Von der Vegetarierin zur Jägerin

Autorin: Dr. Elena Huber

Elena Huber ist leidenschaftliche Köchin, Seminarbäuerin und Unternehmerin. Sie möchte das Bewusstsein für saisonale und regionale Lebensmittel stärken und Wildbret als edles hochwertiges Produkt am Markt positionieren.

Die aktuellen Ereignisse der letzten Wochen rund um Missstände beim Zulieferbetrieb eines bekannten Unternehmens, die erschreckende Haltungsbedingungen der Tiere aufzeigen, sorgen bei vielen von uns für Empörung. Aber warum schreien wir denn plötzlich auf und zeigen uns entsetzt? Fleisch ist so billig wie noch nie. Da muss man sich doch als Konsument ein paar Gedanken darüber machen können, wie dieser billige Preis eigentlich möglich ist. Hausverstand kennen die meisten offenbar nur aus der Fernseherwerbung.

Ein Tier, das etwa 3 EUR pro kg kostet, kann nicht glücklich gelebt haben. Von der gerechten Entlohnung der Mitarbeiter kann hier auch keine Rede sein. Wenn ich etliche weitere Kosten rund um Transport, Schlachtung, Produktion, Verpackung etc. dazu rechne, komme ich fast auf ehrenamtliche Tätigkeit bei den meisten Beteiligten. Dem wird nicht so sein, daher ist es klar, dass jemand hier draufzahlt. Nur wollen die meisten Konsumenten nichts davon wissen.

Das Fleisch war schon immer ein Kennzeichen der Wohlstandsgesellschaft. Im Laufe der Zeit hat sich das rasant verändert. Nichtsdestotrotz geben wir paradoxerweise heutzutage weit weniger für Lebensmittel aus als früher. Gleichzeitig wird jenen Produzenten, Landwirten, Feinkosthändlern oder Gastronomen, die für hochwertige Produkte mehr verlangen, Gier vorgeworfen. Man ist ja schließlich gewohnt, dass auf den ersten Blick vergleichbare Produkte im Supermarkt deutlich weniger kosten.

Wenn aber Bilder von Massentierquälerei oder unzumutbaren Lebensbedingungen der Erntearbeiter ans Licht kommen, wird fleißig diskutiert und Gerechtigkeit gefordert. Faire Bezahlung bedeutet faire Verhältnisse und Arbeitsbedingungen und diese bestimmt zum größten Teil der Konsument. Ein höherer Preis für Fleisch, das man mit gutem Gewissen verzehren kann, bedeutet ganz klar, dass man dieses wertzuschätzen lernt und vernünftiger damit umgeht.

Wussten Sie, dass
… die Österreicher im Durchschnitt 65 kg Fleisch pro Jahr essen – davon nur 0,7% Wildfleisch?

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Wildfleisch ist die Lösung

Professor Johannes Baumgartner von der Veterinärmedizinischen Universität Wien  hat die Artikulation, die Sprache der Nutztiere untersucht. Baumgartner unterscheidet mittlerweile zwischen zwanzig Lauten. Mindestens die Hälfte davon drückt Angst, Stress und Klage aus. Sollte uns diese Erkenntnis nicht zum Nachdenken bringen? Hausschweine sind wie Wildschweine gesellige Tiere, die mit Enge und Langeweile nicht zurechtkommen.

Wenn wir schon unseren Fleischkonsum nicht reduzieren wollen, warum lenken wir unsere Aufmerksamkeit nicht auf Tiere, die in Freiheit leben und ihr Leben genießen? Wildschweine kennen keine Unsicherheit, keinen Stress und keine Frustration. Wildfleisch ist klimafreundlich und eine tolle Alternative zum Fleisch der Nutztiere. Auch wenn die Zahl der erlegten Tiere viel zu niedrig ist, um den Fleischbedarf der breiten Bevölkerungsmasse zu decken – der verstärkte Konsum von Wildschweinefleisch könnte die Situation rund um Nutztierhaltung deutlich entschärfen.

hochwertiges Fleisch kaufen und mit heimischem Wildbret der Krise trotzen, Jagdfakten.at

Faire Bezahlung für Fleisch in bester Qualität

Aber selbst beim hochqualitativen Lebensmittel wie Wildbret, bei dem Tierwohl und Nachhaltigkeit an erster Stelle stehen, gibt es einen anderen Punkt, bei dem es noch Verbesserungsbedarf gibt: Fairness. So wie die Landwirte stehen auch Jäger unter Preisdruck. Die Preise legen Wildbrethändler fest, denn sie gehören seit Jahren zu den größten und fast einzigen Abnehmern von Wildbret und bestimmen so ihre Regeln. Die Corona Krise hat die Situation noch verschlechtert. Gastronomie und Hotellerie sind für eine Weile ausgefallen und werden die Lücke nicht so schnell wieder füllen können.

Erstaunlicherweise wird der Großteil des Fleisches Jahr für Jahr exportiert, stattdessen billiges Fleisch aus dem Ausland von Händlern und Gastronomen bezogen und von den meisten Konsumenten mit Freude und Dankbarkeit erworben. Ein Nonsens, wenn man die Tatsache beachtet, dass die Wildtiere sowieso erlegt werden müssen, da sonst Wildschäden entstehen, die große negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft mit sich bringen würden.

Die Problematik rund um Direktvermarktung und viel zu niedrige Wildbretpreise hat sich aber über Jahrzehnte entwickelt und die Situation wird man nicht so schnell verbessern können. Der Käufermarkt für Wildbret hat sich in die falsche Richtung entwickelt. Wildbret wird an Großhandel, an die Gemeinschaftsverpflegung oder ins Ausland vertrieben. Keine gute Basis für die Anerkennung dieses Produkts.

Die Öffentlichkeitsarbeit, die Bevölkerung erreichen und überzeugen sollte, ist noch zu gering, als dass genügend Haushalte die Vorteile von Wildbret kennen könnten. Den Jägern, die die ganze Arbeit im Hintergrund leisten, sind aber aus bürokratischen Gründen oft die Hände gebunden.

Hochwertiges Fleisch kaufen
Nicht Ausreden – Handeln!

Es bringt dennoch nichts sich auf Andere auszureden, die unfair und verantwortungslos handeln. Man muss mit sich selbst anfangen. Ich zahle seit der Gründung meines Unternehmens einen Händlerpreis von zwei Euro pro kg für ein Wildschwein für die Weiterverarbeitung und Produktion. Mit der Schwarte wohlgemerkt. Daraus kommt bekanntlich ca. 50% Wildbret mit Knochen heraus. Dazu kommen die Kosten für die Arbeit meines Fleischers, der die Wildsau zerlegt. Alle anderen Kosten, die allein mit Transport, Lagerung, Produktion verbunden sind, möchte ich hier nicht aufzählen.

Mir war es aber von Anfang an wichtig fair zu sein und die Menschen, die zum Erfolg meines Unternehmens beitragen dementsprechend respektvoll zu behandeln. Letztendlich kommt im Leben alles so zurück und wir ernten, was wir säen. Ich diskutiere nicht über die Preise, wenn ich weiß, woher es kommt, und bekomme dafür wie erwartet eine gute Fleisch- und Endproduktqualität. Meine Kunden und Geschäftspartner schätzen das und solche Umstände wünsche ich mir in allen Bereichen, in erster Linie in der Lebensmittelbranche. Auch für die Konsumenten sollte es klar sein, dass man beim Kauf auf Qualität und Herkunft achten soll. Wenn man direkt beim Produzenten, beim Direktvermarkter oder Fleischer ums Eck kauft, ist man in Bezug auf Tierhaltung und faire Arbeitsbedingungen besser informiert.

Wir beschäftigen uns viel zu viel und zu oft mit gesellschaftlichen und sozialen Themen, die im Grunde genommen bei Weitem keine so große Auswirkungen auf unsere Gesundheit, Zukunft unserer Kinder und unsere Umwelt haben, wie die Thematik rund um Fleischkonsum und Tierhaltung. Fleisch ist billig und im Laufe der Jahre zum Grundnahrungsmittel geworden. Das führt zum Preisdruck und geht auf Kosten der Tiere, Menschen und die der Umwelt. Warum machen wir die Augen zu, wenn es um Tierquälerei und unfaire Arbeitsbedingungen geht?

Der immer steigende Fleischkonsum und die damit verbundenen Skandale der letzten Jahre rund um Tierhaltung sind für mich ein Zeichen für eine erschreckende Entwicklung unserer Gesellschaft in Richtung Verblödung, Ignoranz und Konsumwahn. Nichtsdestotrotz mit dem Finger auf Konsumenten, Gastronomen, Landwirte oder Supermarktketten zu zeigen, bringt nichts. Wir brauchen dringend ein Umdenken in unserer Gesellschaft, einen Systemwandel, bei dem es darum geht, die Wertigkeit der Lebensmittel und der Arbeit dahinter wieder zu finden. Weniger Fleischkonsum, dafür zu einem angemessenen Preis, von dem alle – Tier und Mensch – gut leben können, das wäre hier der Anfang.

Heimisches Wildbret kaufen

Auf der neuen Online-Plattform www.wild-oesterreich.at finden Sie viele Anbieter von regionalen Wildfleisch. Darunter Direktvermarkter, Manufakturen und Gastronomiebetriebe mit Wildspezialitäten. Einfach reinklicken und unter “WILD Kaufen” einen Wildbret-Anbieter in Ihrer Nähe suchen:

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Dr. Elena Huber

Elena Huber ist leidenschaftliche Köchin, Seminarbäuerin und Unternehmerin. Sie möchte das Bewusstsein für saisonale und regionale Lebensmittel stärken und Wildbret als edles hochwertiges Produkt am Markt positionieren.

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Bildquellen für diesen Beitrag: Jagdfakten.at/L. Molter

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