Haben Sie sich schon einmal gefragt, was ein Jäger macht, wenn er oder sie im Wald unterwegs ist? Was macht ein Jäger, außer zu jagen? Dieser Beitrag gibt Ihnen einen Einblick, wie vielfältig die Aufgaben eines Jägers in Österreich sind und wie der renommierte Wildtierbiologe Univ.-Prof. Dr. Klaus Hackländer die Aufgaben der modernen Jagd sieht und aus Expertensicht beurteilt.

WAS MACHT EIN JÄGER?

Jäger leisten viel für den Lebensraum von Wildtieren und die Kulturlandschaft. Sie regeln den Wildbestand nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit und sorgen für einen artenreichen Wildbestand. Die österreichischen Jagdgesetze verpflichten Jäger dazu, das Wild nicht nur zu bejagen, sondern Verantwortung für die gesamte Tier- und Pflanzenwelt zu übernehmen. Die Aufgaben eines Jägers sind vielfältig:

Ein Jäger oder eine Jägerin

… hilft der Natur

… klärt auf

… reguliert Populationsgrößen

… achtet auf Schonzeiten

… erfüllt Hegepflicht

… erhaltet Natur- und Lebensräume

… füttert artgerecht und

… trägt zur Vermeidung von Wildschäden bei

… arbeitet mit Landwirte zusammen –

… gemeinsam gegen den Mähtod

… setzt Maßnahmen zur Verhinderung von Wildunfällen

Wieviele Jäger gibt es in Österreich?

In Österreich gibt es aktuell rund 130.000 Jägerinnen und Jäger (ausgegebene Jahresjagdkarten 2017/18 laut Statistik Austria). Der Frauenanteil liegt aktuell bei rund 10 Prozent und steigt stetig an.

Jäger helfen, klären auf  & regulieren

HELFEN
Österreichs Jägerinnen und Jäger kümmern sich als „Helfer der Natur“ in vielfältiger Weise um das Wild: Sie sorgen für Arterhaltung, genügend Ruhe und für die Verbesserung von Lebensraum und Lebensumständen der Wildpopulation. Unsere Jagdgesetze verpflichten Jäger, das Wild vor vorsätzlicher Beunruhigung und jeder Verfolgung zu schützen.

AUFKLÄREN
Jäger klären auf und haben dafür Sorge zu tragen, dass unbefugte Personen und erholungssuchende Naturnutzer – wie z.B.: Wanderer, Mountainbiker, Paragleiter, etc. – das Jungwild nicht berühren und das Wild nicht füttern. Das bedeutet natürlich nicht, Naturnutzer aus dem Wald auszusperren: vielmehr klären Jägerinnen und Jäger auf, wie und wo auf die Bedürfnisse der Wildtiere Rücksicht zu nehmen ist.

REGULIEREN
Nur wenige wissen, dass die Jägerschaft eine viel größere Zahl von Tierarten schützt, als sie bejagt. Zunächst wird unterschieden, welche Wildtiere bejagt werden bzw. bejagt werden müssen und solche, die nicht bejagt – bzw. ganzjährig geschont werden. So schreiben zum Beispiel Behörden vor, wieviel Reh– oder Rotwild in den Bezirken erlegt werden muss. Diese sogenannten Abschusspläne folgen dem Prinzip der Nachhaltigkeit. Das bedeutet, dass nicht mehr Wild entnommen werden darf, als zuwächst. Die Bejagung selbst macht nur einen Bruchteil der Tätigkeiten des Jägers aus.

AUF SCHONZEITEN ACHTEN
Schonzeiten sind jene Zeiten, in denen das jagdbare Wild weder gejagt noch gefangen werden darf. Das ist eine der zentralen Maßnahmen der Wildhege. Unter “Wildhege” versteht die Jägerschaft den Sammelbegriff für alle Maßnahmen zur Erhaltung eines im Verhältnis zu Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft ausgewogenen, standortgerechten, gesunden und artenreichen Wildbestandes. Jägerinnen und Jäger achten darauf, dass die gesetzlich vorgegebenen Schon- und Abschusszeiten genau eingehalten werden.

Kultur und Tradtion, Jagdfakten.at

Jäger hegen,
erhalten Lebensräume & füttern artgerecht

HEGEPFLICHT
Im Rahmen der Hegepflicht setzen Jäger Maßnahmen, die die Lebensgrundlagen des Wildes sichern und verbessern. So schützen Jägerin und Jäger das Wild vor vorsätzlicher Beunruhigung und Verfolgung, zum Beispiel durch streunende Hunde. Sie versuchen aufzuklären, wie und wo auf die Bedürfnisse der Wildtiere Rücksicht zu nehmen ist. Außerdem achten sie darauf das Wildkrankheiten reduziert werden, was eine wichtige Voraussetzung für eine artenreiche, wildlebende Tierwelt ist.

NATUR & LEBENSRÄUME ERHALTEN
Die Erhaltung naturnaher Lebensräume zählt ebenfalls zu den Aufgaben der Jägerschaft: sie erhält Feuchtbiotope, Brachflächen und Hecken und sorgt dafür, dass Wildwiesen, Wildäcker und Ökostreifen angelegt werden. Österreichs Jäger helfen zudem mit, dass Almen nicht zuwachsen.

ARTGERECHT FÜTTERN & WILDSCHÄDEN VERMEIDEN
Jäger sorgen dafür, dass Wildtiere möglichst wenig Schaden in Wald und Feld anrichten. Werfen Sie dazu einen Blick in die Broschüre mit Empfehlungen für Jäger und Waldbesitzer. In Notzeiten füttern Jägerinnen und Jäger das Wild artgerecht.

Der jeweils zuständige Jagdausübungsberechtigte haftet mit seinem Privatvermögen für Wildschäden: diese muss er dem Landwirt oder dem Waldbesitzer ersetzen, wenn das Wild nicht genügend Futter findet und sich an den Nutzpflanzen des Bauern bedient bzw. die Bäume im Wald schädigt.

LESETIPP: Wofür haften Jäger?

Jäger & Landwirte
gemeinsam gegen den Mähtod

Mähmaschinen stellen leider allzu oft eine tödliche Gefahr für den Nachwuchs der Wildtiere dar. Deshalb gibt es gemeinschaftliche Rettungsaktionen der Jägerschaft und der Landwirte, ohne die vermutlich viel mehr Wildtiere in landwirtschaftlichen Nutzflächen zu Tode kommen würden. U.a. mit diesen Maßnahmen schützen Jägerinnen und Jäger das Jungwild.

Jäger treffen Maßnahmen
zur Verhinderung von Wildunfällen

Nicht zuletzt helfen Jäger, das Wild vor den Gefahren des Straßenverkehrs zu schützen. Zugleich steht er oder sie als kompetenter Ansprechpartner Autofahrern und Polizisten zur Seite, wenn sich ein Wildunfall ereignet hat.

Trotz zahlreicher angebrachter Wildwarnreflektoren an Waldrändern oder Wildwechseln sterben laut Statistik jährlich rund 70.000 Wildtiere auf Österreichs Straßen. Der ÖAMTC geht davon aus, dass jährlich sogar bis zu 100.000 Wildtiere auf Österreichs Straßen verenden. Eine Zahl, die ohne die Bemühungen der heimischen Jäger sicherlich noch höher ausfallen würde.

LESETIPP: 8 Tipps zur Unfallvermeidung

Jäger schaffen eine vielfältige Natur für uns alle

Unsere Jägerinnen und Jäger tragen mit der Erfüllung ihrer umfassenden Aufgaben maßgeblich zur Schaffung und Erhaltung unserer vielfältigen Natur bei – und das kommt nicht nur dem Wild, sondern uns allen zu Gute.

Fazit von
Univ. Prof. Dr. Klaus Hackländer

Universitätsprofessor für Wildtierbiologie und Jagdwirtschaft an der Universität für Bodenkultur Wien:

„Die moderne Jagd ist viel mehr als das Schießen und Töten von Tieren. Jäger erhalten und erhöhen die Biodiversität in unserer Kulturlandschaft. Sie helfen Konflikte mit Land- und Fortwirtschaft zu vermeiden und sie betreiben ein zeitgemäßes Naturraummanagement. Es braucht das Engagement der Jäger um die Kulturlandschaft als Lebensraum für unsere Wildtiere zu erhalten. Ihr wertvoller, ja sogar unbezahlter Beitrag für die Erhaltung der Natur ist wichtig, um den weiteren Verlust an Vielfalt unserer heimischen Wildtiere zu verhindern.“