Für die einen sind sie faszinierende kleine Flugkörper, die wie Libellen in der Luft stehen, für andere ein überschätztes Kinderspielzeug: Drohnen.

Diese unbemannten Luftfahrzeuge sind aber viel mehr: Sie sind immer öfter Helfer für Jagd und Landwirtschaft und zudem Retter zahlreicher Wildtiere und damit auch in diesen naturverbundenen Berufen längst ein fixer Bestandteil der täglichen Arbeit. jagdfakten.at bat Martin Köhler, Versicherungsexperte der UNIQA zum Gespräch über die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Drohnen im jagdlichen Umfeld.

Lesen Sie hier:

  • Wie Drohnenaufnahmen zur Früherkennung von Wildschäden beitragen
  • Wie Drohnen für Entspannung zwischen Landwirtschaft und Jägerschaft sorgen
  • Wie Leben von Jungtieren Dank Drohnen gerettet werden können
  • Wie Drohnen bei der Bestandsaufnahme helfen
  • Welche Bewilligungen Jägerinnen und Jäger für den Einsatz von Drohnen brauchen
  • Welche Versicherungen für den Einsatz von Drohnen notwendig sind

Beurteilung von Wildschäden

jagdfakten.at: Herr Köhler, Sie besitzen selbst einen Jagdschein und sind auch beruflich mit vielen Jägerinnen und Jägern in Kontakt: Wie beurteilen Sie den Einsatz von Drohnen im jagdlichen Umfeld.

Martin Köhler: Ausschließlich positiv. Drohnen sind meiner Meinung nach, das Mittel der Stunde und helfen der Jägerschaft, aber auch Landwirten in den unterschiedlichsten Situationen. Für Drohnen, oder unbemannte Luftfahrzeuge wie sie laut Luftfahrtgesetz heißen, gibt es mittlerweile die unterschiedlichsten Einsatzgebiete, nicht nur in der Jagd.

jagdfakten.at: Bleiben wir vorerst bei der Jagd: Sie sprechen von verschiedenen Einsatzgebieten, welches ist das Haupteinsatzgebiet für Drohnen im jagdlichen Kontext.

Martin Köhler: Aus meiner Erfahrung ist das ganz klar die Beurteilung von Wildschäden. Hier ist, dank des Einsatzes von Drohnen, eine Früherkennung möglich, die Jägerinnen und Jägern salopp gesagt viele Scherereien erspart.

jagdfakten.at: Können Sie das für Nicht-Jäger verdeutlichen.

Martin Köhler: Denken Sie zum Beispiel an Maisfelder. Durch die Höhe der einzelnen Pflanzen ist von außen nicht erkennbar, ob in der Mitte vielleicht größere Flächen von Wildtieren niedergetreten oder auf eine andere Art beschädigt wurden. Mit einer Drohne mit Kamera kann man die Felder regelmäßig abfliegen und so frühzeitig erkennen falls es zu Wildschäden gekommen ist. In diesem Fall kann der Jäger rasch Maßnahmen ergreifen. Ein typisches Beispiel was die Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Jagd anbelangt.

jagdfakten.at: Darf man fremde Grundstücke so einfach überfliegen?

Martin Köhler: Mit der Genehmigung des Grundbesitzers ja, und die erteilen in der Regel gerne die Erlaubnis, weil sie ja auch Interesse daran haben, dass mögliche Wildschäden früh erkannt werden.

jagdfakten.at: Braucht es sonst noch spezielle Genehmigungen, um mit Drohnen fliegen zu dürfen?

Martin Köhler: Das hängt unter anderem von der Größe der Drohne ab. Rein rechtlich gesehen gibt es nämlich drei Kategorien von unbemannten Luftfahrzeugen – und nichts anderes sind Drohnen. Diese sind „Spielzeuge – Flugmodelle und unbemannte Luftfahrzeuge“. Bei einer gewerblichen Nutzung braucht es jedenfalls die Genehmigung der Luftfahrtbehörde, der Austro Control. Fest steht: wer eine Bewilligung braucht, braucht auch eine eigene Versicherung. Bei der UNIQA wäre das die „Drohnen-Haftpflichtversicherung“.

Um einen ersten kompakten Überblick zu der komplexen Materie Drohnen zu bekommen haben wir die wichtigsten Fragen zu den Themen Gesetze, Pflichtversicherung und Sicherheitstipps gesammelt und beantwortet. Den Fragenkatalog finden Sie auf unserer Webseite.

Drohnen im jagdlichen Umfeld, UNIQA Experteninterview, Jagdfakten.at

Rehkitzrettung

jagdfakten.at: Was sind weitere Einsatzgebiete von Drohnen im jagdlichen Umfeld?

Martin Köhler: Neben der Beurteilung von Wildschäden ist das auf jeden Fall die Kitzrettung. Gerade im Spätfrühling und Frühsommer legt das weibliche Rehwild, die Rehgeiß, ihre Jungen gerne im hohen Gras ab. Damit schützt sie ihre Jungen vor Fressfeinden, da das junge Rehkitz geruchlos ist und daher im hohen Gras weder gesehen noch gewittert werden kann. Leider kommt es jedoch bei der Mahd, dem Mähen des hohen Grases, immer wieder zum sogenannten Mähtod von mehreren tausend Wildtieren pro Jahr. Drohnen mit Wärmebildkameras sind da eine wirklich wirksame Methode, um die Zahl deutlich zu reduzieren. Übrigens ist das eine weitere Möglichkeit für eine enge Zusammenarbeit zwischen Land- und Jagdwirtschaft.

jagdfakten.at: Sie haben zuvor davon gesprochen, dass Drohnen, die gewerblich genutzt werden, auf jeden Fall eine Bewilligung und damit auch eine Versicherung brauchen. Gilt das auch für Jäger? Oder anders gefragt: muss jede Jägerin, bzw. jeder Jäger, der mit einer Wärmebildkamera eine Wiese vor der Mahd abfliegt, eine Bewilligung bei der Luftfahrtbehörde einholen?

Martin Köhler: Nein, das ist nicht notwendig. Viele Landesjagdverbände haben eine Deckung für alle Jagdkartenbesitzerinnen und -besitzer in ihrem Bundesland abgeschlossen. Es empfiehlt sich daher gerade für Jägerinnen und Jäger mit dem eigenen Landesverband in Kontakt zu treten und abzuklären ob die Mitgliedschaft auch die Nutzung von Drohnen abdeckt.

jagdfakten.at: Wildtiere sind ja bekanntlich zumeist sehr schreckhaft. Ist da der Einsatz von Drohnen nicht sogar kontraproduktiv, weil sie durch den surrenden Fluglärm das Wild aufschrecken?

Martin Köhler: Bei den eben genannten Einsatzgebieten, also der Beurteilung von Wildschäden und der Kitzrettung ist das nicht der Fall. Anders sieht das vielleicht bei der Verwendung von Drohnen für die Bestandserhebung aus. Um einen Überblick über die Anzahl und Arten von Wildtieren im eigenen Revier zu bekommen, verwenden viele Jagdeigner mittlerweile gerne Drohnen. Dabei achten sie aber bewusst darauf möglichst hoch über das Revier zu fliegen, um eben kein Störfaktor für Wildtiere zu sein.

Drohnen, UNIQA Experteninterview, Jagdfakten.at

jagdfakten.at: Wie sieht es eigentlich mit dem Einsatz von Drohnen in unwegsamem Gelände aus?

Martin Köhler: Neben der eben genannten Bestandserhebung kommen Drohnen mit Kameras vor allem in Ausnahmesituationen zum Einsatz. Zum Beispiel in extremen Wintern, um zu wissen ob Tiere irgendwo festsitzen und von Futtermöglichkeiten abgeschnitten sind. Oder nach Lawinenabgängen, um sich einen Überblick verschaffen zu können ob Tiere in Mitleidenschaft geraten oder eingekesselt sind.

jagdfakten.at: Zum Abschluss möchte ich noch einmal an den Anfang unseres Interviews zurückkommen. Da meinten Sie: Drohnen sind das Mittel der Stunde und werden mittlerweile für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete, nicht nur in der Jagd, verwendet. Woran denken Sie da?

Martin Köhler: Wir sehen ja bei unserer Versicherung viele Einsatzgebiete von Drohnen und dabei sehe ich die vielfältigsten Möglichkeiten, um diese Luftfahrzeuge wirklich sinnvoll einzusetzen. Neben den genannten Einsatzgebieten bei der Jagd sind gerade die Land- und Forstwirtschaft wirklich Nutznießer. Aber auch unterschiedliche Gewerbe nutzen Drohnen, um Schäden zu ermitteln, ich denke da zum Beispiel an Dachdecker die Schäden an Dächern ermitteln.

Für mich steht jedenfalls fest: Drohnen sind viel mehr als ein beliebtes Spielzeug. Sie helfen uns in den unterschiedlichsten Situationen – auch in der Jagd.

jagdfakten.at: Herr Köhler, ich danke für das freundliche und informative Gespräch.

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