Haben Sie schon einmal den Begriff „Littering“ gehört?
Darunter versteht man das achtlose Wegwerfen diverser Abfälle in der Natur. Ein Problem, das leider auch Österreich immer stärker betrifft. Aber was tun?

„Den Müll, den wir gefüllt mit Lebensmitteln den Berg hinauftragen, können wir leer auch wieder den Berg hinuntertragen und daheim ordentlich, getrennt entsorgen“

fasst Albuin Neuner, Referatsleiter Natur und Erholung der Stadt Innsbruck, seinen Lösungsansatz für Müllvermeidung in der Natur einfach und sehr treffend zusammen. Neben der visuellen Umweltverschmutzung schaden vor allem die teilweise enorm langen Verrottungszeiten der weggeworfenen Gegenstände unserer Natur und unseren Wildtieren.

 

MÜLL
Der unerwünschte Naturbewohner

Lesen Sie in diesem Beitrag:

  • Wieviel „gelitterte“ Abfälle jährlich in Österreich anfallen
  • Die wichtigsten Infos einer Studie des Umweltbundesamtes zu „Littering“
  • Welche Abfälle am häufigsten in der Natur zurückgelassen werden
  • Wie lange die Verrottungszeiten diverser Abfälle sind
  • Die Verrottungstabelle des österreichischen Alpenvereins

Das österreichische Umweltbundesamt hat im Auftrag des Klimaschutzministeriums die Sammelmenge gelitterter Abfälle für ganz Österreich erhoben. Dabei wurden die Daten der jährlich durchgeführten Flurreinigungsaktionen in den Bundesländern, sowie jene der Abfallwirtschaftsverbände, ASFINAG, Straßenverwaltungen, Bundesländer, ÖBB, des Verbundes, von sechs Nationalparks und weiterer Akteure erhoben und zusammengefasst.

Die wichtigsten Punkte dieser Studie des Umweltbundesamtes zum Thema Littering sind:

→ Entlang der heimischen Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen, Zug- und U-Bahntrassen, in und entlang von Gewässern und Nationalparks und Naherholungsgebieten fallen pro Jahr etwa 4.500 Tonnen an „gelittertem“, also achtlos weggeworfenen Abfall an. Das entspricht dem Gewicht von 3.200 Mittelklassewagen!

→ Fast 90 Prozent davon (rund 4.000 Tonnen) sind entlang der Straßen zu finden.

→ Besonders auffallend ist die Menge an zurückgelassenem Müll bei Großveranstaltungen.

→ Zigarettenstummel sind die am häufigsten achtlos weggeworfenen Gegenstände: österreichweit rund 2,9 Milliarden Stück bzw. fast 500 Tonnen pro Jahr.

→ Leider steigt auch die Menge an gefüllten Hundekotsackerln, insbesondere im ländlichen Bereich, wo keine geeigneten Abfallbehältnisse zur Stelle sind.

→ Zwei Drittel des Mists in der Natur machen Verpackungsmaterialien aus.

LITTERING
Ökologische Auswirkungen

Gelitterte Gegenstände haben negative Auswirkungen auf die Umwelt. Nicht selten wird der Müll von Tieren gefressen, damit verbunden ist das Risiko von Verletzungen. Es kann zur Anreicherung von persistentem, synthetischem Material in der Umwelt und in der Nahrungskette (biologischer Kreislauf) kommen. Außerdem verunreinigen gelitterte Abfälle Boden, Pflanzen und Gewässer. Es kommt zur Aufteilung von Gegenständen (Multiplikation) und zur Bildung von Mikroplastik. Zusätzlich lassen sich gelitterte Materialien nicht in Stoffkreisläufe zurückführen, werden somit der Verwertung entzogen und behindern eine Kreislaufwirtschaft. Neue Ressourcen müssen gewonnen und verarbeitet werden.

Quelle: Littering Studie des Umweltbundesamtes; S. 23,
Link: https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/rep0730.pdf

Müll - Gefahr für Wildtiere, Jagdfakten.at informiert

Verrottung dauert teilweise
mehrere 1000 Jahre

Vieles von dem, was gedankenlos in der Natur zurückgelassen wird, überlebt uns um ein X-faches. Experten gehen davon aus, dass manche Materialien hunderte, wenn nicht sogar tausende Jahre in der Natur verweilen, bevor sie völlig verrotten.

An der Spitze finden wir Styropor sowie Glas- und Plastikflaschen. Vor allem die beiden letztgenannten Flaschen zählen als Verpackungsmaterial auch zu den Spitzenreitern der meist weggeworfenen Gegenstände. Diese drei Produkte brauchen Berechnungen zufolge bis zu 6.000 Jahre, um sich vollständig aufzulösen.

Mehrere hundert Jahre brauchen Blechdosen, Babywindeln oder Plastiksackerl, um vollständig abgebaut zu werden. Bei Blechdosen kommt noch dazu, dass sie durch ihre scharfen Kanten eine erhebliche Verletzungsgefahr für diverse Wildtiere darstellen. Immer wieder ziehen sich wildlebende Naturbewohner an aufgerissenen Aludosen Schnittwunden zu.

Im Vergleich zu den eben genannten Produkten, wirken die folgenden Verrottungszeiten nahezu harmlos – sie sind es aber nicht. Auch wenn eine Zeitung „nur“ maximal 3 Jahre braucht, um zu verfallen, so ist die Auswirkung durch Druckerschwärze auf die Umwelt nicht zu unterschätzen. Noch extremer wirken die Schadstoffe eines Zigarettenstummels (z.B.: Teer) auf Naturböden und das Grundwasser, obwohl diese „nur“ maximal 7 Jahre brauchen, um zu verrotten.

Selbst biologische Abfälle wir Orangen- oder Bananenschalen liegen zumindest mehrere Monate in der Natur bevor sie völlig verfaulen.

Einen kompakten Überblick zu den Verrottungszeiten der verschiedenen Gegenstände bietet die Verrottungstabelle des österreichischen Alpenvereins. Diese finden Sie am Ende des Artikels unter den weiterführenden Leseempfehlungen.

Müll - Verrottung dauert teilweise mehrere tausend Jahre | Jagdfakten.at informiert

Welcher Mist
landet in der Natur?

Wir wissen bereits, dass rund 2/3 des in der Natur zurückgelassenen Abfalls Verpackungsmaterialien sind.

„Den Müll, den wir gefüllt mit Lebensmitteln den Berg hinauftragen, können wir leer auch wieder den Berg heruntertragen und daheim ordentlich, getrennt entsorgen.“

Albuin Neuner, Referatsleiter Natur und Erholung der Stadt Innsbruck

Wenn wir „nur“ diesen einen Satz beherzigen würden, könnten wir 2/3 des „gelitterten“, also achtlos weggeworfenen Abfalls vermeiden. Das wären etwa 3.000 Tonnen. Übrigens, den Kurzfilm, in dem Albuin Neuner diesen Satz sagt, finden Sie ebenfalls weiter unten bei den weiterführenden Leseempfehlungen.

Da bei diversen Flurreinigungsaktionen der Müll im Anschluss sorgfältig getrennt wird, haben wir auch einen guten Überblick darüber, was der Mensch in Österreich an Mist in der Natur zurücklässt. Konkret handelt es sich bei Littering-Abfällen typischerweise um Getränkeverpackungen, sonstigen Kunststoffverpackungen, Take-Away-Produkten (zB.: Coffee-to-go-Becher), Verpackungen, Papier, Metallverpackungen, Lebensmittelreste und Zigarettenstummel. Den größten Anteil machen – außer den Zigarettenstummeln – PET- und Glasflaschen, sowie Getränkedosen aus.

Fazit:

Es wäre ein Leichtes unsere Natur sauber zu halten. Es wäre ein Leichtes dafür zu sorgen, dass Müll nicht hunderte oder tausende Jahre im Wohnzimmer unserer Wildtiere liegt. Leider ist das vielen Menschen jedoch immer noch egal, trotz des allgemein steigenden Umweltgedankens.

Der Dank der gesamten jagdfakten.at Redaktion gilt all jenen, die sich richtig verhalten und keinen Mist zurücklassen und all jenen, die beruflich oder privat und freiwillig den Dreck von anderen wegräumen und dadurch für eine weitgehend saubere Natur in Österreich sorgen. Vergelt´s Gott!

Autor:

Walter Gröblinger

Walter Gröblinger ist seit 2018 ständiger Redakteur für jagdfakten.at und hat als Nicht-Jäger, Naturfreund und Familienvater einen anderen Blickwinkel auf das Thema Jagd.