Jagen Österreichs Jäger Trophäen? Oder ist es die vermeintliche Achillesferse der Jägerschaft, die missverstanden wird und daher kommunikativ nicht in Erscheinung tritt? Dieser Beitrag beleuchtet eine Sichtweise auf Trophäenkult und Hegeschau – aus dem Blickwinkel von Jäger:innen.

TROPHÄENKULT

und Hegeschau – ein altertümliches Relikt von einst?

Man muss früh aufstehen, wenn man das besondere Schauspiel in der Natur erleben möchte. Am Horizont erhebt sich langsam die Sonne in den Himmel und die ersten Sonnenstrahlen werfen ihr Licht auf die Landschaft, erhellen sie. Genau in diesem Moment wird es still. Alle Vögel, die bereits seit geraumer Zeit ihren lieblichen Gesang zwitschern verstummen plötzlich. Nur ein paar Minuten lang. Diesen Moment nennt der Jäger „Morgenandacht“ und viele Weidmänner und -frauen nehmen in dieser Stille ihren Hut ab.

Es entspricht wohl eher nicht jener Vorstellung die manch einer von einem Jäger, einer Jägerin hat. Viel besser passt ins Kopfbild latenter Jagdskeptiker der schießwütige Trophäenjäger, der darauf aus ist, nur das älteste männliche Stück Rotwild, den Hirschen mit dem prächtigsten und kapitalsten Geweih, zu erlegen. Faktum oder Klischee? Hier ein Beispiel aus dem Bundesland Salzburg:

Fakten & Fakten

 

Wieviel Prozent des gesetzlich zu erlegenden Rotwildabschusses trifft auf besagten kapitalen 1-er Hirsch zu, der in jedem Jagdzimmer an der Wand hängen muss? Am Beispiel des Bundeslandes Salzburg verdeutlichen wir dies:

Der gesetzliche und behördliche Auftrag an Salzburgs Jägerinnen und Jäger lautet 7.000 Stück Rotwild im Jahr zu erlegen. Dies vor allem, um Bestände nicht anwachsen zu lassen und somit Schäden in der Forstwirtschaft und an Schutz- und Bannwäldern zu vermeiden.

Von dieser Anzahl sind es nicht einmal 200 Stück alte Hirsche. Also knapp 3 %, die entnommen werden – wenige Jahre bevor sie eines natürlichen Todes sterben. Für die rund 11.000 Salzburger Jäger:innen bedeutet dies im Zahlenspiel ⇒ das Erlegen eines kapitalen Hirsches alle 55 Jahre.

Unsinn & Passion

 

Jagdgegner und manche NGOs behaupten, Österreichs Jäger:innen jagen ausschließlich für Trophäen und zur reinen Unterhaltung. Ein Unsinn. Die jagdliche Ausübung unterliegt gesetzlichen Vorgaben. Das Bild des Heimatfilmklischees eines Sonntagsjägers, der in der Morgensonne beim Frühstück auf der Terrasse entscheidet, dass heute ein guter Tag wäre auf die Jagd zu gehen, gibt es zwar, es entspricht aber keinesfalls den Tatsachen.

Die Jagd wird an 365 Tage im Jahr im Revier ausgeübt. Die durchmischte Altersstruktur in den Revieren spiegelt das Wissen und die Kenntnis der darin lebenden Wildtiere wider. Gleichzeitig zeigt sie, ein den heutigen Maßstäben angepasstes gut geführtes Wildtiermanagement im Revier. Wohlgemerkt ist es auch der übertragene gesetzliche Auftrag an die Jägerschaft für eine Artenvielfalt in unserer Heimat zu sorgen. Dies tun Österreichs Jäger:innen mit Freude und Passion.

WEITERLESEN: Die Nachhaltigkeit der Jagd

Jund & Alt

Wer sich im Thema Wildökologie nur ein wenig auskennt, weiß dass ein artgerechtes Überleben einer Wildart weitgehend von einer gewissen, durchmischten Altersstruktur abhängig ist. Kurz gesagt: die „Jungen“ lernen von den „Alten“.

Am Beispiel des kapitalen Salzburger Hirschen geht es hier beispielsweise um die Weitergabe von ungestörten „Brunftplätzen“ (Fortpflanzungsstandorte), den besten Überwinterungsplätzen, der Futterplätze, wo Gefahren vom Menschen ausgehen oder Umweltweinflüsse wie Lawinen vorherrschen, in welche Gebieten Jungtiere ungestört aufgezogen werden können und vieles mehr.

Aus dieser völlig normalen und anzustrebenden Struktur entstehen „alte Stück“, bei jeder Wildart – wie es in der Weidmannsprache heißt. Bei uns Menschen ist es nicht anders. Auch unsere Urahnen haben ihr Wissen immer weitergegeben.

Der Jäger
und seine Trophäe

Die 200 prächtigen maskulinen Geweihträger, um beim Beispiel von Salzburg zu bleiben, sind also der Anstoß warum marktschreierisch behauptet wird, dass die Gesellschaftsgruppe „Jäger“ ausschließlich Trophäenjäger sind?

Nur gut geführte Reviere bringen einen gewissen, aber sehr geringen Prozentsatz an alten Trophäenträger hervor. Sie sind ein Zeichen dafür, dass in den Revieren auf Bestand und Altersstruktur geachtet wird. Ein Parameter, um gesunde Altersstrukturen und Artenvielfalt zu erhalten. Da drängt sich die Frage auf: „Was ist eine Trophäe“? In den Jagdkursen wird nicht das Töten gelehrt, vielmehr lehren erfahrene Kursleiter und Berufsjäger die Zusammenhänge der Natur zu verstehen. Mit dem Ablegen der Jagdprüfung übernimmt jeder ein großes Stück Verantwortung für sie. Geht man auf die Pirsch, trifft auf das passende Stück, so entnimmt es der Jäger bzw. die Jägerin weidgerecht.

Was ist eine Trophäe?

Eine Trophäe ist auch die Erinnerung an ein Erlebnis, den Pirschgang, und nicht nur der „reife“ Knochen, der an die Wand gehämmert wird. Ähnlich einem Strandspaziergang am Meer, wo das Wellenrauschen noch nach Jahren nachklingt, wenn man in Erinnerungen schwelgt und stolz die gesammelten Muscheln von damals in Händen hält.

Eine Trophäe ist auch das kulinarisch köstlich zubereitete Hirschragout oder das Stück gegrillte Hirschsteak, das man im Kreise der Familie oder Freunden zu sich nimmt. Ganz nebenbei, ist auch eine Lederhose oder die Wildledertasche eine Trophäe – unabhängig ob gekauft oder vom eigenen erlegten Stück. Diese Designerstücke erleben gerade die Renaissance der Beliebtheit, weil sie nachhaltig und ein Teil zurück zum Ursprung sind.

Unsere Urahnen haben schon Wild erlegt und daraus Nahrung, Waffen, Kleidung und Schmuck gewinnen können. Alles Trophäen die stets verbunden sind mit unvergesslichen Erlebnissen und Geschichten. Wie viele Themen sind auch Trophäen: Ansichtssache.

WEITERLESEN: Wild sinnvoll verwerten

Hegeschau & Erntedank

Die Hegeschau ist ein Erntedank für das abgelaufene Jagdjahr. Hier wird von Pflichtabschüssen bis zu den wenigen reifen Trophäen alles gezeigt. Es ist nichts verwerflich, diese einmal im Jahr zu zeigen. Für Jäger:innen sind es die Erinnerungen an erfolgreiche Jagdtage. Und dass man weiß, Verantwortung übernommen und Dinge richtig gemacht zu haben, wie es einem bei der Jagdausbildung gelehrt wurde. Verstehen werden es vermutlich nur jene, die auch bereit sind, diese Verantwortung zu übernehmen.

UNSERE
LESE-EMPFEHLUNG

Bildquellen für diesen Beitrag: Jagdfakten.at, Salzburger Jägerschaft, Unsplash
Autor für diesen Beitrag: Birgit Eberlein

DIESEN
BEITRAG TEILEN