Goldschakal und Fasan: Zugewandert, eingeschleppt, zurückgekehrt - Wie sind diese Tierarten nach Österreich gekommen? Jagdfakten.at informiert

Goldschakal und Fasan:
Wie sind diese Tierarten nach Österreich gekommen?

Sind sie selbst zugewandert oder vom Menschen eingeführt? Der Goldschakal kam aus eigener Kraft nach Österreich, der Fasan wurde vom Menschen eingeführt. Ihre unterschiedlichen Geschichten zeigen, warum nicht alles, was neu erscheint, gebietsfremd ist – und nicht jede gebietsfremde Art invasiv.

Goldschakal und Fasan

Neue Arten in Österreich – Zugewandert, eingeschleppt, zurückgekehrt

Kaum ein Jahr vergeht ohne Meldungen über Arten, die in Österreich neu auftreten, sich ausbreiten oder nach langer Abwesenheit zurückkehren: der Goldschakal im Seewinkel, die Tigermücke in den Städten, der Wolf in den Alpen, der Waschbär in den Auwäldern und der Staudenknöterich an den Bächen.

In der öffentlichen Diskussion landen diese Fälle meist in einem Topf — und dabei werden sehr unterschiedliche Vorgänge vermischt. Eine Art kann durch den Menschen eingebracht worden sein, ihr Verbreitungsgebiet aus eigener Kraft erweitern oder nach früherer Ausrottung zurückkehren. Und selbst wenn eine Art gebietsfremd ist, heißt das noch lange nicht, dass sie auch invasiv ist.

Die Serie „Neue Arten in Österreich“ ordnet die für Österreich relevanten Arten nach den Begriffen der Invasionsbiologie ein — Tiere, Pflanzen und Pilze. Sie erklärt, was die Begriffe bedeuten, welche Arten unter welche fallen und welche Rolle die Jägerschaft dabei spielt: als Beobachterin, als Melderin und, wo das Recht es vorsieht, als Regulatorin.

Nicht alles, was neu ist, ist fremd. Nicht alles, was fremd ist, ist invasiv. Und manches, was heute neu erscheint, war früher schon heimisch.

Neozoon, Neophyt, invasiv — eine Einordnung

  • Neozoon: Eine Tierart, die durch menschlichen Einfluss nach 1492 in ein Gebiet gelangt ist, in dem sie zuvor nicht heimisch war.
    Die Einbringung kann absichtlich oder unabsichtlich erfolgen.

  • Neophyt: Eine Pflanzenart, die durch menschlichen Einfluss nach 1492 in ein Gebiet gelangt ist, in dem sie zuvor nicht heimisch war.
    Sie kann absichtlich eingeführt oder mit Waren eingeschleppt worden sein.

  • Invasiv: Eine gebietsfremde Art, deren Ausbreitung die heimische Artenvielfalt und Ökosysteme gefährdet.
    Nicht jedes Neozoon und jeder Neophyt ist invasiv.

  • Gebietsfremd bedeutet nicht automatisch invasiv: „Invasiv“ ist kein Synonym für „gebietsfremd“.
    Nach der >> EU-Verordnung ist eine gebietsfremde Art invasiv, wenn ihre Einbringung oder Ausbreitung die Biodiversität und die damit verbundenen Ökosystemdienstleistungen gefährdet oder beeinträchtigt — nicht, weil sie von anderswo stammt.

  • „Heimisch“ und „Wild“ sind Begriffe aus verschiedenen Systemen: Der eine ist ökologisch, der andere jagdrechtlich definiert. Eine Art kann Wild im Sinne des Jagdgesetzes sein, ohne heimisch zu sein — und umgekehrt.

Der Goldschakal kam aus eigener Kraft 

 

Wenn über den Goldschakal berichtet wird, fällt regelmäßig das Wort Neozoon. Das ist verständlich, aber nicht richtig — und an diesem kleinen Irrtum lässt sich gut zeigen, worauf es bei der Einordnung ankommt.

Der Goldschakal (Canis aureus) ist in Österreich seit 1987 nachgewiesen. Zwischen 1987 und 1995 wurden elf Nachweise dokumentiert, bis 2007 insgesamt siebzehn — durchwegs Einzeltiere, vermutlich Durchzügler. Die erste reproduzierende Gruppe wurde 2007 im Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel bestätigt, die zweite erst 2016; in der Saison 2016/17 kamen mindestens drei bis vier weitere dazu. Die Tiere stammen aus den Populationen Südosteuropas. Ungarische Quellen des 19. Jahrhunderts kennen die Art bereits als „Rohrwolf“; ob damals Tiere bis nach Österreich gelangten, ist unklar.

Quelle: European Journal of Wildlife Research

Goldschakal: Natürlich zugewandert statt vom Menschen eingeführt

Was die Geschichte des Goldschakals von der eines Neozoons unterscheidet, ist ein einziges Merkmal:

Niemand hat den Goldschakal hergebracht. Er hat sein Verbreitungsgebiet aus eigener Kraft erweitert. Fachliteratur und Europäische Kommission sind sich hier einig — die Art gilt weder als gebietsfremd noch als invasiv, und die >> EU-Verordnung über invasive gebietsfremde Arten findet auf sie keine Anwendung.

Das ist mehr als eine Frage der Terminologie. Ob die EU-Verordnung greift und welche Melde-, Präventions- oder Managementpflichten daraus entstehen, hängt an dieser Einordnung. Ob und unter welchen Bedingungen eine Art bejagt werden darf, richtet sich dagegen zusätzlich nach dem jeweils geltenden Jagd- und Naturschutzrecht. Der Goldschakal – der in mehreren Bundesländern dem Jagdrecht unterliegt, ohne gebietsfremd zu sein – zeigt diese Trennung. Die Einordnung selbst aber hängt am Weg.

Goldschakal: Zugewandert, eingeschleppt, zurückgekehrt - Wie ist er nach Österreich gekommen? Jagdfakten.at informiert

Der Fasan wurde vom Menschen eingeführt 

Beim Fasan (Phasianus colchicus) liegt die Sache anders: Er wurde vom Menschen eingeführt. Doch wie lange muss eine solche Einführung zurückliegen, damit eine Art nicht mehr als Neozoon bezeichnet wird?

Als Neozoen gelten Tiere, die in einem Gebiet nicht heimisch sind, nach 1492 unter direkter oder indirekter Mithilfe des Menschen dorthin gelangt sind und dort außerhalb menschlicher Obhut wild auftreten. Entsprechend eingebrachte Tiere, die schon vor diesem Jahr ankamen, heißen Archäozoen.

Die Begründung für das Datum liegt auf der Hand: Mit dem Beginn des transkontinentalen Handels nach der Entdeckung Amerikas nahm der Transport von Arten, absichtlich wie unabsichtlich, in einem Ausmaß zu, das es vorher nicht gab. Die Jahreszahl ist eine Konvention, keine biologische Grenze.

Entscheidend ist dabei nicht, wann eine Art erstmals kultiviert oder gehalten wurde, sondern wann sie außerhalb menschlicher Obhut wild auftrat — die Definition stellt auf das Wildleben ab, nicht auf die Haltung. Ob sie sich anschließend dauerhaft etablieren konnte, ist eine davon getrennte Frage.

Quellen: Umweltbundesamt – Neobiota in Österreich | Umweltbundesamt – Fachbegriffe

Der Fasan und seine lange & wechselvolle Einführungsgeschichte

Wie schwierig die zeitliche Einordnung im Einzelfall wird, zeigt der Fasan:

Das österreichische Standardwerk zu den Neobiota führt ihn als Neozoon — und vermerkt in derselben Tabellenzeile: „ev. Archaeozoon, seit dem 15. Jh. in Mitteleuropa, Einbürgerung zu jagdlichen Zwecken“. Neben dem Höckerschwan ist er dort das einzige weit verbreitete, etablierte Neozoon unter den Vögeln. In klimatisch günstigen Tieflagen hält er sich ohne Hege, seine heutige Häufigkeit aber ist

„eine Folge der nachhaltigen Hege und jährlichen Neuaussetzungen zu jagdlichen Zwecken“.
Quelle: Essl, F. & Rabitsch, W. (2002): Neobiota in Österreich

Die Uneinigkeit steht also in einer einzigen Zeile — und sie hat Gründe.
Die Einführungsgeschichte des Fasans ist komplexer, als vereinfachte Darstellungen vermuten lassen:

Die frühe Geschichte des Fasans in Britannien ist nicht abschließend geklärt. Die Bestimmung historischer Knochenfunde wird dadurch erschwert, dass Fasanenknochen mit denen des Haushuhns verwechselt werden können. Quelle: The birds of ancient Britain

Für Südosteuropa werden Einführungen südkaukasischer Fasane zwischen etwa 500 und 800 nach Christus genannt. Später kamen weitere Unterarten aus Zentral- und Ostasien hinzu, und die heutigen europäischen Bestände sind durch wiederholte Aussetzungen gezüchteter Vögel unterschiedlicher Herkunft geprägt. Quelle: Assessing the origin, genetic structure and demographic history of the common pheasant (Phasianus colchicus) in the introduced European range.

Die Zuordnung hängt davon ab, seit wann der Fasan im jeweiligen Gebiet infolge menschlicher Einführung wild vorkommt.

  • Archäozoon: Eine Tierart, die durch direkten oder indirekten menschlichen Einfluss bereits vor 1492 in ein Gebiet gelangt ist, in dem sie ursprünglich nicht heimisch war. Archäozoen wurden beispielsweise als Nutztiere eingeführt oder unabsichtlich eingeschleppt.

Fasan im Lebensraum Feldraine - Jagdfakten.at informiert

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Bildquellen für diesen Beitrag: © Pexels, Pixabay
Autor für diesen Beitrag: D. Damay/ TJV

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