
Ein stiller Neuankömmling mit Folgen
Die Tigermücke hat sich neuerdings in Österreich angesiedelt. Was zunächst als vereinzeltes Auftreten begann, entwickelt sich in manchen Regionen zu stabilen Populationen – und birgt gesundheitliche Gefahren. Was bedeutet das genau?
TIEGERMÜCKE
in Österreich
Plötzlich juckt es, aber so richtig. Und auch die Rötung ist größer, als man das gewohnt ist. Natürlich gilt dasselbe wie immer: Dem Kratzreiz ja nicht nachgeben! Das ist aber in diesem Fall selbst für routinierte Gelsenstich-Erfahrene schwierig, um nicht zu sagen: unmöglich. Was ist da los?
Die Tigermücke, die ist los. Und wie: Seit 2012 taucht die ursprünglich aus Südostasien stammende Stechmücke auch in Österreich auf. Zunächst nur vereinzelt, inzwischen aber immer öfter – und mancherorts bereits dauerhaft. Was früher noch wie ein exotischer Einzelfund wirkte, wird hierzulande zunehmend zum Problem. Die Asiatische Tigermücke, wissenschaftlich Aedes albopictus genannt, ist bestens an unsere Städte angepasst, sticht auch tagsüber und kann unter bestimmten Bedingungen Viren übertragen, die bislang in Mitteleuropa kaum eine Rolle spielten.
- Wie ist es dazu gekommen?
- Was kann jeder Einzelne von uns gegen diese Stechmückeninvasion tun?
- Und wie gefährlich ist sie wirklich?

Asiatische Tiegermücke


Wie sieht die Tigermücke aus?
Die Asiatische Tigermücke unterscheidet sich deutlich von unseren heimischen Gelsenarten: Sie ist kleiner, auffällig schwarz-weiß gezeichnet – daher ihr Name – und vor allem sehr, sehr hartnäckig.
Wann ist die Tigermücke aktiv?
Während viele heimische Stechmücken erst in der Dämmerung und nachts aktiv werden, sticht die Tigermücke bevorzugt am Tag, oft am frühen Morgen oder späten Nachmittag. Dazu kommt, dass sie ungewöhnlich leise fliegt und sich daher unbemerkt nähern kann.
Die Mückentücken des warmen Wetters
Dass die Tigermücke heute plötzlich in Mitteleuropa auftaucht, hat einen einfachen Grund: Früher fehlten ihr die Transportwege und die passenden Lebensbedingungen. Mit dem weltweiten Warenverkehr, dem zunehmenden Reiseverkehr und dem Transport von Gütern gelangte sie ab den 1970er-Jahren schrittweise nach Europa. Gleichzeitig sorgen mildere Winter und wärmere Sommer dafür, dass die Tigermücke heute auch nördlich der Alpen überleben kann.
Vor 100 oder 500 Jahren hätte ein einzelnes Tier kaum eine Chance gehabt, in Städten wie Wien und Graz eine neue Population aufzubauen – dafür war es über das Jahr hinweg einfach nicht warm genug. In Österreich wurden die ersten Tigermücken Anfang der 2010er-Jahre nachgewiesen. Lange Zeit handelte es sich aber vor allem um einzelne eingeschleppte Exemplare.
In den vergangenen Jahren zeigten Monitoringprogramme aber, dass sich die Art in einigen Regionen dauerhaft angesiedelt hat und lokal in deutlich höheren Zahlen auftritt. Besonders dort, wo Städte mit ihren vielen kleinen Wasserstellen und dem wärmeren Mikroklima ideale Bedingungen bieten.
Ist die Tigermücke ein nationales Gesundheitsthema?
Das eigentliche Problem ist nicht ihr Stich selbst, sondern ihre Rolle als mögliche Überträgerin von Krankheitserregern.
Nimmt ein Tier beim Stechen das Blut eines infizierten Menschen auf, können sich bestimmte Viren in der Mücke vermehren und bei einem späteren Stich weitergegeben werden. Dazu zählen unter anderem Krankheitserreger, die es in sich haben: Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren beispielsweise.
Für Österreich bedeutet das derzeit vor allem ein wachsendes Vorsorgethema: Solange die Zahl eingeschleppter Krankheitsfälle gering bleibt, besteht kein Anlass zur Panik. Sollte sich die Tigermücke weiter ausbreiten und gleichzeitig vereinzelt Viren eingeschleppt werden, etwa durch infizierte Reiserückkehrer, könnten sich diese Erreger unter günstigen Bedingungen aber auch lokal weiterverbreiten.
Welche Maßnahmen helfen gegen die Verbreitung der Tigermücke?
Zur Eindeämmung der Tigermücke müssten Überwachungssysteme, Bekämpfungsmaßnahmen und gegebenenfalls auch Impf- und Präventionsstrategien entsprechend angepasst werden. Besonders bei Dengue wird sich die Gesundheitsvorsorge künftig stärker mit der Frage beschäftigen müssen, wie Europa mit der wärmeliebenden Überträgerin umgeht.
In der Zwischenzeit kann aber jeder von uns etwas dazu beitragen, dass es die Tigermücke nicht so leicht hat, hier ihr Unwesen zu treiben. Laut der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ist das Folgendes:
Ein lokal wachsendes, aber noch kontrollierbares Problem
Fest steht: Noch ist die Asiatische Tigermücke vor allem ein lokal wachsendes, aber kontrollierbares Problem. Entscheidend ist, ob es gelingt, ihre Population durch konsequente Vermeidung von Brutstätten dauerhaft klein zu halten – genau dort setzen die empfohlenen Maßnahmen an.
Langfristig können sie die Ausbreitung nicht komplett verhindern, aber sehr wohl deutlich bremsen und lokale Hotspots reduzieren. Damit bleibt die Lage vorerst eine Frage der Aufmerksamkeit im Alltag – und weniger ein akutes Gesundheitsrisiko für die breite Bevölkerung.
UNSERE
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Bildquellen für diesen Beitrag: © Pixabay
Autor für diesen Beitrag: L. Palm / Jagdfakten.at
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