
Waldheilkunde mit Rücksicht
Der Wald kann unsere Gesundheit stärken. Er beruhigt, kühlt, entschleunigt und bringt uns in Bewegung. Doch für Rehe, Rothirsche, Füchse, Dachse und viele andere Wildtiere ist er weit mehr als ein Erholungsraum: Er bietet Wildtieren Ruhe, Deckung, Rückzugsräume und Raum für die Aufzucht ihrer Jungen. Wer die Kraft des Waldes erleben möchte, sollte deshalb vor allem eines mitbringen: Respekt.
KRAFTPLATZ WALD
Lebensraum vor Erholungsraum
Der Wald ist kein leerer Raum. Wer ihn betritt, betritt zugleich das Zuhause zahlreicher Wildtiere. Dichte Bestände bieten etwa Rehen, Rotwild und Wildschweinen wichtige Einstände und Rückzugsräume. Füchse und Dachse finden im Wald Deckung und geschützte Plätze für die Aufzucht ihrer Jungen. Sie stehen beispielhaft für die große Vielfalt an Tieren, die im Wald leben – von Säugetieren und Vögeln bis zu Amphibien, Reptilien und Insekten. Im Unterholz, in Dickungen, auf Lichtungen und an Waldrändern finden sie Lebensräume, die für uns meist verborgen bleiben und gerade deshalb besonders störungsempfindlich sind.

Dickicht im Wald – ein wichtiger Rückzugsraum

Erholung im Wald – mit Rücksicht und Respekt
Gleichzeitig kann der Wald für Menschen ein Ort der Ruhe und Erholung sein. Kühlere Luft, gedämpftes Licht, natürliche Geräusche und Bewegung können dazu beitragen, Stress abzubauen und das Wohlbefinden zu stärken. Der Wald ist jedoch kein frei verfügbarer Erlebnisraum: Seine wohltuende Wirkung lässt sich auch auf bestehenden Wegen erfahren – rücksichtsvoll, möglichst leise, ohne Müll und mit Respekt vor Sperren und den Bedürfnissen der Wildtiere. Wer mit einem Hund unterwegs ist, sollte sich vorab über die örtlich geltenden Bestimmungen informieren. Der Hund sollte stets unter Kontrolle bleiben, auf den Wegen geführt werden und keine Wildtiere verfolgen – im Zweifel an der Leine.
Der Wald ist Lebensraum, bevor er zum Erholungsraum wird
Der Wald ist vor allem eines: Lebensraum. Wildtiere brauchen Bereiche, in denen sie ruhen, ihre Jungen aufziehen und Schutz vor Witterung und Störungen finden. Viele dieser Orte sind für Menschen nicht auf den ersten Blick erkennbar:
- Ein unscheinbarer Jungwuchs kann ein wichtiger Einstand sein.
- Eine Dickung kann Wildtieren Ruhe und Schutz bieten.
- Waldränder können Deckung und Verbindung zwischen unterschiedlichen Lebensräumen sein.
Jägerinnen und Jäger kennen die Lebensweise der Wildtiere und die Besonderheiten ihrer Lebensräume aus der Praxis. Wer Wege verlässt, Hunde unkontrolliert laufen lässt oder in der Dämmerung abseits der Wege unterwegs ist, kann Wildtiere aufscheuchen, ihren Energieverbrauch erhöhen und ihre natürlichen Aktivitätsrhythmen stören.
Erholung braucht Rücksicht
Wer den Wald als Kraftplatz erlebt, sollte ihn nicht intensiver, sondern bewusster nutzen.
Dafür müssen weder abgelegene Bereiche aufgesucht noch Naturbeobachtungen erzwungen werden. Rücksicht bedeutet, auf bestehenden Wegen zu bleiben, Hinweise und Sperren zu beachten, Lärm zu vermeiden und Wildtiere weder zu verfolgen noch zu bedrängen, zu berühren oder zu füttern.
Besonders in der Dämmerung und bei Nacht sowie während der Aufzuchtzeit und im Winter brauchen Wildtiere Ruhe. Werden sie aufgeschreckt, müssen sie flüchten und verbrauchen dabei zusätzliche Energie. Rücksichtsvolles Verhalten trägt deshalb dazu bei, den Wald als Lebensraum zu bewahren.
| LEBEN IM WALD | ERHOLEN IM WALD |
|---|---|
| Rückzugsort für zahlreiche Wildarten | Auf bestehenden Wegen bleiben |
| Einstände und Ruhebereiche für Wildtiere | Ruhezonen und Sperren respektieren |
| Kinderstube für Jungtiere | Jungtiere in Ruhe lassen und Abstand halten |
| Nahrungsraum mit Gräsern, Kräutern, Früchten, Insekten und Kleintieren | Wildtiere nicht füttern oder berühren |
| Schutz vor Witterung und Störungen | Möglichst leise verhalten |
| Sensibles Ökosystem | Müll wieder mitnehmen |
Die Rolle der Jagd:
Wissen über Wild und Lebensraum
Jagd ist eng mit Beobachtung verbunden. Wer jagdlich Verantwortung trägt, muss sich mit der Lebensweise der Wildtiere, ihren Einständen, Wechseln und Lebensräumen auseinandersetzen. Jägerinnen und Jäger erleben dabei, wie Wildtiere etwa auf Trockenheit, Freizeitdruck, freilaufende Hunde oder Lärm reagieren.
Damit kommt der Jagd auch eine vermittelnde Rolle zu. Sie kann erklären, warum Rücksicht im Wald keine Einschränkung, sondern Voraussetzung für ein funktionierendes Miteinander ist. Wer versteht, dass der Wald für Wildtiere Schlaf-, Wohn- und Esszimmer ist, bewegt sich anders durch ihn.
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Bildquellen für diesen Beitrag: © Envato | © Pixabay | © Schüler, BFW
Autor für diesen Beitrag: U. Macher / Jagdfakten.at
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