22. November 2019

Wild im Klimawandel

Wie besteht unser heimisches Wild im Klimawandel?

Lesen Sie in diesem Beitrag, wer zu den Gewinnern und wer zu den Verlierern zählt. Gewiss ist, dass es erste Auswirkungen des Klimawandels auf unsere heimische Wildtiere gibt. Dies wird von Wildtierbiologen wie Prof. Klaus Hackländer von der Universität für Bodenkultur Wien (Boku) bestätigt.

Neutral betrachtet kann man sagen – es gibt Profiteure und Leidtragende bei unserem Wild im Klimawandel:

  • Neue Wildtierarten kommen in unsere Regionen,
  • andere versuchen sich anzupassen, was oft aber aus diversen Gründen nicht immer funktioniert.
  • Wieder andere ziehen weiter,
  • manche werden eventuell sogar aussterben.

 

Unser österreichisches Wild im Klimawandel – welche Tierarten sind betroffen?

Im Unterschied zu uns Menschen haben nicht alle Tiere die Möglichkeit sich schnell an Klimaveränderungen an zu passen bzw. sich Abhilfe zu verschaffen. Daher kommt es durch die Klimaerwärmung zu einer Artenverschiebung. Generell kann zu den Folgen des Klimawandels festgehalten werden:

  • Zugvögel bzw. Insekten und Reptilien werden mehr
  • alpine Tierarten und sogenannte „Eiszeitrelikte“ werden weniger.

Die letzte Eiszeit im Alpenraum endete vor rund 10.000 – 12.000 Jahren. Dennoch gibt es gibt es manche Tier- und Pflanzenarten, die sich nach dem Rückzug des Eises in neuen Gebieten halten konnten. Solche Tierarten werden in der Fachsprache „Eiszeitrelikte“ genannt.

Diese und alle an die alpinen Witterungsverhältnisse angepassten Wildtierarten zählen zu den Verlierern der aktuellen Klimaerwärmung.

Ohne Schnee fehlt dem Schneehasen die Deckung vor Beutegreifern

Warum zählt der Schneehase zu den Verlierern beim heimischen Wild im Klimawandel?

Die Antwort darauf gibt Prof. Hackländer – er leitet an der Boku Wien das Department für Integrative Biologie und Biodiversitätsforschung:

Eiszeitrelikte haben sich über die Zeit an die klimatischen Bedingungen angepasst. Oft auch rein äußerlich, wie zum Beispiel der Schneehase – er trägt im Sommer ein rotbraunes bis bräunlich-graues Haarkleid. Im Winter ist er hingegen, bis auf die schwarzen Löffelspitzen, komplett weiß.

Wenn im Winter kein Schnee mehr liegt, ist seine Tarnfarbe, das weiße Fell, nachteilig für den Schneehasen: weil er für seine natürlichen Feinde, wie den Fuchs oder große Greifvögel, viel besser sichbar und jagdbar ist. Gleiches gilt für das Schneehuhn, welches auch im Winter die Farbe wechselt.

Aber nicht nur die fehlende Tarnung wird für diese Tiere zu einem Problem. Auch und vor allem die höheren Temperaturen. Eiszeitrelikte wie Schneehasen, Schneehuhn und Auerwild sind die Ersten, die wir verlieren werden, weil sie vom Stoffwechsel her nicht die Möglichkeit haben, auf hohe Außentemperatur zu reagieren.

Gams- und Steinwild zieht es öfters in Waldgebiete, wo es zu Schäden am Wald kommt.

Gams und Steinbock leiden

Gams und Steinbock leben als Kletterkünstler bekanntlich im felsigen Bergland und im Hochgebirge.

Im Winter werden viele Nordhänge für den Wintertourismus (Schifahren) genutzt. Die sonnigen Südhänge wärmen sich durch die Erderwärmung auch in der vermeintlich kalten Jahreszeit derart auf, sodass Gams und Steinbock oft nur der Weg hinunter in die schattigen Wälder bleibt. Was zu Schäden am Wald führt.

Oder, sie flüchten sich – zumeist aufgeschreckt durch den Menschen – in die sonnengefluteten Schneefelder und lösen dadurch oft selbst Schneebretter aus, denen sie dann zum Opfer fallen.

Man kann also verkürzt sagen: Diesen beiden Tierarten fehlt im Winter schlicht der Lebensraum.

 

Neue Vogelarten kommen zu uns

Am leichtesten können (Zug-)Vögel auf die Klimaerwärmung reagieren. Experten beobachten eine Verschiebung innerhalb Europas – Richtung Norden.

Heute kommen Vogelarten zu uns, denen es in Österreich früher zu kalt war. So zum Beispiel Bienenfresser, Silberreiher – die nun sogar in Österreich überwintern – oder die Blauracke. Insgesamt gibt es momentan sogar einen Zuwachs an Vogelarten.

Das steigert aber den Konkurrenzkampf, weil der Lebensraum enger wird. Hochgebirgsarten, wie der Schneefink zählen damit zu den Verlierern der Klimaerwärmung.

Silberreiher sieht man nun öfters in Österreich.

Fische sind betroffen

In der Fischwelt sind vor allem Bachforellen (Fisch des Jahres 2020), Äschen und Saiblinge von den wärmeren Wassertemperaturen betroffen. Während sie in tiefen Seen weiter nach unten abtauchen können, sind Flüsse und kleinere Seen heute im Sommer oft zu warm. Das hat vor allem auf die Laichplätze negative Auswirkungen.

Ein Freund von wärmeren Gewässern ist hingegen der Karpfen, der aktuell, ebenso wie der Barsch, zu den Profiteuren der Erwärmung gezählt werden kann.

Mehr Reptilien und Insekten

Zu den weiteren Profiteuren der Klimaerwärmung zählen vor allem Tiere, die sich mehrmals im Jahr vermehren, wie Insekten. Das erklärt Prof. Klaus Hackländer folgendermaßen:

„Klimawandel gab es schon immer, die aktuelle Gefahr ist aber das Tempo der Erderwärmung. Der Klimawandel ist so schnell, dass einige Arten nicht die Zeit haben, sich entsprechend anzupassen. Das sind eher jene Tiere, die nur einmal im Jahr Nachwuchs haben und die sich selbst erst nach einigen Jahren weitervermehren.“

Reptilien, wie Echsen oder Schlangen profitieren ebenfalls, da sie exotherm sind, deren Körpertemperatur direkt von der Außentemperatur abhängen. „Schlangen und Eidechsen haben es jetzt einfacher bei der Nahrungssuche und der Paarung, da sie längere Aktivitätsphasen haben. Daher werden sich Dichte und Anzahl der Reptilien erhöhen“, so Prof. Hackländer.

 

Die Zauneidechse wie auch andere Reptilien profitieren von wärmeren Temperaturen.

Gefahr von Krankheiten steigt

Insekten sind bekannter Maßen Überträger von Krankheiten. Mit dem Vordringen bisher bei uns nicht beheimateter Insekten aus dem Süden, werden auch Krankheitserreger eingeführt die schlecht für unsere Wildtiere sind.

An oberster Stelle sei hier die Blauzungenkrankheit erwähnt: Das ist eine Viruserkrankung von Rindern, Schafen, Ziegen, Kamelartigen und wildlebenden Widerkäuern wie Reh- oder Rotwild. Für den Menschen besteht keine Ansteckungsgefahr.

 

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