DER BRAUNBÄR
ein kurzer Steckbrief

Name: Braunbär (Ursus arctos)
Männlich: Bär
Weiblich: Bärin
Junge: 0 – 3 Jahre: Jungbär
Jung: 3 – 6 Jahre: Mittelbär

Tierfamilie: Haarwild, Haarraubwild

Größe: Kopf-Rumpf-Länge: 100 – 280 cm
Schulterhöhe: 90 – 130 cm
Schwanzlänge (Bürzel): 6 – 20 cm

Gewicht europäischer Braunbären:
150 – 350 Kilogramm

Paarungszeit (Bärzeit): Mai – Juli
Tragzeit: 6 – 7 Monate
Wurfzeit: Jänner – März
Junge: 1 – 3
meistens Zwillinge, ganz selten vier Junge

Lebensraum
Braunbär

Der europäische Braunbär lebt zumeist in bewaldeten Regionen und ist auch in höheren gebirgigen Habitaten heimisch. Große Ansprüche stellen Braunbären an ihren Lebensraum nicht, solange zwei Voraussetzungen gegeben sind:

  • Sie benötigen Rückzugsorte, Höhlen für den Winter und dichte Vegetation für Ruhepausen im restlichen Jahr.
  • Es muss ausreichend Nahrung vorhanden sein.
Braunbär, Begegnung mit Bären - Verhaltensregeln, Jagdfakten.at

Aussehen und Merkmale
von Braunbären

Charakteristisch sind eine mehr oder weniger einheitliche Braune Decke (Fell), kurze runde Ohren (Gehöre), ein kaum sichtbarer Schwanz (Bürzel), ein dicker breiter Kopf mit vorspringendem Fang (Maul) und ein massiger Körper. Starke Bären erreichen in Mitteleuropa ein Gewicht von bis zu 350 Kilogramm. Die Schulterhöhe beträgt rund einen Meter, wobei der Bär deutlich größer als die Bärin ist.

Auffallend ist ihr Gang, der sogenannte Passgang. Das heißt, sie bewegen beide Beine einer Körperseite gleichzeitig nach vorne. Diese Gangart ist eher selten in der Tierwelt, wir kennen sie auch bei Giraffen, Kamelen oder beim Elefanten. Zudem sind sie sogenannte Sohlengänger, was bedeutet, dass sie immer mit der gesamten Sohle gleichzeitig aufsetzen. Eine weitere Besonderheit dieser Gangart ist, dass der Prankenabdruck der Hinterläufe immer in den Abdruck der Vorderläufe gesetzt wird – dadurch erscheint die Spur besonders imposant.

Nennenswert sind außerdem ihre kräftigen Pranken (Vorderläufe) mit den acht Zentimeter langen Krallen. Diese setzen sie bei der Jagd ein. Ihre Prankenhiebe – in der Regel auf Kopf oder Nacken – sind zumeist tödlich.

Bären sind trotz ihrer Größe hervorragende Kletterer und Schwimmer.

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Ernährung
Was frisst ein Braunbär?

Ausgewachsene Bären sind Allesfresser, wobei sie sich überwiegend (zu etwa ¾) pflanzlich ernähren.

Auch ihre flachkronigen Backenzähne weisen klar auf Alles- bzw. Pflanzenfresser anstatt auf typische Fleischfresser hin. Ihr Jagdverhalten ist nicht sehr ausgeprägt, was aber nicht bedeutet, dass sie vielleicht zu langsam wären. Im Gegenteil: Braunbären können eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 50 km/h erreichen. Wenn sie jagen, dann in der Regel junge oder alte bzw. bereits kranke Tiere. Oft wird auch Aas (Fallwild) von ihnen gefressen. Bei der Nahrungssuche hilft dem Bären sein außergewöhnlich guter Geruchssinn, sie können Nahrung auf mehrere Kilometer riechen.

Ist das natürliche Nahrungsangebot nicht ausreichend, dann kann es gelegentlich auch zum Schlagen von Weidetieren (Schafe, Ziegen, Rinder) kommen. In diesem Fall sprechen Jäger von „Schlagbären“. Selten aber doch, stillen Bären ihren Drang nach süßem Nektar auch an Bienenstöcken, sehr zum Leidwesen der dann betroffenen Imker.

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Lebensweise

Männliche Bären sind Einzelgänger.

Weibliche Bären wären es prinzipiell auch, leben aber die meiste Zeit mit ihren Jungen zusammen. Die Männchen kommen nur zur Paarungszeit (Bärzeit) zu den Weibchen. Vor der Paarung kann es zu Kämpfen zwischen männlichen Bären kommen. Nach der Paarung bleiben Bären oft noch eine Zeit bei der Bärin um „aufzupassen“, dass sich kein anderer Bär mit der Bärin paart, denn Bären sind an sich nicht monogam.

Eine Ansammlung mehrerer Bären ist in der Regel nur dann gegeben, wenn das Nahrungsangebot eingeschränkt ist. So kann es zum Beispiel bei Seen zu einem Zusammentreffen mehrerer Bären kommen, die gleichzeitig auf Fischjagd gehen.

Bären haben im Vergleich zu vielen anderen Wildtieren keine fixen Territorien, weswegen es in der Regel auch keine Revierkämpfe gibt. Die Größe der genutzten Reviere kann sehr unterschiedlich sein, wobei männliche Bären größere Reviere als die Weibchen nutzen. Ist ein Gebiet unzureichend, wechseln Bären das Revier und nehmen dabei auch „Wanderungen“ von mehreren hundert Kilometern in Kauf.

Die Sterblichkeitsrate ist bei Uhus zu Beginn sehr hoch. Nur etwa 30 Prozent überleben das erste Jahr. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Uhus in der freien Wildbahn liebt bei gut 20 bis 25 Jahren.

Junge Bären bleiben

meist 2 Jahre bei der Bärin, manchmal sogar drei oder vier Jahre. Das hängt letztendlich davon ab, wann die Bärin wieder empfängnisbereit ist. Ist sie empfängnisbereit, verlassen die Jung- bzw. Mittelbären die Mutter.

Männliche Bären werden selbst mit rund viereinhalb Jahren geschlechtsreif, weibliche Bären zumeist etwas später. Ausgewachsen sind Bären erst mit ungefähr zehn Jahren. Ihre Lebenserwartung in freier Natur liegt bei bis zu 25 Jahren.

Natürliche Feinde haben Braunbären in der Natur keine.

 

Fortpflanzung und Aufzucht

Die Bärzeit fällt in der Regel in die Monate Mai bis Juli, in unseren Breiten eher Juni/Juli. Die Zeit der Geburt fällt in die Winterruhe, und zwar konkret in die Monate Jänner bis März. Bären sind die ersten Wildtiere, die gebären und damit ein absolutes Spezifikum.

Ein weiteres Spezifikum ist die sogenannte Keimruhe bei Braunbären. Das bedeutet, dass sich die, während der Bärzeit (Mai bis Juli) befruchtete Eizelle erst im Herbst in der Gebärmutter einnistet. Konkret erst dann, wenn die Bärin genug gefressen hat, um die bevorstehende Winterruhe anzutreten, was je nach Witterung zwischen Oktober und Dezember der Fall sein kann. Die tatsächliche Tragezeit (Trächtigkeit) ist somit deutlich kürzer als der Zeitraum zwischen Fortpflanzung und Geburt. Dieses Phänomen der Keimruhe kennen wir auch vom Rehwild, dort sprechen wir allerdings von der Eiruhe.

Die Jungtiere, meistens sind es zwei, selten eines oder drei, ganz selten sogar vier, kommen maulwurfgroß und mit nur 350 bis 700 Gramm im Winterlager zur Welt. Damit zählen die Bären zu den Tieren mit dem größten Gewichtsunterschied zwischen dem Muttertier und den Jungen.

Die Geburt selbst ist auf Grund der Kleinheit der Jungtiere mit sehr wenig Energieaufwand für die Bärin verbunden. Das ändert sich aber, da die Jungbären sehr rasch wachsen und bereits nach drei Monaten rund 15 Kilogramm wiegen. Möglich macht das die protein- und fettreiche Muttermilch der Bärin. Deswegen verlieren weibliche Bären in der Winterruhe auch deutlich mehr an Gewicht als die Männchen. Im Schnitt liegt der Gewichtsverlust beim männlichen Bären bei rund 20 Prozent des Körpergewichts. Eine Bärin verliert in dieser Zeit ungefähr das Doppelte an Körpergewicht, nämlich 40 Prozent.

Nach rund zwei bis drei Monaten verlassen die Jungbären erstmals mit dem Muttertier die Höhle. Feste Nahrung nehmen sie aber erst nach rund einem halben Jahr zu sich.

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Beobachtung von Braunbären

Bären sind im Jahresverlauf normalerweise die ersten Wildtiere, die mit ihren Jungtieren unterwegs sind. Im Frühling, wenn die meisten Wald- und Wildtiere ihre Jungen zur Welt bringen, sind die Jungbären schon zwei oder mehrere Monate alt und bereits immer wieder mit ihrer Mutter unterwegs.

Während der Winterruhe und daher in der kalten Jahreszeit sind Bären so gut wie gar nicht aktiv. Im übrigen Jahr sind sie überwiegend in der Dämmerung bzw. Nacht unterwegs. Im Frühling und Herbst, dann wenn sie die meiste Nahrung zu sich nehmen, sind sie manchmal auch untertags auf Nahrungssuche.

Bären halten Winterruhe

Winterruhe bedeutet eine Ruhephase über mehrere Monate. Zum Unterschied vom Winterschlaf gibt es jedoch immer wieder Wachphasen, in denen die Tiere auch Nahrung aufnehmen. Mehr Nahrungsaufnahme ist nicht notwendig, da sich diese Tiere im Herbst einen Winterspeck anfressen und so problemlos über die kalten Monate kommen.

Eine wesentliche Unterscheidung zwischen Winterruhe und Winterschlaf ist die Körpertemperatur. Im Vergleich zum Winterschlaf wird bei der Winterruhe die Körpertemperatur nur geringfügig oder gar nicht abgesenkt. Bei Braunbären sinkt die Körpertemperatur, die normalerweise zwischen 36 und 38 Grad Celsius liegt, um etwa vier Grad ab. Atmung und Herzschlag werden nur geringfügig minimiert und auch der Stoffwechsel findet in den Wachphasen statt.

Bärenbestand
in Österreich

Bereits im 17. Jahrhundert war der Bär auf heutigem österreichischem Staatsgebiet weitgehend in unwegsame Gebirgs- und Waldgebiete zurückgedrängt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts erlosch schließlich die einheimische Population. In den Nachbarstaaten überlebten einzelne Tiere.

Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde ein Wiedereinbürgerungs-Programm in Österreich gestartet und bereits im ersten Jahr wurde eine führende Bärin (Weibchen mit Jungem) bestätigt. Heute ist der Bärenbestand in Österreich dennoch nahezu erloschen. Lediglich vereinzelt werden Bären gesichtet, diese meistens in Kärnten oder der Steiermark.

UNSERE
LESE-EMPFEHLUNG

Bildquellen für diesen Beitrag: Pixabay

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