13. Juli 2018

Frauen in der Jagd: Interview mit Petra Aichberger

Immer mehr Frauen entdecken die Jagd für sich. Rund 10 Prozent beträgt der Anteil von Frauen in der Jagd in Österreich bereits. Erfreulicherweise mit steigender Tendenz. Bereits 20 Prozent derer, die in den letzten 5 Jahren die Jagdausbildung absolviert haben, sind Frauen. Innerhalb der Jägerschaft wird dieser Trend sehr begrüßt, ist die Jagd doch schon lange keine Männerdomäne mehr.

Jagdfakten.at hat mit Petra Aichberger gesprochen, einer jungen Jägerin aus Niederösterreich, die jüngst auch in Servus TV zu sehen war:

Jagdfakten.at: Liebe Petra, vielen Dank dass du dir die Zeit nimmst, um mit uns über die Jagd und über deinen Zugang zur Jagd zu sprechen. Wann war bei dir der Zeitpunkt erreicht, an dem du für dich beschlossen hast, dem Weidwerk nachzugehen?

Petra Aichberger: Das ist schon sehr lange her. Ich konnte bereits als Kind mit meinem Papa mit zur Jagd gehen. So wurde mein Interesse für die Natur und für das Wild geweckt. Mit 13 Jahren habe ich mit dem Jagdhornblasen angefangen. Über die Musik hatte ich dann auch sehr viel mit anderen Jägern zu tun. Die Geschichten über die verschiedenen Jagderlebnisse haben mein Interesse noch zusätzlich gesteigert.

Jagdfakten.at: Gab es ein bestimmtes Erlebnis, dass du uns beschreiben möchtest?

Petra Aichberger:  Die gemeinsamen Ansitze mit meinem Papa waren sehr wichtig für mich. Besonders der Mai, wenn die Natur erwacht und auch die jungen Wildtiere schon zu sehen sind, war und wird immer meine Lieblingszeit in der Natur sein.

Ich weiß noch ganz genau, wie mein Papa und ich zum Hochsitz gegangen sind und auf dem Feldweg zwei Rehkitze liegen sahen. Wir sind ganz vorsichtig daran vorbeigegangen und haben aus der Ferne mit dem Fernglas beobachtet. Kurze Zeit später hat die Rehgeiß die beiden Kitze abgeholt. Das war ein wunderschöner und ganz besonderer Moment für mich, an den ich gerne zurückdenke.

 

Rehkitz versteckt im Gras

 

Jagdfakten.at: Weshalb gerade Jagd, die Natur kann man doch auch ohne Jagdausbildung genießen?

Petra Aichberger:  Bei der Jagd erlebt man die Natur intensiver. Als Wanderer kann ich zwar einzelne Momente genießen, aber als Jägerin kann ich das ganze Revier und die Tiere über Jahre hinweg kennenlernen.

Auch ist es so, dass die Jagdausbildung mich vieles gelehrt hat. Die Zusammenhänge in der Natur und die verschiedenen Verhaltensmuster der Wildtiere sind nun für mich viel klarer. Ebenso kann ich mich als Jägerin aktiver einbringen in der Pflege des Reviers. Da erlebe ich einzigartige Momente.

Jagdfakten.at: Was bedeutet für dich Jagd – bzw. welcher Aspekt ist für dich besonders wichtig?

Petra Aichberger: Die Jagd ist so facettenreich, da ist es nun schwer einen Aspekt losgelöst von den anderen zu betrachten. Ganz wichtig ist sicherlich die Weidgerechtigkeit – der respektvolle Umgang mit der Natur und den Wildtieren. Die 100-prozentige Sicherheit mit der Waffe ist ebenfalls wesentlich.

Was ich allerdings stark vermisse in der öffentlichen Wahrnehmung und was mir besonders am Herzen liegt, ist die Verantwortung gegenüber allen Tieren und die Revierarbeit.

In unserem Revier haben wir ein besonderes Auge auf die Förderung des Lebensraumes. Wir legen viele Hecken und Rückzugsmöglichkeiten für Wildtiere an oder bauen und pflegen Rebhuhnfütterungen, da gerade das Rebhuhn stark zurückgegangen ist in den letzten Jahren.

Und – was auch im Beitrag von Servus TV zu sehen war – wir suchen die Felder vor dem Mähnen nach Rehkitzen ab. Die Kitzrettung ist ein wichtiger Teil der Revierarbeit als Jäger.

Jagdfakten.at: Wie wir auch bei dir heraushören, ist die Jagd ein sehr emotionales Thema und manche Menschen stehen der Jagd ja auch kritisch bis ablehnend gegenüber. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Petra Aichberger:  Ja, in der Tat! Gerade der Beitrag von Servus TV wurde ja auch in den sozialen Netzwerken geteilt. Dort habe ich dann irgendwann aufgehört zu zählen, wie viele Beleidigungen gepostet wurden. Es ist für mich unglaublich unverständlich:

Jagdgegner sehen in der Jagd nur den Abschuss von Wildtieren. Das ist jedoch nur ein ganz kleiner Teil der Jagd und der wird fast immer in den Vordergrund gestellt.

Aber die Gesamtheit der Jagd, der Umweltschutz, der Erhalt der Artenvielfalt, Kitzrettung, Habitatspflege für selten gewordene Arten wird einfach unter den Tisch gekehrt.

Als Jägerinnen und Jäger tragen wir Verantwortung für das Gleichgewicht zwischen den Wildtieren, deren Lebensraum von Menschen immer mehr eingeschränkt wird. Ich denke hier herrscht einfach auch viel Unwissenheit.

In einem Posting war von „Mörder“ die Sprache, dabei trug dieser Herr eine Lederhose auf seinem Profilbild. Die Lederhose wächst auch nicht auf dem Baum. Mir zeigt das, dass viel mehr Wissen vermittelt werden muss. Es gab aber auch viele positive Rückmeldungen, was mich sehr gefreut hat.

Jagdfakten.at: Danke für dein Engagement und die klaren Worte. Gibt es noch etwas, was du unseren Lesern gerne mitgeben möchtest?

Petra Aichberger: Ja sehr gerne! Gesunde Ernährung ist seit einiger Zeit stark in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Wildbret ist eines der besten Lebensmittel überhaupt und auch kein Aufwand in der Zubereitung.

Frisches Reh aus heimischen Revieren mit etwas Salz und Pfeffer auf dem Grill zubereitet ist gerade im Sommer sehr leicht und unglaublich gut. Einfach mal bei einem Jäger im Bekanntenkreis nachfragen und selbst versuchen.

Jagdfakten.at: Liebe Petra, das sind wohl sehr gute Schlussstatements. Es braucht viel mehr Wissen, Verständnis und vor allem viel mehr engagierte Jäger und Jägerinnen wie dich. Vielen Dank für das Interview!

 

Petra Aichberger (c) Privat

Zur Person:

Petra Aichberger ist Büroangestellte, Jagdhornbläserin, und begeisterte Jägerin. Der gebürtigen Niederösterreicherin liegen Natur, Wildtiere und die Förderung des Lebensraumes sehr am Herzen.

 

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