Neben einer breiten Palette an Literatur, Musik und der bildenden Kunst & Bildhauerei gehören auch verschiedene Handwerke zum wichtigen Kulturerbe der Jagd. In diesem Text beschäftigen wir uns mit dem Jagdschmuck. Jagdfakten.at wollte mehr über dieses traditionelle Handwerk erfahren und hat mit Katharina Sturzeis, der Eigentümerin des Juweliergeschäfts Halder aus Wien gesprochen. Dabei wurde die Themen Produktion, die vielfältige Produktpalette an Schmuckstücken und Accessoires und die Wünsche der Kundinnen und Kunden beleuchtet:

 

JAGDSCHMUCK
Handwerk aus Tradition & Natur

Das Juweliergeschäft Halder in der Wiener Innenstadt ist seit mehr als 125 Jahren ein Inbegriff für hochwertigen Jagdschmuck in Wien, Österreich, Europa und darüber hinaus. Gegründet 1895 wird der Betrieb heute von Katharina Sturzeis geführt, die das Juwelier- und Silberschmiedgeschäft von der Familie Halder übernommen hat. Ihr Credo wird im Gespräch rasch klar: Individualität, höchste Qualität und Kreativität – daraus wird der Schmuck, der schon den Kaiser von Österreich begeistert hat.

Wir schreiben das Jahr 1910, in Wien findet die Weltausstellung zur Jagd im Prater, mit der Rotunde als zentraler Messehalle, statt. Für dieses Ereignis, das 2,7 Millionen zahlende Besucherinnen und Besucher anlockte, entwarf der Gründer Franz Halder jenes Accessoire, das heute das Symbol und das vermutlich bekannteste Schmuckstück des Unternehmens ist: Die „Haldersau“!

„Die „Haldersau“, ist ein Wildschwein, das mit dem angedeuteten Blattschuss und den Attributen von Hirsch, Gams und Rehbock ein auf wertvolle Weise schmückendes Amulett für alle Jägerinnen und Jäger sein soll. Ein Schmuckstück, das den Geist des Hauses Halder würdig und doch augenzwinkernd repräsentiert“,

erklärt Katharina Sturzeis die Symbolik der Haldersau.

Foto-Credit: Die Haldersau, Anstecker aus Gold © Juwelier Halder

Was macht einen Schmuck
zum Jagdschmuck?

„Aus nahezu jeder Trophäe kann ein Jagdschmuck gemacht werden. Und das seit frühester Urzeit“, mit dieser Aussage lässt Katharina Sturzeis gleich zu Beginn unseres Gesprächs aufhorchen. „Schon unsere Urahnen haben sich Krallen und Zähne von erlegten Tieren als Schmuck um den Hals gehängt. Das hatte zwei Gründe: Zum einen wurde damit gezeigt, dass man die Kraft und das Geschick hat ein derartiges Wildtier zu besiegen. Zum anderen hofften und glaubten die Menschen damals, dass die Kraft dieser Tiere damit auf sie übergeht“, erklärt die Juwelierin. Und auch sie stellt die Trophäe ins Zentrum ihres Handwerks.

Die Mehrheit der Kunden bringt die eigenen Trophäen mit, um daraus individuelle Schmuckstücke anfertigen zu lassen. „Dadurch werden die gefertigten Kleinodien noch individueller und vor allem persönlicher.“

Jedes Tier ist einzigartig und daher sehen auch die Grandln, die Eckzähne im Oberkiefer beim Rotwild, nie gleich aus. Auch deshalb ist jedes Schmuckstück individuell.

Kurzgeschichte des Schmucks

Es gibt historische Funde die belegen, dass sich Menschen schon vor 75.000 – 100.000 Jahren geschmückt haben. Neben Körperbemalungen aus pflanzlichen Materialien waren das vor allem Ketten und Armbänder. Zu den bereits erwähnten Zähnen und Krallen von erlegten Tieren und Gegnern kamen zum Beispiel auch Muscheln.

Die bewusste und gezielte Herstellung von Schmuck ist vermutlich erst rund 5.000 Jahre alt. Zumindest lassen das Funde aus Ägypten vermuten. Pharaonen schmückten sich mit fein bearbeiteten Gegenständen aus Metall, vorzugsweise aus Gold, das auch damals bereits als edelstes Metall galt, sowie Silber und Bronze.

Jagdschmuck ist vielfältig

Die Produktpalette des typischen Jagdschmucks ist sehr vielfältig. Sie reicht von Broschen bzw. Hutschmuck über Ketten und Ohrgehänge bis zu Armbändern und vielem mehr. Für die Herren gibt es im Wesentlichen Ringe, Knöpfe für Westen und Sakkos, Uhrketten und natürlich Manschettenknöpfe. Beliebt sind aber auch diverse Accessoires wie Tisch- und Kaminfiguren, Trinkbecher, Untersetzer, Messer und Brieföffner, Kerzenständer und diverse Jagdabzeichen und Jagdanstecker. Hier sieht man den Bruch (Tannenzweig) unterschiedliche Wildtiere oder Jagdhörner. Und natürlich fehlt auch nicht der beste Freund des Jägers, der Jagdhund.

Materialien und Motive

Die verwendeten Materialien sind vielseitig und reichen von den bereits genannten Grandln über Krallen, die Fangzähne (Eckzähne) des Rotfuchses  – die sogenannten Haken, Bart und Pinsel, Geweih und Horn. Auch Malerfedern von zum Beispiel Schnepfe und Fasan und Sauwaffen, die Eckzähne des männlichen Wildschweins sind beliebte Materialien, die zumeist von heimischen Wildtieren stammen. Die verwendeten Metalle haben sich in den letzten 5.000 Jahren kaum verändert.

„Wir verwenden für unsere Schmuckstücke nur Gold und Silber sowie echte Edelsteine, weil uns Qualität wichtig ist und weil wir der Meinung sind, dass wir das den Trophäen schuldig sind“.

„Wir verwenden für unsere Schmuckstücke nur Gold und Silber sowie echte Edelsteine, weil uns Qualität wichtig ist und weil wir der Meinung sind, dass wir das den Trophäen schuldig sind“.

Foto-Credit: Collier Sauwaffen © Juwelier Halder

 

Neben den eben erwähnten Materialien sind es vor allem diverse Motive, die einem Schmuck den jagdlichen Touch geben. Außer den bereits erwähnten Abzeichen und Ansteckern sind Gravuren mit jagdlichen Motiven sehr beliebt. Bei den Farben der Edelsteine dominieren Erdtöne. Neben grün und orange verwendet Katharina Sturzeis sehr gerne auch den Granat.

Von Mignon bis Essex Cristal

Dass die Motive und Schmuckstücke nicht immer groß und protzig sein müssen, zeigt das große Angebot an „Mignons“. So werden kleine Schmuckstücke bezeichnet die zumeist als Kettenanhänger und Ohrstecker erzeugt werden, siehe Abbildung:

Foto-Credit: Mignon Schmuck © Juwelier Halder

 

Aktuell sehr beliebt ist Schmuck aus Essex Cristal. „Dabei handelt es sich um einen Bergkristall der von hinten geschliffen und bemalt wird. Dadurch entsteht eine schöne 3D-Optik. Diese Methode bietet sich zum Beispiel sehr gut für Manschettenknöpfe an“, erklärt Katharina Sturzeis. Siehe Abbildung:

Foto-Credit: Essex Cristal © Juwelier Halder

 

Kundenwünsche
haben sich verändert

Selbst bei einem so traditionellen Gewerbe wie der Herstellung von Jagdschmuck nimmt das Internet Einfluss auf das Kundenverhalten und ihre Wünsche. „Früher kamen unsere Kunden, ließen sich beraten und wir entwickelten gemeinsam die Schmuckstücke. Heute kommen immer mehr Kundinnen und Kunden mit sehr konkreten Vorstellungen, die sie beim Googeln im Netz entdeckt haben und wollen diese dann haben. Was sich nicht verändert hat sind der Wunsch nach Individualität und Qualität. Wer zum Juwelier geht will die Maßarbeit und nicht die Stangenware.“

Die Inspiration für neue Ideen holt sich die Juwelierin in der Natur. Katharina Sturzeis ist selbst begeisterte Naturliebhaberin und Jägerin. Und das ist auch notwendig: „Nur so kann ich mich mit den Wünschen meiner Kunden identifizieren. Ich denke und fühle als Jägerin wie sie und habe dadurch ein Verständnis dafür, welchen Stellenwert Trophäen und die daraus hergestellten Schmuckstücke für unsere Kundschaft haben. Außerdem kommen in der Natur, im Wald und bei der Jagd viel bessere Ideen für immer wieder neue, oder neu gedachte Schmuckstücke und Accessoires.“

Handarbeit und Inhouse
in wenigen Wochen

Für den Traditionsbetrieb Halder steht auch im Jahr 2021 fest: „Bei uns wird alles mit Handarbeit und individuell angefertigt.“ Dieses Credo lebt auch bereits die nächste Generation, denn auch Huberta Tacoli, die Tochter von Katharina Sturzeis lebt als Goldschmiedin aus Leidenschaft diese Maxime. Für die beiden Damen ist das auch eine Art der Wertschätzung, für das Rohmaterial, den zu erarbeitenden Schmuck und natürlich auch gegenüber ihren Kundinnen und Kunden. Aus dieser Wertschätzung heraus wird auch alles Inhouse produziert.

„Bei den uns zur Verfügung gestellten Trophäen handelt es sich um Einzelstücke die unersetzbar sind. Auch wenn der materielle Wert dabei manchmal sehr gering ist, so bleiben die Materialien doch Unikate. Daher geben wir diese einmaligen Stücke nicht außer Haus.“

„Der Aufwand für die produzierten Schmuckstücke ist sehr unterschiedlich. Manchmal sind es wenige Handgriffe und manchmal braucht es etwas mehr Zeit“.

 

Foto-Credit: Fuchshaken © Juwelier Halder

 

jagdfakten.at dankt Frau Katharina Sturzeis für das nette Gespräch!

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