Großtrappe - ein kurzer Steckbrief: Jagdfakten.at informiert

Ein echter Riese unter den Vögeln:

Die Großtrappe beeindruckt durch ihre Größe und mit einer Balz, die ihresgleichen sucht.
Im Steckbrief erfährst du mehr spannende Fakten über diesen einzigartigen Bewohner offener Landschaften.

GROSSTRAPPE
STECKBRIEF

Name: Großtrappe (Otis Tarda)
Männchen: Hahn
Weibchen: Henne
Junge: Küken

Tierfamilie:
Trappen

Größe:
Männchen: 75-105 cm
Weibchen: oft nur etwa die Hälfte der Männchen

Gewicht:
Männchen: bis zu 16 kg
Weibchen: bis zu 6 kg

Paarungszeit (Balz): März – Mai

Brutzeit: Mitte April/Mai

Brutdauer: ca. 25 Tage

Gelege: 1-3 Eier

Alter: 20-25 Jahre

Wie sieht eine Großtrappe aus?

Die Großtrappe ist aufgrund ihrer Größe und Färbung unverwechselbar.

Sie ist der schwerste flugfähige Vogel Europas und zählt auch weltweit zu den schwersten flugfähigen Arten. Charakteristisch sind ihr massiger Körper, der dicke Hals, lange kräftige Beine sowie breite Füße ohne Hinterzehe. Besonders auffällig sind ältere Männchen (Hähne): Sie besitzen einen bis zu 19 cm langen „Bart“ aus borstigen, weißen Federn an den Schnabelseiten. Dieser beginnt am Schnabel und verläuft seitlich nach unten bis etwa zur Mitte des Halses.

Mit zunehmendem Alter werden auch das braune Brustband und die Bartfedern stärker ausgeprägt. Rücken und Schwanzfedern sind rotbraun und schwarz gebändert, während sich die weiße Unterseite klar abhebt. Die deutlich kleineren Weibchen haben einen schlankeren Hals und keine Borstenfedern am Schnabel.

Großtrappe im Flug: Jagdfakten.at informiert
Großtrappe im Flug
Großtrappen-Männchen: Jagdfakten.at informiert
Großtrappe – Männchen
Großtrappen auf Wiese - Jagdfakten.at informiert
Großtrappen – Weibchen

Was macht die Großtrappe besonders:

  • Extremer Geschlechtsdimorphismus: Die Art weist einen außergewöhnlich starken Geschlechtsdimorphismus auf. Während sich Männchen und Weibchen in der Färbung nur gering unterscheiden, ist der Größenunterschied enorm – ein weltweit einzigartiges Phänomen in der Vogelwelt.

  • Körperliche Leistung: Großtrappen sind in der Lage, ohne Anlauf direkt vom Boden abzuheben. Mit kräftigen Flügelschlägen erheben sie sich aus dem Stand in die Luft.

Wo leben Großtrappen?

 

Lebensraum und Vorkommen:
Heute lebt die Großtrappe nur noch in stark zersplitterten Beständen in Süd-, Mittel- und Osteuropa. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Vorderasien bis Südwestsibirien und Kasachstan; ein östliches Areal erstreckt sich vom russischen Altai bis in die Mandschurei (China). In Europa konzentrieren sich die Vorkommen auf Zentralspanien und die ungarische Tiefebene, kleinere Restbestände gibt es in Brandenburg und in Österreich (Niederösterreich und Nordburgenland). Ursprünglich Steppenbewohner, besiedeln Großtrappen heute vor allem weitläufige Agrarlandschaften mit guter Übersicht. Für Brut und Aufzucht eignen sich Felder mit abwechslungsreicher Fruchtfolge, brachliegende Flächen oder extensiv genutzte, nicht zu nasse Wiesen.

Lebensweise und Sozialverhalten:
Großtrappen leben meist in kleinen, nach Geschlechtern getrennten Gruppen und sind in Mitteleuropa überwiegend Stand- oder Strichvögel. Erst im Winter schließen sie sich zu größeren Trupps zusammen. Die Balz der Großtrappe zählt zu den eindrucksvollsten Naturerlebnissen: Die bis zu 16 kg schweren Hähne präsentieren sich auf offenen Flächen, indem sie ihr Gefieder spektakulär aufstellen und umdrehen. Dabei werden die weißen Federpartien sichtbar, sodass der Vogel wie ein großer, weißer Federball wirkt und Weibchen aus großer Entfernung anlockt.

Die Balz erfolgt stumm und wird durch das Aufstellen des Schwanzes, das Aufblähen des Kehlsacks und stolzes Präsentieren verstärkt. Bleiben Weibchen aus, wechseln die Hähne den Balzplatz. Nach der Paarung beteiligt sich das Männchen nicht an Brut oder Aufzucht. Die Küken schlüpfen nach etwa drei Wochen, sind Nestflüchter und nach rund fünf Wochen flugfähig. Weibchen werden mit 2–4 Jahren geschlechtsreif, Männchen deutlich später, meist erst mit 5–6 Jahren.

Großtrappen zeigen eine starke Bindung an ihre Brutplätze, die oft über viele Jahre genutzt werden. Den Großteil des Tages verbringen sie mit der Gefiederpflege. Da ihnen eine Bürzeldrüse fehlt, nutzen sie ein feines Federpuder als Nässeschutz. Sie sind ausgezeichnete Flieger und können enorme Distanzen bewältigen und täglich Strecken von bis zu 300 km zurücklegen.

Was frisst eine Großtrappe?

Die Großtrappe ernährt sich vielseitig. Altvögel fressen überwiegend pflanzliche Nahrung, ergänzen ihren Speiseplan jedoch durch Insekten und kleine Säugetiere wie Mäuse. Jungvögel nehmen anfangs vor allem tierische Nahrung, insbesondere Heuschrecken, zu sich, beginnen aber schon früh auch pflanzliche Bestandteile zu fressen. Ihren Flüssigkeitsbedarf decken Großtrappen meist über Tau und den Wassergehalt ihrer Nahrung, da sie im Normalfall kein Wasser trinken.

Feinde & Bedrohungen

Großtrappen sind zahlreichen Gefahren und Bedrohungen ausgesetzt. Besonders Gelege, Küken und junge Vögel werden häufig Opfer von Fressfeinden wie dem Rotfuchs, aber auch von Dachs, Marder, Wildschwein sowie Aaskrähen und Greifvögeln. Ein weiteres großes Risiko stellen Kollisionen mit Stromleitungen dar. Auch die intensive landwirtschaftliche Nutzung wirkt sich negativ aus. Zusätzlich führen menschliche Störungen zu Problemen, vor allem während der Brutzeit. Freizeitaktivitäten wie Reiten, Radfahren, Fotografieren oder Naturbeobachtungen können dazu führen, dass brütende Hennen ihre Gelege verlassen.

Strenge Winter mit viel Schnee und Frost zwingen Großtrappen zudem zu Wanderungen, bei denen sie einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind. Ungünstige Witterungsbedingungen während der Brutzeit, wie anhaltender Regen, Kälte, Starkregen oder Hagel, können Gelege zerstören oder Küken schwächen. Langfristig stellt vor allem der Verlust und die Zerschneidung ihres Lebensraums eine der größten Bedrohungen dar.

Die Art ist streng geschützt und darf nicht bejagt werden!

UNSERE
LESE-EMPFEHLUNG

Bildquellen für diesen Beitrag: © Kovacs-Images
Autor für diesen Beitrag: V. Toff / Jagdfakten.at

Literaturhinweis: Raab, R., Kovacs, F. J., Julius, E., Raab, S. Schütz, C., Spakovszky, P. & Timar, J. (2010): Die Großtrappe in Mitteleuropa. Erfolgreicher Schutz der westpannonischen Population. APG, Wien, 304 S.

DIESEN
BEITRAG TEILEN