O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter. Jahr für Jahr besingen wir zur Weihnachtszeit diesen Baum, den meistverkauften Christbaum in unseren Breiten. Auch in der Jagd spielt die Tanne eine wesentliche Rolle, als letzter Bissen oder als Beutebruch; aber dazu später. In diesem Beitrag beantworten wir folgende Fragen rund um den heimischen Nadelbaum:

DIE TANNE

  • Woher stammt der Name Tanne?
  • Für welche Symbole steht die Tanne?
  • Wo wächst die Tanne in Österreich?
  • Woran erkenne ich eine Tanne?
  • Welche Tannenarten gibt es in Österreich?
  • Warum wir keine Tannenzapfen am Waldboden finden?
  • Welche Schädlinge befallen die Tanne?
  • Welche Bedeutung hat die Tanne im Keltischen Baumkreis
  • Warum wir einen Christbaum haben?
  • Warum ist es nicht falsch von Blättern bei der Tanne zu singen?

Name & Abstammung

Woher stammt der Name „Tanne“? Dazu gibt es verschiedene Annahmen. Eine der geläufigsten ist die Herleitung vom germanischen „dan“ für Wald bzw. Gehölz. Im Althochdeutschen wurde bereits von „Tanna“, allgemein für den Wald aber auch schon im Speziellen für den Nadelbaum gesprochen. Das Wort „Tanne“ taucht bereits in der mittelhochdeutschen Sprache auf.

Name allgemein:
Tanne (lat. Abies) 

Baumfamilie:
Nadelbaum, Familie: Kieferngewächse, Gattung: Tannen

Häufigste Arten in Österreich:
Weiß-, Nordmann- und Edeltanne

Max. Höhe:
40 bis 70 Meter (Arten in den USA bis 90 Meter)

Blattform:
nadelförmig, flach, biegsam, weiß auf der Unterseite

Blütezeit:
Mai bis Juni

Früchte:
Zapfen (fallen nicht ab)

Wurzelsystem:
Tiefwurzler

Erscheinung:
immergrün

Häufigste Nutzung:
Bau- und Konstruktionsholz, Christbäume

Vorkommen
der heimischen Tanne

Österreich ist ein sehr waldreiches Land. 48 Prozent der Fläche sind bewaldet, mit einem deutlichen Überhang an Nadelbäumen. So sind etwa 78 Prozent der heimischen Bäume Nadelhölzer, 19 Prozent Laubbäume und drei Prozent Sträucher, wobei der Nadelholzanteil zugunsten der Laubbäume leicht rückläufig ist Unter den Nadelbäumen liegt die Tanne mit einem Anteil von rund drei Prozent am Gesamtholzbestand an vierter Stelle hinter der Fichte, der unangefochtenen Nummer 1 in unseren Wäldern, der Weißkiefer und der Lärche.

Die Tanne ist ein sehr wertvoller Baum vieler heimischer Wälder. Sie kommt in allen Bundesländern Österreichs vor. Ihr natürlicher Lebensraum liegt zwischen 400 und 1.200 Höhenmetern. In den klimatisch begünstigten Alpenregionen erweitert sich ihr Lebensraum bis auf fast 2.000 Meter.

Im Flachland ist die Tanne bis heute eher selten zu finden. Als „Schattbaumart“ wächst sie auch in dichten Wäldern, im Schatten anderer großer Bäume, sehr gut. Dabei bevorzugt sie aber Gegenden von zumindest 600 mm Niederschlag pro Jahr. Sie braucht ein gemäßigtes, nicht zu warmes Klima und ausreichend Luftfeuchtigkeit.

Weltweit gesehen ist die Tanne ausschließlich auf der Nordhalbkugel zu finden. In Europa kommt sie in Mittel- und Südosteuropa vor. In Asien ist sie deutlich weiterverbreitet. Sie bevorzugt lehmige Böden.

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Wachstum & Aussehen

Die Tanne zählt – wie alle heimischen Nadelbäume – zu den immergrünen Baumarten.
Einzige Ausnahme ist die Lärche, sie verliert ihre Nadeln im Winter.

Die Wurzeln der Tanne dringen pfahlförmig tief in die Erde ein, was bei ihrer Größe auch wichtig ist, denn die heimische Weißtanne zählt zu den größten Bäumen in unseren Wäldern. Mit Wachstumshöhen von bis zu 70 Metern ist sie eine dominante Erscheinung.

Die Weißtanne gilt sogar als größter Baum Europas. Der Stamm kann dabei bis zu zwei Meter dick werden. In Österreich ist sie die am stärksten vertretene Tannenart. Ihr Wachstum ist konisch, das heißt nach oben verjüngt, schmaler werdend. Ihre Rinde ist bei jungen Bäumen eher glatt und wird mit der Zeit schuppig und grau.

Das Holz der Tanne ist sehr hell und vergleichsweise geruchlos. Die Tanne ist ein idealer Baum für Mischwälder, wir finden sie in Österreich daher sehr oft in Kombination mit Fichten und/oder Buchen. Sie kann als Generalist unter den heimischen Bäumen bezeichnet werden, was ihr vor allem für die Zukunft hohe Chancen auf eine (wieder) stärker werdende Verbreitung einräumt. Sie kann längere trockene Phasen gut überstehen und zählt daher zu den Hoffnungsträgern in Bezug auf den Klimawandel. Daher kommt es wieder gezielt zu Aufforstungen vor allem von Weiß- aber auch Nordmanntannen.

Ihre Zapfen sind eines ihrer auffälligsten Merkmale. Wie Kerzen stehen sie gerade nach oben. Zu finden sind sie nur in den höheren Baumregionen. Ihre Samen sind monözisch oder einhäusig, das heißt Tannen haben sowohl männliche als auch weibliche Blüten auf ein und demselben Baum. Die ersten Früchte, also Zapfen, bilden Tannen nach etwa 60 Jahren.

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Warum liegen keine Tannenzapfen
auf dem Waldboden?

Im Unterschied zur Fichte fallen die Zapfen der Tanne nicht ab. Diese lösen sich noch am Baum auf, indem die Schuppen des Zapfens abfallen. Übrig bleibt der Zapfenkern, die sogenannte Spindel, die noch mehrere Jahre am Ast verbleiben kann. Apropos mehrere Jahre: Tannen haben als robuste Bäume auch eine entsprechende Lebenserwartung. In natürlichen Wäldern werden sie bis zu 600 Jahre alt. Eine weitere Besonderheit der Tanne sind ihre Nadeln: Sie sind stumpf und stechen nicht. Vielleicht ist die Tanne auch deswegen ein so gerne gesehener Christbaum?

Haben Tannen Nadeln
oder doch Blätter?

Im Weihnachtslied „O Tannenbaum“ singen wir Jahr für Jahr „wie grün sind deine Blätter“: Aber stimmt das überhaupt? Ja! Denn genaugenommen sind Nadeln botanisch gesehen auch Blätter, nur eben viel dünner, härter und nadelförmig. Wer sich eine Tanne und Fichte genauer ansieht wird rasch mehrere Unterschiede bei den Nadeln erkennen:

  • Tannennadeln sind flach, stupf, weich und stechen nicht.
  • Tannennadeln wachsen 2-reihig nur an der Seite aus dem Ast.
  • Tannennadeln werden ca. 3 cm lang und bis zu 11 Jahre alt.
  • Tannennadeln haben auf der Unterseite zwei weiße Streifen.
  • Tannennadeln sind mit einer wachsartigen Schicht umgeben, was nicht nur das Angreifen angenehmer macht, sondern vor allem eine wichtige Schutzwirkung hat: der Baum und seine Nadeln werden so vor Hitze und Frost besser geschützt.
  • Fichtennadeln sind vierkantig und spitz.
  • Fichtennadeln wachsen kreisförmig um den ganzen Ast.
  • Fichtennadeln werden ca. 1-2 cm lang.

Tannen-Arten
in Österreich

In Österreich sind hauptsächlich drei Tannenarten zu finden:

  • Weißtanne
  • Nordmanntanne
  • Edeltanne bzw. Silbertanne

In Österreich ist nur die Weißtanne heimisch. Ihre Art gibt es bei uns seit Jahrhunderten. Man nennt solche Pflanzen auch „autochthon“; das sind Pflanzen, die ohne menschlichen Einfluss in einem speziellen Gebiet wachsen.

Die Nordmanntanne kommt ursprünglich aus dem Kaukasus. Heute wird sie in Baumschulen gezüchtet. Wegen ihres einheitlichen Wuchses ist sie vor allem als Christbaum sehr beliebt.

Die Edeltanne ist für ihren dichten Nadelwuchs bekannt. Ihre Zapfen sind die größten unter allen Tannenarten. Zudem wird keine andere Tannenart so alt wie die Edeltanne: sie wird bis zu 800 Jahre alt. Manchmal wird sie auch als Silbertanne bezeichnet.

Schädlinge
für den Tannenbaum

Wie bei allen Baumarten, sind auch bei der Tanne vor allem Raupen und Käfer die Hauptverursacher von Schäden.

Zu den bekanntesten zählt der Weißtannenborkenkäfer, der die Rinde am Stamm bereits etwas älterer Bäume befällt. Dünnere Äste und die Baumkrone werden eher vom mittleren und kleineren Tannenborkenkäfer angegriffen. Alte und absterbende Bäume leiden eher unter dem Weißtannen-Käfer. Die Nadeln und vor allem deren Triebe werden gegenwärtig am ehesten von einer Tannentrieblausart befallen, die aus dem Kaukasus eingeschleppt wurde.

Die Tanne als Symbol
der Wiederauferstehung

Die Tanne dient in vielen Kulturen als Symbol der Wiederauferstehung. Als immergrüne Pflanze, die ganzjährig verwendbar ist, steht sie gerade im Christentum für das ewige Leben und kommt deshalb als bevorzugter Grabschmuck bzw. bei Begräbnissen regelmäßig zum Einsatz.

Da die Tanne in vielen heimischen Wäldern auch der größte Baum ist, wurde sie bereits bei den Germanen zu einem Sinnbild von Kraft und Größe und durch ihre nach oben stehenden Zapfen auch zum Symbol der Fruchtbarkeit. Die Bedeutung dieses Nadelbaums lässt sich auch durch die Vielzahl an Wappen ermessen, auf denen sie bzw. die Fichte – die Heraldik macht da keinen Unterschied – abgebildet ist.

Die Tanne –
ein bruchgerechter Baum

Der „Bruch“ war vor allem vor dem Handy wichtig für die Verständigung der Jäger im Wald. Brüche dienten als Hinweise, wo z.B. das Wild stand (Standortbruch) bzw. in welche Richtung seine Fährte führt (Fährtenbruch). Brüche sind nicht allzu große Astteile, die immer gebrochen und nie geschnitten werden. Traditionell gelten folgende Holzarten als bruchgerecht: Tanne, Eiche, Kiefer, Lärche, Fichte, Erle, Buche, Latsche, Zirbe, Eibe, Wachholder und Almenrausch.

Der heute noch wichtigste Bruch ist der sogenannte letzte Bissen. Das ist ein Bruch, der dem erlegten Wild durch das Maul (Äser) oder den Schnabel (Brocker beim Auerwild) gezogen wird – eine Geste, welche die Achtung des Jägers vor dem Wild ausdrückt. Der Beutebruch wird symbolisch mit dem Schweiß (Blut des erlegten Wildes) benetzt und vom Jäger traditionell bis zum Ende des Tages auf der rechten Seite des Hutes getragen.

Die Tanne im
Keltischen Baumkreis

Laut der keltischen Mythologie übertragen sich die Eigenschaften der Bäume auf die Menschen, wodurch ein eigenes Baumhoroskop entsteht. Am Stadtrand von Wien, Nahe dem Cobenzl befindet sich zum Beispiel ein derartiger Baumkreis, ein beliebtes Ausflugsziel für viele Familien. Dabei sind alle Bäume des Baumkreises speziellen Daten im Jahr zugeordnet.

Die Tanne steht für die Zeiträume 2. – 11. Jänner und 5. – 14. Juli. Demnach haben Tannen-Geborene ein sehr gepflegtes Auftreten, sind ehrgeizig und begabt, hassen oberflächliches Palaver und lassen sich von Blendern und Schmeichlern kaum täuschen.

Geschichte des Christbaums

Die Tanne zählt neben der Fichte in Österreich zu den beliebtesten Bäumen die wir als Christbaum aufstellen. Doch woher kommt eigentlich die Tradition des Christbaums, wie wir ihn heute verwenden?

Der Ursprung liegt, wie bei vielen Traditionen, die wir heute noch pflegen, in der heidnischen Kultur der Germanen. Diese legten zur Wintersonnenwende (21. oder 22. Dezember) Tannenzweige vor ihre Häuser bzw. an öffentliche Plätze, um böse Geister zu vertreiben. Auch galt der immergrüne Baum als Zeichen der Kraft und somit als Symbol des aufkommenden Frühlings nach dem Winter.

Geschmückte Bäume sollen zuerst deutsche Zünfte in Norddeutschland verwendet haben. Von dort kam der Baum dann schrittweise in städtische Häuser, zumeist vornehmer Familien. Nach Österreich kam der Christbaum zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch eine deutsche Adelige, die zu Weihnachten für ihre Gäste einen Baum schmückte.

Die katholische Kirche übernahm diese Tradition nur langsam im Laufe des 19. Jahrhunderts. Und so wurde schließlich aus dem Weihnachtsbaum der Christbaum. Neben der Tanne als Christbaum ist das Tannenreisig Bestandteil unserer Adventkränze und Weihnachtsgestecke.

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