28. Juni 2018

Jagd wird weiblicher

Die Jagd wird weiblicher haben sie gesagt – eine Aussage die eine angehende Jägerin, die seit bald drei Jahrzehnten Jäger und das Jagdleben kennt, nicht teilt: „Auch wenn es vielleicht fad klingt, für die meisten Jäger macht es keinen Unterschied ob du ein Mann oder eine Frau bist“, so Teresa-Antonia Spari (32), Naturliebhaberin in der Jagdausbildung. jagdfakten.at hat mit der gebürtigen  Weststeirerin über ihre Motive, den idealen Jagdtag, das Trophäensammeln und das Miteinander mit männlichen Jägern gesprochen.

 

jagdfakten.at: Teresa, du bereitest dich seit einiger Zeit intensiv auf die Jagdprüfung vor. Was ist der Reiz der Jagd für dich?

Teresa Spari: Die Leidenschaft für die Natur. Dafür verantwortlich sind zwei Erlebnisse aus meiner Kindheit. Damals bin ich oft mit meinem Großvater im Wald gewesen. Dabei hat er mir gezeigt, was man im Wald darf und was nicht. Seit dieser Zeit fühle ich mich im Ökosystem Wald einfach wohl. Wahrscheinlich auch deswegen, weil sich der Opa im Wald immer so „natürlich“ bewegt hat, wie selbstverständlich – der Wald und er waren eine Einheit.

Die zweite Erinnerung stammt aus einem Erlebnis in Oberösterreich, ich war damals vielleicht acht oder neun Jahre alt. Mein Vater ist Jagdmaler und ich durfte ihn bei einem Kundenbesuch begleiten. Damals bewegten wir uns unter jagdlicher Führung durch den Wald, als plötzlich ein Rudel Rotwild nur wenige Meter vor uns auftauchte. Ein Anblick, den ich bis heute nicht vergessen habe und den ich sicherlich nie vergessen werde.

jagdfakten.at: Und dennoch hat es dich bis jetzt nicht gereizt, Jägerin zu werden. Was ist heute anders?

Teresa Spari: Heute kommen die Aspekte des Genusses und des nachhaltigen Denkens dazu. Was ich damit sagen will: Mich ärgert es, dass wir als Gesellschaft vieles zerstören, das uns die Natur seit Jahrhunderten geboten hat. Wir zerstören Lebensräume um Masse zu produzieren, anstatt uns bewusst zu machen, dass wir – gerade in Österreich – fast alles in Überfluss haben. Jede Jahreszeit bietet uns tolle Produkte, damit sollten wir wieder zufrieden sein.

Zudem müssen wir wieder lernen bewusster zu essen und zu kochen. Und damit meine ich nicht die heute so strapazierte ausgeglichene oder vegetarische Ernährung. Wir haben vor unserer Haustüre und auf unseren Bauernhöfen das beste Fleisch der Welt. Was uns jedoch fehlt ist ein Bewusstsein für die Tiere in ihrer Gesamtheit. Es muss nicht immer das Filet sein. Und daher beschäftige ich mich auch intensiv damit, wie ich möglichst alle Teile von Wildtieren verarbeiten kann.

jagdfakten.at: Zur Jagd gehört bekanntlich nicht nur das Naturerlebnis, sondern auch das Zerlegen der erlegten Wildtiere. Wirst du das künftig selbst machen?

Teresa Spari: Ich werde es weitgehend selber machen, weil es dazu gehört. Ich sehe das wie Wohnung putzen – auch das machen viele nicht gerne – aber es gehört dazu. Bei großen Stücken werde ich jedoch sicherlich Hilfe beanspruchen, denn das ist dann auch körperlich anstrengend. Wenn es also darum geht einen Hirsch zu bergen oder aufzubrechen, dann hilft die Jägerschaft seit jeher zusammen.

jagdfakten.at: Weg vom Lukullischen und wieder zurück zur Jagd an sich. Wie sieht für dich ein gelungener Jagdtag aus?

Teresa Spari: Gleich eines vorweg: Die Trophäe steht bei mir definitiv nicht im Mittelpunkt. Mir geht es in erster Linie darum den Wald zu erleben – wie in meiner Kindheit. Der Wald ist für mich die perfekte Umgebung um Stress abzubauen. Wenn du um 18.00 Uhr nach einem intensiven Arbeitstag am Hochsitz bist, herrscht absolute Ruhe. Kein Handy, kein Tablet, nichts. Man ist gezwungen sich mit sich selbst zu beschäftigen. Das habe ich seit meiner Kindheit verlernt, der Job hat vieles überlagert, die Ruhe im Wald war die Hölle. Aber nach drei, vier bewussten Waldgängen hat es klick gemacht. Der Wald und ich sind wieder eins. Das ist wie in einer Blase, in die keiner rein kann.

jagdfakten.at: Um das zu erleben braucht es aber keine Jagdprüfung.

Teresa Spari: Ich denke doch. Wir Menschen brauchen heute für alles einen Anreiz, eine Motivation. Das eigene Wohlbefinden reicht da nicht mehr aus. Die Jagdprüfung und das anschließende ausüben der Jagd, sind eine solche Motivation. Außerdem kann ich mit der Prüfung dem Wald auch etwas zurückgeben, indem ich regulierend eingreife. Wenn etwas dem ökologischen Gleichgewicht im Wald über Maßen schadet, hole ich es raus. Stichwort: Wildschäden, Wildverbiss.

Letztendlich lernt man bei der Jagdprüfung unglaublich viel: zum Beispiel über Trittsiegel (Spuren und Abdrücke). Heute gehe ich viel bewusster durch den Wald und entdecke vieles, das mir früher nie aufgefallen wäre, wie Löcher im Boden die von Wildschweinen stammen oder Bäumen ohne Rinde, Spuren von Rotwild. Das Lernen für die Prüfung hat meinen Blick für das Biotop Wald jedenfalls wieder geschärft.

jagdfakten.at: Du hast zuerst gemeint, dass die Trophäe bei dir nicht im Zentrum der Jagd steht. Wie siehst du die Trophäensammler?

Teresa Spari: Das ist eine sehr individuelle Sache. Die Grundfrage ist: Was brauche ich als Andenken? Für die einen – wie mich – ist es eine Erinnerung, für andere der Pokal vom letzten Fußballturnier, der Kühlschrankmagnet aus dem letzten Urlaub bzw. die Trophäe der Jagd. Was meine ich damit? Eine Trophäe ist nichts Schlechtes und schon gar nichts Verdammenswertes. Ich verstehe aber, dass manche Nichtjäger das Thema heikel sehen, weil es – vor allem in der Vergangenheit – auch Idioten gegeben hat, denen es nur ums Quantum gegangen ist. Diese Zeiten sind aber Gott sei Dank vorbei, denn da hat mittlerweile ein Umdenken stattgefunden und das Regulativ der Jägerschaft greift ein.

jagdfakten.at: Die Jagd wird weiblicher, wird sie das nun? Bzw. wie reagieren die Männer auf eine Frau im Jagdgewand?

Teresa Spari: Eine für Außenstehende spannende Frage, mit einer faden Antwort: „Die meisten machen keinen Unterschied!“.

Ich jedenfalls bin noch nie auf Ablehnung gestoßen. Im Gegenteil: Als Frau wirst du zumeist sehr freudig in der Jagdgesellschaft aufgenommen, weil es eben doch immer noch deutlich mehr Jäger als Jägerinnen gibt. Sonst kann ich von keinen Unterschieden erzählen. Das liegt vielleicht auch daran, dass das Jagdgewand eigentlich „Unisex“ ist, also für beide Geschlechter gleich aussieht. Insofern bleibt die einzige Unterscheidung in der Jägerschaft jene zwischen Jägern und Nicht-Jägern.

jagdfakten.at: Liebe Teresa, danke für das Interview.

 

Teresa Antonia Spari (c) Privat

Zur Person:
Teresa Antonia Spari ist Wirtschaftsjournalistin. Sie ist gebürtige Steirerin und lebt seit vier Jahren in Wien. Die Jungjägerin in Ausbildung sammelt ihre Erfahrungen in Revieren an der Donau und in Kärnten. Ihr bisher spektakulärster Anblick waren vier Auerhähne zur selben Zeit bei einem Abendansitz in Kärnten. Mit ihrem Partner, einem leidenschaftlichen Jäger, lernt sie zurzeit mit English Pointer “Bajazzo” für die Gebrauchshundeprüfung.

 

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