Wildarten: Der Bartgeier – ein kurzer Steckbrief

BARTGEIER
Ein kurzer Steckbrief

Name: Bartgeier (Gypaetus barbatus)
Ordnung: Greifvögel (Accipitriformes)
Tierfamilie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Geier / Gypaetinae
Art: Bartgeier

Größe: 94-125 cm,
beide Geschlechter gleich groß
Flügelspannweite: bis ca. 3 Meter Flügelspannweite
Gewicht: 4,5 bis 7 Kilogramm

Paarungszeit / Balzzeit:
Spätherbst bis Frühwinter
Brutzeit: Januar
Brutdauer: 52 bis 58 Tage
Eier: 1 bis 2 Eier

Wie erkennt man einen Bartgeier?

Bartgeier sind auf ihre Größe bezogen die wahren Könige der Lüfte.

Mit ihrer Flügelspannweite von bis zu 3 Meter zählen Bartgeier zu den größten flugfähigen Vögeln der Welt. Die Flügel der Bartgeier sind lang, aber schmäler als die der anderen Geierarten in Österreich. Zusammen mit dem breiten, keilförmigen Stoß ist der Bartgeier daher am Flugbild für geschulte Augen bereits gut zu erkennen.

Bartgeier Flügelspannweite bis 3 Meter - Jagdfakten.at informiert

Wie sieht ein Bartgeier aus?

Im Federkleid finden sich einige Besonderheiten beim Bartgeier: im Vergleich zu Mönchsgeier und Gänsegeier ist er auch an den Ständern (=Füßen) befiedert. Die auffälligen schwarzen Federn, die dem Bartgeier über den Schnabel hängen und wie ein Ziegenbart aussehen, sind auch namensgebend.

Das Gefieder von Jung- und Alttieren unterscheidet sich stark im Aussehen. Während die Jungtiere am ganzen Körper bräunlich gefärbt sind, tragen ausgewachsene Tiere auf der Bauchseite weißgelbe Federn und auf der Oberseite grauschwarze Federn, die im Licht silbrig glänzen.

Der rote Skleralring (=knöcherne Verstärkung des Auges bei Vögeln und einigen Reptilien) rund um die Augen, verleiht dem Bartgeier ein aufregendes und charakteristisches Aussehen. Je nach Stimmung schwankt die Intensität des roten Rings. Je aufgeregter ein Bartgeier ist, umso röter leuchtet der Skleralring.

Lebensraum & Lebensweise

Das Verbreitungsgebiet des Bartgeiers zieht sich von den Pyrenäen über Europa und Afrika bis über die südwestlichen und zentralasiatischen Gebirgszüge bis in die Mongolei und nach Zentralchina. Er bevorzugt offene Bergregionen, in denen er steile Felswände zum Brüten findet. Zudem brauchen Bartgeier die Thermik und Aufwinde, um kräftesparend fliegen zu können.

Aufgrund ihrer Nahrung brauchen Bartgeier auch immer wieder frisches Wasser, welches sie nicht nur trinken, sondern auch gerne zum Baden nutzen. Ebenso suchen sie regelmäßig sogenannte Rotbadestellen auf. Dies sind feuchte Bodenstellen, mit eisenoxidhaltigem Schlamm, in denen Bartgeier ihr helles Bauchgefieder rot-braun färben. Die genauen Hintergründe dieses Verhaltens, sind noch nicht bekannt.

Ernährung:

Was frisst ein Bartgeier?

Bartgeier ernähren sich nur von Aas. Dabei sind Bartgeier auf das Verdauen von Knochen spezialisiert. Sie sind quasi die „Aufräumer“ hinter Beutegreifern und anderen Aasfressern. Bartgeier können relativ große Stücke im ganzen schlucken. Bis zu 18 cm lange und 3 cm dicke Knochen können Bartgeier verschlingen. Ist ihnen ein Knochen doch zu groß, dann nehmen sie ihn mit den Greifen und fliegen hoch in die Luft und lassen den Knochen gegen Felsen schmettern, um somit danach die kleineren Stücke fressen zu können.

Die Magensäure der Bartgeier ist so stark, dass sie die Knochen auflösen und verdauen können. Allerdings enthalten sie so wenig Wasser, dass dieses zusätzlich aufgenommen werden muss.

Paarung & Aufzucht:

Mit fünf bis acht Jahren werden Bartgeier geschlechtsreif.

Bartgeier bilden in der Regel feste Partnerschaften, die oft ein Leben lang halten. Die Balz beginnt im Herbst. Junge Bartgeier, die erstmals an der Balz teilnehmen, müssen nach erfolgreicher Partnerwahl ein eigenes Revier besetzen. Aber auch schon bestehende Paare balzen jeden Herbst. Dabei gibt es vor allem Brautgeschenke, intensiven Blickkontakt, gegenseitige Gefiederpflege und gemeinsame Flugspiele mit Verfolgungsjagden und spektakulärer Luftakrobatik.

Der gemeinsame Horst wird in unzugänglichen Felsnischen gebaut. Ende Dezember bis Januar erfolgt die Eiablage. Im Vergleich zu anderen Vogel- und Tierarten ein ungewöhnlicher Zeitpunkt. Jedoch ist somit zum Zeitpunkt, wenn die Jungen schlüpfen – im Spätwinter – auch viel Aas zu finden. Trotzdem kann ein Bartgeierpaar nur maximal ein Jungtier pro Jahr erfolgreich großziehen.

Wiederansiedlung des Bartgeiers

Früher war der Bartgeier auch als „Lämmergeier“ bekannt. Es herrschte der Irrglaube, dass Bartgeier Lämmer, Kitze und sogar Kinder davontragen würden. Sie wurden daher im 19. Jahrhundert rigoros verfolgt. Die letzten Exemplare wurden 1886 in der Schweiz, 1906 in Österreich und 1913 in Italien getötet. Ab den 1970er Jahren startete in den Alpen ein Wiederansiedelungsprojekt mit Nachzuchten aus Zoos, beginnend mit den Zuchterfolgen des Innsbrucker Alpenzoos.

Seitdem konnten über 200 Bartgeier wieder angesiedelt werden und sich auch im Freiland erfolgreich fortpflanzen. Dennoch ist der Bestand in den Alpen überschaubar und bedarf eines hohen Schutzes und Monitoring.

Beobachtung von Bartgeiern:

 

Bartgeier können in kürzester Zeit große Entfernungen zurücklegen. Sie sind tagaktiv und vor allem durch ihre große Flügelspanne zu erkennen. Jährlich finden Anfang Oktober alpenweite Bartgeierzähltage statt, an denen jeder teilnehmen kann. Termine und Informationen dazu finden Sie unter www.bartgeier.ch.

Wenn Sie die Bartgeier in der Natur beobachten, melden Sie dies bitte an bartgeier@hohetauern.at . Notieren Sie nach Möglichkeit Beobachtungsort, Uhrzeit und individuelle Merkmale des Vogels (Färbung des Kopf- und Brustgefieders, Markierungen wie gebleichte Federn oder Beringung, Mauserlücken).

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Bildquellen für diesen Beitrag: Shutterstock, Ernst Rudiger
Autorin für diesen Beitrag: C. Lettl / Jagdfakten.at

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2022-12-12T08:57:58+01:00
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