Jahr für Jahr wird in den späten Sommer- und frühen Herbsttagen die Ernte eingefahren. Das Getreide wird geschnitten und der Wein geerntet. Bäuerinnen und Bauern sind zu Recht stolz auf ihre Arbeit. Wer arbeitet, darf auch feiern, sagt ein altes Sprichwort. Daher wird im Herbst nahezu weltweit gefeiert und gedankt. In diesem Beitrag beantworten wir folgende Fragen rund um das Erntedankfest:

  • Wo hat das Erntedankfest seinen Ursprung?
  • Wann wird in Österreich Erntedank gefeiert?
  • Was ist eine Erntekrone?

 

  • Wie feiern Jäger Erntedank?
  • Wissenswertes über Erntedankfeste in aller Welt.

 

ERNTEDANKFEST

Wo hat das Erntedankfest seinen Ursprung?

Schon sehr früh haben sich Menschen bei verschiedenen Göttern für die Gaben der Erde bedankt. So wissen wir von Dankesfeiern und -ritualen bei Ägyptern, Griechen, Römern, im Judentum und bei den Germanen. Das Erntedankfest, wie wir es kennen und feiern, haben wir voraussichtlich von den Römern übernommen und mit christlichen Bräuchen seit dem 3. Jahrhundert ergänzt und abgewandelt.

Wann wird in Österreich Erntedank gefeiert?

Einen fixen Tag für Erntedankfeiern gibt es in Österreich nicht. Die meisten Pfarren feiern im Zeitraum zwischen Mitte September und Ende Oktober. Es hängt auch davon ab, welche Früchte auf den Feldern zu ernten sind. Dementsprechend gibt es regionale Unterschiede, je nachdem wann die Ernte abgeschlossen ist.

Seit wann gibt es das
Erntedankfest in Österreich

Unser heute gelebtes Brauchtum geht auf Traditionen aus dem 17. und 18. Jahrhundert zurück. Damals haben die Lohnarbeiterinnen und -arbeiter auf den Guts- und Bauernhöfen – man nannte die Mitarbeiter „Gesinde“ – ihren Bauern und Gutsherren am Ende der Ernte geflochtene Kränze aus Getreide überreicht. Als Dank dafür, bekamen sie ein Festessen.

Was ist eine Erntekrone?
Den o.g. Brauch der geflochtenen Kränze leben wir bis heute. Aus einfachen Kränzen wurden kunstvoll gestaltete Skulpturen, die in der Kirche gesegnet und bei Prozessionen stolz präsentiert und durch das Dorf getragen werden. Die bekannteste Skulptur ist die Erntekrone.

An den aufwendigen Erntekronen arbeitet praktisch das ganze Dorf mit. Alle Bauern „spenden“ einen Teil ihres Korns damit die Kunstwerke geflochten werden können. Außer der Erntekrone werden in der Kirche auch viele weitere Erntegaben wie verschiedenes Obst und Gemüse gesegnet.

Sehr häufig werden bei regionalen Erntedankfesten auch kleine Sträuße aus Getreide geflochten, die gesegnet und verteilt werden. Viele nehmen die Sträuße mit nach Hause oder stecken sie auf ihren Feldern oder bei den Gräbern ihrer Liebsten in die Erde.

Bei den Feierlichkeiten wird nicht nur für die reiche Ernte gedankt, sondern auch daran erinnert, dass Fleiß allein nicht ausreicht: Es braucht auch die notwendigen Rahmenbedingungen durch die Natur – also Regen und Sonne, Wärme und Kühle in einer guten Ausgewogenheit und das entsprechende Glück, von Unwettern verschont zu bleiben.

Im Laufe der Zeit haben sich in ganz Österreich viele unterschiedliche Bräuche entwickelt.
In manchen Regionen wird das Erntedankfest auch mit anderen Brauchtümern, zum Beispiel Handwerksfesten, Brauereifesten oder weiteren alten Traditionen kombiniert. So zum Beispiel im Salzkammergut, wo Kinder ihren Eltern Maroni und Sterz überreichen, in Anlehnung an jene Zeit, als die Eltern den ganzen Tag am Feld waren und die Kinder ihnen das Essen aufs Feld brachten.

Eines ist aber bei allen Erntedankfesten gleich: Es wird ordentlich gefeiert mit Landwirten, Kinder- und Schülergruppen, der Musikkapelle und zumeist allen relevanten Vereinen, der Jägerschaft und natürlich der gesamten Bevölkerung.

Wie feiern Jäger Erntedank?

Die Hubertusmesse ist das Erntedankfest der Jägerschaft. Die Messen drücken Respekt und Dankbarkeit der Jäger gegenüber der Natur und den Wildtieren aus. In der Regel finden diese Messen rund um den 3. November, dem Hubertustag, als Feldmessen bei Hubertuskapellen oder direkt im Wald statt. Begleitet werden sie von Hornbläsern.

Auch beim Erntedankfest der Jägerschaft wird nach der Messe gefeiert. Die Gäste werden dabei traditionell mit kulinarischen Köstlichkeiten von diversen Wildspezialitäten verköstigt.

Erntedankfeste
in anderen Ländern

Auch in vielen anderen Regionen unserer Erde werden aufwendige Erntedankfeiern begangen:

In Japan
gibt es im November einen gesetzlichen Feiertag, den „Tag des Dankes für die Arbeit“. Dieser geht auf das Kaiserliche Erntedankfest zurück, an dem das „Kosten des neuen Reises“ gefeiert wurde.

USA & Kanada
Das international bekannteste Fest des „Dankes“ ist sicherlich das nordamerikanische „Thanksgiving“. Dieses Fest findet traditionell am 4. Donnerstag im November statt. Gerade für US-Amerikaner ist dieser Feiertag DAS Fest der Familie. Statt Geschenken steht das gemeinsame Essen, der berühmte Truthahn, im Zentrum. Der darauffolgende Freitag wird von vielen als Urlaubstag genutzt. Die Wirtschaft nutzt diesen Fenstertag für den, mittlerweile auch bei uns in Europa bekannten, „Black Friday“ mit zahlreichen Rabatt- und Lockangeboten.

In China
ist am ehesten das „Mondfest“ mit unseren Erntedankfeierlichkeiten zu vergleichen. Dieses Fest hat vor allem für Bauern auch heute noch eine hohe Bedeutung. Sie danken den Göttern für die Ernte und dafür, dass sie sich damit ihren Lebensunterhalt verdient haben. Chinesen verschenken an diesem Tag „Mondkuchen“, eine kreisförmige Speise mit einer süßen oder salzigen Füllung. Das Mondfest wird in einer sehr ähnlichen Form auch in Thailand gefeiert.

In Westafrika
vor allem in Ghana und Nigeria feiern die Menschen, die vom Ackerbau leben das „Yamsfest“. Yams ist jene Frucht dieser Region, die als erstes reif und geerntet wird. Das Fest findet nach der Regenzeit Ende August statt. Yams zählt dort zu den Grundnahrungsmitteln und dient als beliebte Beilage, ähnlich wie bei uns die Erdäpfel bzw. Kartoffel.

Im Süden Afrikas
wird mit alten Riten das N’cwalafest gefeiert, zum Beispiel im Simbabwe oder Sambia. Anders als in vielen anderen Teilen der Erde wird hier nicht einem Gott oder Göttern, sondern den eigenen Vorfahren gedankt. Das Fest findet oft vor der Ernte statt und man erbittet, auch durch Opfergaben, eine gute und ertragreiche Ernte.

In Australien
finden die Erntedankfeierlichkeiten naturgemäß im März statt. Am bekanntesten ist das „Apple & Grape Harvest Festival“, das alle zwei Jahre traditionell in Queensland stattfindet. Bei einem 10-tägigen Festival und unzähligen kulturellen Angeboten werden die Produkte der dort boomenden Weinindustrie gefeiert. Dieses Fest lockt jedes Mal zehntausende Menschen an und zählt somit zu den führenden Erntedankfesten am fünften Kontinent.

Thanksgiving Ende November ist auch in Australien ein gesetzlicher Feiertag.

In Schottland
steht ebenfalls eine spezielle Speise im Zentrum der Erntedankfeiern: Das traditionelle Gericht ist eine Suppe namens „Hotch-potch“. Dabei handelt es sich um eine kräftige Suppe, die aus einer Mischung von Gartengemüse und frischem und hochwertigem Fleisch besteht. Dieser Speise wird in Schottland eine heilende Wirkung nachgesagt.

Schweden
Erntedankfeste haben auch im Norden Europas Tradition. Das mittlerweile bekannteste Fest dieser Art ist das „Ölands Skördefest“. Mit diesem Fest wurde eine alte Tradition wiederbelebt, denn die Schweden feierten schon viel früher das „Mickelmäss“, eine Feierlichkeit anlässlich der eingebrachten Ernte und der wieder gesund heimgekehrten Tiere, die nun wieder in den Ställen waren.

In Mexiko
geht es auch beim Erntedankfest bunt und bewegt zu. Das Erntedankfest des mittelamerikanischen Landes heißt „Guelaguetza“ und findet zu Ehren der Maisgöttin Chicomecoátl statt. Dabei wird in bunten Trachten getanzt.

UNSERE
LESE-EMPFEHLUNG

Bildquellen für diesen Beitrag: Jagdfakten.at/L. Molter

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