„Zecken haben immer Saison“

Unsichtbar, geruch- sowie lautlos pirschen sich Zecken Jahr für Jahr an ihre Opfer heran.
Mensch und Tier bleiben im Umgang mit den kleinen Blutsaugern eigentlich nur zwei Möglichkeiten, meint der Experte: Prävention und Reaktion.

ZECKEN

Zecken sind, und das kann man durchaus pauschal so sagen, eine Qual. Jedes nur erdenkliche Lebewesen ist für sie attraktiv, sie stechen ohne Ankündigung zu und – das wiederum ist dem Klimawandel geschuldet – haben inzwischen das ganze Jahr hindurch Saison. Gelernt ist gelernt, möge man meinen, denn die kleinen Blutsauger haben schon eine erstaunliche Karriere hingelegt. „Schon Dinosaurier hatten Zecken“, weiß der Wiener Veterinärmediziner Dr. Michael Leschnik, ein Spezialist auf dem Gebiet. „Zecken sind und waren extrem erfolgreiche Tiere, die lange vor dem Menschen da waren und uns mit Sicherheit auch in Zukunft erhalten bleiben werden. Und inzwischen auch das ganze Jahr über Saison haben.“ So weit, so schlecht.

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Ein „Wirt“ für jede Lebensphase

Insgesamt unterscheidet man weltweit 900 verschiedene Zeckenarten, wobei in Österreich lediglich 6-7 Arten von Relevanz seien, so Leschnik. Zecken mögen es weder zu nass noch zu kalt („Sie brauchen Plusgrade“), weswegen davon auszugehen ist, dass ab einer Höhe von 1800 Metern keine mehr zu finden sind. Zumindest aktuell.

Wie „funktionieren“ Zecken?
Das Leben einer Zecke ist in drei Zyklen unterteilt – für jede einzelne Lebensphase wird ein „Wirt“ benötigt, also ein Mensch/Tier, an welchem sich die Zecke ansaugen und damit ernähren kann.

1. Die Larven:
Ein Zeckenweibchen legt im Herbst rund 2000 Eier ab. Die Eier überwintern, bis im Frühjahr mikroskopisch kleine, geschlechtslose Larven schlüpfen. Ihre Wirte sind Kleinnager wie Mäuse, Eichhörnchen oder Igel. Haben die Zecken sich eine Blutmahlzeit geholt, häuten sie sich zum ersten Mal. Aber: Von 2000 Eiern erreichen im Schnitt nur zwei die Geschlechtsreife.

2. Die Nymphen:
Haben die Zecken dieses Stadium erreicht, sind sie zwar nach wie vor geschlechtslos, verfügen aber über acht Beine und eine Körpergröße von rund einem Millimeter. Damit können sie auch Sträucher und Gräser erklimmen und größere Wirte wie Rehe oder auch Menschen anfallen. Dieser Zyklus dauert zwischen einem und drei Jahren, auch hier leitet eine Blutmahlzeit eine Häutung ein.

3. Die adulten Zecken:
Nun ist die Zecke geschlechtsreif. Nach der Paarung muss das Weibchen noch einmal auf Wirt-Suche gehen und saugen, um Eier ablegen zu können. Da diese Prozedur viel Nahrung erfordert, muss es bis zu zehn Tage (!) lang Blut aufnehmen. In dieser Zeit schwillt sein Körpergewicht auf das 200-fache an – nach dem finalen Stich legt das Weibchen seine Eier und stirbt.

Dr. Michael Leschnik, Veterinärmediziner - im Gespräch mit Jagdfakten.at über: Zecken
Dr. Michael Leschnik, Veterinärmediziner

Die Risiken
für Mensch und Tier

So ungefährlich ein Zeckenbiss an sich ist, so gefährlich sind die Erreger, welche die kleinen Blutsauger in sich tragen. „Während sich die Zecke nicht verändert hat, so Dr. Leschnik, „hat sich die Medizin in den letzten 150, 200 Jahren enorm weiterentwickelt.“ Die meisten Erreger kommen nach wie vor über die Speicheldrüse, aber Impfungen (FSME, Borreliose) können ihnen inzwischen durchaus Einhalt gebieten.

Prinzipiell, so Dr. Leschnik, seien vor allem Haustiere beliebte Wirte, „weil sie mehr in Büsche gehen und im Wald in Zonen, in die der Mensch nicht kommt.“ Während Wildtiere per se relativ resistent sind („Es gibt wenige Berichte, die zeigen, dass FSME an Wild übertragen wurde“), sind die Zecken-Opfer vor allem Hunde und Katzen. Hier gibt es längst Prophylaxen wie Halsbänder oder auch Tabletten, beim Hund auch Borreliose-Impfungen.

Zeckenbiss – was tun?

Vor allem die Borreliose, auch Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit genannt, ist durch ihre Symptome – ringförmige Hautrötung, Muskel- und Gelenksschmerzen, Fieber – rasch erkennbar. In diesem Falle sollte man sofort einen Arzt aufsuchen, der die Borreliose mit Antibiotika behandelt.

Findet man bei Mensch oder Tier eine Zecke, sollte diese mit einer Zeckenzange entfernt werden – keinesfalls mit Öl oder Ähnlichem einreiben. Dr. Leschnik: „Wichtig beim Gebrauch der Zange ist, dass man nicht ruckartig versucht, die Zecke zu entfernen. Hier besteht die Gefahr, dass man alles bis auf den Kopf abreißt und damit die Mundwerkzeuge noch drin bleiben.“ Also besser komplett herausdrehen und auch keinesfalls mit den Fingern sein Glück versuchen. „Denn so kann die Zecke platzen“.

Bildquellen für diesen Beitrag: © Dr. Michael Leschnik; Hirschzecke auf Jeans © iStock.
Autor für diesen Beitrag: U. Macher / Jagdfakten.at

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