„Woher die schöne Sitte stammt, am Hut, welche wir im Revier Tragen, ein Gesteck für Gams- oder Hirschbart zu tragen, eine Nadel mit jagdlichem Symbol, wie z.B. ein Paar schöner Hirschgrandeln oder dergleichen, ist nicht zu erforschen …“  

Diese Zeilen schreibt Hubert Graf Voikffy vor etwa 100 Jahren in einem Text mit dem Titel „Einiges über Jagdabzeichen“. Damit reiht sich auch das Tragen von Jagdabzeichen in die Liste jener Traditionen ein, deren Ursprung zwar unklar ist, die aber trotzdem von vielen Generationen hochgehalten und damit Teil einer Kultur werden. In diesem Beitrag wollen wir ein wenig auf eben diese Tradition eingehen und aufzeigen wie vielfältig Jagdabzeichen sein können und sind. Lesen Sie hier:

 

  • Warum gibt es Jagdabzeichen?
  • Welche Jagdabzeichen gibt es?
  • Wer bekommt ein Jagdabzeichen?
  • Wer bekommt ein Jagdhundeführerabzeichen?

 

  • Welche Motive kommen bei Jagdabzeichen zur Verwendung?
  • Was bedeutet die Redewendung:
    „Das kannst du dir auf den Hut stecken“?

JAGDABZEICHEN

Herkunft & Historie

Die Jagd war über viele Jahrhunderte den meisten Menschen vorenthalten und nur ein Privileg des Adels. Das änderte sich mit dem sogenannten „Österreichischen Reichjagdgesetzt“ aus dem Jahr 1849, in dem der junge Kaiser Franz Josef I ein neues Jagdpatent erlies, das nun auch Eigenjagd bzw. Gemeinde- und Genossenschaftsjagd erlaubte. Und, das ein neues wichtigstes Ziel vorgab – den Schutz des Wildbestands.

Auch die Herkunft stellt im Kontext von Hutabzeichen eine große Rolle, da sie heute noch als Erkennungssymbol dienen. Hubert Graf Voikffy beschreibt es in seinem Text wie folgt:

„Jemand hatte den guten Gedanken, ein kleines Symbol seiner Familie oder seines Wohnsitzes, jagdlich geschmückt, anfertigen zu lassen, es zugleich mit seiner Jägerei am Hute zu tragen und seinen Jagdfreunden zu verehren. Ein Symbol, das nicht mit dem Livree (der Kleidung) zu tun hat. Sondern ein kleines, schlichtes Zeichen der Zusammengehörigkeit ist, ein netter, rührender Gedanke, der natürlich sofort Verbreitung fand und heute besonders hier in Österreich populär ist. Jeder Jäger freut sich über das einfache Gesteck, „das unser Herr a am Hütl tragt“ und hält es in Ehren.“

„Jeder freut sich über das einfache Gesteck“ – dieser Halbsatz zeigt, worum es geht: Jagdabzeichen sind in er Regel in ihrer Erscheinung eher schlicht. Zumeist handelt es sich um einfache Anstecker, die aber durchaus von hervorragender handwerklicher Qualität sein können. Schon seit der Monarchie gibt es Juweliere, die sich auf jagdliche Motive und Schmuckstücke spezialisiert haben.

Welche Jagdabzeichen gibt es?

Heute gibt es eine unendliche Vielzahl von Jagdabzeichen, die man im Wesentlichen gliedern kann in Abzeichen für:

♦ Besondere Funktionen, z.B. Berufsjäger, Jagdaufseher, Hundeführer, Jagdpächter, Jagdhornbläser, etc.

♦ Verdienste, Mitgliedschaften, Herkunft und

♦ diverse Leistungen.

Über die Jagdabzeichen hinaus, bietet der Jagdhut auch Platz für Accessoires. Zum Beispiel für besondere Jagderlebnisse, man kann sich auch Grandeln (Eckzähne des Rothirsches) oder besondere Federn an den Hut stecken. Zusätzlich gibt es noch die bekannten „Bärte“ wie Beispielsweise vom Wildschwein, Gams, Hirsch oder auch Dachs. Der Kreativität sind hierbei fast keine Grenzen gesetzt.

Jagdabzeichen
für Auszeichnungen

werden in Österreich in der Regel von den Landesjagdverbänden vergeben.

Erinnerungszeichen kann grundsätzlich jeder vergeben. Wie oben im historischen Text bereits erwähnt, werden diese Abzeichen oft am Ende einer gemeinsamen Jagd, eines gemeinsamen Erlebnisses als Dankeschön bzw. als Erinnerung des Gastgebers vergeben.

Der Bruch
als temporäres Abzeichen

Der Bruch wird als Abzeichen nur temporär, also für kurze Zeit am Hut getragen. Hier unterscheiden Jägerinnen und Jäger zwischen Beute-, Schützen- und Standesbruch. Vereinfacht gesagt ist ein Bruch, der am Hut getragen wird, ein etwa Handteller großer Zweig, der den Jägerstand bzw. eine erfolgreiche Jagd signalisieren soll. Bei der Auswahl des Bruchs gilt es darauf zu achten, dass er von einer bruchgerechten Baumart (Fichte, Tanne, Eiche, Erle, Kiefer, Latsche, Zirbe, Bergwacholder, Almrausch) abgebrochen wird. Dieses Abzeichen trägt man maximal 24 Stunden.

>> Der Bruch und seine Bedeutung

Jagdabzeichen
der Landesjagdverbände

Wie bereits erwähnt ist die Verleihung von Jagdabzeichen sehr föderal. Jeder der neun Landesverbände hat die Verleihung von Abzeichen individuell geregelt. Um einen Eindruck zu bekommen, haben wir hier beispielgebend Regelungen aus drei Landesjagdverbänden angeführt.

Der Tiroler Jagdverband
vergibt unter anderem folgende Abzeichen bzw. Hutnadel:

  • Berufsjägerabzeichen (dürfen nur vereidigte Berufsjäger tragen)
  • Jagdaufseherabzeichen (dürfen nur vereidigte Jagdaufseher tragen)
  • Verbandsabzeichen Tiroler Jägerverband (dürfen alle Verbandsmitglieder tragen)
  • (goldenes) Ehrenzeichen des Tiroler Jägerverbandes (bekommen Mitglieder für hervorragende Verdienste)
  • Ehrenzeichen der Bezirksstellen
  • (silbernes) Verdienstabzeichen des TJV (bekommen Mitglieder für langjährige/besondere Verdienste)
  • Nachsuchestation (für Hundeführer der Nachsuchestationen)

Mitgliedern des Tiroler Jägerverbandes, die sich durch langjährige ehrenamtliche Mitarbeit oder bei Verbandsveranstaltungen (z.B.: Trophäenschauen, Schulungskursen für Jungjäger und Jagdschutzorgane, Jagdhundeprüfungen u. dgl.) besondere Verdienste erworben haben, kann das Verdienstabzeichen des Tiroler Jägerverbandes verliehen werden.

Das Verdienstabzeichen besteht aus dem großen Verbandsabzeichen des Tiroler Jagdverbandes, umgeben von einem Latschenkranz in Silber, der die Inschrift „Für Verdienste“ trägt. Die Verleihung der Verdienstabzeichen obliegt dem Vorstand. Die Geehrten erhalten zum Abzeichen auch eine vom Landesjägermeister unterzeichnete Urkunde.

Verbandsabzeichen können alle Jägerinnen und Jäger des TJV bei der Geschäftsstelle beziehen.

Von der Salzburger Jägerschaft
erhalten Jägerinnen und Jäger für ihre Teilnahme am jährlich Jägerübungsschießen ein Hutabzeichen. Dies symbolisiert meistens eine Wildart Salzburgs.

Für langjährige Mitglieder der Salzburger Jägerschaft gibt es Hutabzeichen für

  • 40, 50, 60 und 70 Jahre Mitgliedschaft
  • jeweils unterschiedlich in Bronze, Silber und Gold.
Jagdabzeichen, Jagdfakten.at informiert

Weiters verleiht der Vorstand der Salzburger Jägerschaft für besondere Leistungen an Funktionäre Verdienstabzeichen in Bronze, Silber und Gold. Beispielsweise an Bezirksjägermeister oder Funktionäre des Ehrengerichts.

Von dem Niederösterreichischem Jagdverband
werden viele verschiedene Abzeichen vergeben. Eines davon, dass es in vielen Jagdverbänden gibt, ist das Jagdschützenabzeichen.

Das Jagdschützenabzeichen stiftet der NÖ Jagdverband in Bronze, Silber und Gold. Ferner verleiht der NÖ Jagdverband eine Zusatznadel „Goldene Jahresbestnadel für Jagdschützen“, die an Verbandsmitglieder verliehen werden, welche im kombinierten Schießen Leistungen erreichen, die vordefinierten Anforderungen entsprechen. Als Basis gilt die Schießstätten- und Schießordnung des NÖ Jagdverbandes.

Jagdhundeführer –
Abzeichen

Seit 1950 vergibt der ÖJGV, der Österreichische Jagdhundegebrauchsverband, Jagdhundeführerabzeichen für erfolgreich abgelegte Prüfungen eines Jagdhundes. Bei diesen Prüfungen werden Hunde auf ihre zukünftigen Aufgaben als Jagdhunde vorbereitet. Die jeweiligen Prüfungsordnungen sind an die rassespezifischen Fähigkeiten und Anforderungen der Hunde angepasst. Je nach Hunderasse handelt es sich dabei um die Gebrauchs- (GP), Haupt- (HP) oder Vollgebrauchsprüfungen (VGP). Abgelegte Prüfungen werden im österreichischen Leistungsbuch für Jagdhunde eingetragen.

Insgesamt verleiht der ÖJGV Abzeichen in 21 verschiedenen Leistungsstufen.

 

Motive
bei Jagdabzeichen

Die Motive der verschiedenen Jagdabzeichen sind sehr vielseitig. Sehr oft zieren Wappen der Landesjagdverbände die Anstecker, meist umrahmt von jagdlichen Motiven wie dem Hirschgeweih. Aber auch der Bruch, oder das Schwarzwild bzw. Raubvögel sind sehr beliebte Motive. 

Bei den heutigen Jagdabzeichen, vor allem bei den Erinnerungszeichen, sind der Fantasie faktisch keine Grenzen gesetzt. So finden wir, je nach Art der bejagten Strecke, die unterschiedlichsten Tiere auf den heimischen Jagdabzeichen, die sich die Trägerinnen und Träger gerne an ihren Hut stecken. Neben Tieren gehören zum Beispiel das Jagdhorn, Schützenscheiben und oft auch Hirschknöpfe oder Grandeln zu den Motiven.

Das kannst du dir
an den Hut stecken

Apropos an den Hut stecken: Diese Redensart kommt aus dem jagdlichen Kontext und gehört daher zu den jagdlichen Redewendungen, die Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs sind. 

Wie Sie gelesen haben, hat es mittlerweile eine lange Tradition sich Dinge an den Hut zu stecken. Bevor es den Brauch der heute üblichen Jagdanstecker gab – also von Abzeichen, die an ein gemeinsames Erlebnis oder eine besondere Leistung erinnern – waren es früher neben Bändern und Federn oft Trostpreise, die sich jemand an den Hut steckte, zum Beispiel bei Schützenfesten. Und da es sich zumeist um Materialien von einem geringen materiellen Wert handelte, wurde „das an den Hut stecken“ im Volksmund mit der Zeit zu einem Synonym für „Dinge, die nichts wert sind“. Heute meinen wir mit dieser Redewendung zumeist: „Das kannst du dir behalten“ oder „Davon will ich nichts wissen“.

>> Mehr jagdliche Redewendungen entdecken

Fazit

Jagdabzeichen sind für Jägerinnen und Jäger liebgewonnene Erinnerungsstücke und/oder Ehrenzeichen, die mit Freude und Stolz am Hut oder am Revier getragen werden. Mit der Vergabe der oft individuell gestalteten Anstecker, hält die Jagdgemeinschaft eine weitere Tradition aufrecht, die seit mehr als 100 Jahren ein fixer Bestandteil der Jagd ist. Die Preise dieser Abzeichen variieren dabei sehr: Von wenigen Euros für Verbandsabzeichen bis zu drei- und mehrstelligen Beträgen für von Juwelieren exklusiv angefertigten Schmuckstücken.

Zum Abschluss dürfen wir noch einmal Hubert Graf Voikffy zitieren, der in seinem bereits eingangs erwähnten Text abschließend schreibt:

„Möge sich dieser schöne Brauch des Jagdabzeichens weiterverbreiten, als Merkzeichen der Gastfreundschaft, der Zusammengehörigkeit der grünen Gilde, der Interessen- und Gefühlsgemeinsamkeit mit dem Berufsjäger und als äußeres sichtbares Zeichen echt weidmännischen Jagdbetriebes.“