
Aufforstung ganz ohne Spaten:
Ein einzelner Eichelhäher versteckt jedes Jahr Tausende Eicheln und andere Samen.
Damit unterstützt er die natürliche Waldverjüngung – und schafft wertvolle Lebensräume für Wildtiere.
EICHELHÄHER
wichtig für Mischwälder
Das muss man gesehen haben, um es zu glauben: Bis zu zehn (!) Eicheln auf einmal kann der Eichelhäher in seinem dehnbaren Schlund („Kehlsack“) transportieren. Das entspricht etwa einer halben Tafel Schokolode. Oder vier Esslöffeln Haferflocken. Kurz: Das ist sehr, sehr viel, und vor allem etwas ziemlich Spektakuläres. Doch mindestens genauso spektakulär ist die Rolle des Eichelhähers in unseren Wäldern. Zurecht wird er als „Förster“ oder auch „Gärtner des Waldes“ bezeichnet. Warum genau? Und was hat das mit der Jagd zu tun?

Eichelhäher


Warum hilft der Eichelhäher bei der Waldverjüngung?
Die Antwort liegt in seinem Vorratsverhalten. Vor allem im Spätsommer und Herbst beginnt der Eichelhäher mit dem, was man „Sammelstrategie“ nennen könnte. Das bedeutet: Er schnappt sich vor allem Eicheln, aber nicht nur. Je nach Region und Angebot können es auch Bucheckern, Haselnüsse, Walnüsse oder Samen verschiedener Baum- und Straucharten sein.
- Einerseits geht der Eichelhäher dabei erstaunlich vorausschauend vor: Er vergräbt das Allermeiste, das er findet, im Waldboden, damit er es im Winter wieder ausgraben und fressen kann.
- Andererseits: Nicht alle dieser Vorräte werden wiedergefunden oder genutzt. Die zurückbleibenden Samen können keimen und zu neuen Bäumen oder Sträuchern heranwachsen.
Für unsere Wälder kann man die Funktion, die der Eichelhäher einnimmt, kaum überschätzen. Bevor wir uns die Auswirkungen seiner vergesslichen Sammelwut aber noch genauer ansehen, hier:
Die drei wichtigsten Fakten zum Eichelhäher als „Förster des Waldes“:
Der Eichelhäher hilft bei Aufforstungsmaßnahmen
Man übertreibt nicht, wenn man sagt: Der Eichelhäher unterstützt die natürliche Waldverjüngung und hilft dabei, dass widerstandsfähige Mischwälder auf natürlichem Wege entstehen. Er ergänzt Aufforstungsmaßnahmen auf sinnvolle Weise und trägt gleichzeitig zu einer höheren ökologischen Vielfalt bei. Davon profitieren übrigens nicht nur Bäume. Mischwälder bieten zahlreichen Tierarten bessere Lebensräume und sind gegenüber Trockenheit, Stürmen oder Schädlingen oft robuster als eintönige Bestände.
Ein weiterer Vorteil: Der Eichelhäher „pflanzt“ nicht nach einem starren Muster. Er verteilt seine Vorräte über den gesamten Wald: an Waldrändern, auf Lichtungen oder in kleinen Bodenlücken. Genau dort haben junge Bäume oft gute Chancen, sich zu etablieren. So entstehen neue Baumgenerationen auf natürliche Weise und an Standorten, die der Vogel aufgrund seiner Flugfähigkeit problemlos erreicht. Gerade in Zeiten des Klimawandels gewinnt diese natürliche Samenverbreitung an Bedeutung.
Und was genau hat das jetzt mit der Jagd zu tun?
Der Eichelhäher und die Jagd
Auch für die Jägerschaft ist ein gesunder Mischwald von zentraler Bedeutung. Er bietet Wildtieren Deckung, Äsung und strukturreiche Lebensräume. Wer den Wald nachhaltig entwickeln will, profitiert daher auch von den unscheinbaren Leistungen des Eichelhähers.
Besonders spannend: Während der Eichelhäher unter Förstern und Waldbegeisterten wie eingangs erwähnt als „Förster“ oder „Gärtner“ gilt, nennen ihn Jägerinnen und Jäger auch gerne den „Wächter des Waldes“. Der Grund: Mit seinen markanten Warnrufen macht er immer wieder auf Menschen, Raubwild oder Greifvögel aufmerksam – sehr zum Leidwesen so mancher Pirsch, aber als Teil eines funktionierenden Ökosystems nun einmal mit einer wichtigen Aufgabe.
Sagen wir’s ruhig: Ohne den Eichelhäher stünde es um unsere heimischen Wälder deutlich schlechter.
Nicht nur seine Sammelleidenschaft, sondern auch die Samen, die er nicht mehr wiederfindet, sind ein Glücksfall der Natur. So unterstützt der Eichelhäher die natürliche Waldverjüngung und trägt dazu bei, dass artenreiche, widerstandsfähige und klimafitte Mischwälder entstehen. Damit leistet er einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung der Biodiversität – und beweist, dass selbst ein vergleichsweise kleiner Vogel Großes für unsere Natur bewirken kann.
UNSERE
LESE-EMPFEHLUNG
Quellen für diese Beitrag:
ORF Tirol: Zur Rolle des Eichelhähers bei der Wiederaufforstung in Tirol
OE1 Bericht über den Hüter und Wiederaufforster des Waldes
Studie 2023: Wie Eichelhäher geeignete Orte für ihre Vorräte auswählen
Weiterführende Beiträge:
Bildquellen für diesen Beitrag: © Pixabay | © Jagdfakten.at
Autor für diesen Beitrag: L. Palm / Jagdfakten.at
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