
Wilde Streifen, große Wirkung:
Feldraine sind weit mehr als schmale Grünstreifen zwischen Feldern. Als ökologische Lebensadern bieten sie Niederwild wertvolle Deckung, Nahrung und Rückzugsräume – und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität in der Kulturlandschaft.
FELDRAINE
für Niederwild
Gerade jetzt, wo das Grün gen Himmel strebt, sehen wir sie wieder häufiger: Streifen aus Gras, Kräutern, Sträuchern oder Altbewuchs, die sich zwischen intensiv bewirtschafteten Äckern ziehen. Man nennt sie Feldraine, und sie gelten – ganz ohne Übertreibung – als ökologische Lebensadern unserer Kulturlandschaft. Der Grund: Diese schmalen Randstreifen erfüllen gleich mehrere wichtige Funktionen:

Feldraine sind wichtige Lebensräume für Niederwild


Sie bieten Insekten, Vögeln und Kleinsäugern wertvolle Rückzugsräume und Nahrung – besonders dann, wenn abgeerntete Felder kaum noch Deckung bieten. Gleichzeitig verbinden Feldraine als natürliche „Trittsteine“ unterschiedliche Lebensräume miteinander und ermöglichen Wildtieren sowie Pflanzen die sichere Ausbreitung durch die Landschaft.
Auch für Boden und Gewässer leisten sie einen wichtigen Beitrag: Ihre dichte Vegetation schützt vor Erosion und filtert Dünger oder Pflanzenschutzmittel, bevor diese in Bäche oder Grundwasser gelangen. Darüber hinaus fördern Feldraine zahlreiche Nützlinge wie Marienkäfer oder Schlupfwespen, die Schädlinge auf natürliche Weise regulieren. Davon profitiert letztlich auch die Landwirtschaft.
In jagdlicher Hinsicht sind Feldraine vor allem für das Niederwild von großer Bedeutung. Angesichts der vielerorts rückläufigen Niederwildbestände in Österreich gewinnt ihre Rolle als Lebensraum, Nahrungsquelle und Deckung zunehmend an Bedeutung.
- Doch was bedeutet das konkret?
- Was sagt die Wissenschaft dazu?
- Und welche Chancen ergeben sich daraus für die Jägerschaft?
Warum sind Feldraine für Niederwild so wichtig?
Zunächst einmal müssen Feldraine als eine Art Kompromiss betrachtet werden. Seit Jahren zeigt die Wildtierforschung, dass strukturreiche Lebensräume wie Brachflächen für Feldhasen und anderes Niederwild von großer Bedeutung sind. Sie bieten Nahrung, Deckung und Rückzugsräume – insbesondere in intensiv genutzten Agrarlandschaften.
Forschungsarbeiten des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der BOKU Wien weisen darauf hin, dass Feldhasen in Revieren mit einem höheren Anteil an Brachflächen bessere Lebensbedingungen vorfinden. Als mögliche Gründe werden geringere Störungen durch landwirtschaftliche Bewirtschaftung, ein größeres Nahrungsangebot sowie bessere Deckungsmöglichkeiten vor Beutegreifern genannt.
Kurz gesagt: Landwirtschaftlich ungenutzte Flächen sind für Feldhasen und andere Niederwildarten besonders wertvoll. Gleichzeitig braucht es aber auch die Landwirtschaft, die unsere Lebensmittel produziert. Feldraine stellen hier einen praktikablen Mittelweg dar: Sie erhalten die landwirtschaftliche Nutzfläche, schaffen zugleich aber wertvolle Lebensräume, Nahrungsangebote und Deckung für zahlreiche Wildtiere. Doch was bedeutet das konkret für andere Niederwildarten?
Wie profitieren Fasane, Rebhühner und Feldhasen von Feldrainen?
Vor allem Fasane profitieren von Feldrainen. Die strukturreichen Randstreifen bieten ihnen jene Kombination aus Deckung, Nahrung und Ruhe, die in vielen intensiv genutzten Agrarlandschaften zunehmend selten geworden ist. Fasanenhennen nutzen hohe Gräser und Kräuter bevorzugt als geschützte Brutplätze, während ihre Küken dort reichlich Insekten finden – eine unverzichtbare Eiweißquelle in den ersten Lebenswochen. Gleichzeitig bieten Feldraine Schutz vor Witterung und Beutegreifern.
Ähnlich profitieren Rebhühner, die auf abwechslungsreiche Randstrukturen und ein ausreichendes Nahrungsangebot angewiesen sind. Auch Feldhasen nutzen Feldraine regelmäßig als Rückzugs- und Deckungsräume. Vor allem Junghasen finden in der dichten Vegetation Schutz und Ruheplätze für den Tag.
Doch nicht nur das klassische Niederwild profitiert von diesen Lebensräumen: Auch Rehwild nutzt Feldraine häufig als sichere Wechsel zwischen Äsungsflächen und Einständen. Entscheidend ist dabei weniger die Breite eines einzelnen Feldraines als die Summe vieler kleiner Strukturen in der Landschaft. Gemeinsam bilden sie ein Netzwerk aus Nahrung, Deckung und Rückzugsräumen, das zahlreichen Wildtieren das Überleben in einer zunehmend ausgeräumten Kulturlandschaft erleichtert.
Welche Zukunft haben Feldraine in Landwirtschaft und Jagd?
Die Stärke von Feldrainen liegt in ihrer Einfachheit: Sie lassen sich mit vergleichsweise geringem Aufwand in die Agrarlandschaft integrieren und schaffen gleichzeitig einen Mehrwert für Biodiversität, Niederwild und Landwirtschaft. Ihre positiven Effekte auf Boden, Wasserhaushalt und Nützlinge können dazu beitragen, den Verlust an bewirtschaftbarer Fläche zumindest teilweise auszugleichen.
Vor allem bieten Feldraine eine Möglichkeit zur nachhaltigen Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Jägerschaft. Beide Seiten verfolgen dabei gemeinsame Ziele: die Förderung der Biodiversität, stabile Lebensräume für Wildtiere und eine ökologisch vielfältige Kulturlandschaft. Davon profitieren nicht nur Feldhasen, Fasane und andere Niederwildarten, sondern letztlich auch das gesamte Ökosystem der Agrarlandschaft.
Feldraine zeigen beispielhaft, wie Lebensraumverbesserungen mit den Anforderungen einer modernen Landwirtschaft vereinbar sein können. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass nachhaltiges Wildtiermanagement nicht erst beim Wildbestand beginnt, sondern bereits bei der Gestaltung und Erhaltung geeigneter Lebensräume.
UNSERE
LESE-EMPFEHLUNG
Studie zu „Die Rolle von Brachflächen für die Nahrungsökologie von Feldhasen“
Bildquellen für diesen Beitrag: © Pexels | © Pixabay | © Canva by Jagdfakten.at
Autor für diesen Beitrag: L. Palm / Jagdfakten.at
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