
Was passiert unter der Schneedecke?
Der Wald braucht den Winter – und vor allem: Schnee. Was unspektakulär klingt, könnte bald zu einem großen Problem werden, denn: Die Winter werden immer wärmer, der Schnee wird immer weniger. Wie der Winterwald dennoch gerettet werden kann und warum die Jägerschaft dabei eine elementare Rolle einnimmt.
UNTER DEM SCHNEE
Kein Vogelgezwitscher. Keine rauschenden Baumkronen. Kein Geruch von Harz. Und schon gar keine Mountainbiker oder Wanderer, denen man ausweichen muss. Der Wald im tiefsten Winter wirkt auf den ersten Blick, als liege er im Winterschlaf. Standby. Alles aus. Doch unter der Schneedecke passiert Erstaunliches. Und gerade in dieser kalten Jahreszeit tankt der Wald neues Leben. Bestenfalls, muss man sagen. Denn der Winter macht dem Wald immer mehr zu schaffen. Mit Folgen, die in den kommenden Jahrzehnten verheerend sein könnten:
- Warum genau?
- Welche Art von Winter hat die Natur in unseren Breiten für einen gesunden Wald vorgesehen?
- Und was bedeutet das alles für die Jägerschaft?
Weniger Schnee durch den Klimawandel
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Natürlich geht es im Winterwald ruhiger zu als im Frühling oder Sommer. Viele Waldbewohner halten ja tatsächlich ihren Winterschlaf: Igel, Siebenschläfer, Mäuse, Eidechsen und viele mehr. Die meisten davon ziehen sich dafür unter die Schneedecke zurück. Hier fühlen sie sich am wohlsten – und genau hier beginnt die Fachwelt, sich Sorgen zu machen, denn: Durch die Klimaerwärmung beginnt die Sache mit dem Schnee zu bröckeln. Das heißt:
Durch die steigenden Temperaturen werden die Winter immer milder, was wiederum weniger Schnee und mehr Probleme bedeutet. Warum genau? Beginnen wir mit dem Wichtigsten, dem sogenannten „subnivalen Klima“: Das ist eine faszinierende Sache. Die „subnivale Zone“ entsteht im Luftraum zwischen Boden und Schneedecke. Dort herrschen erstaunlich stabile Bedingungen: Die Schneedecke wirkt wie eine Isolierung, sodass die Temperatur meist knapp um den Gefrierpunkt bleibt, selbst wenn es draußen stark abkühlt. Wind und Temperaturspitzen dringen kaum durch. Davon profitieren Boden und Tiere gleichermaßen.
Wenn der Schnee warmhält
Für Kleintiere wie Mäuse, Lemminge oder Spitzmäuse ist dieser Bereich überlebenswichtig: Sie finden Schutz vor Feinden, bauen Tunnel und Nester und können dank der Wärme isoliertes Futter erreichen. Die subnivale Zone ist für unsere Wälder elementar: Dadurch, dass die erwähnten Kleintiere einen Rückzugsort vorfinden, stabilisieren sie die langfristige Nahrungskette im Wald – schließlich dienen sie im Frühjahr als wichtige Beute für größere Tiere. Gleichzeitig schützt die isolierende Schneeschicht Insekten, Bodenorganismen, Pflanzenwurzeln und Samen vor Frost und erhält so Bestäubung, Zersetzung und Regeneration.
Ja, tatsächlich: Ausgerechnet der Schnee hält das Bodenleben warm! Ohne ihn fehlt dem Waldboden bei kalten Temperaturen gewissermaßen die Decke. Und die braucht er dringend, denn selbst in milden Wintern ohne durchgehende Schneeschicht fallen die Temperaturen regelmäßig auf bis zu −10 °C oder tiefer. Die Folgen sind, wie man immer deutlicher beobachtet, verhängnisvolle Ausfrierungen des Bodens. Heißt: Die vielen Mikroorganismen sterben, was fatale Folgen für den Kohlenstoff- und Nährstoffkreislauf im Wald haben kann. Was also tun? Oder müssen wir akzeptieren, dass der Wald in Zukunft der Klimaerwärmung einfach ausgeliefert ist? Nein, es gibt sehr wohl Lösungen. Und die Jägerschaft ist elementarer Teil davon.
Kein zukunftsfitter Wald ohne Jägerinnen & Jäger
Das Schlüsselwort lautet: Vielfalt. Nehmen wir etwa die Mischwälder. Diese sind erwiesenermaßen stabiler als Monokulturen, weil verschiedene Baumarten unterschiedlich auf Frost, Trockenheit und Schädlinge reagieren. Außerdem sollte Totholz im Wald belassen werden, da es Feuchtigkeit speichert und Lebensräume für Pilze, Mikroorganismen und Bodenfauna bietet. Da der Boden möglichst ungestört bleiben sollte, ist eine schonende Forstwirtschaft im Winter besonders sinnvoll.
Und nun zu den Jägerinnen und Jägern: Als besonders zukunftsträchtig gilt die natürliche Verjüngung von Bäumen mit standortgerechten Arten, die an die jeweiligen Boden- und Klimabedingungen angepasst sind. Nur: Dafür braucht es eine Regulierung von Wildbeständen, damit die jungen Bäume ungestört wachsen können. Der klimafitte Wald der Zukunft – er braucht die Jägerschaft mehr denn je. Wie die Spitzmäuse und Lemminge die Schneedecke, könnte man hinzufügen.
UNSERE
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Winterschlaf, Winterruhe oder Winterstarre?
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Bildquellen für diesen Beitrag: © Pixabay
Autor für diesen Beitrag: L. Palm / Jagdfakten.at
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