Reh in hoher Wiese - Jagdfakten.at informiert über Parasiten bei Wildtieren im Sommer

Zecken, Dasselfliegen und Fliegenmaden beim Wild:

Der Sommer bringt Licht und Leben in den Wald, doch mit den warmen Temperaturen beginnt auch die Hochsaison zahlreicher Parasiten. Zecken, Dasselfliegen und Fliegenmaden gehören zu den natürlichen Begleitern heimischer Wildtiere und können Reh-, Rot- und anderes Wild unterschiedlich stark belasten. Wie sich ein Befall bemerkbar macht und warum die Beobachtung solcher Veränderungen für die Jagdpraxis von Bedeutung ist.

PARASITEN

bei Wildtieren im Sommer

Eines sei gleich vorweggeschickt: Natürlich ist auch die Natur im Sommer Quell reiner Lebensfreude. Während viele Menschen die warme Jahreszeit für Ausflüge ins Grüne nutzen, beginnt für zahlreiche heimische Wildtiere eine besonders intensive Phase des Jahres. Die folgenden Beispiele konzentrieren sich auf Reh- und Rotwild, stellvertretend für viele andere Wildtierarten in Österreich. Rehwild führt seine Kitze, Rotwild seine Kälber, und für die Jungtiere beginnt eine entscheidende Phase des Heranwachsens.

Doch so lebendig und vielfältig sich die heimischen Lebensräume im Sommer auch präsentieren, bleiben Wildtiere nicht von Belastungen verschont. Hohe Temperaturen, Trockenperioden, die Aufzucht des Nachwuchses und der zunehmende Einfluss von Parasiten verlangen den Tieren einiges ab. Dieser Beitrag konzentriert sich auf einen Aspekt dieser sommerlichen Herausforderungen: Zecken, Dasselfliegen und Fliegenmaden. Sie gehören zu den natürlichen Begleitern heimischer Wildtiere und können sich gerade in der warmen Jahreszeit besonders bemerkbar machen. Woran sich ein Befall erkennen lässt und welche Auswirkungen diese Parasiten auf das Wild haben können, zeigt ein genauerer Blick auf einige der häufigsten parasitären Belastungen des Sommers.

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Zecken: kleine Parasiten, große Wirkung

Zecken sind im Sommer besonders aktiv und stellen in Österreich einen der wichtigsten Vektoren für Krankheitserreger dar. Das aktuelle nationale Zeckenmonitoring der AGES zeigt, wie verbreitet diese Erreger bereits in heimischen Zeckenpopulationen sind, wie auch der Jahresbericht 2025 feststellt. Die Parasiten saugen Blut und können dabei Krankheitserreger übertragen. Ein leichter Befall ist meist unproblematisch, doch starker Zeckenbefall kann zu Schwächung, Hautreizungen und Infektionen führen.

Jäger sollten auf ungewöhnlich häufiges Scheuern der Tiere achten. Ein weiteres Anzeichen ist besonders struppiges Fell. Gerade im Zusammenhang mit milden Wintern und frühen Wärmephasen zeigt sich, dass sich Aktivitätszeiträume verlängern und die Belastung für Wildtiere über einen längeren Zeitraum im Jahr bestehen kann. Im jagdlichen Kontext äußert sich ein erhöhter Zeckendruck vor allem indirekt durch Unruhe, häufiges Scheuern, Hautreizungen und eine insgesamt schlechtere Kondition der betroffenen Stücke. Besonders in Jahren mit hoher Zeckenaktivität kann dies zu einer zusätzlichen Schwächung bereits belasteter Wildpopulationen führen.

Dasselfliegen: Belastung für das Wild

 

Die Dasselfliege erinnert optisch an eine braune, leicht pelzige Hummel. In diesem Zusammenhang ist man fast geneigt zu sagen, dass sie weit weniger harmlos ist als eine Hummel. Dasselfliegen zählen zu den wichtigsten saisonalen Parasiten bei Wildwiederkäuern in Mitteleuropa. Besonders beim Rehwild treten die Larvenstadien im Sommer und Herbst sichtbar auf. Die adulten Fliegen legen ihre Eier auf dem Fell der Tiere ab. Nach dem Schlüpfen wandern die Larven in den Körper des Wirtes und entwickeln sich dort weiter.

Das Ergebnis: deutlich tastbare, rundliche Schwellungen („Dasselbeulen“) im Unterhautgewebe, meist im Rücken- und Lendenbereich, oft begleitet von lokalem Haarausfall, Hautveränderungen und gelegentlich kleinen Einstich- bzw. Austrittsöffnungen. Betroffene Wildtiere wirken außerdem häufig insgesamt konditionell geschwächt und zeigen ein verändertes Bewegungs- oder Ruheverhalten, insbesondere bei stärkerem Befall.

Rachenbremsen 

Neben diesen „Hautdasseln“ haben auch die Rachenbremsen (Nasendasseln) Bedeutung. Vom Weibchen werden Larven in den Nasenvorhof des Wirtstieres (Hirscharten und Muffel) geschleudert. Die Larven haken sich in der Nasenschleimhaut fest und entwickeln sich über den Winter weiter. Ab etwa Anfang April werden die Larven ausgeniest und entwickeln sich am Boden weiter. Mit zunehmender Größe der Larven verstärken sich Schleimhautreizung und Entzündung, und das befallene Wild reagiert mit Niesen, Husten und Kopfbewegungen – so die Expertise von Dr. Peter Paulsen, Vetmeduni Wien.

Die Verbreitung der Rachenbremse ist in der Region besonders auffällig: Eine Studie aus dem Alpenraum mit Beteiligung der Vetmeduni Wien und der AGES Innsbruck zeigt eine hohe Verbreitung im Rotwildbestand in Westösterreich. Dabei waren 57,6 % der untersuchten Rothirsche befallen. Das unterstreicht, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um einen regelmäßig vorkommenden Parasitenbefall in bestimmten Regionen.

Myiasis: Fliegenmaden als Sommerproblem

Jetzt wird es etwas unappetitlich. Denn besonders in den Sommermonaten spielt auch die sogenannte Myiasis (Fliegenmadenkrankheit) eine Rolle. Dabei gehen Schmeiß- und Fleischfliegen besonders perfide vor: Sie legen ihre Eier in offene Wunden oder verschmutzte Körperstellen des Wildes. Die daraus schlüpfenden Larven entwickeln sich im Gewebe und nutzen abgestorbenes oder geschädigtes Material als Nahrungsquelle.

In der veterinärmedizinischen Literatur gelten Schmeiß- und Fleischfliegen als wichtige Verursacher der Wundmyiasis bei Wild- und Haustieren in Europa. Im heimischen Wildbestand betrifft das vor allem verletzte, geschwächte oder bereits vorbelastete Tiere. Die Kombination aus Hitze und Feuchtigkeit kann das Myiasisproblem besonders schnell befördern. Für Jägerschaft und Revierverantwortliche bedeutet das ein aufmerksames Beobachten des Wildbestandes und vor allem, sichtbar geschwächte, manchmal hinkende oder sich mühsam fortbewegende Tiere genauer zu beobachten.

Ein gesundes Ökosystem für uns alle

Zecken, Dasselfliegen und Fliegenmaden gehören seit jeher zu den natürlichen Herausforderungen, denen heimische Wildtiere begegnen. Die meisten Tiere kommen mit einem gewissen Parasitenbefall gut zurecht und tragen ihn als Teil eines intakten Naturgeschehens. Dennoch können starker Befall oder ungünstige Umweltbedingungen einzelne Stücke schwächen und wertvolle Hinweise auf den Gesundheitszustand eines Wildbestandes liefern.

Gerade hier zeigt sich die Bedeutung der Jagd. Jägerinnen und Jäger verbringen unzählige Stunden im Revier und nehmen Veränderungen wahr, die anderen oft verborgen bleiben. Ob auffälliges Verhalten, Hautveränderungen oder ein geschwächter Gesamteindruck – solche Beobachtungen tragen dazu bei, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und den Zustand der Wildbestände über Jahre hinweg zu dokumentieren.

Ein gesunder Wildbestand entsteht nicht zufällig.

Er ist das Ergebnis intakter Lebensräume, ausreichender Ruhe, hochwertiger Nahrung und eines verantwortungsvollen Umgangs mit der Natur.

Parasiten werden dabei auch künftig Teil des natürlichen Systems bleiben. Umso wichtiger ist es, das Wild aufmerksam zu beobachten und sein Wohlergehen im Blick zu behalten. Denn die Gesundheit unserer Wildtiere ist letztlich ein Spiegelbild der Gesundheit unserer gesamten Kulturlandschaft.

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Bildquellen für diesen Beitrag: © Pixabay | © Jagdfakten.at
Autor für diesen Beitrag: L. Palm / Jagdfakten.at

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