Waldboden mit Eicheln - Mastjahre im Wald: Jagdfakten.at informiert

Was viele Eicheln und Bucheckern für Wildtiere bedeuten

Im Herbst füllt sich der Wald noch einmal mit energiereicher Nahrung.
Besonders Mastjahre können für Wildtiere einen entscheidenden Unterschied machen – und verändern damit auch die Spielregeln für die Jagd.

MASTJAHRE
im Wald

Langsam färbt sich der Wald in allen möglichen Herbstfarben. Sie sind der unverkennbare Vorbote der Winterzeit, in der die Natur sich langsam schlafen legt – zumindest wirkt es auf den ersten Blick so. Fest steht: Im Herbst geschieht im Wald mehr als nur ein farbenfroher Verwelkungsprozess. Bäume und Waldböden verwandeln sich noch einmal in eine energiereiche Futterquelle: Eicheln, Bucheckern und allerhand Wildobst machen den Wald zu einer Art kulinarischem Schlaraffenland für unser Wild. Mit nicht zu unterschätzenden Folgen für die Jägerschaft:

  • Was bedeutet das genau?
  • Und verhält es sich jedes Jahr gleich?
Bucheckern - Mastjahre im Wald: Jagdfakten.at informiert
Bucheckern
Schwarzwild, Mastjahre: Jagdfakten.at informiert
Schwarzwild
Waldboden mit Eicheln - Mastjahre im Wald: Jagdfakten.at informiert
Waldboden mit Eicheln

Was genau sind Mastjahre?

Wie reich das Herbstbuffet ausfällt, unterscheidet sich von Jahr zu Jahr. In sogenannten Mastjahren produzieren viele Bäume einer Art weitgehend gleichzeitig besonders große Mengen an Samen. Eine starke Blüte im Frühjahr kann darauf hindeuten, garantiert aber noch keine reiche Samenproduktion im Herbst: Spätfröste, Trockenheit oder Hagel können diese erheblich beeinträchtigen.

  • Nach Angaben des Bundesforschungszentrums für Wald haben sich die Abstände zwischen Mastjahren bei europäischen Waldbaumarten verkürzt. Der Klimawandel dürfte dabei eine Rolle spielen.

  • In Österreich sind dabei vor allem Buche und Eiche von Bedeutung, aber auch Fichte und Esche können besonders starke Blüh- und Samenjahre haben.

Das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) beobachtete beispielsweise 2022 bei Buche, Eiche, Esche und Fichte eine besonders starke Blühaktivität. Warum Bäume ihre Samenproduktion derart stark schwanken lassen, ist nicht vollständig geklärt. Sicher ist aber: Die Produktion großer Samenmengen kostet Energie. Für das Wild bedeutet ein Mastjahr dagegen vor allem eines: sehr, sehr viel Nahrung auf einmal. Und genau das hat große Auswirkungen auf die Wildbestände, die Nahrungskette – und letztlich eben auch auf die Jagd.

Was bedeuten Mastjahre
für das Rehwild, Rotwild und Schwarzwild?

 

Bucheckern und Eicheln sind energiereich und deshalb für zahlreiche Wildarten attraktiv.

Reh- und Rotwild profitieren von einem reich gedeckten Herbstwald. Rehe wählen bevorzugt Kräuter, Knospen, Blätter und wenig verholzte Triebe. Rotwild nutzt ein breiteres Nahrungsspektrum, zu dem auch größere Anteile an Gräsern gehören. Beide Wildarten nehmen außerdem Fallobst und je nach Verfügbarkeit Eicheln und Bucheckern auf. Ein mastreicher Herbst erweitert damit auch für diese Wildarten das Nahrungsangebot und kann ihnen helfen, Energiereserven für den Winter aufzubauen.

Die Bedeutung der Mast ist für Reh- und Rotwild allerdings eine andere als für das Schwarzwild: Für sie ist die Baumfruchtmast nur ein Teil des insgesamt verfügbaren Herbstäsungsangebots. Beim Schwarzwild fällt dieser Zusammenhang deutlich stärker ins Gewicht. Eicheln und Bucheckern gehören zu seinen wichtigsten natürlichen Nahrungsquellen im Herbst, und bei einer guten Mast können Wildschweine große Mengen dieser energiereichen Nahrung aufnehmen. Dadurch können sie Körperreserven für den Winter aufbauen – und genau hier wird die Mast auch für die Populationsentwicklung interessant.

Welche Erkenntnisse liefert die Forschung?

Forschungen von Claudia Bieber und Thomas Ruf vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien zeigen, dass die Verfügbarkeit solcher Nahrungsressourcen für die Entwicklung von Schwarzwildbeständen von großer Bedeutung ist. Unter günstigen Bedingungen mit reichlicher Buchen- oder Eichenmast und milden Wintern können mehr Jungtiere überleben, was das Wachstum der Schwarzwildbestände begünstigt.

Ein gutes Nahrungsangebot kann außerdem dazu führen, dass junge weibliche Wildschweine früher das für die Fortpflanzung erforderliche Körpergewicht erreichen und bereits im ersten Lebensjahr an der Fortpflanzung teilnehmen. Die Mast kann somit sowohl das Überleben als auch die Fortpflanzung beeinflussen. Neben diesen Auswirkungen auf die Bestandsentwicklung kann sich auch die Raumnutzung verändern.

Welche Auswirkungen haben Mastjahre auf die Jagd?

Besonders beim Schwarzwild können sich Aktivität und Aufenthaltsbereiche stärker auf mastreiche Buchen- und Eichenbestände konzentrieren. Das kann die Bejagung an gewohnten Stellen verändern: Wo das natürliche Nahrungsangebot besonders groß ist, verlieren beispielsweise Kirrungen unter Umständen an Attraktivität. Gleichzeitig kann eine gute Mast dazu führen, dass Wildschweine länger im Wald bleiben und angrenzende landwirtschaftliche Flächen weniger aufsuchen – mit entsprechend anderen Voraussetzungen für die Wildschadenssituation.

Für die Jägerschaft bedeutet das vor allem eines: Ein Mastjahr verlangt genaues Beobachten. Nicht der bekannte Wechsel oder der vertraute Einstand allein entscheidet darüber, wo sich das Wild aufhält, sondern auch die Frage, wo im Herbst das Futter liegt.

Wer die Mast im Revier im Blick hat, kann deshalb besser einschätzen, wo sich das Wild konzentriert, wie sich seine Bewegungen verändern und welche jagdlichen Einrichtungen tatsächlich noch attraktiv sind. Ein Mastjahr – überhaupt das vermehrte Nahrungsangebot im Herbst – wirkt sich also nicht nur auf die Kalorienzufuhr unseres Wilds aus. Es entpuppt sich bei genauerer Betrachtung auch als entscheidender Parameter für die Jägerinnen und Jäger, die ihr Revier genauer kennenlernen wollen.