zu 30.000 Hektar. Die Dichte der Besiedelung ist von der Qualität des Lebensraums abhängig. Je mehr dieser den idealen Voraussetzungen entspricht, desto dichter ist die Population.

  • Das Auerhuhn lebt nicht in großen Gruppen, daher sind auf einer Fläche von 100 Hektar im Normalfall nur fünf bis 25 Tiere anzutreffen.

Ideale Bodenbeschaffung und Ernährung für das Auwerwild:

Das Auerhuhn braucht eine gut bewachsene Bodenvegetation. Zum Schutz und zur Nahrungsaufnahme. Die bereits erwähnte Heidelbeere zählt in den Sommermonaten zur Hauptnahrung. Rund 50 Prozent der aufgenommenen Nahrung entfällt in dieser Zeit auf diese Beere. Im Frühjahr und Herbst werden sogar die Knospen, Blätter und Stängel gefressen. In den Wintermonaten gehören Kiefern und Tannen, teilweise auch Fichten zur Hauptnahrung.

Der Insektenanteil spielt ebenfalls eine wichtige Rolle im Lebensraum des Auerwilds, nämlich bei der Aufzucht der Jungen. Ausgewachsene Tiere ernähren sich in der Regel zwar rein pflanzlich, Jungtiere werden aber mit Insekten gefüttert. Vor allem die Ameise ist wegen ihres hohen Eiweißgehalts eine wichtige Nahrungsquelle. Daher darf der Ameisenhaufen im idealen Lebensraum nicht fehlen.

Umgefallene Bäume bieten Schutz und die darunterliegenden Flächen werden von Hennen gerne als Brut- und Aufzuchtplätze verwendet. Kleine Wasserstellen, aber auch Staubbadeplätze zum Reinigen des Gefieders runden den bevorzugten Aufenthaltsbereich ab. Das Auerwild braucht also von allem etwas, aber von nichts zu viel.

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Was sind die beliebten Sommer-
und Winterplätze des Auerwilds?

Im Winter liegt das Streifgebiet der Hennen bei 100 – 150 Hektar, jenes der Hähne bei rund dem Doppelten. In den Sommermonaten ist der Aktionsradius deutlich größer und kann auf das Drei- und Vierfache ausgedehnt werden. Das ist zumeist auch notwendig, weil nur ein Drittel bis die Hälfte des Gebiets den idealen Bedingungen entspricht.

In der Balzzeit im April und Mai suchen Hähne für die Baumbalz lichte Waldgegenden mit einem hohen Altbaumbestand auf. Die Bodenbalz findet auch auf gut einsehbaren, freien Flächen mit niedrigem Bewuchs statt. Die Hähne bleiben in dieser Zeit auf ihren Balzplätzen, die aber auch mehrere Hektar groß sind. Die Hennen suchen im Frühling mehrere Balzplätze bei der Suche nach dem geeigneten Partner auf.

Nach der Balzzeit verlassen die Hähne ihre Balzplätze und kehren erst im Herbst wieder zurück.

Welchen Bedrohungen ist das Auerwild ausgesetzt?

Die Gefahren sind vielfältig, der Mensch ist jedoch in vielen Fällen der Verursacher, weil er in den Lebensraum der Tiere eingreift und die so notwendigen zusammenhängenden Flächen voneinander trennt. Das kann auf sehr unterschiedliche Arten passieren: eine einseitige oder für das Auerwild falsche Waldbewirtschaftung, die zunehmende Besiedlung oder durch Schigebiete, bzw. Mountainbikestrecken bzw. überfrequentierte Wanderstrecken. Daher setzen sich vor allem Jäger bei der Planung neuer Siedlungsgebiete und Sportstrecken für eine bewusste Bedachtnahme auf bereits bestehende Lebensräume unserer Wildtiere ein.

Neben dem Menschen hat das Auerwild aber natürlich auch Feinde in der Natur. Das sind zum einen Raubvögel wie Adler, Habicht oder Kauz und Uhu, aber auch Fuchs und Steinmarder zählen zu den natürlichen Feinden des Auerhuhns. Wildschweine und Dachse bilden zudem eine spezielle Gefahr für die junge Nachkommenschaft.

Daher arbeitet die Jägerschaft eng zusammen und achtet darauf welche Wildarten zusammenleben können und welche nicht. Durch ihre Arbeit erhalten Jäger allen Naturliebhabern die Wildvielfalt, die wir so schätzen und so gerne erleben. Ein gemeinsamer Lebensraum zum Beispiel von Fuchs, Schwarzwild und Niederwild, zu dem auch das Auerwild zählt, ist aus den eben beschrieben Gründen daher nicht ideal. Am Wichtigsten für die Population des Auerwilds ist aber der intakte Lebensraum.

Wie sieht die Bestandsentwicklung des Auerwilds aus?

Wir Österreicher dürfen uns glücklich schätzen, denn wir leben in einem Land in dem der Bestand des Auerwilds noch als intakt bezeichnet werden kann. Das trifft leider nicht auf den gesamten Alpenraum zu. Aber auch in Österreich ist das Auerhuhn längst nicht mehr in allen Bundländern stark vertreten. Vor allem in den östlichen Teilen der heimischen Alpen, aber auch in Teilen Kärntens und Vorarlbergs ist der Wildvogel nicht mehr so verbreitet. Mit einer Gesamtpopulation deutlich jenseits der 20.000 hat Österreich laut aktuellen Vergleichszahlen aber den höchsten Bestand an Auerwild in Europa.

Lebensraum Auerwild, Jagdfakten.at

Was können wir den Lebensraum Auerwild
alle gemeinsam intakten halten?

  • Halten Sie sich an die Regeln der Natur, verlassen Sie keine beschilderten Wege, erst recht nicht in der Frühlingszeit, wenn die jungen Wildtiere das Licht der Welt erblicken. Ein rabiater Auerhahn kann sehr unangenehm sein.
  • Verhalten Sie sich ruhig, zu lautes Schreien schreckt die natürlichen Bewohner unserer Wälder nur unnötig auf.
  • Haben Sie Respekt vor der Natur und den Wildtieren. Wir bewegen uns in ihrem Lebensraum.

Wer sich daran hält wird die Chance bekommen Tiere zu entdecken und beobachten zu können, die man sonst nur aus Büchern kennt und dadurch die Kraft und die Vielfalt unserer Heimat ganz neu entdecken.

Autor:

Walter Gröblinger

Walter Gröblinger ist seit 2018 ständiger Redakteur für jagdfakten.at und hat als Nicht-Jäger, Naturfreund und Familienvater einen anderen Blickwinkel auf das Thema Jagd.

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Bildquellen für diesen Beitrag:
Auerhahn & Auerhenne: Burgstaller
Titelbild und weitere Bilder: Pixabay

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