13. November 2017

Neue Informationen über die Afrikanische Schweinepest in Tschechien

Neue (nicht beruhigende) Informationen über die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Tschechien
von Dr. Miroslav Vodnansky

Seit dem ersten Nachweis dieser extrem gefährlichen Seuche Ende Juni dieses Jahres bei tot aufgefundenen Wildschweinen im Bezirk Zlín in Mittelmähren – somit ist sie erstmals in unmittelbarer Nähe zu Österreich aufgetreten – besteht der Eindruck, dass es den tschechischen Behörden in Zusammenarbeit mit der örtlichen Jägerschaft bis jetzt gelungen ist, was anfangs kaum jemand geglaubt hatte. Es kam zu keiner weiteren Ausbreitung der Seuche und die Hausschweinezuchten und -haltungen blieben verschont.

Umso mehr Aufmerksamkeit erweckte der Direktor der Tschechischen zentralen Veterinärverwaltung mit seiner Mitteilung vom 3. November 2017, dass die Situation derzeit sogar viel schlimmer sei als beim Ausbruch der Seuche.

Nach dem Ausbruch der Seuche wurden folgende Maßnahmen getroffen: Das Gebiet des betroffenen Bezirks hat man in zwei Zonen eingeteilt, wobei die Gegend, in der die Seuche festgestellt wurde, zu einer verseuchten Zone mit hohem Seuchenrisiko („Rote Zone“) und das umliegende Gebiet zur verseuchten Zone („Grüne Zone“) erklärt wurden. Die „Rote Zone“ erstreckt sich auf etwa 59 km2 und wurde von der umliegenden „Grünen Zone“ zuerst mit Duftzäunen und danach mit Elektrozäunen abgegrenzt.

Maßnahmen
Innerhalb der „Roten Zone“ wurde vorübergehend ein Ausgehverbot für die Bevölkerung außerhalb der Siedlungsgebiete verhängt. Auf bestimmten landwirtschaftlichen Flächen wurde das Abernten der Ackerfruchten (bis zum Jahresende) untersagt. Das Ziel dieser Maßnahmen war, dem Schwarzwild maximale Ruhe zu sichern und somit seine Migration womöglich zu vermeiden. Zu dieser Strategie gehörte auch das vorübergehende Einstellen seiner Bejagung. Zuerst galt das Jagdverbot für den ganzen Bezirk und somit auch für die „Grüne Zone“, nach einigen Wochen nur für die „Rote Zone“. Die Aufgabe der örtlichen Jäger lag darin, das Gebiet nach verendetem Wild abzusuchen und diese sofort zu melden. Die tot aufgefundenen Stücke wurden alle auf ASP untersucht und unter strikter Einhaltung von Sicherheitsmaßnahmen entsorgt.

Pufferzonen
Außerhalb der beiden Zonen legte man eine ausgedehnte „Pufferzone“ von 8.500 km2 fest, in der eine besonders intensive Bejagung des Schwarzwildes verordnet wurde. Nach einigen Monaten wurde auch in der „Roten Zone“ die Bejagung und der Lebendfang der Wildschweine von speziell ausgebildeten Jägern eingeführt. In allen Zonen bekommen die Jäger für erlegte, gefangene oder tot aufgefundene Wildschweine einen finanziellen Betrag je nach Zone von 1.000 bis 4.000 CZK (umgerechnet etwa 40 bis 155 Euro).

Bis 10. November 2017 wurden in der „Roten Zone“ insgesamt 137 infizierte Wildschweine registriert. Außerhalb dieses abgegrenzten Gebiets – das heißt weder in der „Grünen Zone“ noch in der „Pufferzone“ – wurden infizierte Wildschweine festgestellt. Dabei wurden seit Ende Juni allein in der „Grünen Zone“ bis 10. November über 1.000 erlegte Wildschweine und in der „Pufferzone“ über 7.400 erlegte Wildschweine untersucht.

Trotzdem kann von keiner Beruhigung der Lage gesprochen werden. Im Gegenteil: In der verseuchten „Roten Zone“ scheinen trotz der hohen Ausfälle immer noch viele Wildschweine vorzukommen und in der ersten Woche im November stieg die Anzahl der positiv diagnostizierten Fälle wieder an. Mit fortschreitender Zeit besteht immer mehr die Gefahr, dass bei einigen angesteckten Wildschweinen die Infektion nicht so schnell verläuft und es werden auch Erkrankungen mit chronischem (das heißt: längerem, milderem und nicht immer tödlich endendem) Verlauf auftreten. Die chronisch erkrankten Tiere stellen ein besonders hohes Risiko für die weitere Verbreitung des Virus dar, da sie anders als bei einem akuten Verlauf auch über große Distanzen migrieren können. Im Herbst und im Winter ist diese Gefahr (u.a. wegen der Rausche) sogar noch höher als im Sommer.

So hat man zuletzt auf eine noch radikalere Maßnahme zurückgegriffen. Seit Ende Oktober werden in der „Roten Zone“ in 18 Jagdgebieten auch speziell geschulte Scharfschützen der Einsatzeinheiten der Tschechischen Polizei eingesetzt. Sie bejagen die Wildschweine aus den Hochsitzen in der Nacht mit Hilfe von Nachtzieloptik und Schalldämpfer. Ihr Einsatz ist vorläufig bis Jänner 2018 geplant. Eine weitere Maßnahme, über die jetzt gesprochen wird, sollte die Keulung der Hausschweine in der „Roten Zone“ sein.

Die Einführung solch radikaler Maßnahmen signalisiert, wie ernst die Situation weiterhin ist.

Bis jetzt konnte man nicht klären und es wird wahrscheinlich auch nie geklärt werden, wie die Seuche nach Tschechien gelangte. Ihre Einschleppung durch infizierte Wildschweine gilt nach wie vor als ausgeschlossen. Es wird vermutet, dass das Virus von Menschen im grenzüberschreitenden Verkehr über Hunderte Kilometer gebracht wurde. So ist es nur ein Zufall, dass die Seuche in Tschechien aufgetreten ist. Es kann jederzeit auch in Österreich ebenso wie in jedem anderen Land passieren. Ein begünstigender Faktor ist ein hoher Schwarzwildbestand, in dem sich das eingeschleppte Virus schnell vermehren und verbreiten kann. Das bestätigt auch die derzeitige Situation in dem Seuchengebiet in Tschechien. Erst jetzt kann man sich anhand der verfügbaren Daten ein Bild davon machen, wie hoch dort die Schwarzwildbestände sein mussten. Deshalb ist die rechtzeitige rigorose Regulierung des Schwarzwildes die wichtigste verbeugende Maßnahme.

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Jagd & Natur

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