
Drei Wildarten und ihre Geschichte in Österreich
Damwild, Sikawild und Muffelwild wurden nach Österreich gebracht.
Auf welchen Wegen sie in die freie Wildbahn gelangten, unterscheidet sich jedoch: Damwild entkam immer wieder aus Gattern, Sika- und Muffelwild wurden gezielt als Jagdwild ausgewildert. Am Beispiel des Sikawilds zeigt sich, welche Fragen heute für die Haltung und den Umgang mit gebietsfremden Arten entstehen.
Teil 2 der Artikelserie „Neue Arten in Österreich“
Damwild, Sikawild, Muffelwild
Für die Jagd nach Österreich gebracht
Damwild: Vom Gatter in die freie Wildbahn
Das Damwild (Dama dama) hat eine lange europäische Geschichte. Vor der Eiszeit kam es hier natürlich vor; bereits die Römer brachten Tiere aus kleinasiatischen Rückzugsgebieten wieder nach Europa. In Österreich wurde Damwild seit dem Mittelalter für die Gatterhaltung angesiedelt. Immer wieder entkamen Tiere und bildeten kleinere freilebende Populationen. Zu seiner Einführungsgeschichte gehören damit sowohl die gezielte Ansiedlung als auch das Entweichen aus Gehegen.
Quelle: Englisch, H. (2002): Säugetiere (Mammalia).
In: Essl, F. & Rabitsch, W.: Neobiota in Österreich.Umweltbundesamt, Wien, S. 214–221.
Sikawild: Aus Ostasien nach Niederösterreich
Das Sikawild (Cervus nippon) stammt aus Ostasien und wurde im 19. Jahrhundert nach Europa eingeführt. In Österreich wurde es 1907 in Niederösterreich nördlich der Donau als Jagdwild ausgewildert. Im gefleckten Sommerfell ähnelt es dem Damwild, die Hirsche tragen jedoch ein Stangengeweih. Sikawild kann sich mit Rotwild kreuzen – eine Eigenschaft, die bei der Bewertung seiner Einführung eine wichtige Rolle spielt. Für Österreich waren solche Kreuzungen laut der Übersicht des Umweltbundesamts von 2002 jedoch nicht nachgewiesen.
Quelle: Englisch, H. (2002): Säugetiere (Mammalia).
In: Essl, F. & Rabitsch, W.: Neobiota in Österreich.Umweltbundesamt, Wien, S. 214–221.
Muffelwild: Über die Mittelmeerinseln nach Wien
Beim Muffelwild fallen besonders die eingerollten Hörner der Widder auf. Nach der historischen Übersicht des Umweltbundesamts wurden um 1730 Tiere aus Sardinien als Zootiere nach Wien gebracht und später auch in Lainz in Gattern gehalten. Weitere Auswilderungen als Jagdwild führten zu Vorkommen außerhalb der Gatter. Die österreichische Verbreitung dieser Wildschafe ist damit wesentlich durch menschliche Ansiedlungen geprägt.
Quelle: Englisch, H. (2002): Säugetiere (Mammalia).
In: Essl, F. & Rabitsch, W.: Neobiota in Österreich.Umweltbundesamt, Wien, S. 214–221.
Weißwedelhirsch: Die damaligen Bestände erloschen um 1930
Auch der nordamerikanische Weißwedelhirsch gehört zu dieser Vorgeschichte: Er wurde um 1870 in Niederösterreich angesiedelt. Die damaligen österreichischen Bestände erloschen um 1930 wieder. Nicht jede Einführung führte also zu einem dauerhaften Vorkommen.
Quelle: Englisch, H. (2002): Säugetiere (Mammalia).
In: Essl, F. & Rabitsch, W.: Neobiota in Österreich.Umweltbundesamt, Wien, S. 214–221.
Sikawild: Diskussion um die weitere Haltung
Sikawild wurde 1907 in Niederösterreich aus jagdlichen Gründen ausgewildert. Seit dem 7. August 2025 steht der Sikahirsch auf der EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung, der sogenannten Unionsliste. Die Aufnahme erfolgte durch die Durchführungsverordnung (EU) 2025/1422.
Juni 2026: JAGD ÖSTERREICH fordert Ausnahmen
Am 30. Juni 2026 sprachen sich JAGD ÖSTERREICH und die Österreichische Wildtierstiftung gegen die Tötung tausender in Österreich gehaltener Sikahirsche aus und unterstützten die betroffenen Farmwildhalter. Präsident Anton Larcher forderte Ausnahmeregelungen. JAGD ÖSTERREICH verwies dabei auf die aus seiner Sicht geringe Bedeutung der österreichischen Freilandvorkommen für das heimische Rotwild. Die Landesjägermeisterkonferenz unterstützte Ausnahmeanträge betroffener Betriebe unter der Voraussetzung, dass Farmtiere sichtbar und dauerhaft mit Ohrmarken gekennzeichnet werden.
September 2026: Österreich reicht Ausnahmeantrag ein
Am 30. September 2026 reichte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig bei der Europäischen Kommission den österreichischen Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung für die Sikawildhaltung ein. Wie der Bauernbund am 1. Oktober mitteilte, umfasst dieser 203 Betriebe. Vorbereitet wurde der Antrag gemeinsam mit dem Verband der Wildtierhalter, der Landwirtschaftskammer Österreich und den zuständigen Bundesländern. Ziel ist, die weitere Haltung auf diesen Betrieben rechtssicher zu ermöglichen.
Die Entscheidung liegt bei der Europäischen Kommission.
Laut Bauernbund-Aussendung vom 1. Oktober 2026 wurde eine abschließende Entscheidung bis Jahresende erwartet. Die Einreichung des Antrags bedeutet noch keine erteilte Ausnahmegenehmigung.
Was das für die Jagd bedeutet
Die Jägerschaft hat in dieser Frage drei Rollen — und eine Vorgeschichte.
Die Vorgeschichte betrifft die Rolle der Jagd als Mitverursacherin:
- Muffelwild wurde seit Beginn des 19. Jahrhunderts im ganzen Bundesgebiet als Jagdwild freigesetzt;
- Damwild entkam seit dem Mittelalter immer wieder aus Gattern;
- Sikawild wurde 1907 in Niederösterreich nördlich der Donau ausgewildert.
Die drei gebietsfremden Hirscharten Österreichs — Damwild, Sikawild und der inzwischen wieder verschwundene Weißwedelhirsch — wurden „alle aus jagdlichen Erwägungen freigesetzt“ – Quelle: Neobiotia in Östereich (S. 214-221)
Das Sikawild steht seit August 2025 auf der Unionsliste.
Zwischen Ansiedlung und Listung liegen Jahrzehnte, in denen sich nicht die Art verändert hat, sondern der Kenntnisstand — und die Bewertung, die daraus folgt. Diese Revidierbarkeit ist kein Mangel, sondern ein Wesensmerkmal wissenschaftlicher Erkenntnis. Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, dass die Bewertung gebietsfremder Arten nicht ausschließlich eine Frage naturwissenschaftlicher Fakten ist. Wissenschaft kann Auswirkungen wie die Hybridisierung, Veränderungen von Lebensräumen oder Konkurrenz erfassen und deren Ausmaß untersuchen.
Wie schwer solche Effekte gewichtet werden und ab welchem Punkt sie als so problematisch gelten, dass regulatorische Maßnahmen gerechtfertigt erscheinen, enthält jedoch auch eine normative Komponente. Gerade dort, wo Auswirkungen regional unterschiedlich ausgeprägt oder mit Unsicherheiten behaftet sind, können deshalb auch unterschiedliche Bewertungen entstehen.

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Bildquellen für diesen Beitrag: © Pixabay, Pexels
Autor für diesen Beitrag: D. Damay / TJV, M. Landbauer / Jagdfakten.at
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