31. Oktober 2017

Eustachius und Hubertus – Ursprünge unserer Jagdheiligen

Nur wenige Menschen wissen um die Ursprünge unserer zwei Jagdheiligen, Eustachius und Hubertus. Der wenig bekannte hl. Eustachius war einer der ersten Märtyrer (gest. 118), er wurde als Patron der Jäger und Förster angebetet. Der hl. Hubertus wird in unseren Breiten als Jagdheiliger seit langer Zeit verehrt.

Der Heilige Eustachius

Zuerst zum älteren Jagdheiligen, dem hl. Eustachius. Dieser ist nicht nur einer der ersten Märtyrer, er ist auch der erste Nothelfer. Als Nothelfer steht er für Familienangelegenheiten und Trauerfälle, zudem ist er ist nicht nur Patron der Jäger und Förster, sondern auch der Klempner, Tuchhändler und Krämer. Sein Attribut ist unverkennbar der Hirsch mit einem Kruzifix zwischen den Geweihstangen.

Im Mittelalter war Eustachius als Jagdheiliger in Europa weit verbreitet. Die Bekehrung des Eustachius, welcher früher Placidus hieß und ein hoher Offizier unter Kaiser Trajan war, erfolgte durch die sogenannte „Hirschvision“:

Während Placidus auf der Jagd einen Hirschen verfolgte, blieb dieser auf einem Felsen stehen. Da sah Placidus zwischen den Geweihstangen das heilige Kreuz. Auf dem Kreuz erschien das Bildnis von Jesus und dieser sprach zu ihm und bekehrte so Placidus. Placidus nahm den Namen Eustachius an und ließ sich samt seiner Familie taufen. Nach vielen schweren Prüfungen starb Eustachius mit seiner Familie den Märtyrertod, der Legende nach um 118.

Somit war Eustachius einer der ersten Märtyrer überhaupt.

Der Eustachiuskult ist bereits ab dem 8. Jahrhundert in Rom nachweisbar. Eustachius wurde dort als Patron der Jäger und Förster verehrt. Nach den allerältesten lateinischen Martyrologien wurde das Fest für Eustachius am 2. oder 3. November gefeiert, also am gleichen Tag, an dem Hubertus gedacht wird. Heute gilt der 20. September als Gedenktag des hl. Eustachius.

Bereits ab dem 12. Jahrhundert sind aus den Werken der bildenden Kunst die Attribute des kreuztragenden Hirsches bei Eustachius nachweisbar, und zwar in fast allen Teilen Mitteleuropas. Die älteste Darstellung des hl. Eustachius dürfte ein Glasfenster in der Kathedrale von Sains aus dem 12. Jahrhundert sein. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts ist ein Relief am Chorgestühl des Doms zu Nordhausen nachweisbar.

In Terlan befindet sich ein Wandgemälde, ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert. Eustachius erscheint 1484 in Wien im Stephansdom als Statuette im Chorgestühl sowie auf einem Wandgemälde aus dem Jahre 1482 in der Kirche zu Steinkirchen. In Oberitalien malte 1436 Antonio Pisanello die „Vision des hl. Eustachius“;  Albrecht Dürer fertigte 1498 den berühmten Kupferstich des hl. Eustachius. Dargestellt wird Eustachius meist als Ritter oder Jäger.

Der hl. Hubertus – Nachweise als Jagdheiliger fehlen

Die dem hl. Hubertus ebenfalls zugeschriebene Hirschvision ist geschichtlich nicht nachweisbar. Generell ist die Quellenlage über Hubertus sehr dünn.

Die Abtei (Abtei Andaine, später Saint-Hubert) in Belgien, in welcher Hubert lebte, wurde niedergebrannt. Alle Urkunden und Reliquien wurden dabei vernichtet. Einzig eine Vita St. Hugberti war noch vorhanden. Diese wurde 744 von einem seiner Klosterbrüder verfasst, also bereits 17 Jahre nach seinem Tod. Dieser Klosterbruder war ein Zeitgenosse von Hubert und als solcher Augenzeuge.

In seiner Vita erwähnt er St. Hubert weder als Jäger, noch erwähnt er eine Bekehrungsvision. Sehr wohl schreibt er aber ausführlich über vier Wunder, die St. Hubert vollbracht hat. Hätte es eine Hirschvision gegeben, dann hätte er diese mit Sicherheit erwähnt.

Eine Bekehrungsvision als solche ist auch insofern auszuschließen, da Hubert bereits in jungen Jahren als Klosterschüler bei Bischof Lambert eintrat und somit  nicht mehr bekehrt werden musste. Ein weiterer Beweis dafür, dass dem Hubertus eine Hirschvision hinzugedichtet wurde, ergibt sich auch aus der Legenda Aurea von Jacobus de Voragine, welche alle mündlichen und schriftlichen Heiligenlegenden bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts zusammenfasste. In dieser wird der hl. Hubertus nicht einmal erwähnt.

Noch einen Beweis für die Hinzudichtung der Hirschvision dürfte auch ein sich in der Londoner National Gallery befindliches Gemälde, „Die Exhumation des hl. Hubertus“, darstellen. Das Gemälde zeigt die Exhumation von Huberts: Zwei Kirchendiener heben den Leichnam des Heiligen aus der Gruft, um diesen von Lüttich in das Kloster Andain zu überführen. Darauf sieht man den als Bischof gekleideten Leichnam, allerdings ohne Hinweise auf Attribute der Jagd.

Hubertus der Jagdheilige – wie kam es dazu?

Trotz fehlender Nachweise über Hirschvision bzw. Bekehrungsvision wird der hl. Hubertus ab dem 9. bzw. 10. Jahrhundert als Jagdheiliger verehrt. Warum? Die Begründung liefert die Hubertuslegende selbst, es sind allerdings andere Faktoren, die ihn als Jagdheiligen erscheinen lassen.

Der erste Grund liegt in der Christianisierung der wildreichen Ardennen im 8. Jahrhundert, welche durch Hubert vorangetrieben wurde. Die zahlreichen Jäger in den Ardennen hielten noch an den alten, heidnischen Jagdbräuchen fest, unter anderem brachten sie die Erstlinge der Jagd der römischen Göttin Diana zum Opfer dar. Hubert war davon nicht angetan, aber klug genug, nicht mit dem Brecheisen gegen diesen Jagdbrauch vorzugehen. Er ersetzte Diana durch den Heiligen Petrus, und so brachten die Jäger zu Huberts Lebzeiten die Opfer dem Petrus dar. Nach dem Tod Huberts wurden die Opfer aus Dankbarkeit dafür, dass die Jagdbräuche weiter erhalten geblieben waren, Hubert dargebracht.

Der zweite nachhaltige Grund für Hubert als Jagdpatron wird von der Hubertuslegende wörtlich überliefert: „… weil er mit seinem goldenen Schlüssel den von tollen Hunden Gebissenen Heilung verschaffte.“ Der Schlüssel, das Werkzeug zum Öffnen und Schließen, symbolisiert seit den Anfängen der christlichen Geschichte kirchliche wie auch weltliche Vorgänge. In der Hand eines Heiligen bedeutet dies, dass ihm eine besondere Schlüsselgewalt verliehen wurde. Der Legende nach hatte Hubertus, während er von Papst Sergius I. zum Bischof geweiht wurde, „aus den Himmeln vom Heiligen Petrus den goldenen Schlüssel empfangen.“ Hubert trug diesen an einer Kette um den Hals.

Ob tatsächlich, wie oben erwähnt, Tollwutbisse geheilt wurden, ist nicht nachweisbar. Wahr ist aber, dass in dieser Zeit die Tollwutkrankheit in den Ardennen weit verbreitet war. Sie wird im „New Jägerbuch“ aus dem Jahre 1590 ausführlich beschrieben. Es war üblich, Bisswunden mit einem Schlüssel auszubrennen, um einer Blutvergiftung entgegenzuwirken. Aus dieser Zeit entwickelte sich auch der Brauch, mit dem „Hubertusschlüssel“ gesunden Hunden die Stirn zu brennen, um sie vor der Tollwut zu schützen.

Hubert hatte generell zu den Jägern und ihren Jagdbräuchen einen sehr guten Kontakt, und auch seine Mönche aus der Abtei St. Hubert (Andain) bemühten sich sehr um die Jägerschaft. So ergab sich eine einzigartige Verbundenheit zwischen den Jägern und Hubert, welche nach seinem Tod zu einer so großen Verehrung des Jagdheiligen führte, wie sie anderen Heiligen kaum entgegengebracht wurden.

Völlig unerwartet wurde durch Gerhard II., Herzog von Jülich (1416/17–1475) die Bekehrungsvision oder Hirschvision für den hl. Hubertus in die Welt gebracht. Der Herzog errang am Hubertustag (3. November 1444) einen grandiosen Sieg in einer Schlacht gegen den Herzog von Geldern (Arnold von Egmont). Bereits am nächsten Tag gründete Gerhard II. den Hubertusorden. Damit begann die Hubertuslegende in die Öffentlichkeit zu gelangen.

Höhepunkt war dann noch die neue Kreation des Wappens von Gerhard. Um sein Wappenschild ranken sich 12 Jagdhörner, welche durch Bänder miteinander verbunden sind. An der untersten Stelle dieser Hifthornkette hängt eine Hubertushaube, in welcher die Bekehrungsszene wie folgt wiedergegeben wird:

Hubertus kniet betend vor dem Hirschen, der zwischen seinem Geweih ein Kruzifix trägt. Gerhard II. kann also als Begründer der Hubertuslegende angesehen werden. Ausgehend von dem Raum um Köln setzte sich die Hubertuslegende auch künstlerisch immer mehr durch. Oft wird Hubertus als Bischof dargestellt (siehe Abb. 2). In anderen Teilen Deutschlands, vor allem im alpinen Bereich war aber nach wie vor der hl. Eustachius der Patron der Jagd.

Nach und nach überlagerte Hubertus als Jagdheiliger Eustachius. Somit sind heute nur noch wenige Nachweise vom hl. Eustachius vorhanden. Aber es gibt sie, wie Beispiele in Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark zeigen. Dort kommen Bildkreuze, Statuen und Wandmalereien mit dem ersten Jagdheiligen vor, und sogar Eustachiusmessen werden jährlich, wie zum Beispiel in Moosbach, Antiesenhofen, Hietzing und Wildalpen, gefeiert.

Der Beitrag wurde uns mit freundlicher Genehmigung des Verfasser Dipl.-Ing. Mag. Dr. Robert Fischer MA zur Verfügung gestellt.

Um die Bilder vollständig zu sehen, klicken Sie bitte darauf.

 

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