18. September 2016

Safari in Afrika – Die pure Freude am Töten?

„Afrika. In den Weiten der Wildnis. Dort, wo es Buschböcke, Impalas, Zebras, Gnus und anderes Getier zu Tausenden gibt, machen sie Urlaub. Deutsche und österreichische Jagdtouristen fahren durch den Busch, sie liegen auf der Lauer, sie gehen auf die Pirsch. Dann schießen sie, weinen vor Aufregung und posieren vor ihren erlegten Tieren. – Ein Urlaubsfilm über das Töten, ein Film über die menschliche Natur.“

So beschreibt es Ulrich Seidl in seinen Film „Safari“. Wer sich „Safari“ ansieht, der mag sich an den Bildern erschrecken, die beispielsweise zeigen, wie österreichische Jagdtouristen auf eine Giraffe schießen: Das Tier fällt zu Boden und die Jäger posieren mit dem schwingenden Kopf des noch lebenden Tieres vor der Kamera.

 

Hat die Jagd bzw. Safari in Afrika ausschließlich solch negative Aspekte?

Geht es hier um das bloße Sammeln von Trophäen? Kann es sein, dass hier doch ein verborgener Nutzen aufscheint?

Eines ist klar: Viele Länder sind mittlerweile auf das Geld der Jagdtouristen angewiesen. In Tansania etwa werden die Scouts, die Fahrzeuge der Wildhüter und die Bekämpfung von Wilderern zu 90 % aus Einnahmen der Jagd finanziert – nur 10 % kommen aus den Einnahmen mit Fototouristen. Und: Der Schutz von Natur und Wildtieren ist teuer.

Wichtig ist es hier zwischen Wilderern, d. h. Jägern, die ohne Genehmigung jagen, und nachhaltigen Jägern zu unterscheiden. Wilderer gelten auch unter Jägern als „schwarze Schafe“. Sie widersprechen jeglichem Grundsatz der Weidgerechtigkeit. Die nachhaltige Jagd in Afrika hingegen gefährdet keine einzige Tierart. Stattdessen hat sie in den letzten Jahrzehnten beispielsweise in Namibia und Südafrika dafür gesorgt, dass sich viele Tierarten vervielfacht haben.

Es werden beispielsweise nur 0,34 % und 0,05 % der Breitmaul- und Spitzmaulnashörner bejagt. In Südafrika hat sich der Bestand der Breitmaulnashörner von 1968 bis heute von 1.800 auf rund 18.400 Stück gesteigert. Der Bestand der Spitzmaulnashörner wuchs von 2.520 Stück im Jahr 2004 auf zurzeit etwa 3.500 Stück an. Warum? Weil durch die Einnahmen der Jagdtouristen Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt und zur Erhaltung des natürlichen Lebensraumes des Wildes finanziert werden können.

Was ist die Trophäenjagd eigentlich?
Bei einer Safari in Afrika werden im Zuge der so genannten „Trophäenjagd“ Tiere bejagt, die spezifische gewünschte Merkmale besitzen, wie etwa besonders große Geweihe. Der Jäger – ob ausländisch oder inländisch – zahlt hierbei dafür, dass er, zumeist geführt durch einen Guide, eines oder mehrere Tiere besonderer Gattungen bejagen und erlegen darf. Die Trophäe behält er und nimmt sie mit nach Hause. Das Fleisch des Tieres wird vorwiegend vor Ort verwertet und veräußert. Trophäenjagd gibt es in Europa, den USA, Kanada, Mexiko, einigen asiatischen Ländern, rund der Hälfte der afrikanischen Staaten, in Australien sowie Neuseeland.

Nachhaltige Trophäenjagd spielt eine wichtige Rolle sowohl für die Erhaltung der Wildtierreservate und Artenvielfalt als auch als Existenzgrundlage für die regionalen Gemeinschaften vor Ort. Natürlich ist Missbrauch nicht ausgeschlossen. Insbesondere Korruption, fehlende Vorschriften, zu hohe Abschussraten, Wildern, Jagd auf gefährdete Tierarten, der Verkauf von Trophäen auf dem Schwarzmarkt und mangelhafte Kontrollen bringen die Jagd in Afrika in Verruf. Hier wäre es wichtig, nationale Einrichtungen bei der Beobachtung der Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften zu unterstützen. Das Verbot von Trophäenjagd kann jedoch nicht das Ziel sein.

Üblicherweise findet die Trophäenjagd auf legalem Wege statt – genehmigt durch die Behörden, Jagdvereine und Grundeigentümer. Die Preise variieren von mehreren tausend hin zu mehreren hunderttausend Euro. Wirtschaftlich gesehen ist das ein wichtiger Faktor für das jeweilige Land. Von den Kosten profitieren der Veranstalter der Jagdreise, die Grundeigentümer, aber auch die Behörden: Sie finanzieren damit die Erhaltung und Förderung der Wildtierreservate und der Artenvielfalt, sie verbessern außerdem die Wasserversorgung, unterstützen Schulsysteme und den Aufbau von Krankenhäusern.

Des weiteren sorgt der Jagdtourismus für die Schaffung von Arbeitsplätzen: Es werden schließlich Guides und Aufseher benötigt. In Afrika verhält es sich also ähnlich wie in Österreich: Ohne die Einnahmen der Jagd könnten viele Maßnahmen zur Erhaltung des Wildbestandes gar nicht finanziert werden. Die Jagd ist also nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern ein wesentlicher Finanzierungsfaktor. Eine komplette Abschaffung der Jagd in Afrika wäre daher in jeder Hinsicht kontraproduktiv.

Es ist aber eines wichtig: Von Seiten der Jäger kann es nicht unterstützt werden, wenn bei der genehmigten Trophäenjagd die Grundsätze der nachhaltigen Jagd nicht eingehalten werden. Der Jäger hat sich als „Anwalt der Natur“ an die Regeln der Jagd zu halten – auch in fremden Ländern. Und dazu gehört eben auch der Grundsatz der Weidgerechtigkeit. Oberstes Prinzip ist daher stets die Achtung des Jägers gegenüber dem Wild. Die Jäger sind angehalten, ihr Weidwerk verantwortungsbewusst und beispielhaft auszuüben – ob nun in Österreich oder in Afrika.

 

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Jagd & Natur

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