
Wildpark Ernstbrunn – ein Naturjuwel im Weinviertel
Seit nunmehr 50 Jahren ist der Wildpark Ernstbrunn ein Ort, an dem Menschen heimischen Wildtieren in naturnaher Umgebung begegnen können – und gleichzeitig Einblicke in modernste Forschung erhalten. Eine Entdeckungsreise zwischen Schlosspark, Felswänden und Wolfsgehege.
WILDPARK
ERNSTBRUNN
Mitten im Weinviertel, am Nordrand des Bezirks Korneuburg, öffnet sich hinter dem Eingangstor des Wildparks Ernstbrunn eine Landschaft, wie man sie in Österreich nur selten so gebündelt findet: Fast 50 Hektar groß, geprägt von den Kalkklippen des Naturparks Leiser Berge, bietet das Gelände ein abwechslungsreiches Relief – sonnendurchflutete Kalktrockenrasen, lichte Eichenwälder, steile Felswände, artenreiche Mischwälder und feuchte Auwälder entlang des Taschlbachs mit Teichen und uralten Bäumen.
„Die naturnahen Gehege sind wichtig, um als Besucher einen authentischen Eindruck von den Tieren in ihren angestammten Lebensräumen zu bekommen. Vor allem in den weitläufigen begehbaren Gehegen ist man da mittendrin statt nur Zuschauer durch einen Zaun“, betont DI Sebastian Schmid aus dem Wildpark-Leitungsteam.
Und hier finden auch alle Tiere ein Zuhause, das ihrem natürlichen Lebensraum nahekommt: steinige, halboffene Wälder für Mufflons, steile Felswände für Gämsen und Steinböcke, feuchte Auwälder für Rothirsche oder Eichenwälder voller Eicheln für Wildschweine. Die Mischung macht den besonderen Reiz des Parks aus.



Vom Steinbruch zum Tierparadies
Die Geschichte des Geländes ist eng mit der Region verwoben. Am 9. Mai 1975 wurde der Wildpark eröffnet, doch seine Spuren reichen weiter zurück. Der Ziegelofenteich, an dem sich heute die „Hexenküche“ befindet, entstand durch den Lehmaushub für die Ziegelproduktion. Später wurde er zum Badeteich, an dem Generationen von Ernstbrunner Kindern schwimmen lernten.
Die imposanten Felswände, an denen heute Gämsen und Steinböcke klettern, waren einst Steinbrüche für den Kalkabbau. Die kleinen „Steinbrecherhäuser“ am Fuß der Wände dienten den Arbeitern als Unterkunft – heute beherbergen sie einige Kleintierarten.
Ursprünglich beschränkte sich das Wildparkareal auf die Flächen nördlich und östlich des heutigen Eingangs. Der Zugang erfolgte über ein schlichtes Holzhäuschen – eine ehemalige Jagdhütte aus dem Ernstbrunner Wald.
Mit der Erweiterung 2007 kamen die Platanenau, der Ziegelofenteich und ein Teil des Dörfleser Feldes hinzu. Damit wurde auch ein Stück des historischen Schlossparks integriert. 2009 folgte die Kooperation mit dem Wolf Science Center (WSC) – ein Schritt, der den Wildpark nachhaltig prägte.



Forschung hautnah – das Wolf Science Center
Das WSC zog zunächst in den „Küchengarten“ des Schlosses ein, bevor 2010 die neuen Gehege im Wildpark eröffnet wurden. Die historischen Mauern des Schlossgartens wurden geschickt genutzt, um ein einzigartiges Forschungsareal zu schaffen.
„Als Zoo haben wir ja einen Bildungsauftrag und sind froh, den mit dem WSC zu übererfüllen. Hier findet topaktuelle Grundlagenforschung am Dreieck Wolf-Hund-Mensch statt, deren Wertigkeit nicht nur zahlreiche Publikationen, sondern auch die Übernahme des Vereins WSC durch die VetMed belegen“, erklärt Schmid.
Für die Besucher ist das WSC eine Attraktion, die weit über den reinen Anblick hinausgeht. „Der Wolf ist unser emotionales Aushängeschild. Im Gehege sind die Tiere entspannt und dadurch gut sichtbar, weil sie durch die Handaufzucht nie die sonst übliche Scheu zum Menschen aufgebaut haben. Es gibt zahlreiche buchbare Programme, bei denen man den Tieren so nahe kommt wie sonst weltweit kaum.“
Es handelt sich bei den gehaltenen Wölfen um Timberwölfe – nicht zu verwechseln mit dem bei uns vorkommendem Grauwolf.
Wandel und Kontinuität
In fast fünf Jahrzehnten hat sich der Wildpark spürbar verändert. „Zunächst ist er näher ans Schloss gerückt, dadurch wurden Teile des historischen Gartens integriert. Dann kam die Kooperation mit dem WSC, was uns viel mediale Aufmerksamkeit beschert hat. Zuletzt wurde das neue Besucherzentrum errichtet – ein architektonisch gelungenes modernes Element. Aktuell erfolgen einige Erneuerungen im Zufahrtsbereich“, berichtet Schmid.
Trotz aller Modernisierungen sei eines immer gleich geblieben: „Besonders stolz sind wir darauf, durch alle Veränderungen hindurch den historischen Charme eines ‚Wildparks‘ erhalten zu haben.“ Auch das Feedback der Besucher bestätigt diesen Weg. „Eine Rückmeldung, die wir häufig erhalten, ist, dass wir alles ‚so schön beinand‘ haben. Offenbar schätzen unsere Gäste beim Aufenthalt in der Natur doch eine gepflegte Anlage.“
Publikumslieblinge auf vier Beinen
Während die Wölfe unbestritten die größten Besuchermagnete sind, punkten auch andere tierische Bewohner mit Nähe und Charakter. „Ein Besucherhighlight sind immer die Wölfe, ansonsten sicher der unmittelbare Kontakt in den begehbaren Gehegen zu Hirschen und Mufflons“, erzählt Schmid.
Die Vielfalt der Landschaft spiegelt sich auch im Verhalten der Tiere wider. „Natürlich kann ein Gehege nie das Gleiche bieten wie ein Lebensraum in freier Natur. Aber bei uns haben sie sehr viel Platz, und die Gehege enthalten so viele Elemente der ursprünglichen Habitate, dass die Tiere einen Großteil ihres natürlichen Verhaltens ausleben können. Das macht sie glücklicher und gesünder.“
Tierporträts aus dem Wildpark:
Wolf – das Aushängeschild des Wildparks.
Besucher können die Tiere in entspannter Atmosphäre beobachten und in speziellen Programmen hautnah erleben.
Mufflon – ursprünglich aus Korsika und Sardinien, heute ein Symbol für halboffene Waldlandschaften.
Besonders zutraulich in den begehbaren Gehegen.
Steinbock – Meister des Kletterns, fühlt sich an den steilen Kalkfelsen des Parks wie in den Alpen.
Rothirsch – das größte heimische Wildtier, im Park oft in der Nähe von Auwäldern und Teichen anzutreffen.
Wildschwein – schlau, kräftig und immer auf Futtersuche – vor allem Eicheln im Mischwald sind eine Delikatesse.




Engagement für die Österreichische Wildtierstiftung
Neben seiner Rolle als Ausflugsziel und Forschungsstandort engagiert sich der Wildpark für die Österreichische Wildtierstiftung (ÖWTS), eine Initiative der Landesjagdverbände zum Erhalt heimischer Wildtiere und ihrer Lebensräume.
„Die Stiftung setzt sich für heimische Wildtiere und deren Lebensräume ein – aus der Perspektive der Jägerschaft. Der Wildpark Ernstbrunn ist in Privatbesitz und Teil eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes, bei dem Jagd immer ein integrativer Bestandteil war“, erklärt Schmid.
Dieses Selbstverständnis prägt die Arbeit vor Ort: „Für uns ist es selbstverständlich, die Natur zu schützen und zu pflegen, auch und gerade indem wir sie nützen und Lebensräume aktiv mitgestalten. Das wollen wir auch unseren Besuchern vermitteln. Bei uns können sie erleben, sich im Wildtierlebensraum, sozusagen in deren Wohnzimmer, aufzuhalten – und dieses dann hoffentlich auch andernorts zu respektieren.“
Wer den Wildpark besucht, der unterstützt die Österreichische Wildtierstiftung ohne viel Aufwand. Das Team des Wildparks spendet nämlich das jährlich gesammelte Pfandgeld von PET-Flaschen und Dosen an die Stiftung.
Bewusstsein schaffen
Das Engagement geht über Spenden hinaus – entscheidend ist die Wissensvermittlung. „Primär wollen wir Kenntnisse über Tiere und deren Lebensräume vermitteln. Darüber hinaus wollen wir zeigen, dass wir Menschen immer ein Teil der Natur sind und diese auch nutzen dürfen. Wichtig ist, dies mit Sachverstand und pfleglich zu tun – dann können alle davon profitieren.“
So steht der Wildpark Ernstbrunn heute für eine Verbindung, die in Österreich einzigartig ist: Naturerlebnis, historische Kulisse und gelebte Verantwortung für den Schutz von Wildtieren.
Wildpark Ernstbrunn –
Historische Stationen im Überblick:
- 1975 – Eröffnung des Wildparks am 9. Mai
- 2007 – Erweiterung um Platanenau, Ziegelofenteich und Schlossparkareal
- 2009 – Kooperation mit Wolf Science Center startet
- 2010 – Eröffnung der WSC-Anlagen im Wildpark
- 2018 – Neues Besucherzentrum wird eröffnet
- 2020 – Pandemie führt zu Schließungen, danach Rekordbesucherzahlen und Ausbau der Infrastruktur
UNSERE
LESE-EMPFEHLUNG
Bildquellen für diesen Beitrag: © AdobeStock Hirsch | © Anton Slepicka Mufflons | © Wildpark Ernstbrunn | © Pixabay
Autor für diesen Beitrag: U. Macher / Jagdfakten.at
DIESEN
BEITRAG TEILEN