30. Oktober 2018

Hubertuskapelle: Gedenkstätte und Brauchtum

Geht es Ihnen auch so: wenn von einer Hubertuskapelle gesprochen wird, wissen Sie nicht, ob von einer Musikkapelle oder einem kleinen Gotteshaus die Rede ist? Damit sind Sie nicht alleine – so geht es vielen!

Hubertuskapelle – Brauchtum & Zeichen des Respekts

 

Was ist denn jetzt mit Hubertuskapelle gemeint, ein Bauwerk oder eine Musikgruppe? Die richtige Antwort lautet: Gotteshaus! Die Musikkapelle wird Jagdhornbläsergruppe genannt. In diesem Artikel widmen wir uns aber dem Bauwerk – lesen Sie weiter und erfahren Sie:

  • Wer der heilige Hubertus eigentlich war
  • Warum ihn die Jäger verehren
  • Warum viele Jägerschaften Hubertuskapellen errichteten
  • Was eine Hubertusmesse ist und
  • Wer bei der Hubertusmesse den Hut aufbehalten darf

Gemälde: Hubertus erscheint ein Hirsch mit einem Kreuz zwischen dem Geweih. (c) OÖLJV

Hubertus – der Schutzpatron

Hubertus von Lüttich lebte im siebten und achten Jahrhundert nach Christus (655 – 727) im heutigen Frankreich und Belgien. Er war von adeliger Abstammung.

Der bekanntesten Legende nach lebte er nach dem Tod seiner Frau schmerzerfüllt, von der Gesellschaft abgewandt und irrte maßlos jagend durch die Wälder. Erst nach einer Begegnung mit einem Hirsch, der ein Kreuz im Geweih trug, beschloss er sein Leben zu ändern.

Geschichtlich nachweisbar ist diese Legende freilich nicht. Wie leider generell die Quellenlage zu seiner Person sehr dünn ist, da die Abtei (Andaine, später Saint-Hubert) in der er lebte, niederbrannte und somit alle Urkunden vernichtet wurden. Wie es dennoch dazu kam, dass Hubertus DER Jagdheilige ist und welche Rolle der Heilige Eustachius für Jäger und Förster spielt, können Sie im Artikel „Eustachius und Hubertus – Ursprünge unserer Jagdheiligen“ nachlesen.

 

Der Bruch und seine Bedeutung; Jagdfakten Österreich

Bruchübergabe vom Jagdleiter an den Schützen nach einer erfolgreichen Jagd.

Hubertus – Vater der Weidgerechtigkeit

Jagd hat sehr viel mit Tradition und Brauchtum zu tun. So wird dem erlegten Wild noch heute, als Zeichen des Respekts vor dem Leben und seinem Schöpfer, ein Zweig (in der Jägersprache auch „Bruch“ genannt) in das Maul gelegt: als Symbol für den letzten Bissen und Zeichen der Achtung gegenüber dem Wildtier.

In Gedanken an ihren Schutzpatron Hubertus haben es sich die Jägerinnen und Jäger zur Aufgabe gemacht, mit dem Wild und Wald mit Respekt und Ehrfurcht umzugehen. Wenn heute ein junger Jäger sein erstes Stück Wild weidgerecht erlegt hat, so spricht der Jagdherr im Gedenken an den heiligen Hubertus oft folgenden Reim:

 

„Nimm, du Gsell, den grünen Bruch und beherzige Hubertus´ Spruch:

Das ist des Jägers Ehrenschild, dass er beschützt und hegt sein Wild.

Weidmännisch jagt, wie sich´s gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt.“

 

Hubertuskapelle in St. Georgen am Walde

Hubertuskapellen – Gedenkstätten und Brauchtum

Man findet sie landauf und landab: die Hubertuskapellen. Nicht nur in Österreich, sondern in ganz Mitteleuropa. Manche – wie jene im Zentrum des Ebensberger Forsts (Bayern, Deutschland) – sind bereits mehrere hundert Jahre alt. Andere – wie jene in der Marktgemeinde Seewalchen am Attersee (Oberösterreich) – wurden erst im neuen Jahrtausend erreichtet.

Gleich wie alt sie sind, sie alle haben eines gemeinsam: sie sind dem heiligen Hubertus oder dem heiligen Eustachius gewidmet und wurden in der Regel von der ortsansässigen Jägerschaft errichtet. Sie sind meist einfach und schlicht in der Ausstattung. Der hl. Hubertus ist in der Regel am Altarbild oder als Statue zu finden.

In manchen Regionen gibt es zudem eine sehr genaue Auflistung und Bebilderung der Hubertuskapellen. So zum Beispiel in Gänserndorf (Niederösterreich). Hier hat die Bezirksgeschäftsstelle des niederösterreichischen Jagdverbands auf ihrer Internetseite auch eine Rubrik „Brauchtum“ in der alle Hubertuskapellen des Bezirks aufgelistet sind.

 

Hubertusmessen – Feldmessen mit Jagdhörnern

Bei vielen Hubertuskapellen wird einmal im Jahr – rund um den 3. November (Hubertustag) – eine Hubertusmesse abgehalten. Auch wenn nicht alle Jägerinnen und Jäger tief gläubig sind, so ist die Hubertusmesse doch für fast alle ein wichtiges jagdliches Kulturgut, das gepflogen und an nachfolgende Generationen weitergegeben wird.

Hubertusmessen drücken Respekt und Dankbarkeit der Jäger gegenüber der Natur und ihrer Tiere aus. Sie sind in der Regel Feldmessen, die bei der Hubertuskapelle oder direkt im Wald abgehalten werden. Zum Unterschied von normalen Messen wird der Instrumentalteil durch Blechbläser (Jagdhorn) gestaltet.

Eine sehr detaillierte Beschreibung zur Hubertusmesse ist auf den Seiten der Diözese Linz zu finden.

Hut auf oder ab? Das ist die Frage.

Der Jäger und sein Hut, eine von Nicht-Jägern oft belächelte Symbiose. Wie wichtig dieses Accessoire, dieses Kleidungsstück für die Jägerschaft ist, zeigt die Tatsache, dass es eigene Regeln dafür gibt, wann der Hut am Kopf bleibt und wann nicht. So behalten etwa Sargträger oder die Ehrenwache den Hut stets auf, auch in der Kirche, was sonst absolut verpönt ist. Bei der Hubertusmesse dürfen die Hirschträger und die Bläser in der Formation den Hut aufbehalten, alle anderen Besucher der Messe nehmen ihn ab.

 

WEITERLESEN:

Jagd als Kulturerbe

Begrifflichkeiten der Weidmannssprache

 

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