Jagdliche Knoepfe auf steirischer Tracht - Jagdfakten.at informiert

Die geheime Hierarchie auf der Weste

Wer eine steirische Trachtenweste betrachtet, sieht auf den ersten Blick Stoff, Silber und Handwerk. Wer ein wenig genauer hinsieht, entdeckt jedoch eine Ordnung, die seit Generationen weitergegeben wird – die Anordnung der jagdlichen Knöpfe.

JAGDLICHE KNÖPFE

In der steirischen Tracht

In der steirischen Männertracht haben Details immer Bedeutung. Das gilt besonders für die jagdlichen Silberknöpfe. Sie gehören seit langer Zeit zum Erscheinungsbild der Tracht und werden traditionell auf Westen aus Tuch, Pepita oder Samt getragen.

Bereits im alten Handwerk wurde ihre Anordnung nicht dem Zufall überlassen, sondern nach festen Regeln weitergegeben, weiß Hubert Fink, Schneidermeister aus Gratkorn bei Graz und Trachtenexperte par excellence – was er unter anderem seinem Vater und Großvater verdankt: „Wann genau diese Tradition entstanden ist“, sagt Fink, „ist nicht überliefert. Das haben die Goldschmiede damals einfach gemacht.“

„Damals“ ist inzwischen weit über 100 Jahre her, „und dann ist es bei uns in die Tradition eingeflossen.“

Jagdmotiv Knoepfe auf steirischer Tracht - Jagdfakten.at informiert
Jagdliche Trachtenknöpfe folgen einer strikten Anordnung
Die richtige Reihenfolge für Jagdmotiv-Knoepfe auf steirischer Tracht - Jagdfakten.at informiert
Steirische Tracht mit jagdlichen Knoepfen - Jagdfakten.at informiert

Die strikte Anordnung der jagdlichen Trachtenknöpfe

Wer die Knöpfe genauer betrachtet, erkennt: Die Motive folgen einer klaren Ordnung. Hubert Fink formuliert es eindeutig: „Die Hierarchie ist immer gleichbleibend“ – und genau darin liegt das Besondere. Denn die Reihe beginnt nicht mit dem Jäger.

Vielmehr steht der Hubertushirsch ganz oben; er verweist auf den heiligen Hubertus, den Schutzpatron der Jagd. Damit beginnt die Reihe nicht mit Jagderfolg oder Beute, sondern mit einem Sinnbild für Verantwortung, Respekt und jagdliche Etikette. Fink: „Wie viele Knöpfe auch immer auf die Weste kommen – getauscht darf nichts werden. Wer beispielsweise einen Hasen vor dem Hirsch hat, hat etwas falsch gemacht!“

Hochwild:
Die große Bühne der Jagd

Der Hubertushirsch steht also an erster Stelle im Reigen des Hochwilds – und auch innerhalb dieser Gruppe gibt es eine feste Reihenfolge. Die Motive werden traditionell so angeordnet:

  1. Hubertushirsch
  2. Adler
  3. Gams
  4. Auerhahn
  5. Hirsch

Auf den ersten Blick wirkt diese Abfolge ungewöhnlich. Sie folgt nicht streng biologischen Kategorien, sondern einer gewachsenen jagdlichen Symbolik. Der Adler steht kraftvoll und erhaben auf Platz zwei dieser Gruppe. Die Gams verweist auf die alpine Jagdkultur, der Auerhahn erinnert an das traditionsreiche Federwild, während der Hirsch als einer der bekanntesten Vertreter der Jagd seinen festen Platz in der Mitte der Ordnung erhält. Die Knöpfe erzählen damit nicht nur, was gejagt wurde – sondern auch, welchen Stellenwert einzelne Tiere in der regionalen Vorstellung hatten.

Niederwild:
Die Ordnung setzt sich fort

Unter dem Hochwild beginnt das Niederwild – ebenfalls mit einer überlieferten Reihenfolge. Die traditionelle Folge:

  1. Birkhahn
  2. Rehbock
  3. Fuchs (regional teilweise mit Wildschwein getauscht)
  4. Wildschwein (regional teilweise mit Fuchs getauscht)
  5. Hase
  6. Eule
  7. Stockente
  8. Rebhuhn
  9. Eichhörnchen

Sie bilden die ganze jagdliche Welt ab – vom Schalenwild bis zum Federwild, vom bekannten Wildtier bis zu heute überraschenden Motiven wie Eule oder Eichhörnchen. Interessant ist auch, dass einzelne Reihen regional leicht unterschiedlich überliefert wurden – ein Zeichen dafür, dass Tradition immer weitergegeben und nie völlig starr gelebt wurde.

Hund und Hubertus schließen die Reihe ab

Nach dem Wild folgt der Hund. Er steht für den treuen Begleiter, ohne den Jagd jahrhundertelang nicht denkbar gewesen wäre.
Und ganz am Ende steht – der Jäger.

Wer trug Westen mit jagdlichen Knöpfen?
Die silbernen Tierknöpfe waren ursprünglich kein Schmuck für die Arbeitstracht, sondern fanden sich vor allem auf hochwertigen Festtags- und Ausgehwesten. Getragen wurden sie insbesondere von Jägern, Förstern, wohlhabenderen Bauern sowie Männern, die ihre Verbundenheit mit Jagd, Heimat und Brauchtum zeigen

Die jagdlichen Motive galten als Ausdruck einer regionalen Kultur, die in weiten Teilen der Steiermark tief verwurzelt war. Wer eine solche Weste trug, bekannte sich damit auch zu einem bestimmten Lebensgefühl und zu den Traditionen des Landes.

Obwohl die Steiermark zahlreiche regionale Trachtenformen kennt – vom Ausseerland über das Ennstal bis zur Süd- und Oststeiermark –, scheint die Hierarchie der Tierknöpfe steiermarkweit bekannt gewesen zu sein. Trachtenexperte Hubert Fink bezeichnet sie sogar ausdrücklich als eine „steirische Angelegenheit“.

Vom Goldschmied gefertigt – bis heute getragen

Die jagdlichen Knöpfe werden bis heute von Gold- und Silberschmieden hergestellt. Jedes Tiermotiv wird einzeln gefertigt und anschließend in der traditionellen Reihenfolge auf der Weste angebracht. Gerade diese Verbindung von Handwerkskunst und überliefertem Brauchtum macht den besonderen Reiz der Knöpfe aus.

Auch heute sind Westen mit jagdlichen Tierknöpfen keineswegs verschwunden. Man begegnet ihnen bei Trachtenfesten, Hochzeiten, Musikkapellen, Schützenvereinen, Jägern und Förstern ebenso wie bei offiziellen Brauchtumsveranstaltungen. Allerdings kennen nicht mehr alle Träger die genaue Bedeutung und Reihenfolge der Motive.

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Bildquellen für diesen Beitrag: © s’Foachtl, Sigrid Gründbichler

Autor für diesen Beitrag: U. Macher / Jagdfakten.at

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