Cremen und Salben aus Tierfetten erleben gerade ein fulminantes Revival. Besonders intensiv mit dem Thema beschäftigt sich Barbara Hoflacher. Wir sprachen mit der Tirolerin über die gängigsten Fette und deren Einsatzgebiete.

TIERFETTE

WILDE WUNDER

Das Thema ist so alt wie die Menschheit selbst: Weltweit wurde schon vor Jahrtausenden verwertet, was die Natur hergibt und gejagt werden konnte. Und alles, das nicht als Nahrungsmittel taugte, wurde auch nicht entsorgt, sondern für Bögen (Sehnen), Kleidung (Felle) und dergleichen verwendet.

Medizinische
Wunderwaffe

Eine große Rolle spielte in der Geschichte auch die Verwendung von Tierfetten als medizinische Wunderwaffe. Dass diese heute ein Comeback erleben, ist kaum verwunderlich, sagt Barbara Hoflacher, die sich schon seit Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigt, Bücher schrieb, und ihr Wissen rund um die richtige Verwendung von Tierfetten als Heilmittel in ihren Seminaren teilt.

Tierfette im Aufwind

„Die Verwendung von Tierfetten für Salben und Seifen hat Tradition“, erklärt Hoflacher. Diese sei durch ein schulmedizinisches Intermezzo in der Moderne zwar etwas verloren gegangen, jetzt aber wieder im Aufwind, „weil es ja den Trend zurück zur Natur gibt. Waren in den letzten Jahrzehnten tierische Fette noch schlecht angeschrieben, so sind die Menschen ihnen gegenüber heute weit offener.“

Top-Tierfette im Überblick

Wir haben für Sie die gängigsten Tierfette und ihre Wirkungsweisen aufgelistet:

  • Murmeltierfett & Dachsfett
  • Wildschweinfett
  • Fuchsfett
  • Gamsfett, Hirschfett & Rehfett
  • Tipp: Achten Sie darauf, dass die Fette aus heimischen Gefilden kommen. Die Qualität von Tieren, die mit Fallen bejagt werden (zum Beispiel Steppenmurmeltiere aus Kasachstan), schlägt sich freilich auch auf die Konsistenz des Fettes nieder.

Murmeltierfett &
Dachsfett

Bereits in den 1980er Jahren wurde die Wirkung von Murmeltierfett und Dachsfett genau analysiert. Mit dem Ergebnis, dass sie einen beträchtlichen Anteil an mehrfach ungesättigten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren aufweisen. Murmeltieröl weist einen geringen Anteil an Glucocorticoiden,­ einer kortisonähnlichen Substanz – auf, jener ist beim Dachsfett sogar doppelt so hoch. Beide Fette werden deshalb vielfach eingesetzt, zB bei

  • Hautproblemen (Neurodermitis)
  • Lungenbeschwerden
  • Gelenkschmerzen
  • Magen-Darm-Leiden (orale Einnahme)

Wildschweinfett

Auch wenn es unwirklich klingt: Die Haut des Wildschweines ähnelt in puncto Struktur der menschlichen sehr. Aus diesem Grund gilt eine Salbe aus Wildschweinfett – eventuell angereichert mit Ringelblumen – als Geheimtipp für Menschen mit wunder oder rauer Haut.

Fuchsfett

Anti-Aging-Mittel müssen nicht immer aus der Parfümerie kommen – immerhin gilt Fuchsfett als wahres Schönheits-Elixier. Eingesetzt wird es zur Reduktion von Falten, bei Gewebebrüchen, Cellulite, Krampfadern und Hämorrhoiden. Aber auch als Hustenbalsam leistet es gute Dienste.

Hirschfett,
Rehfett & Gamsfett

Diese Fette verfügen über einen hohen Anteil an hautpflegenden Stoffen und sind wie geschaffen für einen optimalen Wind-, Wetter- und Kälteschutz. Zudem wirken sie durchblutungsfördernd und erwärmend.

Fazit:

Tierfette werden schon seit Jahrtausenden verwertet. In der Moderne ist diese Tradition etwas verloren gegangen und Fette wurden nach dem Erlegen eines Tieres entsorgt. Heute ist die Verwendung von Tierfetten wieder im Aufwind: sie werden großteils konserviert und – durch Zugabe von beispielsweise Bienenwachs oder auch pflanzlichen Ölen – verarbeitet.

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