Es ist angerichtet!

Jagd und Silber sind seit Jahrhunderten eng verbunden.
Besonders exklusiv wirkt die Kombination bei Besteck, wie Jean-Paul Vaugoin, Geschäftsführer der Silberschmiede „Jarosinski & Vaugoin“, weiß.

JAGD & SILBER

Es gibt nichts, was es nicht gibt. Und so beginnt diese Geschichte in Malaysia. Ebendort wollte ein Kunde vor einiger Zeit seinem– im Stile von Fred Feuerstein – neu erbauten Palast auch in Sachen Accessoires ein besonderes Flair verleihen. Und bestand auf Besteck, das seine Jagdleidenschaft widerspiegeln sollte. „So“, erinnert sich Jean-Paul Vaugoin, „kamen wir auf die Idee, Geweihe als Griffe zu verwenden.“

Was damals schon gut angekommen ist, tut es auch heute noch, sagt Vaugoin, Geschäftsführer von „Jarosinski & Vaugoin“, einer der letzten und auch namhaftesten Silberschmieden in Europa. Seit 1847 wird hier Silber in unterschiedlichsten Formen veredelt und verkauft, angefangen von Besteck bis hin zu Schmuck und Dekorationsartikeln, oft auch das Thema Jagd betreffend. Beliefert wurden und werden Königshäuser (Jarosinski & Vaugoin war seit 1906 k.u.k-Hoflieferant), Botschaften und eben Menschen, für die das Comeback der Tafelkultur mit feinstem Silberbesteck verbunden ist.

Silberbesteck
mit Hirschhorngriffen

„Erst kürzlich“, erzählt Vaugoin, „haben wir für einen Kunden in der Steiermark ein Besteck mit Hirschhorngriffen gemacht. Das Besondere daran war, dass die dafür verwendeten Geweihe allesamt aus dem eigenen Revier stammten.“

Dabei muss man jedoch sagen, dass ein Silberbesteck in Verbindung mit Geweih durchaus seine Tücken hat – sowohl für den, der es herstellt, als auch für den, der es benützt. Vaugoin: „Eine Herausforderung ist vor allem die Befestigung. Horn schmilzt bei relativ geringen Temperaturen, trocknet sehr stark aus und wird dadurch auch brüchig.“ Um dieses Risiko zu umgehen, wird für die Verklebung ein spezielles Harz verwendet, aber auch der Kunde ist gefordert. „Kann man Silber inzwischen auch im Geschirrspüler reinigen, darf man das mit diesem Besteck keinesfalls tun! Dieses Spezialharz schmilzt ab einer Temperatur von circa 70 Grad.“

Eine Tatsache, die KundInnen aber gerne in Kauf nehmen, immerhin ist ein jagdliches Silberbesteck weniger Gebrauchsgegenstand, sondern vielmehr einer von ideellem Wert.

Eigene Trophäen
für komplettes Besteckset

„Immer wieder“, weiß Vaugoin, „kommen JägerInnen mit eigenen Trophäen, die wir verarbeiten.“ Viele (Abwurf-)Stangen bezieht die Wiener Manufaktur auch aus Oberösterreich. Immerhin geht für die Herstellung eines kompletten Bestecksets schon einiges an Material drauf, „circa zehn bis zwölf Meter Horn“, rechnet Vaugoin.

Verwendet werden kann grundsätzlich jedes Geweih, „in der Benutzung sind allerdings relativ glatte und gerade Stücke angenehmer und werden daher bevorzugt.“ Und natürlich sollte man – bei all dem Aufwand – in Sachen Herstellung nur absoluten Profis vertrauen, um garantiert auch echtes und hochwertiges Silber zu bekommen.

Silberbesteck mit Hirschhorn - Jagdfakten.at informiert

Echtes Silber
ab einer Zahl von 800

Vaugoin: „Echtes Silber erkennt man anhand der Punzierung, die Sie sozusagen als Marke auf jeder Gabel, jedem Messer finden. Je niedriger die Zahl, desto geringer ist der Silberanteil. Ab einer Zahl von 800 wissen Sie, dass es sich um echtes Silber handelt – früher wurde fast alles in 800 produziert.“

Auch in puncto Reinigung – gerade bei Jagdbesteck – sei Vorsicht geboten.
„Je nachdem, wie oft das Besteck zum Einsatz kommt, empfehle ich, das Besteck bis zu dreimal im Jahr zu reinigen.“ Anders als „normales Silberbesteck“, das man in Bäder legen oder mit Schaum putzen kann, ist die Kombination aus Horn und Silber heikler. Vaugoin: „Bei einer leichten Verfärbung reicht ein spezielles Putztuch. Ansonsten würde ich eine Reinigung durch einem Profi empfehlen.“

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Bildquellen für diesen Beitrag: Silberschmiede Jarosinski & Vaugoin
Autorin für diesen Beitrag: U. Macher/Jagdfakten.at

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