Der Frühling rückt unaufhaltsam näher und damit die Zeit, in der es uns wieder vermehrt hinauszieht – in die Natur. Bei unserem Experteninterview zu Freizeitunfällen wollte jagdfakten.at von Klaus Jugl – Experte für Unfallversicherung der UNIQA Versicherung wissen, ob zum Beispiel mit den wärmeren Tagen auch die Anzahl der Freizeitunfälle steigt. Lesen Sie hier unser gesamtes:

Experteninterview zu Freizeitunfällen

  • Welche Arten von Freizeitunfällen gibt es?
  • Was ist der Unterschied zwischen einem Arbeits- und einem Freizeitunfall?
  • Warum deckt die gesetzliche Unfallversicherung nicht alle Unfälle ab?
  • Was ist bei einer Unfallversicherung alles drinnen?
  • Warum der Präventionsgedanke so wichtig ist?
  • Worauf sollen Jäger bei der Ausübung ihrer Leidenschaft achten?
  • Bei welcher Mitgliedschaft ist eine Unfallversicherung dabei?
  • Was deckt das Vorsorgepaket einer Unfallversicherung ab?
  • Welcher Versicherung empfiehlt der Versicherungsexperte für Unfälle in der Freizeit?

jagdfakten.at: Herr Jugl, der Frühling steht vor der Türe. Was bedeutet das für Ihre Branche: Mehr oder weniger Arbeit?

Klaus Jugl: Mit Sicherheit mehr Arbeit – wenn das Wetter wieder schöner wird, dann steigt die Sehnsucht der Menschen in die Natur zu gehen und sich sportlich zu betätigen und gerade auch der Start der Motorradsaison geht einher mit dem Frühling.

jagdfakten.at: Wenn wir von Freizeitunfällen sprechen, was sind denn typischen Unfälle?

Klaus Jugl: Wir unterscheiden bei den Freizeitunfällen grob zwischen klassischen Haushaltsunfällen (Hausarbeit, Heimwerken, Garten), Unfällen im Verkehr (ob mit PKW, Motorrad, Fußgänger) und Sportunfällen in jeglicher Ausprägung – Wintersport, Ballsportarten, Bergsport, etc.

jagdfakten.at: Lassen sich die Freizeitunfälle quantifizieren? Wie viele Unfälle gibt es je „Kategorie“, also bei Haushaltunfällen, Verkehrsunfällen und Sportunfällen?

Klaus Jugl: Diese Daten haben wir selbstverständlich, sie sind eine wesentliche Basis unserer Arbeit. Wenn wir uns die Zahlen aus dem Jahr 2018 ansehen, dann sprechen diese eine eindeutige Sprache: 14,5% Arbeitsunfällen stehen 85,5% Freizeitunfälle gegenüber. Die Freizeitunfälle wiederum setzen sich zusammen aus 5,5% Verkehrsunfällen, 36,4% Sportunfällen und 43,4% Haus-Heim- und Freizeitunfällen. Trotz aller statistischen Unschärfen kann man getrost sagen, dass der Hauptteil der Unfälle in der Freizeit passiert.

Die Unfallzusammensetzung 2018:

0%
Verkehrsunfälle
0%
Sportunfälle
0%
Haus-Heim- und Freizeitunfälle

jagdfakten.at: Als Jagd- und Naturportal interessieren uns natürlich die Unfälle in der freien Natur. Habe Sie dazu auch Informationen?

Klaus Jugl: In der Natur sind die Sportunfälle am wesentlichsten. Dabei spielen vor allem die Berge ganzjährig eine bedeutende Rolle, ob im Winter mit den Skiern oder im Sommer bei Wandern oder Klettern. Jagdunfälle sind eher selten und stellen sicher eine Ausnahme dar.

jagdfakten.at: Wir sprechen bislang immer nur von Freizeitunfällen. Können Sie uns bitte kurz und einfach erklären was der Unterschied zwischen einem Arbeits- und einem Freizeitunfall ist? Und in welche Kategorie würde ein Jagdunfall fallen?

Klaus Jugl: Kurz gesagt ist ein durch die gesetzliche Unfallversicherung anerkannter Arbeitsunfall ein Unfall eines Arbeitnehmers während seiner Arbeitszeit bzw. am Arbeitsweg. Alles andere ist ein Freizeitunfall. Ein Berufsjäger oder Förster unterliegt dieser klassischen Unterteilung und die AUVA als unser gesetzlicher Unfallversicherer prüft hier im Falle eines Unfalles die richtige Zugehörigkeit. Ein normaler Jäger kann nur einen Freizeitunfall erleiden und muss daher besonders gut abgesichert sein. Wir haben hier leider keine genauen Daten, aber das Verhältnis Arbeits- zu Freizeitunfällen wird unter der Jägerschaft zumindest auch dem allgemeinen Verhältnis von circa 1:5 entsprechen.

jagdfakten.at: Ein weit verbreiteter Irrglaube ist leider, dass die gesetzliche Unfallversicherung alle Unfälle abdeckt, was aber nicht stimmt. Warum ist das so und was deckt die gesetzliche Unfallversicherung dann alles ab?

Klaus Jugl: Die gesetzliche Unfallversicherung – das kann ich nur nochmal betonen – deckt nicht alle Unfälle ab, sondern nur reine Arbeitsunfälle inkl. Arbeitsweg und ein paar Berufskrankheiten, aber beim weitgehenden Teil der Unfälle gibt es aus der AUVA keine staatliche Absicherung bei Erwerbsunfähigkeit bzw. dauernder Invalidität. Anders ist das bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Diese steht auch für die Behandlung aus einem Freizeitunfall gerade, aber auch hier schafft eine private Absicherung die Chance auf eine weitergehende Behandlung. Auch darf man nicht vergessen, dass durch einen Unfall mit erheblichen Folgen auch das Arbeitseinkommen sinken kann – und diese Einkommensschere kann man mit einer entsprechenden Versicherungssumme für Dauernde Invalidität und einer monatlichen Lebensrente sehr gut schließen.

jagdfakten.at: Wenn ich mich nun entschließe eine zusätzliche Unfallversicherung abzuschließen – was bekomme ich dann, was ist dann alles abgedeckt?

Klaus Jugl: Kernstück jeder Unfallversicherung ist die Dauernde Invalidität, die entweder als einmalige Kapitalleistung ab jedem oder ab einem gewissen Invaliditätsgrad oder als monatliche Rente versichert werden kann. Ein weiterer Klassiker ist auch die Mitversicherung einer Unfalltodsumme. Unfallkosten, Bergekosten, Knochenbruch, Tag- und Spitalgeld runden das Leistungsspektrum ab, diverse Assistanceprodukte wie Reiseversicherung, Vor- und Nachsorgebaustein sind auch noch im Produkt versicherbar.

jagdfakten.at: Gibt es bei der Unfallversicherung auch unterschiedliche Stufen wie wir sie zum Beispiel von der Autoversicherung mit der Haftpflicht- und Kaskoversicherung kennen?

Klaus Jugl: Die Dauernde Invalidität ist gerade bei schweren Verletzungen als Einkommensersatz fast wie eine Kfz-Haftpflicht zu betrachten, genauso der Unfalltod als Absicherung für die Angehörigen. Und wenn wir die Anlehnung an die Autoversicherung weiterdenken, dann würde ich z.B. Unfallkosten, die den Versicherten die Möglichkeit geben auch privat zu einem Wahlarzt zu gehen oder eine bessere Behandlung in Anspruch zu nehmen, als eine Kaskoversicherung bezeichnen.

jagdfakten.at: Wenn wir die bisherigen Interviews mit ihren Kollegen von der UNIQA Revue passieren lassen, dann haben diese eines gemeinsam: den Aufruf zum Hausverstand und die Prävention. Warum ist Prävention so wichtig?

Klaus Jugl: Weil wir präventiv viel Risiko rausnehmen können. Das beginnt im Bereich der Freizeitunfälle bei der Bekleidung, geht weiter bei einer guten Wartung der Sportgeräte und endet bei der – je nach Fitness-Level richtigen Route bei Wanderungen oder Kletterpartien. Daher haben wir neben der Absicherung von Unfallfolgen den Fokus auch auf die Vorsorge gerichtet und ein eigenes Vorsorge-Paket geschnürt, damit unsere Versicherten nun auch präventiv etwas tun können – durch ein Fahrsicherheitstraining, einen Erste-Hilfe Kurs, durch einen Vitalcoach oder auch das Erstellen eines Fitnessprofils. Natürlich steht über allen der gesunde Hausverstand: Manche Risiken sollte man erst gar nicht eingehen oder bei brenzligen Situationen besondere Vorsicht an den Tag zu legen.

jagdfakten.at: Weil Sie gerade von richtiger Bekleidung und gut gewarteten Sportgeräten gesprochen haben: Welche Ausrüstung sollte beim Wandern, Radfahren etc. dabei sein?

Klaus Jugl: Das kann nicht pauschal beantworten werden. Am besten ist es auch hier den Hausverstand einzuschalten und sich an den allgemeinen Grundprinzipien der Sicherheit zu orientieren. Damit meine ich, dass z.B. das Schuhwerk dem Gelände angepasst sein sollte oder ein Helm gerade bei Kopfverletzungen vor schlimmen Unfallfolgen schützen kann. Ansonsten verweise ich an dieser Stelle immer auf die Ausrüstungstipps der diversen Vereine und Verbände.

jagdfakten.at: Haben Sie Spezialtipps für unsere Jäger?

Klaus Jugl: Vorsorge ist besser als Nachsorge – d.h. es ist sicher besser seine Utensilien immer gut gewartet mitzunehmen. Da die Jägerschaft mit dem Auto oftmals in unwegsamem Gelände fährt, ist auch ein Fahrsicherheitstraining sicher eine gute Vorbereitung – dies wäre zB.: im Unfall Vorsorge-Paket mitversichert.

jagdfakten.at: Sie haben zuvor die Ausrüstungstipps von diversen Vereinen und Verbänden angesprochen. Diese bieten bei Mitgliedschaft ja auch eine Unfallversicherung an. Reicht das nicht?

Klaus Jugl: Das stimmt, sehr viele Vereine und Verbände bieten mit der Mitgliedschaft auch Versicherungsdeckungen an. Ich empfehle dennoch sich als Mitglied der Vereine sehr wohl vorzuinformieren, ob sich hinter der Vereinsunfallversicherung eine volle Versicherungsdeckung verbirgt oder ob es nur sogenannte Ausschnittsdeckungen sind. Viele haben nur Bergekosten bis zu einer gewissen Höhe, Rückholungen aus dem Ausland, etc. mitversichert, aber sehen keinen Versicherungsschutz bei einer Dauernden Invalidität vor. Daher ist die private Abdeckung „jedermanns und jederfraus“ Verpflichtung und diese Verantwortung kann uns keiner, auch kein Verein abnehmen. Ich sehe dies als ineinandergreifende Gefäße – eine Basisdeckung über einen Verein, dann vielleicht eine Versicherung über den Arbeitgeber und als Herzstück die eigene, private Vorsorge.

jagdfakten.at: Womit wir auch schon wieder bei der letzten Frage sind: Welche Versicherung empfiehlt der Versicherungsexperte für Unfälle in der Freizeit?

Klaus Jugl: Am besten eine Unfallversicherung mit 24h- und weltweiter Deckung mit einer dem eigenen Einkommen entsprechenden Versicherungssumme für Dauernde Invalidität und dann den individuellen Zusatzbausteinen, die einem nach einem Unfall helfen besser zu genesen. Das ist für einen die Wahlfreiheit des Arztes oder der Behandlung, für den anderen die einmalige sofort auszahlbare Knochenbruchpauschale und für den nächsten die Unfallhilfe für zu Hause nach einem Unfall. Eine für alle gültige Empfehlung gibt es – leider – nicht wirklich.

jagdfakten.at: Herr Jugl, ich danke für das freundlichen und informative Gespräch.

Bildquellen für diesen Beitrag: Pixabay

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