FIWI - Fit für die Wildtierforschung der Zukunft: Jagdfakten.at informiert
V.l.n.r.: Matthias Gauly, Rektor der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und
Forschung Eva-Maria Holzleitner und Geschäftsführerin der BIG Christine Dornaus. Foto: Dominik Kiss / Vetmeduni

Neubau und Generalsanierung am FIWI

Am bestehenden Standort des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) am Wiener Wilhelminenberg wird das größte Infrastrukturprojekt der Institutsgeschichte umgesetzt:

Der Standort wird um ein modernes Labor-, Forschungs- und Lehrgebäude erweitert, erhält eine nachhaltige Energieversorgung und wird anschließend durch die Generalsanierung des Bestandsgebäudes weiter modernisiert. Die Bauarbeiten laufen seit März 2026, die Fertigstellung des Neubaus samt Übersiedlung ist für das Frühjahr 2028 vorgesehen. Institutsleiterin Univ.-Prof. Dr. Claudia Bieber erklärt, welche Chancen der Neubau für Forschung, Lehre und Wildtiermedizin eröffnet – und wie der Institutsbetrieb während der Bauarbeiten weitergeführt wird.

FIWI –
Fit für die Wildtierforschung der Zukunft

Das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, kurz FIWI, erforscht die Bedürfnisse und das Verhalten von Wildtieren in ihren ökologischen Zusammenhängen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse schaffen wichtige wissenschaftliche Grundlagen für den Natur-, Arten- und Umweltschutz sowie für die nachhaltige Nutzung von Landschaften.

Am Wilhelminenberg ist neben dem FIWI auch das Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) angesiedelt. Beide Institute werden künftig Räumlichkeiten im neuen Gebäude für Forschung, Lehre und wissenschaftlichen Austausch nutzen. In einer ersten Bauphase entsteht das neue Labor-, Forschungs- und Lehrgebäude. Danach wird das bestehende FIWI-Gebäude generalsaniert.

„Für unser Institut ist das tatsächlich ein Jahrhundertprojekt – und eine große Chance, den Forschungsstandort am Wilhelminenberg für die kommenden Jahrzehnte weiterzuentwickeln“, sagt FIWI-Leiterin Univ.-Prof. Dr. Claudia Bieber.

Univ. Prof. Dr. Claudia Bieber, vetmeduni - Im Gespräch mit Jagdfakten.at
Univ. Prof. Dr. Claudia Bieber, Foto: © Thomas Suchanek, Vetmeduni
FIWI - Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie wird generalsaniert: Jagdfakten.at informiert
Baustelle FIWI, Foto: © Thomas Suchanek
FIWI - Neubau und Generalsanierung: Jagdfakten.at informiert
Baustelle FIWI, Foto: © Thomas Suchanek

Die Geschichte des Intstituts –
vom Stadtzentrum auf den Wilhelminenberg

Das FIWI wurde 1977 gegründet und war zunächst in Räumlichkeiten auf dem damaligen Gelände der Veterinärmedizinischen Universität Wien in der Linken Bahngasse untergebracht. Seit der Eröffnung des Institutsgebäudes und des rund 45 Hektar großen Forschungsareals im Jahr 1982 ist das FIWI am Wilhelminenberg beheimatet. Der Standort bietet besondere Voraussetzungen, um Wildtiere, ihr Verhalten und ihre Anpassungen unter wissenschaftlichen Bedingungen zu untersuchen.

2027 feiert das FIWI sein 50-jähriges Bestehen. Das aktuelle Bauprojekt markiert damit einen weiteren bedeutenden Entwicklungsschritt in der Geschichte des Instituts.

Warum die Infrastruktur erweitert wird

 

Seit mehr als vier Jahrzehnten ist das FIWI am Wilhelminenberg beheimatet. Seither haben sich die Methoden der Wildtierforschung ebenso weiterentwickelt wie die technischen und sicherheitsrechtlichen Anforderungen an moderne Labore. Moderne Laborgeräte stellen heute etwa an Stromversorgung, Klimatisierung, Gasanschlüsse und Sicherheit deutlich höhere Anforderungen.

Gleichzeitig hat der intensive Forschungsbetrieb über die Jahrzehnte Spuren am Bestandsgebäude hinterlassen. Die Modernisierung und Erweiterung schafft daher die infrastrukturellen Voraussetzungen, um die Forschung am Wilhelminenberg langfristig weiterzuentwickeln.

Eine neue Verbindungsbrücke wird Neubau und Bestand künftig miteinander verbinden. Dadurch ist ein direkter Wechsel zwischen den Gebäuden möglich, ohne den Weg über Außenbereiche nehmen zu müssen.

Labore, Büros und Räume für die Lehre

Auf mehr als 1.900 Quadratmetern entsteht ein multifunktionales Universitätsgebäude mit modernen Labor-, Büro- und Lehrlächen. Im Erdgeschoss sind unter anderem Chemielabore, Räume für die Lehre und ein Mehrzwecksaal vorgesehen. Im ersten Obergeschoss werden Genetiklabore und Büros untergebracht, ergänzende Tierhaltung-, Labor- und Technikflächen befinden sich im Untergeschoss.

Künftig stehen unter anderem zur Verfügung:

  • Labore für Physiologie, Genetik und Chemie
  • ein S2-Labor für Arbeiten mit erhöhten Sicherheitsanforderungen
  • spezialisierte Klimakammern
  • moderne Büroräume
  • Räume für Lehrveranstaltungen und Seminare
  • ein Mehrzwecksaal
  • zusätzliche Labor- und Technikflächen

Fit für die Wildtierforschung der Zukunft: Damit erhält der Forschungsstandort Wilhelminenberg nicht nur mehr Platz. Die neuen Räume ermöglichen auch Untersuchungen, die mit der bestehenden Infrastruktur nur eingeschränkt durchführbar sind.

Holzbau und Labore bis ins Detail geplant

Der weitgehend in Holzbauweise errichtete Neubau erforderte eine besonders präzise Planung. Da die Bauelemente zu einem großen Teil vorgefertigt und teilweise bereits mit Fenstern und technischen Installationen angeliefert werden, mussten die spätere Nutzung der Räume und sämtliche Anschlüsse frühzeitig feststehen. „Holz verzeiht keine nachträglichen Stemmarbeiten. Deshalb musste jede Steckdose, jede Leitung und jede technische Installation bereits lange vor Baubeginn exakt festgelegt werden“, erklärt FIWI-Leiterin Claudia Bieber.

Besonders aufwendig war die Planung der Labore. „Wir haben Hunderte Geräte vermessen und jedes einzelne hinsichtlich Strombedarf, Gasversorgung und Platzbedarf aufgelistet. Ziel war es, die neuen Labore exakt auf unsere Arbeitsabläufe abzustimmen“, berichtet Bieber. Auch Abzugssysteme, Klimatisierung, Beleuchtung und die Anordnung der Arbeitsplätze wurden berücksichtigt. Bestimmte Versuche erfordern genau festgelegte Licht-, Temperatur- oder Feuchtigkeitsbedingungen. Bei der Altersbestimmung anhand von Zahnschliffen wiederum braucht es geeignete Arbeitsplätze, um Mitarbeiter:innen vor der Staubentwicklung beim Schleifen der Kiefer zu schützen.

Mit Ausnahme von Keller und zentralen Erschließungsbereichen wird das Gebäude weitgehend aus Holz errichtet. Die Obergeschosse erhalten Holzdecken, Holzwände und eine Holzfassade. So soll sich der hoch technisierte Laborbau zugleich harmonisch in die grüne Umgebung des Wilhelminenbergs einfügen.

FIWI - Neubau und Generalsanierung: Jagdfakten.at informiert
Baustelle FIWI (Ende Mai 2026) Foto: Michaela Landbauer
FIWI - Neubau und Generalsanierung: Jagdfakten.at informiert
Baustelle FIWI, Foto: © Thomas Suchanek
FIWI - Fit für die Wildtierforschung der Zukunft: Jagdfakten.at informiert
Baustelle FIWI (Ende Mai 2026) Foto: Michaela Landbauer

Geothermie für den gesamten Standort

Auch die Energieversorgung am Wilhelminenberg wird neu aufgestellt. Künftig sollen sowohl der Neubau als auch das bestehende Institutsgebäude über Geothermie mit Wärme versorgt werden.

Nach Angaben von Claudia Bieber sind dafür insgesamt 40 Erdsonden verlegt worden, die bis zu 165 Meter tief in den Untergrund reichen. Die kompakte Bauweise des Neubaus soll den Energieverbrauch zusätzlich reduzieren. Gemeinsam mit der weitgehenden Holzbauweise unterstreicht die Geothermie die nachhaltige Ausrichtung des Bauprojekts.

Forschung und Tierhaltung während der Bauarbeiten

Der felsige Untergrund des Wilhelminenbergs stellt die Bauarbeiten vor besondere Herausforderungen. Für Fundamente, Keller und Geothermiesonden sind schwere Bohrgeräte notwendig, die den Fels schrittweise aufbrechen.

Gleichzeitig läuft der Forschungsbetrieb am Standort weiter.
Lärm und Erschütterungen werden daher laufend beobachtet, um ihre Auswirkungen auf wissenschaftliche Untersuchungen und die unmittelbar angrenzenden Tierhaltungen möglichst gering zu halten. Da für den Neubau bestehende Gehege weichen mussten, genehmigte die Vetmeduni Ersatzanlagen auf dem Gelände des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV). Dies umfasst einige große Volieren, in denen unterschiedliche Tierarten für Forschungsarbeiten gehalten werden können.

Die Tierhaltung wurde für die Dauer der Bauarbeiten insgesamt reduziert. „Hasen haben wir derzeit beispielsweise keine. Wenn die neuen Möglichkeiten zur Verfügung stehen, wollen wir aber wieder voll in die Tierhaltung einsteigen – unter anderem sind neue Projekte mit Rebhühnern geplant“, lässt Claudia Bieber wissen.

Das Rotwild reagiert auf die Bauarbeiten dagegen auffallend neugierig, wie die Institutsleiterin mit einem Augenzwinkern berichtet: „Die Tiere kommen bis an den Zaun, um das Geschehen auf der Baustelle zu beobachten. Auch unsere Winterschläfer lassen sich von Lärm und schweren Maschinen bislang nicht beeindrucken.“

Der Zeitplan

Der symbolische Spatenstich für das Bauvorhaben fand am 26. September 2025 statt. Die Bohrungen für die Geothermiesonden und die Erdarbeiten begannen im März 2026.

Die Fertigstellung des Neubaus einschließlich der Übersiedlung ist nach aktuellem Stand für das Frühjahr 2028 vorgesehen. Noch parallel dazu beginnt die zweite Bauphase mit der umfassenden Sanierung des bestehenden FIWI-Gebäudes.

Das Bauprojekt auf einen Blick:

  • Standort: Wilhelminenberg in Wien Ottakring
  • Nutzung des Neubaus: FIWI und Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung
  • Symbolischer Spatenstich: September 2025
  • Beginn der Erd- und Geothermiearbeiten: März 2026
  • Fläche des Neubaus: rund 1.900 Quadratmeter
  • Energieversorgung: Geothermie mit 40 Erdsonden bis zu 165 Meter Tiefe
  • Fertigstellung des Neubaus: voraussichtlich Frühjahr 2028
  • Teilweise überlappend: Generalsanierung des bestehenden FIWI-Gebäudes

Nach dem Neubau folgt die Generalsanierung:

Neben der Fertigstellung und dem Bezug des Neubaus läuft bereits die zweite Bauphase. Das bestehende, denkmalgeschützte Institutsgebäude wird umfassend saniert: Unter anderem werden die Leitungen und die technische Infrastruktur erneuert sowie die Räumlichkeiten an heutige Anforderungen angepasst. Die Planung und Umsetzung dieser Sanierung wird in 2027 starten.

Was die neue Infrastruktur ermöglicht

Spezialisierte Klimakammern ermöglichen künftig kontrollierte Untersuchungen dazu, wie Wildtiere auf steigende Temperaturen, veränderte Luftfeuchtigkeit und andere Folgen des Klimawandels reagieren, erklärt Institutsleiterin Claudia Bieber. „Noch müssen wir für die Realisierung aber eine Finanzierungslücke schließen, da die Kosten dieser Klimakammern seit der Planung sehr gestiegen sind.“

Auch genetische, physiologische und ökologische Daten können noch enger miteinander verknüpft werden. Dazu zählen etwa Bewegungsdaten, die mithilfe von Sendern erhoben und mit physiologischen Messwerten kombiniert werden. Davon profitieren unter anderem die Bewegungsökologie sowie die Erforschung der Auswirkungen von Klima- und Umweltveränderungen auf Wildtiere.

„Am FIWI verbinden wir Grundlagenforschung mit angewandten Projekten, um ökologischen Herausforderungen wie dem Verlust der Biodiversität oder dem Klimawandel zu begegnen“, erklärt Bieber.

„Neubau und Sanierung des FIWI werden uns dabei helfen, unsere Arbeit auf höchstem Niveau fortzusetzen und neue Erkenntnisse in der Wildtierforschung zu gewinnen.“

Ein Standort für die Wildtierforschung der Zukunft

Das FIWI und seine Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind mit ihren Studien bereits heute international anerkannt und in weltweite Forschungsnetzwerke eingebunden. Der Neubau und die anschließende Generalsanierung schaffen die räumlichen und technischen Voraussetzungen, um diese Position weiter auszubauen und die internationale Zusammenarbeit zu stärken.

UNSERE
LESE-EMPFEHLUNG

JAGD ÖSTERREICH-Interview mit FIWI-Institutsleiterin Univ.-Prof. Dr. Claudia Bieber

Quellen für diesen Beitrag:  FIWI-Jahresbericht 2025   |   Presseinformation – Baustart   |  Presseinformation – Bundesimmobiliengesellschaft

Bildquellen für diesen Beitrag: © Thomas Suchanek Vetmeduni | © Dominik Kiss | © Michaela Landbauer & Johanna Egger Jagdfakten.at
Autorin für diesen Beitrag: Michaela Landbauer / Jagdfakten.at

DIESEN
BEITRAG TEILEN