Biberfilm "Hoppers" - ein zweiter Blick auf den Biber lohnt sich: Jagdfakten.at informiert

Der Biber als Held?

Wenn Popkultur aus einem Tier den moralischen Retter macht, lohnt sich ein zweiter Blick – wie am Beispiel des neuen Pixar-Films „Hoppers“ klar wird.

BIBERFILM
„Hoppers“

Der neueste Streich des US-amerikanischen Animationsstudios Pixar dreht sich um den Biber. „Hoppers“ heißt der unterhaltsame Streifen und erzählt eine Geschichte, die am Zahn der Zeit liegt: Natur wird bedroht, der Mensch greift ein, und am Ende rettet die Tierwelt – allen voran der Biber – das Gleichgewicht. Aus österreichischer Perspektive denkt man bei der – in manchmal etwas unüberschaubarem Tempo erzählten – Handlung unweigerlich an die seit Jahren anhaltenden Diskussionen rund um den Lobautunnel, und auch die Biberthematik ist uns hierzulande nicht (mehr) fremd.

Kurz zur Handlung: Der Film erzählt von der engagierten Studentin Mabel, die ein Waldgebiet vor einer Autobahn retten will. Mithilfe des Forschungsprogramms ihrer Professorin, das sich „Hoppers“ nennt, schlüpft Mabel in einen Biberkörper und wird Teil einer Tiergesellschaft, die von einem Biberkönig angeführt wird. Hier bemerkt sie: Die Tiere wurden gezielt von Menschen vertrieben und müssen um jeden Zentimeter ihres Lebensraums kämpfen. Am Ende retten sie gemeinsam – auch dank eines Biberdamms – den Wald und verhindern eine Katastrophe. Der Lebensraum wird geschützt, Mensch und Natur versöhnen sich. So weit, so unverfänglich.

Biberfilm "Hoppers" - ein zweiter Blick auf den Biber lohnt sich: Jagdfakten.at informiert
„Hoppers“ erhebt den Biber zu einer Art tugendhafter Symbolfigur im Kampf gegen den invasiven Menschen, Foto: © Disney
Neuen Pixar-Films "Hoppers": Jagdfakten.at informiert
Foto: © Disney
Biberfilm "Hoppers" - ein zweiter Blick auf den Biber lohnt sich: Jagdfakten.at informiert
Foto: © Disney

Der Biber: „Öko-Ingenieur“ mit Kehrseiten

 

Doch bei genauem Hinsehen werden im Biberfilm „Hoppers“ bestimmte Zusammenhänge vereinfacht – vor allem die Rolle des Bibers. „Hoppers“ erhebt ihn zu einer Art tugendhafter Symbolfigur im Kampf gegen den invasiven Menschen. Als „König“ organisiert er Widerstand, schützt andere Tiere und trägt letztlich entscheidend dazu bei, eine Katastrophe abzuwenden. Besonders prägnant: der Dammbau, der in letzter Konsequenz sogar ein Feuer löscht und damit Leben rettet. Die Botschaft ist also klar: Der Biber ist nicht nur Teil des Ökosystems, sondern dessen Retter. Was dieses – gewiss familientaugliche – Bild so verkürzt?

So faszinierend der Biber als „Ökosystem-Ingenieur“ oder „Landschaftsgestalter“ auch ist, so real sind auch die Konflikte, die er verursacht. In Österreich hat sich der Biberbestand in den vergangenen Jahrzehnten glücklicherweise erholt. Aus unterschiedlichen Gründen – mehr dazu hier – galt der Biber hierzulande noch in der Mitte des letzten Jahrhunderts als quasi ausgestorben. Dass er durch unterschiedliche Schutz- und Wiederansiedelungsprogramme nun wieder seinen Platz in unserem Ökosystem hat, ist gut und wichtig. Doch seine Rückkehr führt auch zunehmend zu Spannungen: Überflutete landwirtschaftliche Flächen, beschädigte Infrastruktur, unterhöhlte Dämme und Uferbereiche sind keine Ausnahmen, sondern dokumentierte Realität.

Biberdamm ist nicht immer die Lösung

Was im Biberfilm „Hoppers“ als harmonischer Eingriff in die Natur erscheint, bedeutet in der Praxis oft erheblichen wirtschaftlichen Schaden und aufwendiges Management. Nicht umsonst gibt es etwa in Niederösterreich einen sogenannten Biber-Fonds, der dazu dient, Schäden durch Biber an landwirtschaftlichen Flächen, Uferbefestigungen oder der Infrastruktur finanziell abzufedern und Konflikte zwischen Naturschutz und Nutzung zu entschärfen.

Gerade der Biberdamm, der in „Hoppers“ als rettendes Element inszeniert wird, ist in der Realität ambivalent. Zwar schafft er wertvolle Lebensräume für viele Arten – kann aber ebenso Entwässerungssysteme blockieren oder Nutzflächen unbrauchbar machen. Der Biber ist damit weder Bösewicht noch Heilsbringer, sondern ein Tier mit Wirkung – im positiven wie im herausfordernden Sinn.

Ein Gewinn mit Herausforderungen

Eindimensional wird es dort, wo ein populärer Film wie „Hoppers“ ein einseitiges Narrativ verstärkt. Wenn der Biber ausschließlich als Retter dargestellt wird, verschwinden jene Perspektiven aus dem Blick, die sich täglich mit den Folgen seines Wirkens auseinandersetzen müssen. Für eine sachliche Diskussion – etwa im Kontext von Jagd, Landwirtschaft und Naturschutz – ist diese Vereinfachung wenig hilfreich.

Die Realität ist komplexer als jede Filmhandlung: Der Biber ist ein Gewinn für die Biodiversität, aber auch eine Herausforderung für das Zusammenleben von Mensch und Natur. Oder anders gesagt: Der Biber braucht keine Heldenrolle – sondern ein realistischeres Bild, als es in einem familientauglichen Wohlfühlfilm möglich ist.

UNSERE
LESE-EMPFEHLUNG

Bildquellen für diesen Beitrag: © Pixabay | © Disney
Autor für diesen Beitrag: L. Palm / Jagdfakten.at

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