24. Oktober 2018

Mythos Bambi – Hirsch nicht Reh

Der beliebte Kinderfilm „Bambi“ berührt seit der Uraufführung im Jahr 1942 die Herzen von Kindern und Eltern gleichermaßen. In der deutschsprachigen Version des Zeichentrickfilms wird die Geschichte eines kleinen Rehkitzes erzählt, dass früh seine Mutter verliert und zu einem stattlichen Hirsch heranwächst. Ähnlich wie Disneys Meisterwerk „Der König der Löwen“ beschreibt „Bambi“ fröhliche wie auch dramatische Lebenssituationen im natürlichen Kreislauf des Lebens.

Allerdings wird im Show-Geschäft aus dramaturgischen Gründen oft überzeichnet und es schleicht sich der ein oder andere Filmfehler ein. So auch bei „Bambi“: Der Bambi-Irrtum, dass der Hirsch der Vater vom Reh ist, entstand durch einen Fehler in der Darstellung und in der Übersetzung. Jagdfakten.at macht für Sie den Faktencheck:

Mythos Bambi – Disneys Filmklassiker im Faktencheck

 

Das Buch zum Film:
Der Filmklassiker „Bambi“ basiert auf dem Buch „Bambi – eine Lebensgeschichte aus dem Walde“.

Der Autor Felix Salten wurde 1869 als Siegmund Salzmann in Pest (Ungarn) geboren. Seine Familie zog kurz nach seiner Geburt nach Wien. Salten war Schriftsteller und Journalist und ein Vertreter der Wiener Autoren-Gruppe „Jung-Wien“.

1923 veröffentlichte er das o. g. Kinderbuch. Die Geschichte handelt von einem jungen Rehkitz, dessen Mutter bei einer Treibjagd ums Leben kommt.

Ein ausgewachsener Rehbock – so sähe unser Bambi in der Buchvorlage aus.

Mythos Bambi, Nr. 1 – Bambi das Reh

Geht es nach dem Buch von Felix Salten, ist Bambi ein Rehkitz. Jedoch wussten die Zeichner des Walt Disney Studios zu wenig über diese europäische Wildart Reh. Aus Mangel an Informationen über Rehe oder auf Grund eines Übersetzungsfehlers, nahmen die Zeichner einen in den USA beheimateten Weißwedelhirsch als Vorlage für den Film. Somit hat sich hier der erste und zugleich gängigste Filmfehler eingeschlichen. Aus dem Rehkitz Bambi wurde ein Weißwedelhirsch. Für weitere Verwirrung sorgte die Synchronisation von der englischen zur deutschen Sprache: Aus dem gezeichneten Hirschkalb wurde wieder ein Rehkitz.

So wird Bambi und seine Mutter im Film dargestellt. Ein Weißwedelhirsch. Gut zu sehen ist der Schwanz mit der weißen Unterseite.

Wie kam es dazu?

Der Stolperstein in der Übersetzung ist das englische Wort „Deer“.
Es wird sowohl für das deutsche Wort „Reh“ wie auch für „Hirsch“ verwendet. Aber für „Hirsch“ ist das englische Wort „Stag“ präziser und korrekter. Wobei mit „Stag“ zugleich auch das Geweih des Hirsches bzw. Rehbockes bezeichnet wird.

Funfact am Rande: Auch ein Bräutigam wird, insbesondere zu Junggesellenabschieden, in englischsprachigen Ländern als „Stag“ bezeichnet.

Zurück zu Bambi:

Die Jungtiere von Rotwild, Rehwild und Weiswedelhirschen lassen sich mit flüchtigem Auge schnell verwechseln. Alle drei haben nach der Geburt weiße Flecken im Fell und niedliche Kulleraugen. Neben der Größe ist der offensichtlichste anatomische Unterschied: der Schwanz.

  • Rehe haben keinen Schwanz.
  • Rotwild hat einen kurzen, braunen Schwanz.
  • Bambi als Weißwedelhirsch hat, wie der Name vermuten lässt, einen vergleichsweise längeren, weiß-braunen Schwanz.

Eine Hirschkuh (Rotwild) und ihre beiden Kälber. Hier schön zu sehen ist der kurze braune Schwanz.

Mythos Bambi, Nr. 2 – Der Hirsch ist der Vater des Rehs

Bambi wird im Film immer wieder von seinem Vater, einem stattlichen Hirsch, beschützt. Im Laufe des Films wächst auch Bambi zu einem majestätischen Hirsch heran und wird am Ende des Films selbst Vater. An dieser Stelle tritt in weiterer Schlussfolge ein zusätzlicher Filmfehler zu Tage, nämlich, dass Reh und Hirsch miteinander verwandt sind.

Der Rothirsch ist die in unseren Breitengraden bekannteste und mit Abstand häufigste Hirschart. Er zählt zum Rotwild. Das Rehwild gehört neben dem Rotwild, dem Damwild, dem Sikawild und dem Elch zwar ebenfalls zur Gattung des hirschartigen Schalenwilds – ist aber eine eigene Tierart.

Die Konstellation „Hirschpapa und Rehmama“, wie in der deutschsprachigen Fassung des Filmklassikers dargestellt, kommt in der freien Natur niemals vor.

Die korrekten Bezeichnungen gem. Jägersprache lauten:

Rotwild: männlich: Hirsch, weiblich: Kahlwild, Tier oder auch Hirschkuh.
Wie heranwachsende Männchen und Weibchen in den ersten beiden Lebensjahren unterschiedlich bezeichnet werden – lesen Sie in unserem Steckbrief Hirsch.

Reh oder Rehwild: männlich: Rehbock, weiblich: Rehgeiß.
Name des heranwachsenden Männchen: Bockkitz (im 1. Lebensjahr), Jährlingsbock (im 2. Lebensjahr)
Name des heranwachsenden Weibchen: Geißkitz (im 1. Lebensjahr), Schmalreh (im 2. Lebensjahr)

 

Mythos Bambi, Nr. 3 – Der fürsorgliche Hirsch

Auch wenn es für uns Menschen dem Idealbild einer Familie entspricht, wird sich ein Hirsch niemals fürsorglich um seinen Nachwuchs kümmern.

In Wahrheit lebt das Rotwild nach Geschlechtern getrennt in Rudeln.

Es gibt Kahlwildrudel und Hirschrudel. Nur zur Brunftzeit – für die Paarung – begeben sich die Hirsche zum Kahlwildrudel. Sowie die Brunftzeit vorüber ist, gehen die beiden Geschlechter wieder getrennte Wege. Einzige Ausnahme hierbei ist die Notzeit im Winter, wenn Jägerinnen und Jäger Fütterungen bestücken.

Ein Familienrudel, wie im Film dargestellt, gibt es in der freien Natur nicht. Auch kümmert sich der Hirsch nicht um die Aufzucht der Jungtiere.

Nur zur Brunft begeben sich die männlichen Hirsche zu den weiblichen Tieren.

Mythos Bambi, Nr. 4 – Brunftzeit = Frühlingszeit

Im Frühling erwacht die Natur. Pflanzen erblühen und in der Tierwelt kommt der Nachwuchs. Das Rehwild bringt seinen Nachwuchs im Mai, das Rotwild von Mai bis Juni zur Welt.

Bei der Paarungszeit gibt es einen Unterschied:

  • Die Brunftzeit findet beim Rehwild im Hochsommer statt, von Mitte Juli bis Mitte August.
  • Die Brunftzeit des Rotwildes findet im Spätsommer bzw. Herbst statt, von Ende August bis Anfang Oktober. Der exakte Zeitpunkt hängt auch von der jeweiligen Höhenlage ab.

 

Fazit & Allgemeines:

Filmfehler sind keine Seltenheit. Die bekannte Armbanduhr im Filmklassiker „Benhur“ oder auch das Flugzeug am Himmel im Film „Troja“ sind mitunter die bekanntesten Fauxpas und sorgen regelmäßig für allgemeine Erheiterung. Diese Pannen sind im Grunde keine große Sache und werden oftmals erst nach mehrmaligen hinsehen erkannt. Im Fall von Bambi sorgten diese Fehler allerdings zur Verwirrung bei den Zuschauern.

Auch die im Film dargestellten brutalen Jagdmethoden gehören der Vergangenheit an. Das zeigt auch die Tatsache, dass bereits nach der Erstausstrahlung (1942) die US-amerikanische Jägerschaft via Medien die gezeigten Jagdmethoden als niederträchtig bezeichnete. Jedenfalls sind die im Film dargestellten Jagdmethoden heute wie damals zu verurteilen.

 

WEITERLESEN:

Steckbrief Rotwild

Steckbrief Rehwild

Vorsicht, verliebte Rehe

Video – Winterfütterung im Schnee

Jagd & Natur

Moor und Teich, Lebensräume für Wildtiere, JAGDFAKTEN Österreich

7. August 2018

Moor Teich Lebensräume

Moor und Teich – beides sind unverzichtbare Feuchtgebiete und Lebensräume für viele Vogelarten und Wildtiere Diese Feuchtgebiete sind außerdem wichtige ...

weiterlesen

Diese Seite kann im Internet Explorer unter Version 9 nicht angezeigt werden. Bitte updaten Sie Ihren Internet Explorer oder laden Sie sich einen alternativen Browser herunter (zB. Firefox, Chrome etc.) Vielen Dank für Ihr Verständnis!